Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-07-04 · Heft 25 (4.7.1890) · p. Seite 340

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 25 (4.7.1890)
Date
1890-07-04
Page
Seite 340 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/3224737-3227825-3227851--47173-3268679
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

340 Die Juden in Palästina. Von Alex Braun. In den letzten fünfundzwanzig Jahren hat sich die Zahl der in Palästina ansässigen Juden mehr als vervierfacht. Ueber fünfunddreißigtausend leben in den Städten Jerusalem, Saphet, Tiberias, Joppe, Hebron, Sidon, Haifa, Acco, Sichem und Gaza. Hinzu kommen noch weitere acht- bis zehntausend, die theils im Lande verstreut sind, theils eigene größere und kleinere Niederlastungen gegründet haben. Aber nicht nur die Zahl bezeugt das Aufstreden und Gedeihen des jüdischen Elements im urheimathlichen Boden, sondern vielmehr der Charakter der neuen Ansiedler. Als Bauersleute sind sie gekommen, um sich durch ausdauernden Fleiß und rastlose Energie die Scholle ihrer Väter wieder zu eigen zu gewinnen. Trotz aller Feindseligkeiten der türkischen Regierung ist es ihnen geglückt, und von ihren westlichen Glaubensgenossen nur schwach unterstützt, haben sie aus eigener Kraft und Tüchtigkeit ihre Kolonien zu einer namhaften Blüthe gebracht. Vor zehn Jahren haben die Juden zuerst „das Thor der Hoffnung" in Palästina eröffnet, Pethach Tikwah, ihre älteste und umfangreichste Ansiedlung. Sie zählt dreihundertunddreißig Personen, worunter hundert Feldarbeiter, und umfaßt vierzehntausend Donum Land. (Das Donum wird auf ungefähr neunhundert Quadratmeter berechnet.) Es fehlt nicht an Pferden und Ackergeräthschaften, und außer vielem Kleinvieh besitzen sie hundertundsiebzig Rinder. Besondere Sorgfalt wird auf die Wein- und Oelgärten verwendet, und bereits sind fünfzigtausend Reben und sechszehnhundert junge Oliven gepflanzt. Auch kultivirt man Obst aller Art. Die nächste Kolonie ist dem Gedächtniß Jakobs gewidmet, das unweit Samaria gelegene Sichron l' Jaacob. Nur zehntausend Donum groß, ist es weit stärker als Pethach Tikwah bevölkert und hat fünfhundertundfünfzig Einwohner, von denen hundertundsechzig den Acker bebauen. Seine Rinderheerde beziffert sich auf zweihundertundsechzig Köpfe und seine Wcinpflauzungen enthalten dreißigtausend Stöcke. Hauptsächlich mit Weinbau beschäftigt sich der folgende Ort Rishon F Zion. Seine Bewohner, nur hundertundfünfzig an der Zahl, aber meist erwachsen, bewähren sich als eifrige lind geschickte Winzer und Landwirthe. Sie haben zur Zeit über fünfhunderttausend ertragfähige Rebstöcke und sorgen durch trefflich gehaltene Pflanzschulen für die Ausdehnung ihrer Wein- und Fruchtgürten. Dreitausend Mandel- und ebenso viele Olivenbäume verwandeln ihr Land in ein blühendes, reich gesegnetes Gefilde. Dabei vernachlässigen sie die Viehzucht nicht und haben mehr als hundert Rinder. Regsam und emsig, läßt t er jüdische Siedler keinen Zweig der Agrikultur aus dem Auge, und zu Allem wird der an sich karge Boden nutzbar geinacht. In Mazkereth Baith, der dem „Andenken des Hauses" geweihten Kolonie, verlegt mau sich auf die Pflege des Maulbeerbaumes und demgemäß der Seidenzucht. Einstweilen grünen auf den fünftausend Donum des Ortes über fünfzehntausend Maulbeerbäume und neue werden fortwährend angepflanzt. Die Zahl der Bewohner beträgt hier hundertundachtzig, deren fast Jeder ein Rind besitzt. An Größe zunächst steht Rosh Pinah, „der Eckstein", mit seinen dreitausendsechshundert Donum und hundertachtundsiebzig Menschen. Es betreibt vorzugsweise Wein- und Obstbau, züchtet aber auch neben den Rindern ausnahmsweise Schafe und Ziegen. Sein Name ist wohlgewühlt, denn man darf Rosh Pinah in der That als Stütz- und Glanzpunkt der jüdischen Kolonien betrachten. Es hat nicht weniger als