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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-07-18 · Heft 27 (18.7.1890) · p. Seite 359

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 27 (18.7.1890)
Date
1890-07-18
Page
Seite 359 (sequence 3)
Language
German
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Ehr., als der wahrscheinlich in Aegypten lebende Jude Demetrios sich die griechischen Logographen zum Muster nahm und einen chronologisch-genealogischen Abriß der biblischen Geschichte zu arbeiten versuchte. Es kam ihm nur darauf an, das in der Bibel vorhandene Material getreu und vollständig darzustellcn. So bringt er denn fast nur einen dürren Abriß von Namen, Zahlen und Thatsachen, ist aber in diesen Dingen sehr genau und zuverlässig, namentlich zeigt er große Umsicht in der Benutzung der chronologischen Angaben der Bibel. Bringt er bei entstehenden Schwierigkeiten eine eigene Vermuthung, so macht er sie als solche kenntlich, ebenso eine etwa eingefügte kurze apologetische Bemerkung. Von Ausschmückungen und patriotischen Uebertreibungen hält er sich durchaus frei. Es bedurfte dessen nicht, da er als gläubiger Jude für Juden schrieb. Er arbeitete ausschließlich nach dem Text der Septuaginta. Sein Stil ist durchaus kunstlos, reich an Hebraismus, arm an Worten und Wendungen, weitschweifig in der Darstellung von Nebendingen und im Gegensatz dazu wieder seltsam kurz bei wichtigen Sachen. (Fr. S. 35 ff.) — Daß ihn Josephus benutzt hat, zeigt Freudenthal an einem schlagenden Beispiel. Die Fragmente dieses Schriftstellers sind uns zunächst durch den „Vielwisser" Alexander erhalten, der sie verstümmelt aufnahm, wie man aus der genauen Uebereinstimmung mit der Septuaginta ersehen kann. Alle eben geinachten Angaben würden sich nun freilich als unhaltbar erweisen, wenn mair sie nach dem herkömmlichen Text von Gaisford, Müller und Dindorf prüfen wollte. Allein Freuden thal hat in unwiderleglicher Weise dargethan, daß eben dieser Text das allein unhaltbare ist, und er hat durch eine Reihe glücklich gegriffener und trefflich begründeter Konjekturen denselben von einer Anzahl unleidlicher Fehler gesäubert (S. 51 ff.). Im Zusammenhairg giebt er dann S. 219—223 einen lesbaren Text dieser Fragmente. Suchen wir weiter auf unserem Trümmerfelde, so sehen wir neben diesen ägyptischen Juden einen vielleicht in einer der syrischphönizischen Griechenstädte (Fr. S. 99) lebenden Samaritaner treten, dessen Namen wir nicht kennen. Der manchmal etwas konfuse Polyhistor hat die aus ihm gemachten Excerpte mit denen des Eupolemos zusammengeworfen. Denn es ist unverkennbar, daß das erste der sog. Fragmente des Eupolemos von den übrigen zu sondern ist. Der Verfasser des ersten Fragments kann weder ein Heide sein, da er hebraistlsches Griechisch schreibt und von der Bibel im Tone gläubiger Unterwerfung redet, noch kann er ein Jude sein, da in dieser Zeit sicher ein solcher nicht von einem alten Heiligthum bei der Stadt Argarisin gesprochen haben würde. Letzterer Zug deutet unverkennbar auf einen Samaritaner. Das Schriftstück ist insofern merkwürdig, als es uns eine Vorstellung davon giebt, wie diese samaritanischen Schriftsteller babylonische, hebräische und griechische Ueberlieferungen durcheinander wirrten. Ps. Eupolemos erzählt, wie die Giganten in Babylon durch die Sintfluth vernichtet seien, wie aber Belos entronnen, dann in Babylon einen großen Thurm erbaut habe, und dergleichen mehr. Bemerkenswerth ist, daß auch dieser hellenistische Samaritaner die Septuaginta benutzte (Fr. S. 98). Gleichfalls ein Samaritaner ist Malchos-Kleodemos. Ob der Name Malchos hierfür so entscheidend ist, wie Freudenthal will, scheint uns zweifelhaft. Es ist wohl von ihm die Stelle Joh. 18,10 übersehen, wo derselbe sicherlich bei einem Judäer vorkommt, denn Samaritaner dürfte der Hohepriester nicht in seinem Dienste gehabt