Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 26 (11.7.1890)
- Date
- 1890-07-11
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 drücklich als feine Gattin yir Universalerbin eingesetzt wurde, den i Prozeß g e w i n n e n werde. Diese Anschauung wird durch den be-; kannten Erlaß des Kultusministers unterstützt, mit welchem er erst vor! einigen Atonalen anläßlich eines konkreten Falles die prinzipielle Ent-! icheidung fällte, daß in ähnlichen Fällen eine nach jü-; d i s ch e m Ritus geschlossene Ehe, au ch wenn die eine j Partei den Glau b e n gewechselt habe, als g i l t i g z u betrachten s ei. Wenn der Gerichtshof diesen Erlaß für sich als! bindend anerkennt, so wird die Wittwe ohne Zweifel zu ihrem Rechte j gelangen. Der Ausgang des Prozesses, den P. Teneer zur Kenntniß; des Publikums brachte, wird in allen Kreisen mit Spannung erwartet. Frankreich. * Paris, 8. Juli. Der in einer der jüngsten Nummern erwähnte i Aufruf des Central-Konsistorinms zur Beschaffung von Mitteln für ein : Grabdenkmal zu Ehren des verstorbenen O b e r r a b b i n e r s I s i d o r hat! hier, namentlich in orthodoxen Kreisen, große Verstimmung erregt. Die! Ursache war die, daß aus dem Aufruf zugleich die Absicht hervorging, die : irdischen Ueberreste des Verstorbenen an einen anderen Platz als den- > jenigen, wo sie jetzt ruhen, überzuführen, weil die jetzige Begräbnißstätte j für die Errichtung eines Monuments nicht geeignet ist. L. Wogue, der; Herausgeber des „Enivurs israelitu“, macht daher einen Vermittlungs- | Vorschlag, dahin gehend, daß am Eingang des Friedhofes als eine Art Kenotaph das Denkmal für den Verewigten aufgestellt werde. England. * London, 1. Juli. In dem am 24. Juni heransgegebenen Anzeigeblatt der Universität Cambridge wird mitgetheilt, daß Herr Salo- : man Schechte r an Stelle des verstorbenen Dr. Schiller - Szimssy zum - Lektor für rabbinische Litteratur ernannt worden ist. Von Nah und Fern. z * Die bekminte J-irma Loeser & Wolfs beging am 1. Juli bic | Feier ihres 25 jährigen Geschäftsjnbiläums. — Der Beth- Jacob- Verein hat im Norden Berlins (Veteranenstraße 6) am Sonnabend,! den 5. Juli, eine neue Synagoge mit täglichem Gottesdienst eröffnet.! Als Prediger fnngirt der frühere Rabbiner der orthodoxen Separati gemeinde in Königsberg, Herr Dr. G r ü nfeld. — Das H i r s ch P h i l i pp - j sohn'sche Ehepaar in Danzig feierte jüngst die sogenannte eiserne Hoch-! zeit, d. i. das füufundsechzigjährige Ehejubiläum. Geistig und körperlich! rege und frisch erfreute sich das ehrwürdige Jubelpaar an diesem seltenen j Ehrentage vieler Auszeichnungen. Im Gotteshause fand eine Feier statt, an der mehr als tausend Menschen Theil nahmen. — In derselben ■ Gemeinde geht man zur Zeit mit dem Plan um, eine Altersver- : s vrgungsanst a l t zu begründen. Rabbiner Dr. Werner hat einen * Verein, welcher der Altersversorgung gewidmet ist, begründet. Diesem; Vereine sind bereits 200 Mitglieder beigetreten; sein Endziel ist die Gründung einer Altersversorgungsanstalt; bis dahin wird der Verein i mit einem Theile seiner Einnahmen als Altersversorgungskasse wirken. — ■ Bei der kürzlich in Landsberg an der Warthe stattgehabten Neuwahl! in den Stadtrath wurde der in weiten Kreisen beliebte Vorsteher der jüdischen Gemeinde, Herr Hugo Groddeck, gewählt. — In Wies-; baden feierte am 14. Juni der K antor der israelitischen Gemeinde., j Herr Tranb, das Fest der silbernen Hochzeit. Dem Jubilar war erst unlängst vom Vorstand der Knltnsgemeinde in Anbetracht seiner zwanzigjährigen erfolgreichen Thätigkeit als Religions-; lehrer und Kantor der Titel Oberkantor verliehen worden. -; Atit der Leitung des durch den Tod des Herrn Rabbiner Lebrecht vakanten Distrikts-Rabbinats Schweinfnrt ist Herr Rabbiner Dr. S alvm oit Stein provisorisch betraut worden. — Der verdiente Vorsitzende des Vorstandes der Hamburger israelitischen Gemeinde Herr; Philipp Bauer hat fein Amt aus Gesundheitsrücksichten niedergelegt. — In Oesterreich wurden zu weiterer Durchführung des Gesetzes, betreffend die Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse der! israelitischen Religions-Genossenschaften, die Vorstände; der Gemeinden aufgefordert, an die politische Bezirksbehörde j zu berichten: Wie viele Familien israelitischer Konfession sich derzeit in