Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 25 (4.7.1890)
- Date
- 1890-07-04
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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54. Jahrgang, illr. 25. iöerlm, 4. Juli 189Ö. 14 und ]:>) e Sabbathe, nimmt, und cicht, bürue 'lichen Sg(]c zu besitzen, emerkung-i, re ZU fassen so wäre wsitiou der >on Muster ^s hätte sv- Itaurn nicht )ert worden digten über ich nicht be- , was wir b mit einer eit gegeben eit, heran - als BOiitat, wenn wir ek u. s. w. ng, ebenie nomischerer hängt doch;r Verfasser d, die der lsche Homi Cassel. rdert bi« H e i n r i äi , Hofbucl and amtin or an der r englische )alt seiner 'ächlich fit v Gesammt fielt Zeiten schwachen Zorurtheite nder Dar nteressante Drittel dee vegung in o umfang am Platze. Verfassern!dings nur l Deutscher religiöser bekämpfen, prokruste^ xl ist vie! das Werl wir nicht, ir Geschrei aber nach Verfassern Glaubens u schöpfern N.-e. ti von Sacl>- rrucken lassen. Der Gemeindrbote. WeiLcrge zur „Attgemeinen Zeitung des Zuöenttzums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. * Berlin, 80. Juni. Die Antisemiten im Deutschen Reichstage suchen durch übergroße Redseligkeit die Geringfügigkeit nrrer Mitgliederzahl wett zu machen. Am jüngsten Sonnabend haben nicht weniger als drei unter den fünf Mann das Wort ergriffen, cherst erhob sich bei der Militärvorlage.der „wilde" Antisemit, Abg. nebermann v. Sonnenberg: „Die Gegner der Vorlage sehen in dem Militarismus einen Alles verschlingenden Moloch, wir aber erblicken m der allgemeinen Wehrpflicht einen durchaus produktiven Faktor, eine nationale Erziehungsanstalt ersten Ranges. Der Bauer wird an die Armee seine Produkte los, der Bürger weiß den Werth der Garnisonen vit schätzen, die Armee bietet Fabrikanten und Arbeitern Verdienst. Die Armee vermindert nicht, sondern vermehrt die Arbeitsgelegenheit, und amt kann sagen: mehr Soldaten, bedeutende Verminderung der Konlarrenz unter den Arbeitern und damit Lohnsteigerung. (Allgemeines Gelächter.) Nicht die Armee ist der Moloch, der Alles verschlingt; es uebt aber einen Moloch (aha!), der den Volkswohlstand aufsaugt. Die Süddeutschen sind durch die allgemeine Wehrpflicht, wie sie in Preußen sich -ingelebt batte, im Jahre 1870 vertheidigt worden. Diesen Grundsatz Hätte matt in Süddeutschland vertreten sollen, statt Petitionen gegen die Vorlage einzureichen. Dies hat namentlich Mannheim gethan, der klasiische Ort der Militärbestechungsprozesse, bei denen meist Juden betheiligt uum'it. Die nicht gedienten Leute müßten eine Wehrsteuer zahlen, und -ms dieser Stetter könnte man den etttlassenen Reservisten, denen wegen äos erweiterten Körperumfangs die Anzüge gewöhnlich nicht mehr passen, neue Anzüge verschaffen. (Große Heiterkeit.) — Wir müssen vor Allem oen Mittelstand wieder kräftigen, der durch die Gesetzgebung Lasker- Bamberger pulverisirt worden ist; dann werden wir auch die Ausgaben leichter tragen können. Es giebt wohl Mittel, die reiche Quellen eröffnen, ohne das Volk zu belasten. Es giebt auch Monopole, die das Volk nicht belasten, z. B. ein Jnseraten-Monopol (Lachen links). Dann wird nmtt der Börse zu Leibe gehen müssen. (Aha!) Ich hoffe, daß der neue oreußische Finanzminister in der Lage sein wird, an der Sühne für vergangene Jrrthümer mitzuarbeiten. Man braucht in dem bestehenden Börsengesetz nur die Steuerschraube schärfer anzuziehen. Die goldene Internationale muß durch internationale Vereinbarungen bekämpft werden. (Lachen links. Präsident v. Levetzow ruft den Redner zur Lache.) Ich erblicke in der internationalen Börsenorganisation eine veständige Kriegsgefahr. (Gelächter links.) Die unersättliche Profitwuth der großen Börsenmacht ist unser gemeinsamer Feind. Gegen diesen allgemeinen Feind will der Antisemitismus kämpfen, um den allgemeinen Frieden zu erhalten - er erweist sich also als eine völkerverbindende Macht" Gelächter links, Beifall bei den vier anderen Antisemiten.) Nach Schluß der Debatte ergreift zur Geschäftsordnung das Wort der Abg. Böckel: „Ich muß heute konstatiren, daß ich mich zwar rechtzeitig zum Wort gemeldet habe, daß mir aber durch den Schluß der Debatte das Wort abgeschnitten ist. Ich kann es nicht recht finden, daß andere Parteien >wei- oder dreimal das Wort erhalten, während uns wiederholt das Wort abgeschnitten worden ist. Ich werde nun bei § 1 das Wort nehmen". Präsident v. Levetzow: „Was Sie über die Geschäftsführung nrtheilen, behalten Sie ruhig für sich". — Bei dem Etat der Postbeamten hielt der Antisemit Werner seme Jungfernrede, deren die unteren Beamten aufreizende Tendenz unverhüllt hervortrat. Der Direktor im Reichspostamt Fischer wies oie thatsächlicheUnrichtigkeit einiger seiner Behauptungen nach. L