Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 27 (18.7.1890)
- Date
- 1890-07-18
- Page
- Seite 360 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3227825-3227853--47203-3268711- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Denselben panegyrischen Zweck zu Gunsten des Judenthums dem Heidenthuni gegenüber verfolgten des „Pp Aristeas Brief an den Philokrates", manche Abschnitte in den historisircnden Schriften des Philo und endlich das große Geschichtswerk des Josephus (Anticpiitrrtes,) welches die Bibel, die außerjiidischen Berichte und wie wir aus der Benutzung des Deinetrios, des Artapanos u. A. sehen, sicherlich auch die hellenistischen Vorgänge zu seiner Grnndlage hatte. Wenn übrigens ein Mann an die Erhöhung des Ruhmes seiner Nation eine solche Arbeit setzt, so kann er nicht der Verrüther gewöhnlichen Schlages gewesen sein, als welchen Graetz ihn darstellt. Unlauter hat er gehandelt, aber wir dürfen nicht vergessen, daß er sich zur Zeit des jüdischen Krieges inmitten rasender Bestien befand Neben diesen Darstellungen der alten israelitischen Geschichte trete» die der Zeitgeschichte, wie das palästinisches Gepräge tragende erste Makkabücrbnch, die dem alexandrinischen Kreise angehörenden Makkabäerbücher 2 und 3, Philos Schriften gegen den Flaccus und die vielleicht unechte Darstellung der Gesandtschaft an den Gajns und des Josephus „Jüdischer Krieg". Zn den Bersnchen auf dem Gebiete der Historiographie kamen solche auf dem der Poesie, von denen uns auch einige Proben aufbehaltcn sind. Auch diese Litteratur hat neben einer lediglich nach einer den eigenen Bolksgenossen zugewcndeten Seite eine apologetische, welche sich an die Fremden richtet. — Man verfertigte zunächst versifizirte Chroniken, verherrlichte die Bolksgeschichte in Versen, wie der ältere Philo that, der, obtvohl ihn Joseph, contra Ap. I. 23 unter den Heiden anführt, sicherlich ein Judäer war, denn nur ein solcher konnte sich betvogen fühlen, in 4 (nicht 14, s. Fr. S. 100) Büchern den Preis der heiligen Stadt Jerusalem zu singen. Ein Seitenstück lieferte der Samaritaner Theodotos, welcher Sichem besang. Die herrliche Lage des Orts, Wuchs und untadeliges Gemüth der Tina werden gepriesen u. dgt., lauter Dinge, die man keinem Judäer Zutrauen darf (Fr., S. 99 ff.). — In dramatischer Form versuchte sich Ezekiel, der in seiner i'Say^y,/ den Auszug aus Aegypten zur Darstellung brachte (Delitzsch, Geschichte der jüdischen Poesie, S. 211 ff.). An die heidnische Welt wendet sich das sogenannte Gedicht des Phokylides (Bernays: Uebcr das phvkylideische Gedicht. Jahresbericht der Fränkel'schen Stiftung. Breslau 1856), welches in ungefähr 200 griechischen Hexametern eine Auswahl solcher jüdischen Sittengebote gab, von denen zu mvarten stand, daß sie den Heiden annehmbar erscheinen würden. Gesetze partikulnristisch-jüdischer Art, wie Sabbath, Opfergesetze oder schroff gefaßte Gebote, wie das Götzenverbot, läßt Ps.-Phokylides weg, bisweilen vertuscht er auch die Gegensätze (Vers 132 nach Deut. 13, 7), und überhaupt sind die jüdischen Gebote und Maximen in einen ganz allgemein gehaltenen Ausdruck gekleidet, so daß der Leser ein Stück Jude werden konnte, ohne es zu merken. Schärfer gingen schon solche Schriften gegen das Heidenthum vor, welche den Anspruch erhoben, darzuthun, wie das Wahre und Gute des letzteren sich bereits in den Büchern des Alten Testaments finde, so daß bei dem höheren Alter der letzteren anzunehmen sei, die heidnischen Dichter und Philosophen hätten ihre Weisheit von den Inden. Man bearbeitete zu diesem Zwecke alte orphische Gedichte, wie eine solche Umarbeitung unter dem Namen des jüdischen ') Einen historisch-apologetischen Zweck verfolgten auch die Bücher gegen den Apion (besser zu betiteln: „die Rede wider die Hellenen", s. Bernays' „Theophrastos", S. 154), und zwar ist die Widerlegung heidnischer Einwürfe gegen die ältere Geschichte des Jndenthnms die Hauptaufgabe, die sich hier Josephus gestellt