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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-07-11 · Heft 26 (11.7.1890) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 26 (11.7.1890)
Date
1890-07-11
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 in, 4 in m. Die n. Von 3 Rab- Sänger, c, Schuhvaren 9. kerinnen, ^artfran. Zatienteu teil 9 au ät, 2 an m chron. jelbruch; während folg der n. Bon natürlich ird wohl erkulösen Meisten e schlecht Ickversetzl m häus- Erfolge nng trotz wodurch gemacht von der r Leiden doppelt manchen 10 liegen , daß sie , Leideuv tscheiden. sich erdürftigen itb ärger, dium an ipendinm , welches edingung zeugniste ngst, an mhl, die Prediger Bortrag hristeu md, das;;gen das l berufe, Predigern derselbe esen dev n diesem Zeiste der lle guten lmanität. e zu den en eifert, nlen einde führt, deswegen Ein her mgarteu. ft dahin! er mit ien, und cht mehr Hätten, sich Christen zu nennen! Er aber, der Vortragende, fahte sein llrtheil über das widerspruchsvolle Wesen dieses Mannes, einer Zwittergestalt, wie solche in den Zeiten des Ueberganges immer auftauchen, zusammen in die Worte: „Hofprediger Stöcker — Antisemit und Antichrist in einer Person". E. E. Tübingen, im Juli. Wir entnehmen dem Schwarzwälder Voten folgende Mittheilung aus Hechingen: Minister v. Goßler tarn Samstag Abend in Begleitung des Regierungspräsidenten Frhrn. u Frank hier an. Am Sonntag Vormittag besuchten die Herren die uircheu, Spitäler und Schulen der Stadt. In der israelitischen schule waren die Kinder noch versammelt, als der Minister kam. Ein '.gähriges Mädchen übergab ein prächtiges Rosenbouquet mit folgender Widmung, die die Kleine vortrug: Hoher, edler Herr Minister,! Willkommen hier in diesem Hans! Namens meiner Schulgeschwister Bring ich diesen Blumenstrauß. Gleichen Kinder doch den Blüthen, Ihr, als Vater für uns wacht. Möge Gott Euch stets behüten. Erhalten uns'res Königs Macht. Gerührt nahm der Minister das Bouquet entgegen, dankte den Schülern und dem Lehrer und erkundigte sich eingehendnach den Verliältnissen der israelitischen Schule und Gemeinde. Mit einem herzlichen .Adieu, liebe Kinder! Werdet gute Preußen!" verabschiedete sich der '.!ohe Herr. Hieran anschließend dürfte es die geehrten Leser gewiß interessiren, auch Einiges über die Verhältnisse der dortigen israelitischen (V'i'ineinbe zu erfahren. Die frühere unter fürstlich hohenzollernschem Schutze gestandene Synagogen-Gemeinde zählt heute nur noch ca. 350 reden. Früher war dieselbe iudeß doppelt so stark. Diese bedeutende Abnahme rührt einestheils von dem Ueberschuß der Todesfälle über die Geburten her, anderntheils hat sich die Gemeinde durch Wegzug bedeuunb gelichtet. Die Mitglieder der Gemeinde, die es fast alle 31t einem : ^wissen Wohlstand gebracht haben, zeichnen sich durch große kaufmännische Tüchtigkeit aus. In politischer Beziehung liegen dieVeriältuisse noch sehr im Argen. Die Hechinger Juden dürfen wohl Steuern zahlen, haben aber für die städtische Verwaltungsvertretung Stadtverordnete) weder aktives noch passives Wahlrecht. Sie gehören mit den zugezogenen Protestanten und Katholiken, zu den sog. Hintersassen und müssen noch — im 19. Jahrhundert die Ehesteuer entrichten!! Alle Anstrengungen, hier Wandel zu schaffen, sind bis jetzt leider vergeblich und erfolglos geblieben. - Die