Berlin, 2. Juli. Bei Gelegenheit der Debatte über die Wahl des Abgeordneten Pickenbach kam es im Reichstage zu einer erregten Debatte. Der Abgeordnete Böckel klagte über die bösen Bedrückungen und Wahlbeeinflussungen, denen die armen friedliebenden Antisemiten seitens der Behörden ausgesetzt wären. Die Abgeordneten Dr. Gutfleisch und Rickert setzten diese Behauptttngen sowie die antisemitische Wahlagitation ins gebührende Licht, während Abgeordneter Liebermann von Sonnenberg einett vergeblichen Versuch zur Herbeiführung einer Antisemiten-Debntte in größerem Stil machte. Darauf wurde die Wahl Pickenbachs gegen die Stimmen der Antisemiten und weniger Konservativen beanstandet. Der Böckel'sche Antrag ans Gültigkeitserklärung hatte nicht einmal die zur Unterstützutig nöthige Stimmenzahl geftinden. — Ein ausführlicherer Bericht folgt in der nächsten Nummer. tt Berlin, 29. Juni. Die Reihe der Gastpredigten in der neuen Synagoge wurde am gestrigen Sabbath beendet. Es sprach vor einer zahlreichen, andächtig lauschenden Gemeinde Herr Dr. Neumann, R a bbi n er i n G ro ß - Ka n i s z n, welcher den Vers des Wvchenabschnittes „den Weg des Königs wollen wir ziehen" ztlm Text gewählt hatte. Dr. Neumann, einer der begabtesten Schüler des Budapester Rabbinerseminars. ist als Schwiegersohn des Herrn Dr. Kayserling in Budapest ein Enkel des seligen Ludwig Philippson. 8 Berlin, 80. Juni. Tie gestrige Rep r äse nt antensitzting beschäftigte sich auch mit der Frage der Bebauung der die Synagoge flankirenden Grundstücke Oranienburgerstraße 29 und 31. Wir können mit Genugthnung berichten, daß der von uns (vergl. Nr. 16 dieses Jahrgangs) vertretenen Anschauung hinsichtlich des einen zunächst in Frage kommenden Hauses Oranienburgerstraße 29 von der überwiegenden Mehrheit der Versammlung zum Siege verholfen worden ist. Es soll ein dreistöckiges Gebäude errichtet werden, welches sich architektonisch an die Synagoge gefällig anschließt, und in demselben ist die Anlage von neuen Büreauräumen, von Räumlichkeiten für eine Centralkasse der Gemeitide, von Sitzungssälen für die Kommissionen geplant. Im attdern Nachbargrundstück, Oranienburgerstraße 81, wird zunächst nur eine zweite Einfahrt zum Synagogenhof hergestellt werden. — Die geheime Sitzung beschäftigte sich mit der Frage der Neuauflage des zweiten Theils des Gebetbuchs und mit der Einsetzung einer Kommission für die Rabbinerwahl. X Berlin, 1. Juli. Das in Weißensee neuerbaute Anstaltsgebäude für israelitische Taubstumme Deutschlands geht seiner Vollendung entgegen, und wird voraussichtlich die llebersiedlung der israelitischen Taubstummen-Anstalt zu Fürstenwalde a. d. Spree schon in diesem Monat erfolgen. Das neue, schöne Gebäude, welches allen Anforderungen der Jetztzeit entspricht, bietet Raum für 60 Zöglinge; es werden aber vorläufig nur 20 Zöglinge, Knaben und Mädchen, Aufnahme finden. Besonders berücksichtigt sollen diejenigen taubstummen Kinder werden, welche in Ortschaften leben, wo ihnen die Gelegenheit zur Ausbildung fehlt. Anmeldungen zur Aufnahme in die Anstalt sind an den Leiter der israelitischen Taubstummen-Anstalt zu Fürstenwalde a. d. Spree, Herrit M. Reich, zu richten. K Flatow, W.-Pr., 21. Juni. Es war im Anfang des Jahres 1884, als Beamte aus den drei Provinzen Ponnnern, Ost- und Westpreußen, itt Danzig zusammenkamen, um unter dem Vorsitze des Stadtraths Dr. Samter-Danzig eine Hilfskasse ins Leben zu rufen, die denjenigen Beamten israelitischer Synagogen-Gemeinden, welche durch Krankheit oder Alter dienstunfähig gewordeit sind, für die Zeit ihrer Dienstünfähtgkeit, den Wittwen und Waisen verstorbener Mitglieder Beihilfen zu gewähren sich zum Ziele setzte. Aus der regeu Betheiligung, welche die Beamten, die doch meist auf „Zeit" angestellt sind und keine Pensionsberechtigung in ihren Kontrakten verzeichnet finden, zeigten, ließ sich der Schluß ziehen, daß die „Kasse" als ein erwünschtes Mittel von diesen Herren angesehen werdeit würde, um sich und ihre Familien vor Unglücksfällen, die ihre Existenz in Frage stellen köntten, zu schützen. Das von dem Sekretär der Königsberger Gemeinde, Herrn Klein, vorgelegte Statnt wurde dnrchberathen, mit unwesentlichen Abänderungen angenommen und ein provisorischer Vorstattd gewählt, der die weiteren Schritte bis zum Inkrafttreten des Statuts thun sollte. Unterm 18. April 1884 wurde das Statut von dem Minister des Jttnern und dem Minister des Kultus genehmigt. Seitdem sind 6 Jahre verflossen, aber von den Beamten sind noch wenige der Kasse beigetreten. Von den etwa 250 Beamten, die nach dem Statut ordentliche Mitglieder werden fömtteit, das sind alle Beamten israelitischer Synagogen- Gemeinden und alle staatlich geprüften jüdischen Lehrer und Lehrerinnen, Cin.