hat. An manchen Stellen löst er dieselbe mit dialektischer Meisterschaft: vgl. z. B. I., 28. Peripatetikers Aristobrilos aus der ersten Hälfte des zweiten vorchristlichen Jahrhunderts bekannt ist (vgl. D e l i tz s ch a. a. O. S. 210 ff.), und machte sich nichts daraus, unter Umständen auch Fälschungen bei Dichtern vorzunehmen, um einen judenthümlichen Sinn hineinzubringen (s. Ewald, Geschichte des Volks Israel, IV., S. 338 ff.). Zuletzt ließ man gar die römische Sybille Strafpredigten gegen das Heidenthum, insonderheit gegen Griechenland halten und die Vortrefflichkeit des Judenthums rühmen, dessen glänzendes Hervortreten in der zu erwartenden messianischen Zeit man verkündigte. Eine Gcdichtsainmluug dieser Art aus dem ersten vorchristlichen Jahrhundert ist uns im dritten Buch der sogenannten sybillinischen Orakel erhalten worden (s. Hilgenfeld, jüdische Apokalyptik, S. 53—90). Die letzteren Gedichte leiten durch ihren Inhalt unsere Betrachtung schon hinüber zu den philosophischen Einflüssen, welche während dieser Periode von beit Griechen auf Israel ausgingen tmd viel tiefer und folgenreicher werden sollten, als jene auf dem Gebiete der Historiographie und Poesie. Wir sahen bereits die einschneidenden Spuren dieser Einwirkung in der Sphäre der heiligen Litteratur selbst hervortreten; viel mächtiger noch waren dieselben natürlich in dem Schriftthum des Hellenismus. Sehen wir freilich auch ans diesem Boden das aus dem Hebräischen in's Griechische übersetzte imb mit manchen Zusätzen versehene Sirachbuch sich noch ganz in den Bahnen der herkömmlichen israelitischen Weisheitslehre bewegen, so wachsen doch sonst allenthalben auf diesem empfänglichen Boden die griechischen Philosopheme wie die Pilze empor. Ps. Phokylides trägt peripatetische (Bernays a. a. O. p. IX. XXXIV) oder vielleicht stoische Grundsätze (Fr. M. S. 161 ff.) vor, Ps. Josephus ist in Bezug auf seine philosophische Schulform gain Stoiker und stimmt in manchen Lehren wörtlich mit dem Letzteren überein (Fr. M. S. 41 ff.), Ps. Salomo hat sowohl platonische Präexistenz und Unsterblichkeitslehre Kap. 8. 19 ff. als auch Anklänge an platonische Kosmologie Kap. 11. 17 und Ethik Kap. 1, 4, 8, 20 u. a., wie auch stoische Anschauungen in der Lehre von der Alles dnrü wirkenden göttlichen Kraft, Kap. 7, 22. 24, Anklänge an die Lehren des Anaxagoras Kap. 7, 22 u. a. Aristobulos nennt sich selbst einen Peripatetiker und bedient sich der Formen stoischer Allegoristik (s. nn Philo S. 26 ff.) Philo endlich hat zunächst einen aus platonischen und stoischen Elementen gewebten Gottesbegriff. Platonisch ist seine radikale Trennung des Göttlichen von jeder Berührung mit der Materie, eine Trennung bis zu dem Grade, daß jede Möglichkeit der Schöpfung und Einwirkung auf das Geschaffene aufhört, so daß nur die Seele des Guten das einzige Gebilde des Göttlichen bleibt — ein dualistische: Gegensatz von Gott und Welt, wie er in dieser Schärfe nur bei den Neu - Pythagorüern wiederkehrt. Stoisch ist seine im Gegensau hierzu vorgetragene Lehre von Gott als dem allein beständig Wirkenden. Platonisch ist Philos Lehre von den Urbildern, welche den wirklichen Dingen zu Grunde liegen, stoisch die Be Zeichnung dieser Wesenheiten als Kräfte, als der wirksamen Ursachen, welche die vorhandenen Dinge nicht blos vorbildlich darstellen, sondern schaffen und erhalten. Platonisch ist die Fassung des Logos als Idee der Ideen, als Uridee, heraklitisch die Idee vom Logos, der durch Herausbildung von Gegensätzen die Dinge in dar Dasein ruft, stoisch der Name Logos und die Bezeichnung desselben als allwirkende und belebende Kraft. Platonisch ist Philos Lehre vom Stoff als dem Ungeschaffenen, von Gott Vorgefundenem, seiner Thätigkeit widerstrebenden Nichtsein, stoisch die Benennung der Materie im Gegensatz zu Gott. Die platonischen Benennungen Gottes, dei Weltschöpfers, kehren bei Philo wieder, welcher mit Vorliebe Gott al-- einen nach einem Plane bauenden Künstler behandelt. Platonisch