Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 27 (18.7.1890)
- Date
- 1890-07-18
- Page
- Seite 367 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3227825-3227853--47210-3268718- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
367 ob ich ein ahme an solchen zu -Harren; energisch!te, ohne zutheilen, n Bahn Öfen und den ich i, die zur ahnhöfe» gert war. lerichtetc» iir führte , von den ngstlicher, wweigerte verdenken Verbann aung, zu >ar, mich ls ob ein und doü> hen war. her nichi cs vor n an den n nur so >t Jesaia; igsten ist: in Dein nenne da. nrkeit für kennen z» meinde sa Heymann >e Letztere inn war. ,en: ns* m irre ischen öl; chaft nichi Lehrer - im Eng mng. ine ersten ier mag ne streng :n Haus- Ihren Berlin ini erer Alten. Wie mag an; Versehen >eauftragt, ihn wegen dann aus dein Wege mit zum Dr. Zunz, um ihn zu einem Abendessen einznladen. Das Biädchen aber verwechselte ihren Auftrag und befragte diesen wegen des Huhns, während sie jenen zum Mahle laden wollte. Natürlich durchschaute Zunz, zu dem sie zuerst gegangen war. die Verwechslung bald und wies das Mädchen zurecht. Doch wieder auf meine Schüler zurückzukommen. Mein zweiter oder vielmehr mein erster männlicher war der damalige erst vierzehnjährige Sekundaner Hinschius, jetzt ordentlicher Professor der Kirchengeschichte in Berlin, an dessen Vater, den Justizrath, ich eine Empfehlung vom pamaligen Professor Heymann in London mitgebracht hatte. Auch iu diesem Hause genoß ich die gastlichste Aufnahme. Damals wußte inan nichts von Antisemitismus: da gab es keine Familienfestlichkeit,;! der ich nicht geladen wurde, wie ich auch bei der Weihnachtsicheerung nicht fehlen durfte. Dort traf ich auch häufig die zu ner Zeit äußerst populäre (nicht „furchtbare", wie es in einem uiir einst zugesandten Autographenkatalog berühmter Männer und trauen hieß, sondern fruchtbare) dramatische Schriftstellerin Charlotte birch-Pfciffer und deren jugendliches Töchterchen Minna, die nachmals! -rühmt gewordene Frau Wilhelmine von Hillern, die Freundin des ,'räulcin Hinschius, welche bald nachher nebst ihrem Vater ebenfalls >einem englischen Unterricht ihres Bruders theilnahm. Auch sie, die! rühmtere Tochter der berühmten Mutter, hat mir, ich bin stolz, es :a sagen, eine freundliche Erinnerung aus jener Zeit bewahrt und lei Gelegenheit,;u erkennen gegeben. Gleich freundliche und gastliche Aufnahme wurde mir auch in ruderen christlichen Familien zu Theil; nirgends war auch nur die! iseste Spur von Judenhaß zu bemerken. Waren ja doch auch die teidcn Konfessionen durch ehrliche und Freundschaftsbande erst vielfach! nt einander verschlungen und erinnerte noch vieles an jene Zeit, n'o jüdische Frauen tonangebend in Berlin waren. Zu meinen christi d)cn Schülern gehörte u. A. ein Verwandter der Rahel; im Hause des mit einer Gattin jüdischer Abkunft vermählten Professors Heyse u iuöc mir der damals 19jährige ebenso schöne und blühende, wie! ofsnnngsreiche Sohn desselben, der seitdem berühmt gewordene Paul, als Student vorgestellt. i Wiederum nenne ich unter den jüdischen Familien, wo ich ent-! nieder eingeführt war oder Unterricht gab, in erster Linie die Alexander! Mendelssohns, wo die feinste christliche Gesellschaft verkehrte; die j Ferdinand Reichenheim'sche, die Burg'sche, wo ich Gelegenheit hatte,! oe» vor noch nicht allzu langer Zeit verstorbenen Major Burg persönlich kennen zu lernen — wo giebt es jetzt im preußischen Heere tiitm Major oder auch Lieutenant? — die Nickelshöfer'sche und — Gm last. 110t least — die Steinschneider'sche, in denen allen mir geistige Genüsse neben den materiellen in Fülle geboten wurden. Diese geistigen Genüsse, nukrimeiitnm Spiritus (wie die iieberschrift über dein Bibliotheksportal in Berlin lautet), die mir in so reichem Maße dort geboten wurden, daß meine Stimmung eine gehobenere war als je zuvor, gehobener selbst bei Weitem uis die, welche ich in den ersten Tagen nach meiner Ankunft m London empfand, nachdem ich mich von den drückenden, von der nvlizeiherrschaft beengten und für die in den Fesseln der Rechtsteschränkungen aller Art schmachtenden Juden höchst peinlichen Verhältnissen erlöst fand und die freie Luft des