Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 27 (18.7.1890)
- Date
- 1890-07-18
- Page
- Seite 366 (sequence 10)
- Language
- German
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360 Synagoge und ihr gegenüberliegend die orthodox-polnische liegt. Beides stattliche Gebäude mit guter Architektur und schöner Täfelung des Jnnenraums. Welche unter den elf Synagogen Venedigs diejenige ist, an der vor nunmehr fast 70 Jahren unsere Geschichte begann, könnte uns Niemand sagen, aber an der Schwelle des Hauses sitzt ein alter Mann mit langem, weißem Bart und dunkeln, wehmuthsvollen, bittenden Augen, von jener eigcnthümlichen Schönheit, welche die Greise der Lagunenstadt zu einer vielgerühmten Spezialität macht. Er wärmt sich in dem schmalen Strahl der Sonne, die nur verstohlen sich dort hineinschleichen kann. — Leise bewegt er sein Haupt, und über die Lippen kommen hebräische Laute. Das Mitleid seiner Glaubensgenossen erhält den alters- und geistesschwachen Mann, und die ihn umspielenden Knaben rufen uns zu: „Si Signore, il vecdiio Wennstem.“ Sic halten das Wort für einen Namen und wüßten keine Antwort auf die Frage zu geben, ob da nicht vielleicht eine sterbensmüde Seele der Gnade ihres Gotteü harrt und so den Abfall vom Glauben seiner Väter sühnt?! U Kerlin vor 40 Jahren. Erinnerungen von Dr. David Asher. (Schluß.) Vergebens hatte Franklin sich u. a. selbst an den sächsischen Gesandten gewandt; dieser erklärte sich Herrn von Hinkeldey gegenüber für ganz machtlos, und selbst Herr von Mautcuffel, durch den mir schließlich, nach Verlauf von vollen vier Wochen, die Erlaubniß ertheilt wurde, nach Berlin zurückzukehrcn, gab diese nur unter der Bedingung, daß ich mich sofort nach meiner Ankunft beim Herrn Polizeipräsidenten anmelde. Meine Aufnahme war auch diesmal wieder eine nichts weniger als freundliche, und ich wurde mit der Weisung entlassen, daß mir eine Aufenthaltskarte auf. 14 Tage — sage vierzehn Tage — nur unter der Bedingung bewilligt werden könne, daß mein Hauswirth sich dafür verbürgen wolle, daß ich keinerlei politischer Versammlung beiwohne, für keine politische Zeitung schreibe, sondern lediglich, meinem vorgeblichen Zwecke gemäß, den Studien obliege. Unter Abnahme eines dahingehenden Versprechens ließ sich denn auch der Herr Rabbiner Asche-, der die Furcht vor Herrn v. Hinkeldey oder vielmehr der ihn bedrohenden Geldstrafe stets vor Augen hatte, dazu bewegen, die verlangte Bürgschaft zu übernehmen, und im Triumph kam erde» Tag nach meiner Rückkehr von Brandenburg mit der Aufenthaltskarte in der hoch erhobenen Hand vom Polizeiamte zurück. Um dieses unerquickliche Thema, das den Leser vielleicht schon allzu lange aufgehaltcu hat, endlich zu verlassen, sei gleich hier erwähnt, daß die Karte später auf vier Wochen und dann auf drei Monate erneuert wurde und ich keinen weiteren Anfechtungen seitens der Polizei ausgesetzt war. Wie alle unangenehnien Erfahrungen, die wir im Leben machen, hatte auch die unliebsame Episode, über die ich hier berichtet habe, ihren Nutzen — „den süßen Nutzen der Widerwärtigkeit", wie Shakespeare ihn bezeichnet, für mich und trug „ein köstliches Juwel im Haupte". Sie lehrte mich, wie so manche frühere in einer von schweren Prüfungen heimgcsuchten Gegend, daß es wirklich edle Menschen giebt, die völlig selbstloser, alles Egoismus barer Handlungen fähig sind, und — sei es angesichts der heutigen, erneuerten gehässigen Strömung gegen uns laut verkündet — daß diese fammt und sonders jüdische Glaubensgenossen waren. Der Familie Pinkus in Brandenburg stockfremd, blos auf meines Freundes Zedner Empfehlung gestützt, fand ich bei ihr gastliche Aufnahme, als ob ich ein naher Verwandter wäre, unb eine ebenso warme Theilnahme an meinem unverdienten Geschick, als man sie sonst nur einem solchen zu schenken gewohnt ist. Als ich nach vierzehntägiger Verbannung des Harren? und Wartens auf günstige Nachricht von