der Gemeinde befinden, welchen Namen das Familienoberhaupt führt, und aus wie vielen in der Gemeinde ansässigen Köpfen die betreffenden Familien bestehen; ferner, welcher Kultusgemeinde die Familien bisher angehörten, und mit welchen Beiträgen dieselben für die Erfordernisse ihrer Kultusgemeinde berangezogen wurden. — „Seine Majestät der Kaiser ist der entschiedenste und strengste Gegner dev Antisemitismus", so lautet der Ausspruch eines Mitgliedes der österreichischen Regierung nach einer Korrespondenz aus Wien, die im Pariser Journal „I.u Matin“ erschienen ist. — Der außerordentliche Professor Dr. Moriz Loewit ist zum ordentlichen Professor der allgemeinen und experimentellen Pathologie an der Universität in Innsbruck ernannt worden. — In Pest soll eine neue jüdische Gemeinde in der Bildung begriffen sein. Der Magistrat hat das ihm diesfalls eingereichte Gesuch an das Landes-Rabbinen-Semiuar zur Begutachtung gewiesen. — In einem Strafprozesse wurde dem Angeklagten zur Lau gelegt, er habe ein Dokument, nämlich einen jüdisch-rituellen Scheidebrief, gefälscht. Die königliche Tafel zu Pest hat jedoch ausgesprochen, daß ein Scheidebrief wohl rituell von Wichtigkeit sein könne, aber durchaus kein öffentliches Dokument sei, weshalb der Verfälscher desselben nicht als Urkundenfälscher bestraft werden könne. - Zum Direktor des Rothschild'schen Hospitals in Paris an Stelle des verstorbenen Jsaac Weil ist Herr Ferdinand Aron, welcher die Direktorinlfnnktiouen bereits interimistisch ausgeübt hat, ernannt worden. — Die 8anstz-14o>v-Synagoge in London, welche voriges Jahr theilweise durch eine Feuersbrunst zerstört wurde, ist durch Dr. Adler eingeweiht, und das schöneneuerbaute Gebäude formell durch dasParlamentvmitglied Mr. S. Montagn eröffnet worden. — Die portugiesische u nd die Reformgemeinde (West-London-Synagoge) haben beschlossen, der Einladung Lord Rothschilds behufs Anbahnung einer gemeinschaitlichen Wahl eines Chief-Rabbi-Delegirten zu ernennen, nicht Folge \n leisten. - Fräulein Jettka Finkelstein, die großherzoglich hessische Kammersängerin, ist die diesjährige Vertreterin deutscher Sangesknmt während der „Season" in London. Sie hat sowohl im State-Konzett im Buckingham-Palace bei dem Prinzen und der Prinzessin von Walev, wie bei der Königin in Windsor mit den ersten Gesangesgrößen der Welt zusammen gesungen und hier und dort so großen Erfolg gehabt, daß die hohen Herrschaften ihr persönlich Anerkennung und Dank anssprnchen. Von London kehrt die Künstlerin nach Paris zu Frau Viardot-Garcia zurück, um den Sommer zu noch weiteren Studien \\\ verwenden. Wie unfern Lesern bekannt ist, bekleidet der Vater der berühmten Sängerin das Amt des Oberkantors in Posen. Eine in bulgarischer Sprache in Varna verfaßte antisemitische Broschüre „Der Talmud" wurde für die Türkei verboten. — Die Regierung hat die Genehmigung zur Errichtung eines Hospitals in Safed gegeben. Dasselbe wird auf Kosten der Baronin Rothschild erbaut, welche bestimmt hat, daß in demselben nicht blos Israeliten, sondern auch Christen und Muhamedaner Aufnahme finden. — Eine jüdische Frau in Tantal) (Egypten) hat Fünflingen, drei Knaben und zwei Mädchen, das Leben gegeben. Die von der Negierung entsandten Aerzte konstatirten das Gewicht der Knaben auf 1500 Gramm, das der Mädchen auf 1300 Gramm. — Unser egyptischer Glaubensgeiwne Samua Abu-Nadhara ist vom Sultan mit dem Offizierskreu; des Medjidje - Ordens dekorirt worden. — In einem von L. Benas, dem neugewühlten Präsidenten des „Litterarischphilosophischen Vereins" zu Liverpool gehaltenen Vortrage über Ethik und Poesie der Chinesen kam der genannte Gelehrte auch auf die Juden in China zu sprechen, und es ist in der That merkwürdig was er berichtet. In China haben die Juden erreicht, was ihnen bis nun nirgends gelungen ist: sie haben sich vollständig assimilirt. Tie Juden von Kai-Fung-Foo, welche schon in vorexilischer Zeit dortbin gelangt sind, haben ihre altehrwürdigen Gebräuche aufgegeben und unterscheiden sich gegenwärtig in Sitten und allgemeinem Betragen durchaus nickst von ihren chinesischen Mitbürgern. Sie sind vollständig Chinesen mit monotheistischer Weltanschauung und erfreuen sich unbedingter Religionsfreiheit und bürgerlicher Gleichheit. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.