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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-07-11 · Heft 26 (11.7.1890) · p. Seite 348

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 26 (11.7.1890)
Date
1890-07-11
Page
Seite 348 (sequence 4)
Language
German
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348 (inipcbotlcs, Parmenides und .Jenvphanes, von den göttlichen Männern Zeno nnd Kleauthes. Es war eine reichhaltige Litteratur, welche ans dieser Vermählung des jüdischen nnd griechischen Geistes hervorging; allein abgesehen von den großen Gcistesdenkmalcn des Philo und des Josephns, sind es nur Trümmer, welche uns von einer einst so lebhaften nnd folgenreichen geistigen Bewegung Kunde geben. In der Durchforschung dieses Trümmerfeldes, im Suchen nach werthvollen Stücken nnd Zurechtrücken des Dnrcheinandergeschobenen hat aber keiner so viel geleistet nnd der Wissenschaft so viel gesicherten Gewinn gebracht, als I. Freudeuthal in Breslau, welcher eine gründliche philologische Durchbildung mit genauer Kenntnis; der jüdischen Quellenschriften verbindet, wozu ein glücklicher kritischer Scharfblick, eine sichere Methode und eine vortreffliche Tarstelluugsgabe sich gesellen. Vielfach werden wir daher im Folgenden ans die Resultate seiner Forschung uns beziehen müssen, wie dieselben vorzugsweise niedergelegt sind in dem Buche: „lieber die dem Flavins Josephns beigelegte Schrift über die Herrschaft der Vernlufft" (IV. Makkabäerbuch), Breslau 1869, und in den „Hellenistischen Studien" II. 1. 2. Alexander Polyhistor, Breslau 187',. ff (Schliff; folgt.) U Nie Juden im heutigen England. Von De. Heinrich Meyer Cohn. I. Man darf England das Paradies der Juden ilenncn. Von Seiten einer orthodoxen christlichen Bevölkerung Toleranz, häufig selbst Sympathie mit Juden und Judenthuni, von Seiten der Juden neben der Erfüllung ihrer bürgerlichen Pflichten, an ivelcher sie es auch anderwärts nicht fehlen lassen, warmes (Gefühl für ihre Religion und ihre Religionsgenossen — dies ist das erfreuliche Bild, welches die englischen Verhältnisse uns zeigen. Die jüdische Bevölkerung. Tie Zahl der ciiglischen Juden wird auf 90,0(40—106,000 geschützte, die der Londoner auf 00,000—70,000'), in einigen sechzig Provinzialstädten bestehen Synagogen-Gcmeindcu. Die Gemeinde-Verhältnisse in der Provinz sind denen Londons ähnlich, und da in London zudem zivei Drittel säinmtlicher englischen Inden leben, darf ich mich im Wesentlichen ans die Schilderung der Londoner Verhältnisse beschränken. K nltuseinrichtungen. Eine Gesammtgemcinde in der Art deutscher Gemeinden, die alle ortsangehörigen Juden umfaßt nnd das Recht besitzt, dieselben für Zwecke des Kultus z» besteuern, besteht in englischen Städten nicht. Wer einen Platz in einer Synagoge erwirbt, hat Stimmrecht in Bezug auf die Verwaltung derselben, jede Synagoge giebt sich selbst ihre Gesetze. Mit der Autonomie der Synagogen scheint es allerdings in Widerspruch zu stehen, das; zwei Qberrabbiner (einer der polnischen Juden — und einer der portugiesischen) eine höchste Instanz in rituellen Fragen bilden. Indessen beruht ihre Macht lediglich auf der freiwilligen Unterwerfung der einzelnen Synagoge». ff Wir bezeichueu der Kürze wegen im Folgenden die erste Schrift mit Fr. DL, die zweite blos mit Fr. ff Genauere Ziffern siiid nicht zu ermitteln. Lncien Wolfs schätzt in einem interessanten Aufsatz (Graphic, 16. November 1889) die Zahl der Londoner Inden ans nur 40,000, bei weitem zn niedrig, wie sich aus der Zahl der Eheschließungen ergiebt, welche im Jahre 