politisch wenigstens 'niesten Landes Europas athmete, sind es eben, die mich besonders N»n Niederschreiben dieser Erinnerungen bestimmten und auf die ich ictzt überzugehen beabsichtige. Das wahre Leben ist doch nur das geistige, und deshalb sind die Erinnerungen an dieses am lebhaftesten und unauslöschlich! Doch zur Sache. Von meiner flüchtigen Berührung mit Einem aus der jüdischen gelehrten Welt jener Zeit habe ich bereits oben berichtet. Da es zu keiner näheren zwischen jenem jungen Gelehrten und mir kam, so kann ich nur von dem Einfluß reden, den sein Beispiel auf mich übte. Er schwebte mir längere Zeit als Muster vor, dem ich nachzustreben hatte, und der Werth eines solchen stillen Einflusses ist immerhin nicht gering anzuschlagen. Eine zweite, ebenso vorübergehende hatte ich mit dem damaligen Rabbiner Berlins I. Oettinger. Der Anfangs dieses Jahres verstorbene Londoner Oberrabbiner Dr. N. Adler, dessen Privatsekretär ich die ersten vier Jahre nach seinem Antritt des dortigen Rabbinats, welches das Großbritanniens, Irlands und der englischen Kolonien mit in sich einschloß, gewesen, hatte mich nüt einem Empfehlungsschreiben an diesen seinen Kollegen in Berlin versehen, und ich wollte wenigstens die Höflichkeit nicht unterlassen, es abzngeben und den seiner Gelehrsamkeit und Frömmigkeit wegen immerhin hochzuschützenden Mann doch wenigstens persönlich kenne» lernen. Im Uebrigen nahm er jedoch einen von dem weinigen allzu verschiedenen Standpunkt ein, als daß ich es hätte für gut befinden sollen, seine nähere Bekanntschaft zu suchen und weiteren Umgang mit ihm zu pflegen. Wenn auch wohl nur Anekdote, so dürfte es doch als seinen Standpunkt bezeichnend Erwähnung verdienen, daß man von ihm erzählte, er gebrauche drei Fürwörter für die drei verschiedenen Parteien, in welche die jüdische Gemeinde Berlins damals zerfiel. Für seine eigenen, die noch ganz dem Alten anhängendcn Orthodoxen, bediente er sich des „Mir" (statt wir); für die zwar nicht minder orthodoxen, aber Neuerungen, wie deutscher Predigt u. dgl. nicht abgeneigten Anhänger des Dr. Sachs, des „Ets" (statt Ihr), weil dieser ihm doch immer noch die Ehre erwiesen, ihn zu besuchen, und er so Gelegenheit hatte, mit ihm in der zweiten Person zu reden. Tie Mitglieder der Reformpartei hingegen, also Dr. Holdheim's Anhänger, die nie mit ihm in Berührung kamen, bezeichnete er einfach durch „See" (sie). Bei dieser Gelegenheit mag noch eine andere Anekdote Erwähnung finden, die man von einem der ihm beigescllten Assessoren, der ebenfalls ein Mann von der alten Schule war, sich erzählte. Er soll einst vor einen der Stadträthe geladen worden sein, und voir ihm befragt, was er und seine Kollegen eigentlich für ein Amt bekleiden, soll er cs in folgender Weise definirt haben: „Das will ich Ihnen sagen: Wir sin' bei uns, was Sic sin' bei Sie, und der Ausschuß der ganzen Gemeinheit liegt auf uns." Nun, dies waren Männer polnischer Herkunft, die zwar tüchtige Talmudisten waren, denen aber die deutsche Sprache und Bildung noch abgingen. Ihr Deutsch war daher nicht besser, aber auch nicht schlechter, als z. B. das des französischen Generals in Gutzkow's „Königslieutenant" oder irgend eines beliebigen radebrechenden Ausländers, und wer etwa glaubt, daß ich solche Männer dein Spott und Hohn preiszugeben beabsichtige, der irrt sich gewaltig. Diejenigen haben eine ganz falsche Vorstellung vom Juden, welche glauben, daß ihm der Erwerb Alles gelte. In früheren Zeiten war cs die Religion und Alles, was damit zusammenhing, also die Lehre Mosis imb der Talmud nebst den heiligen Schriften und Kommentatoren, die ihn ganz und gar erfüllte, und der Erwerb war ihm nur Nebensache, ein nothwendiges Nebel oder richtiger: eine Pflicht, denn nach dem Spruche der Weisen sollte die Arbeit — höret es, Ihr Antisemiten! — die Arbeit, das Handwerk, neben dem Studium der Lehre einhergehen, sollte dieses nicht vereitelt werden und — zur Sünde führen. Das Wissen aber, die Kenntniß der Lehre war das Adelsdiplom des Juden; nicht der Reichthum, selbst nicht das Pricsterthum vermochte ihm eine höhere Würde zu verleihen, sondern nur die Gelehrsamkeit. Und wie der Brahmane auf die niedrigen Kasten