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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-06-27 · Heft 24 (27.6.1890) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 24 (27.6.1890)
Date
1890-06-27
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Die zahlreichen Anfragen, die über diese Angelegenheit an mich ergehen und theilweise An Mißverständniß meines Verhaltens bekunden, veranlassen nüch, hiermit zu erklären, daß ich weder selbst, noch durch Andere ein Strafverfahren gegen Herrn Pickenbach veranlaßt habe, und daß mein Urtheil ilber die Fähigkeit dieses Herrn, den Wucher zu bekämpfen, von der strafrechtlichen Beurtheilung seines Verhaltens völlig unabhängig war und noch ist. Der von mir veröffentlichte Brief des H rrn Pickenbach -st von ihm als echt anerkannt worden; was ans ihm zu folgern ist, tann jeder Denkende selbst feststellen. Marburg, den 14. Juni 1890. £r. E. Stengel, Professor. * Karlsruhe, 24. Juni. Vor 27 Jahren hat der Großherzog zur Erinnerung an den Philosophen I. G. Fichte und zur Pflege vaterländischen Sinnes unter der studirenden Jugend eine Stiftung gemacht, u'reit Erträgniß alljährlich hiesigen Gymnasiasten für die besten Bearbeihntgeu eines gegebenen Themas zu Theil werden soll. In diesem* Aahre lautete das Thema: „Platää und Leipzig, eine geschichtliche Parallele." Den ersten Preis, eine goldene Medaille nebst Fichte's Ned^r^ an die deutsche Nation, erhielt ein jugendlicher Glaubensgenosse, Oberprimaner He i n s h e i m e r, während 6 andere Bewerber silberne Medaillen erhielten. Wenn mau sich erinnert, daß gerade Fichte den Anden den nationalen Idealismus uub den geschichtlichen Sinn abzesprochen hat, so wird man in dieser mitgetheilten Thatsache auch sicher Awas von dem Huuwr der Weltgeschichte erblicken. Oesterreich - Ungarn. * Budapest, 20. Juni. Ei« schwerer Verlust hat unsere Stadt und unsere Gemeinde betroffen. M a x B r ül l v. D om ony ist uns gestern in dem rüstigen Alter von 54 Jahren entrissen worden. Was neser Mann für unsere Hauptstadt war, davon giebt der folgende Aachrns Kunde, welchen der „Pester Lloyd" dem Hingeschiedenen widmet, las Blatt schreibt: Die hauptstädtische Gesellschaft und mit ihr der gestammte ungarische Handelsstaud haben den Verlust eines ihrer an verz und Charakter gleich trefflichen Mitglieder, einer ihrer Zierden zu beklagen. Heute Nachmittag ist nach mehrwöchentlichen Leiden Herr Mar Brüll v. Domony im Alter von 54 .Jahren verschieden. Der Tod bat hier einen kernigeil Stamm gefällt und uns einen Manu entrückt, per sowohl im engeren Kreise seiner eigentlichen Bernfsgenossen, als auch n allen weiteren Schichten der hauptstädtischen Bevölkerung gekannt, -eechtet und beliebt war. Brüll war ein Kaufmann im besten Sinne öes Wortes, voll Energie, Thatkraft und Unternehmungsgeist, der über m Rahmen seiner eigentlichen Sphäre hinaus für die Erweiterung unserer Verkehrs- und Handelsbeziehungen, für die Hebung nuferer Industrie thätig gewesen ist. Dabei hatte er Herz und Sinn für die öffentlichen Interessen, er war bemüht, seinen Mitbürgern in den ver- 'chiedensten Stellungen zu bienen und überall mitzuwirken, wo es galt, Noth und Elend zu lindern. Brüll war ein ehrenwerther, biederer und makelloser Charakter, ein guter, treuer, liebenswürdiger Mensch, und den deshalb wird sein Hinscheiden überall die tiefste, aufrichtigste Theilaabme Hervorrufen. Der Verstorbene gehörte einer alten angesehenen Aaufmannsfamilie an. Schon sein Vater besaß hier eine große Jndigoand Farbwaarenhandlung. Der junge Brüll widmete sich nach Absoloirung seiner Studien ebenfalls dem kaufmännischen Berufe. In jungen Jahren wurde er Gesellschafter des bebenteubeit Großhaudtnngshauses Moriz Munk und Comp., dem er bis vor wenigen Jahren mit seinem ebenfalls bereits verstorbenen Schwager A. Neuwelt angehörte. Seine persönliche Tüchtigkeit und sein konziliantes Wesen machten ihn bald Ul einem maßgebenden Faktor sowohl bei gemeinnützigen Vereinigungen, als auch bei den vornehmsten Erwerbsgesellschafteu. Er war Mitglied der hauptstädtischen Repräsentanz, Präsident der Ungarischen Kanfmauushatle. Mitglied der Handelskammer, Mitglied des Ausschusses, sowie des Ieitungseomitüs der „Pester Lloyd"-Gesellschaft, Vorstand der israelitischen Gemeinde u. s. f. Seit einer langen Reihe von Jahren wirkte er ferner als Direktor der Vaterländischen Sparkasse, der Ganz'schen Eisengießerei, der Bndapester Straßenbahn, als Präsident der Ungarischen Bierbrauerei-Gesellschaft, und ebenso hatte er früher der Verwaltung der bestandenen Theißeisenbahn und der Walzmühle angehört. In dieser vielseitigen Thätigkeit hatte sich Brüll nur Freunde und kaum einen Gegner erworben, weil er es verstand, stets in taktvoller Weise das Nützliche