Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 25 (4.7.1890)
- Date
- 1890-07-04
- Page
- Seite 339 (sequence 7)
- Language
- German
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339 Verrichtung, hatte auch der Nachmittagsschlaf, bis zu dem Mincha- GoLtesdienst und der gewöhnlich damit verbundenen Lesung und Erklärung der „Sprüche der Väter", während es an Erbauungs- und Andachtbüchern für Frauen und größere Töchter nicht fehlte. Von jenen für den Abenddienst bestimmten Sabbathliedern (Semirot) geben wir hier eine kleine Probe, die nur als Uebersetzung beurtheilt sein will: (iDi-now nai na) Wie bist bu so lieblich, so fein, Um des Betrübten Herz zu laben; Sieh', köstlich Brod und Wein Möcht' ich bereit für dich haben Von Abend zu Abend das Herz sich freut, Wenn du kommst, der Liebe Zeit, Du bist für Israel der Erlösung Bild. Mit Wonne ist die Brust gefüllt. Gern wollt' ich zum Weine den Segen sprechen, Doch bin ich arm, kann kaum ein Brödlein brechen, Drum will ich in Gottes Wüten mich fügen, Mit dem Segen über das Brod mich begnügen. Wer den Sabbath wahrt, ihn nicht entweiht, Der Herr ihm seine Schuld verzeiht, Und den Erlöser wird er senden, Wie vormal einst uns Freiheit spenden. Hat nicht den Sabbath schon das Manna bezeugt?l 2) Und siehe, der ruhelose Strom") — er schweigt, Nie hat den Sabbath er verfehlt Gleich der Nation, die Gott sich erwählt. Sechs Tage geh'n hin in bittrer Noth, Aber mit des sechsten letztem Roth Fühlt man vom Joche sich befreit, Geh ein in den Sabbath im Festeskleid. Und ruft: Was Zögerst du, komm doch, o Braut, Sieh hier den Festestisch schon aufgebaut. Die Lichte glänzen; mag das Licht auch wieder prangen, Das einst für dich untergegangen.3 4) Wie einst das Gotteslicht den Raum erhellt, Me durch fein Wort entstand die Welt, Des Ostens und des Westens Fernen, Des Nordens mit des Südens Sternen. Sechs Tage strahlte nur das volle Licht, Da hielt der ewige Herr ein streng Gericht; Weil gegen ihn der Mensch sich hat vergangen, Sollt' es nicht mehr in hellem Glanze prangen. Da tratest du, o Sabbath, ein; „Noch einen Tag möcht' Er es dir verleih'n", Und als des Sabbath Ende war gekommen, Ward es verwahrt für die künftigen Frommen-') Das ist ein Vorgefühl der ew'gen Seligkeit; Denn großer Lohn erwächst ihm, der hier sich seiner freut. O. daß vor Noth geborgen, Erlösung möge sprießen Und wir behütet bleiben von Sorg' und Kümmernissen. 1) Daß das Manna am Sabbath ausblieb, wird als ein göttliches Zeugniß für den Sabbath angesehen. 2. Mos. 16, 25. Kusari I, 86. 2) (iccßßaTiov, ber fabelhafte Strom, der an Wochentagen Steine auswirft und nur am Sabbath ruht; also auch ein Zeuge für den Sabbath. Jos. Jüd. Kr. VII. 5, 1. Sanh. 65 b. Bet. r. c. 11. a) Jes. 60, 1. 4) Das am ersten Tage geschaffene Licht sollte nur sechs Tage in seinem ganzen Glanze strahlen (nach hagadischer Deutung von Jes. 30, 26. Hiob 38, 15) und wurde auf des Sabbath Fürbitte noch einen Tag gewährt. Ber. r. e. 11. Das folgende Tischlied, eine poetische Umschreibung des alltäglichen Tischgebetes mit dessen vier Benediktionen, ist zwar nicht speziell für den Sabbath bestimmt, hat aber, da an Wochentagen Zeit und Stimmung fehlte, seine Stellung unter den Sabbathliedern gefunden. (121 isSna iStra ni2) Den Gott, der uns gespeist, Ihr Gläub'gen mit mir preist. Wir sind schon satt und haben mehr, Nach seines Worts Gewähr. Er nährt uns fort und fort, JsCVater uns und Hort; Sein Brod hat uns erquickt, Sein Wein hat uns beglückt, Drum bringen wir ihm Dank Wir stimmen an den Sang: Nichts reicht in Ewigkeit An Gottes Heiligkeit. Mit Lied uitb Dankesweisen Wir unfern Schöpfer preisen. Er gab uns Speis' und Zehruug Und des Bedarfs Gewährung. Es waltet seine Treue Und seines Schutzes Weihe. O wolle doch erbarmen Dich Deines Volks, des armen, Zions, des Heiligthums, Der Stätte unsres Ruhms. Mach' unsrer Noth ein Ende Und den Erlöser sende, Der unsres Lebens Hauch. Von wo Dein Wort einst ausgegangen, In Fülle möge Zion prangen, Ein neuer Sang heb' unsre Brust, Wir zieh'n hinauf in hoher Lust. O Du Gebenedeiter, Du unsres Lebens Leiter. Von dem, was Du uns hast gegeben, Den vollen Kelch wir Dir erheben. Aber auch der Ausgang des Sabbath sollte mit Gesang begangen, die scheidende Prinzessin würdig geleitet werden. Von den sich herandrängenden Werktagssorgen sollte die hochgestellte Königstochter (*|Sa J"0 nni22) nicht berührt werden. Ja, sie drängten sich heran; es galt, für den Bedarf der neuell Woche zu arbeiten und sich auf Wege zu begeben, die von Vorurtheil und Scheelsucht so mannigfach eingeengt waren. Charakteristisch für die Stellung, die man der nichtjüdischen Umgebung einzunehmen genöthigt war, empfahl man bei dem Eintritt in den harten Dienst der Woche die Erzählung zu lesen, wie sich Jakob auf das bange Zusammentreffen mit feinem Bruder Esau vorbereitet (1. Mos. 32, 4 ff.). Daneben stärkt und erhebt den Besorgten und Gedrückten die Erinnerung an den Propheten Elia, den allzeit bereiten Helfer der Armen. Von ihm, auf den wir bei anderer Gelegenheit zurückkommen, sprechen und erzählen die Lieder am Ausgang des Sabbath; es darf sich kein Gebet an ihn richten; kein Anderer als Gott darf angerufen werden, ins*? iS TlSo. Die Prinzessin ist von ihrem hohen Sitz herabgestiegen; der altjüdische Sabbath ist dahin. Klagen wiirden nichts helfen, auch wenn sie von berechtigter Seite ausgehen. Vielleicht darf der Wunsch geäußert werden, daß das alte Wort des unbekannten Propheten: „Du sollst den Sabbath eine Lust nennen, den vom Ewigen geheiligten geehrt" in einem neuen Gewände vor uns in das Leben treten möge.