dreitausend Citronenbäume, fünfundzwanzighundert edle Obstbäume, dreitausend Oliven, zweihundertundfünfzigtausend Weinstöcke und zudem noch hundertundzehn Rinder, hundertundfünfzig Schafe und hundert Ziegen. Eine kleine, aber sehr vielversprechende Niederlaffung ist das Erbe Rubens, „Nachalath Reuben". Seine dreißig Bewohner haben jeden Fuß breit der neu erworbenen fünfzehnhundert Donum mit Wein, Obst und Getreide bebaut und schon über sechstausend Obstbäume und etwa dreißigtausend Reben gepflanzt. Jüngsten Datums sind Gedera, Aesod Ma'aleh und Dehudieh. Im elfteren haben zweiunddreißig Kolonisten mit Erfolg die Bewirthschastung von dreitausend Donum begonnen. Zuzug und Hilfe wird nicht ausbleiben, so daß Gedera bald in die Reihe der bedeutenderen jüdischen Siedlungen treten wird. Gleichfalls in den ersten Anfängen ist Zesod Ma'aleh mit einunddreißig Personen und vierundzwanzighundert Donum. Ziemlich vorgeschritten auf dem Wege gedeihlicher Entwickelung ist endlich Yehudieh, dessen sechzehnhundert Donum bereits zweitausend Weinstöcke und zweihundertundfünfzig Feigenbäume aufweisen und den: in der kurzen Zeit seines Bestehens bereits sechzig Personen meist aus dem Innern des Landes zugeströmt sind. Ueberall in ganz Palästina sind einzelne jüdische Bauern und Pflanzer zu finden, die unverdroffen die Keime neuer Kultur aussäen. All' diese wackern Kolonisten aber, durchweg Juden aus dem östlichen Europa und dem Orient, verlockt nicht die Aussicht auf leichten und reichen Gewinn, sondern sie folgen einem religiösen Impuls, indem sie sich nach Palästina wenden, um es in der Weise ihrer Väter zu bebauen. 9 Feuilleton, Kol Uidre. Novelle von Ulrich Frank. „Ich bin für Niemanden;u sprechen Jean, für Niemanden." „Aber wenn der Herr Filippo? . . ." „Nein . . ." „Und wenn Madame?" „Nein, tausend Mal nein . . . verstehst Du nicht, was ich sage? . . ." rief mit nervöser Ungeduld der Mann aus, der den Befehl ertheilt hatte. Mit zögerndem Schritt verließ der Diener das Zimmer. Es war, als wolle er noch etwas sagen. Er räusperte sich, rückte die Tischdecke zurecht, schob einen Fauteuil von seinem Platze weg, obwohl dieser ganz gut dort gestanden hatte, und war so endlich bis an die Thür gekommen. Jetzt hatte er die Klinke in der Hand und drückte sie herab, es gab einen knirschenden Laut. „Jean! Herrn Filippo können Sie vorlassen . . ." Der Diener stand in der geöffneten Thür. „Und falls Madame kommt . . . lassen Sie sie herein . . ." Lautlos hatte sich die Pforte hinter dem Davongehenden geschlossen. Diesmal gab's kein Geräusch nrit dem zuschnappenden Thürschloß, es war nicht mehr nöthig. Eine Weile regte sich nichts in dem Raume, in dem dies kurze Gespräch stattgefunden hatte. Der Zurückbleibende hatte die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, sich tief in die breite Ottomane, welche die Mitte des Zimmers einnahm, zurückgelehnt und starrte gedankenlos vor sich hin. — Es mußte einst ein auffallend schönes Männerantlitz gewesen sein, daß jetzt bleich, mit eingefallenen Zügen und leerem Blick auf dem Lager ruhte. Ein Zug tiefer Müdigkeit und Apathie verlieh dem Gesicht einen traurigen Ausdruck . . . Hoffnungslosigkeit und Ueberdruß hatten ihre scharfen Furchen in dieses Menschenantlitz gegraben. Der etwa Mitte der vierziger Jahre stehende Mann schien völlig seine eigene Existenz vergeffen zu ha eutsun und r leiser < diesem Zimm bildete Alles lesener sucht gestatt, einen < leise \ emporl möbel die N 7räun liefe§ mtb g Fracht goldete schmück Fcrlm: lieberf! zeichne! acwesei eines! nicht % ecicher eiU M A eumäh Äcschck guten, und 9 längste Fhilosi des Jc euch d teeten. Füchn. -veuerb Feister Hatte 1 gilbt, i weisen, E worden leches! Halt d. Nann zunehn was he elegant F schl r-erschl. blasirtc edler, geniale ilärum

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.