und Gute anzustreben, einen unbeugsamen Gerechtigkeitssinn mit Milde und Herzlichkeit zu paaren. Brüll, welcher auch den Posten eines Generalkonsuls der Niederlande bekleidet, war scheu vor Jahren durch Verleihung des Eisernen Kroneu-Ordens und die Erhebung Zuerst in den österreichischen Ritter-, dann tu den ungarischen Adelsstand ausgezeichnet worden. An seiner Bahre trauern die trostlose Wittwe, vier Kinder und mit ihnen nicht nur die zahlreichen Freunde und Verehrer des Verewigten, sondern sicherlich Alle, die ihm jemals im Leben, sei es auch nur vorübergehend, näher zu treten Gelegenheit hatten. Der Schlag ist für uns Alle ein um so schmerzlicherer, als er uns völlig unvorbereitet traf und wir kaum den Gedanken zu fassen vermögen, daß der im kräftigsten Alter stehende, noch vor wenigen Wochen so gesund scheinende, lebensfrohe Mann nun für immer aus unserem Kreise geschieden sein soll; sein Heimgang bedeutet einen großen, sehr großen Verlust für Alle und nach allen Seiten hin, tmb er wird überall nur schwer, an manchen Stellen überhaupt nicht vollständig Zu ersetzen sein. Nach so langer, gemeinnütziger Arbeit wird er nun zur ewigen Ruhe gebettet im Schooße jener Erde, auf der er, der brave, liebe Mann, so viel Gutes, Edles gestiftet. S. K. Teplitz, 20. Juni. Der hiesige allgemein geachtete Oberknntor der Kultusgemeiude, Herr O. Lazarus, hat eine ehrenvolle Berufung an den Israel. Tempel zu Hannover erhalten, welche Stelle er bereits am 1. September antreten wird. Mit Herrn Oberknntor Lazarus verläßt uns eine der schönsten Zierden des Kultussprengels, einer der besähigsten und tüchtigsten Beamten. Nicht nur in der israel. Gesellschaft, der Synagoge rc. war Herr Lazarus eine vortreffliche Kraft, auch die katholische Gesellschaft, bei welcher sich der Scheidende einer außerordentlichen Beliebtheit zu erfreuen hatte, sieht ihn nur ungern von hier ziehen. Mau kann getrost sagen, daß Herrn Lazarus' Abgang von hier eine kaum zu ersetzende Lücke bedeutet! — Unsere besten Segenswünsche folgen ihm nach seinem neuen Wirkungskreise. Frankreich. # Bordeaux, 10. Juni. In unserer Gemeinde hat am 1. Juni die feierliche Einsegnung d er Ko nfirm a nden stattgefunden. Der Tempel in der Rue Labirat war buchstäblich bis auf den letzten Platz gefüllt; die Damen bildeten die Mehrheit der Anwesenden. In Folge des herrlichen Frühlingswetters hatten uiifevc reizenden Stadtkinder Helle, entzückende Toiletten angelegt, so daß es zugleich lieblich und prächtig auf das Auge wirkte. Der Großrabbiner Herr Jsaae Levy leitete die Feier. In seiner Predigt, welche aufmerksame Hörer fand, legte er den jungen Konfirmanden die Pflichten ans Herz, welche sie den Eltern schuldeten, unb betonte besonders eindringlich, welche Liebe und Verehrung sie dem israelitischen Namen und der angestannnten Religion zu bewahren hätten. Darauf legten die Eiugejegueten der Reihe nach das Glaubensbekenntniß ab, worauf der Rabbiner ihnen den Segen ertheilte. Mit dem Gesäuge des „Adon vlam" schloß die etwa vier Stunden wahrende Feier. Türkei. Jerusalem, 12.Juni. Herr D. Jell in hat an den palästinensischen Hilfs verein „Le in tum Zion" den folgenden Bericht abgestattet: Auf die Einladung des Herrn M. Adelmann, Vertreter des Vereins „Lcniaan Zion", begab ich mich in seiner Gesellschaft nach Hebron, um zu sehen, mit welchem Erfolge der arabische Unterricht den jüdischen Kindern ertheilt wird. Es bereitet mir Vergnügen, das Resultat meiner sorgfältigen Prüfung, sowie die daran sich knüpfenden Bemerkungen zu veröffentlichen. Die Anzahl der Schüler, welche bei Herrn Malkiel Manny, dem Sohne des Oberrabbiners Eliahu Manny arabischen Unterricht genießen, betrügt 15, die in zwei Klassen eingetheilt sind. Die erste Klasse hat im verflossenen Semester gute Fortschritte gemacht, wenn man in Betracht zieht, daß sie mit dem Alphabet angefangen hat. Die Schüler haben gut lesen und schreiben gelernt, und verstehen einen großen Theil des Lesebuches „Madjani-el-Adab" zu erklären. Sie kennen auch die Ansangsregeln der arabischen Grammatik. Die Schüler der zweiten Klasse können bereits ziemlich richtig schreiben und verstehen einige Abschnitte in dem Elementar - Lesebuche zu erklären. Fast alle Schüler sprechen das Arabische als Muttersprache. Nachdem Herr Adelmann noch einige Fragen an die Schüler gerichtet hatte, ließ er sie nach ihren Kenntnissen Aufstellung nehmen unb vertheilte ihnen diesen entsprechend die Prämien. Die drei Tage, die wir in Folge des schlechten Wetters in Hebron zu bleiben genöthigt waren, überzeugten uns davon, wie unumgänglich nothwendig die Kenntniß des Arabischen für unsere Brüder in Hebron ist. Dieser Ort ist von der übrigen Welt fast ganz

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