haben. — Aber durchaus spricht gegen judüische Abkunft die Beilegung des Prophetenuainens in der damaligen Zeit, sowie die Verknüpfung der Geschichte Abrahams mit der Sage von Herakles, d. h. vom tyrischen Baal. Man kann bei dem Mischlingscharakter der Samaritaner und bei der strengen Abschließung der eifrigeil Judäer gegen sie als sicher annehmen, daß hier auch tyrische Kulte noch länger fortdauerten und die alte Verschmelzung mit dein Jehovakult hier abermals erneuert worden ist. — Von einem israelitischen Geschichtsschreiber Aristeas (wohl zu unterscheiden von jenem gleichnamigen Fälscher des Briefes an den Philokrates) besitzen wir ebenfalls durch die gütige Vermittlung des „Vielwissers" ein Stück einer sicher an die Septuaginta anschließenden Bearbeitung der israelitischen Geschichte, welches die Geschichte Hiobs enthält. Daß er dabei den Hiob mit Jobab indentifizirt, dürfen wir ihm wegen der griechischen Schreibung 'Mß, 'lußaß nicht sehr übel nehmen; er dachte wohl, wenn Abraham früher Abram hieß, so könnte Job wohl auch früher Jobab geheißen haben. Uebrigens zeigt sich zwischen rmserem Fragment und der Nachschrift zur griechischen Uebersetzung des Hiob eine große Familienähnlichkeit, so daß eine Zusammenstellung (Fr. S. 138) das Resultat ergiebt: Aristeas benutzte die Septuaginta und die Nachschrift zum Hiob der Septuaginta benutzte den Aristeas. — Eine höhere Stufe der Geschichtsschreibung erstieg der Judäer Eupolemos in seinem Werke „lieber die Könige in Judäa", von dem wir durch den Polyhistor mehrere größere Bruchstücke besitzen, welche bei Eusebius und Clemens aufbewahrt, sind. Daß er wahrscheinlich in Palästina schrieb, zeigte neben anderem sein mangelhaftes Griechisch (Fr. S. 126), möglicherweise war er der Eupolemos von 1. Makk. 8,17 ff. In seiner Darstellung bilden die Berichte der Bibel den Grundstock, aber sie erfahren reichlichen Zusatz aus anderweitigen Ueberlieferungen und ans der verherrlichenden Phantasie des religiös und national eifrigen Schriftstellers. Zeigt die Form hier im Vergleich mit Demetrios viel größere Kunst, so steht er dem Letzteren in Bezug auf geschichtliche Wahrhaftigkeit bedeutend nach. In voller Blüthe alexandrinischer Schwindelei steht dagegen die Geschichtsschreibung des ägyptischen Juden Artapanos. Moses ist als Musäos hier Lehrer des Orpheus, zugleich gewaltiger Kriegsheld, der die Aethioper bezwingt, Erfinder der Hieroglyphen, der Philosophie und mancher anderen Dinge. Der ägyptische König stürzt, als er zuerst den Namen Gottes hört, leblos nieder und wird von Moses wieder belebt u. dgl. Dazu kommen aber andere Züge, welche die Vermuthung erregen, daß hier der Versuch gemacht werden soll, Alles, was in Aegypten Großes und Bedeutendes war, den Juden zuzuschreiben. So wird Moses mit Hermes-Tat indentifizirt, Beide als Verkünder des göttlichen Willens und Urheber der heiligen Schriften; auch begünstigte der häufige ägyptische Name Tütmosis diese Verschmelzung — Moses soll ferner den Leichnam der Merris- Jsis nach Merok gebracht haben, von ihm soll die Eintheilung Aegyptens in 36 Namen herrühren. Manche dieser Angaben verrathen zugleich einen apologetischen Charakter. Den vielen gehässigen Angriffen der Aegypter und Griechen gegenüber sollen sie darthnn, wie das ägyptische Alterthum selbst in den Israeliten und besonders in Mose seinen größten Wohlthüter verehren. Darum wird Mose gerade zum Begründer der ägyptischen Götterverehrung gemacht, er stiftet bei den Aegyptern die Beschneidung n. a. m. (Fr. S. 143 ff.') ') Die Trümmer dieser gesammten Litteratur verdanken wir in erster Linie dem Sammler Alexander, der zwar nichts gefälscht, aber sehr viel verwirrt und durch Unkenntniß verdorben hat, die Excerpte dieses Schriftstellers hat alsdann Ensebios mit großer Gewissenhaftigkeit gesammelt (Fr. S. 3 ff. 16 ff.)

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