1889 betrug: in London 767, in ganz England 799. Unter England ist Schottland und Irland nicht inbegriffen, dort leben insgesammt etwa 5000 Inden. Einige größere Verbünde fassen eine Mehrzahl von Synagogen in einer gemeinschaftlichen Verwaltung zusammen. Der wichtigste derselbe» ist die „Vereinigte Synagoge" (United Synagogue) mit 14 Synagogen, weitere 4 Synagogen, die im Entstehen begriffen sind, lverdcn sich dem Verbände anschließen. Als wichtige Korporationen sind ferner zu erwähnen: die portugiesische Gemeinde mit zwei Synagogen ff, die Reformgemeinde mit einer Synagoge und die Föderation von Synagogen, ans etwa 25 kleineren Bethänsern (Chewrahs) neuerdings gebildet. Das Verhültniß der verschiedenen Verbünde ist im Allgemeine» ein freundschaftliches, so daß eine Fusion — selbst mit der Reformgemeinde — in Anregung gebracht werden konnte. Schon jetzt sind Delegirte der verschiedenen Verbände gemeinsam im Board of Deputies, einem Comite, welches die jüdischen Interessen nach außen vertritt, im Board of Guardians (Armenkommission ), der United Synagogue und im Seüeeluka-Amt thätig. Es ist durchschnittlich für je 300 Familien ein Bethans vorhanden. Selbst wenn man in Betracht zieht, das; ein solches Hans kaum 200 Sitze faßt, ist dies ein sehr befriedigendes Verhültniß. Die Wirksamkeit der Synagogen wird aber noch durch Rachnuttagsandachten für Kinder und Arbeiter potenzirt. Außerdem werden wie bei uns an hohen Feiertagen Gottesdienste in Räumen abgehalten, die sonst anderen Bestimmungen dienen, wie zum Beispiel dem jüdischen Arbeiterklnb, den jüdischen Schulen re. Die Kleinheit der Synagogen befördert engere Beziehungen der Gemeindemitglieder zu einander, zn ihrer Synagoge nnd ihrem Rabbiner, ähnlich den Verhältnissen in kleineren deutschen Provinzialgemeinden. Geschenke zur Ausschmückung der Synagoge sind häufig, es ist ziemlich gebräuchlich, zn Familienfesten mit religiösem Inhalt, >vie zur Barmizwah, die ganze Gemeinde einznladen. Die Stellung des Rabbiners entspricht mehr als bei uns der des christlichen Seelsorgers; Visitationen der Armen und Kranken, Aufsicht über die jüdischen Rcligionsschnlen gehören zu seinen Obliegenheiten. Wie weit die Pflichten eines Rabbiners gefaßt werden, ergiebt sich ans dem im Strike der Sckineider gegen die jüdische Geistlichkeit erhobenen Vorwurf, nicht genug um Beilegung des Strikes sich bemüht zu haben. Rach dem jüngst erfolgten Tode des Qberrabbiners Adler haben sich Refornibestrebnngen kräftiger geltend gemacht. Dieselben gehen besonders dahin: 1. der englischen Sprache einen breiteren Raum im Gottesdienste zn sichern; 2. den Gottesdienst in einzelnen Bethäusern am Sabbnth N'achmittag stattsinden zu lassen; 3. der jüdischen Frau eine wichtigere Stellung im Kultus einzuräumen, insbesondere die Chöre von den weiblichen Gemeinde- Mitgliedern singen zu lassen; 4. einige Gebete zn kürzen. Im Allgemeinen ist die Stimmung Reformprojekten nickst abhold, vorausgesetzt, daß dieselben mit Takt nnd Schonung betrieben und realisirt iverden. Man darf in England der Reformfrage keine übertriebene Bedeutung beimessen. Aenderungen in Aeußerlichkeiten werden den religiösen Sinn nicht wecken, andrerseits dort schwerlich schaden, wo nicht Indifferenz, sondern ein durch historisches Berstündniß gezügelter Reformeifer die Aeudernuge» bestimmt. ff Das portugiesische Element hat sich nur schwach vermehrt, seine relative Bedeutung ist durch das schnelle Anwachsen des polnischen Elements außerordentlich znrückgegangen.

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