meinem für mich energisch arbeitenden Freunde müde, es eines Morgens gewagt hatte, ohne vorher die Absicht zu hegen und daher der Familie sie mitzutheilen, mir, der ich mich zur Unterhaltung oft nach dem dortigen Bahn Hofe begab, dem Befehl zuwider, ein Bittet nach Berlin zu lösen und ohne das damalige sine qua non — meinen Reisepaß, den ich dort zurückgelassen hatte, nach der Haupt- und Residenzstadt, die znr Zeit, >vie ein zweites Jericho an allen Thoren und auf allen Bahnhöfen von Polizei und Militär mit scharfgeladenen Waffen umlagert war. zu fahren, gelang cs mir zwar, auf Grund eines an mich gerichteten Schreibens des preußischen Kliltusministers. das ich bei mir führte und als Legitimation bei meiner Ankunft in Berlin vorzeigte, von den aufgestellten Mannschaften eingelassen zu werden, mein ängstlicher, die angedrohten 5 Thaler Strafe fürchtender Wirth verweigerte mir jedoch die Aufnahme, was man ihm freilich nicht verdenken konnte, und ich mußte noch denselben Tag wieder in meine Verbairnung zurückkehren. Da war es mir eine freudige Genugthuung, zu sehen, wie froh die um mich besorgt gewesene Familie war, mich wieder in Sicherheit und unverletzt zu erblicken; es war, als ob ein verloren geglaubter Sohn wiedergefunden worden wäre, und dock hätte ich eher erwartet, daß, frenrd, wie ich den guten Menschen war. die zwar ein sehr anständiges Auskommen besaßen, es aber nickn ohne große Mühe und Arbeit sich errangen, sie würden es vor gezogen haben, daß mein Schicksal mich nicht wieder ihnen au den Hals geworfen hätte. Allein Gatte und Gattin wetteiferten nur so miteinander nn Gutesthun und übten aus, was der Prophet Jesaia? dem Volke als dasjenige preist, was Gott am wohlgefälligsten ist: „Dem Hungrigen Dein Brod brechen, umherirrende Arme in Dein Haus zu bringen." Und solcher Freunde fand ich noch viele in Berlin; ich nenne da. um ihren hoffentlich noch lebenden Angehörigen meine Dankbarkeit für die von ihren Eltern mir erwiesene Gastfreundschaft zu erkennen zu geben, in erster Linie den um die damalige Berliner Gemeinde so verdienten und allgemein verehrten Bankier Herrn A. H. Heymann und Gattin und Herrn »nd Frau Lippmann-Wulf, welche Letztere eine wahrhaft edle Frau an Geist und Wohlthätigkeitssinn war. Von beiden Frauen konnten ihre Gatten mit Recht sagen:! D’rorr nt irre Ueberhaupt fand ich Berlin, sowohl was ineine jüdischen a<? auch nichtjüdischen Freunde betraf, England an Gastfreundschaft nicht nachstehend. Wie wohlthuend diese auf den Fremden und Lehrer - bei vielen derselben ertheilte ich nämlich Privatunterricht im Eng lischen — wirkte und stets wirkt, bedarf kaum der Versicherung. Daß Frau und das damalige Fräulein Asher meine ersten Schülerinnen waren, habe ich bereits erwähnt. Hier mag zugleich die Bemerkung eingeschaltet werden, daß jene eine streng orthodoxe Frau war, was dem Einflüsse des ehemaligen Hauslehrers in der Familie, Zedner, zugeschrieben wurde. Ihren ältesten Sohn, der während meines Aufenthaltes in Berlin im jugendlichen Alter starb, ließ sie nach der Sitte unserer Altvordern im bloßen Leichengewand ohne Sarg beerdigen. Wie streng sie es auch mit den jüdischen Spcisegesetzen nahm, mag an? einem spaßhaften Vorfall entnommen werden, zu dem das Versehen ihres Dienstmädchens-.einst führte.' Sie hatte dasselbe beauftragt, niit einem Huhn zum Rabbiner Dettinger zu gehen und ihn wegen erner auffallenden Erscheinung daran zu befragen, und dann auf dem W zuladen. diesen N ch'atürlt Aerwech auf me mein ei chekund ia Berli damalig ui diesei man nii;u der tcheeri u »er Z mir cir grauen -Nrch-P d.t'Ühmi , viuilci Ml einet tm'ühnr ui sage lei Gel Gl mideren! iseste i eiben I mit ein u'o jüdi scheu <s des litt wurde tmffuuu .114 St W meder e Rendel voitinc n vc gersönli einen 9 io‘ la geistige Di licbersck mir in mie ge ei? die in Low molizeil leschrär tmltniff >rc testet pun N letzt ül geistige, und un Vc gelehrte