Gemeinde, als deren Aabbinatsverweser der als vortrefflicher Redner bekannte Herr L. Levy ü'ingirt, besitzt eine ganz schone Synagoge, in der ein recht erbauender mid zeitgemäßer Gottesdienst abgehalten wird. Die Religionsschule "eht unter der Leitung des schon genannten Herrn Levy. Derselbe erlheilt, wie wir aus der letzten Prüfung seiner Zöglinge mit großer ,vrende wahrgenommen haben, einen auf der Höhe des aufgeklärten Audenthums stehenden Religionsunterricht, wie wir ihn überall unseren l ' ranwachsenden, viel zu wenig mit der erhabenen Religion ihrer Väter! vertranten Jugend wünschen möchten. Gesterreich-Ungarn. w. Wien, 8. Juli. Nach dem bis jetzt bestandenen Programm für Am Religionsunterri cht wurde biblische nnb jüdische Geschichte mid Neligionslehre gelehrt, im Gymnasium Bibellektüre in deutscher lleberfetzung getrieben. Was das Hebräische betrifft, so wurde in den Aolks- und Bürgerschulen und iu den ersten zwei Klassen der Mittelsthule im Siddur gelesen und einige Gebete übersetzt. Es hat sich jedoch im Lause der Jahre gezeigt, daß dieser Vorgang dahin führte, das vebräische ganz in Vergessenheit zu bringen, so daß die Abiturienten üium mehr das kannten. Der Vorstand der Gemeinde hat daher beschlossen, daß vom kommenden Schuljahre angefangen von den obersten Klassen der Volksschule bis zur obersten Klasse des Gymnasiums wieder Bibel im Urtexte unb zwar zunächst Pentateuch (selbstverständlich solaetu) gelehrt werde. — In jüngster Zeit wurden von weiten des Gemeinderathes wieder mehrere Lehrer und Lehrerinnen israelitischer Konfession zu Lehrern und Lehrerinnen an Volks- und Bürgerschulen und ein jüdischer Kommunallehrer zum Oberlehrer an einer Volksschule ernannt. — Im ablaufenden Schuljahr 1889—90 wurde der israelitische Religionsunterricht hier in je 25 Volksschulen für Knaben und für Mädchen (darunter 10 Sammelschulen für Knaben und 11 für Mädchen) von 25 Lehrern in 126 Knaben- und in 119 Mädchenklassen ertheilt. Die Zahl der Schüler und Schülerinnen war: 1. Bezirk 396 Knaben, 431 Mädchen, II. Bezirk 2296 Knaben, 2488 Mädchen. III. Bezirk 342 Knaben, 393 Mädchen, IV. und V. Bezirk 191 Knaben. 184 Mädchen, VI. Bezirk 155 Knaben, 128 Mädchen, VII. Bezirk 228 Knaben, 255 Mädchen, VIII. Bezirk 102 Knaben, 107 Mädchen. IX. Bezirk 359 Knaben, 419 Mädchen, X. Bezirk 118 Knaben, 135 Mädchen. In Summa 4187 Knaben, 4570 Mädchen. In 13 Bürgerschulen für Knaben und in 15 für Mädchen (darunter je 5 Sammelschulen) unterrichteten 14 Lehrer in 34 Knaben- und in 49 Mädchenklassen. Die Zahl der Schüler und Schülerinnen war: I. Bezirk 118 Knaben. 318 Mädchen, II. Bezirk 494 Knaben, 876 Mädchen, Hl. Be-! zirk 159 Knaben, 107 Mädchen, IV. und V. Bezirk 52 Knaben, 107 Mäd-! chen, VI. und VII. Bezirk 84 Knaben, 189 Mädchen, Vlll. Bezirk 42 Knaben, 38 Mädchen, IX Bezirk 58 Knaben, 191 Mädchen, X. Bezirk 35 Knaben, 46 Mädchen. In Summa 942 Knaben und 1872Mädchen. In 17 Mittelschulen (7 Gymnasien, 2 Realgymnasien, 7 Realschulen und einer Sammelschule) unterrichteten 9 Lehrer in 81 Klassen. Die Zahl der Gymnasialschüler betrug 1064, die der Realgymnasialschüler 466 und jene der Realschüler 696, zusammen 2180 Schüler. In 3 hebräischen Sprach- und Bibelschulen mit 5 Klassen unterrichteten 3 Lehrer. Die Zahl der Schüler betrug 191. — Bei dieser Gelegenheit will ich auch bemerken, daß hier wie in Berlin ausschließlich Mädchen an der Konfirmation Theil nehmen, und wurden im Ganzen 120 Mädchen konfirmirt. Eigenthümlich ist der Ritus im I. Bezirk bei dieser Gelegenheit verschieden von jenem im II. Bezirk. In der inneren Stadt wird mit einem deutschen Liede begonnen; in der Leopoldstadt mit 12^2 HD u. s. w. Es werden ferner den Konfirmandinnen Fragen vorgelegt, die sie zu beantworten haben, und zwar sind Fragen und Antworten vorgeschrieben. Die Antworten werden zuerst von einem Mädchen vorgetragen und dann von den anderen im Chor nachgesprochen. Diese Solovorträge erwecken! jedoch den Neid der Mitschülerinnen und der betreffenden Eltern. Es entsteht HiOtP HfcÖp, die die Sache nicht fördern. Ich wurde daher glauben, daß es besser wäre, diese Solovorträge aufzugeben und die Antworten sofort von sümmtlichen Mädchen im Chore ertheilen zu lassen. Dasselbe hätte and) in Betreff der Schlußgebete zu geschehen. (I. Budapest, im Juli. Eine eigenthümliche Affaire beschäftigt gegenwärtig den. hiesigen königlichen Gerichtshof. Es handelt sich nni einen Erbschaftsprozeß, in welchem die Verwandten des Erblassers der Wittwe desselben die Erbschaft mit der Begründung streitig machen, daß sie gar.nicht Wittwe sei, da ihre Ehe ungiltig gewesen. Ein Pester Bürger, ans Böhmen eingewandert, jedoch seit einer Reihe von Jahrzehnten in Ungarn ansässig, hatte im Jahre 1846 ein jüdisches Mädchen geheirathet und lebte mit seiner Gattin bis zu seinem vor nicht langer Zeit erfolgten Ableben, also vierzig und einige Jahre, in bestem Einvernehmen. Bei seinem Tode hinterließ er sein etwa eine Viertelmillion betragendes Vermögen testamentarisch „seiner geliebten Gattin", unb die Wittwe trat auch in aller Form Rechtens die Erbschaft an. Die Verwandten des Erblassers griffen nun das Testament > an und behaupteten, der Verstorbene habe mit der jetzigen Nutznießerin der Erbschaft gar nicht in legaler Ehe gelebt; dieselbe sei blos seine Haushälterin gewesen und sei somit, da das Vermögen „der Gattin" des Verstorbenen testirt und gar keine „Gattin" vorhanden sei, das Vermögen den Verwandten znzusprechen. Die Wittwe produzirte hierauf das von einem Provinz-Rabbiner seinerzeit ordnungsmäßig ausgestellte Trauungszeuguiß, womit die Angelegenheit erledigt schien. Die Verwandten erbrachten jedoch jetzt einen Nachweis, der die Wittwe selber gm meisten in Erstaunen versetzte. Der Verstorbene war nämlich etwa zwei Jahre vor seiner Verehelichung, zu Beginn der Vierzigerjahre, in Böhmen vom israelitischen zum k a t h 0 l i s ch e n Glauben ü b e r g e 1 r e t e n, was die Verwandten durch einen authentischen Taufschein erwiesen. Der Konvertit hatte jedoch trotzdem nach jüdischem Ritus geheirathet — woraus die Verwandten, da in Ungarn Ehen zwischen Christen und Juden nicht giltig sind, die Ungiltigkeit der Ehe ableiteten. Interessant ist, daß die lange Reihe von Jahren hindurch Niemand, auch die Gattin nicht, eine Ahnung davon besaß, daß er kein Jude sei; er hatte als Jude gelebt und ist als solcher gestorben und wurde im israelitischen Friedhofe zur ewigen Ruhe bestattet. In juridischen Kreisen neigt man sich der Anschauung zu, daß die Wittwe, welche vierundvierzig Jahre mit ihrem Gatten gelebt und mit ihm gemeinsam das Vermögen erworben, außerdem in seinem Testamente ans-

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