Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 24 (27.6.1890)
- Date
- 1890-06-27
- Page
- Seite 331 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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331 ine Art/ it her bic geschenkt, Marinen Mensche» ergrauten gerührt, artrefflich :rs. Der aupt war Keilt mii ihm sah der nm igte sich- )ren war, Wälder, ie Möbel, ngclangt, u?" wart Berliner n wollte, ald auf/- er stockte, Ä)iildigcii 'ie wissen lerorbitdi >s crhitzi it Tagen, inen, sie Berliner sagte sie w n midi ler Sieben e schöne» tbcit und Hclenchen bclehrt> , aber er erzählte hltc mir igte aufd kommt , na, da m. - Aber neulich war ich in Paris," fuhr er renommirciib fort, „bas lohnt, ich. mußte Geschäfte halber wegen hin, eine Einrichtung zu wmpletircn, — ich sage Ihnen, meine Damen, so etwas Großartiges gicbt's nicht mehr, ich habe großartig gewöhnt im Hotel de rEchiquier, 1 Ine de rEchiquier, nahe beim Boulevard ltomie nouvelle." Meyer stieß bic Frau unter dem Tisch an, diese flüsterte Hcicnchen zu: „Er spricht vorzüglich französisch, nicht wahr?" Herr Meyer warf Fragen nach seiner Familie ein. Der Ehekandidat sprach in »eredten, warmen Worten von seinem seligen Vater und der guten Mutter. Iran Jcttchen sah ihn mm besonders liebevoll an. „Ein guter Sohn wird ein guter Mann," flüsterte sie leise. Dann erhob sich der Gast und machte Miene zum Gehen. Es »öthigte auch Keiner zum Bleiben, das wäre nicht fein gewesen. Herr Meyer wollte Nachmittag den Besuch erwicdcrn und zum Abend cinladen, oho, man wusste auch, was sich schickte. „Wer war der Herr it" fragte der hoffnungsvolle Hans neugierig. „Ein Geschäftsfreund von Papa," erklärte Emma, „Mama kennt ritte Frau." „Ter hat 'ne Frau," meinte Hans, „das ist ein netter Mann, ,r hat ja nicht ein Wort von ihr gesprochen." Meyer senior lobte die umsichtige Emma, die das so gut erdacht hatte. Um fünf Uhr tvurde der Gegenbesuch im weißen Schwan gewacht, auch bei Frau Lehmann wurde angcsprochen, die schwamm in Entzücken, sah sie sich doch im „Schwarz-Atlas" mit Moircc- 'trcifen. „Alles geht gut," flüsterte sie, „nur findet Herr Behrend, daß weleuchen etwas blaß, etwas still, etwas zerstreut, aber ich sagte ihm gleich, das wäre nur von der Erregung." Abends ward das Programm abgespielt. Familienkreis; diesmal auch Emma dabei, im hcllcrlcuchtcten, sehr sauberen, guten /immer, die reinen Gardinen leuchteten nur so und rochen erquickend nach Stärke, der Lachs, der Gänsebraten, die Nudclspcise, Alles war oortresflich, die Unterhaltung animirt, tvozu der junge, forsche Berliner und die unbefangene Emma am meisten beitrugen, im Laufe des uiesprächS hörte er vom gestrigen Jubiläum, und wie es nicht in der Jüitur Meyer'S läge, sich feiern zu lassen. „Ware ich nur schon hier gewesen," sagte der Möbelhündler begeistert, „an die Spitze der Ovation Hütte ich mich gestellt, ja, bei Gott, ich Hütte es gethan!" „Was für ein guter Mensch," murmelte Meyer. Hclenchen sollte nun etwas Vorspielen oder singen. Sic schützte Kopfweh vor und war nicht dazu zu bewegen. „Na, Emmchen kann doch auch was," sagte die Mutter. Emmchen ließ sich auch nicht bitten, und bald klang die melodische Weise des Tchunkelwatzcrs durch das Zimmer. Herr Behrend wiegte sich itach Dem Takt auf dem Stuhl und warf bewundernde Blicke auf das frische, resolute Mädchen mit den etwas groben, aber hübschen Zügen. Helcnchen saß neben der Mutter und führte die rechte Hand oft in die Tasche, wie um sich zu vergewissern, das; ein schon mit Thrnnenspnren befindliches Briefchen noch immer darin ruhte. Um elf Uhr empfahl sich Herr Behrend mit Handküssen von 'Mutter und Töchtern. „Ein sehr netter Mensch," entschied Emma. „Ein gcmüthlicher Mensch," bekräftigte Frau Jettchen. „Ein gescheidter Mensch," lobte der Vater. Hclenchen war still, ganz still, sagte kein Wort, schaute nur wie traumverloren vor sich hin. Emma ging mit den letzten Resten in die Speisekammer und traf noch Vorbereitungen für den morgenden Tag. Die Eltern waren mit ihrer Acltcften allein. Ter Vater fühlte, er müßte sprechen. „Na und Dir, mein Kind, der Hauptperson, wie gefüllt er Dir, glaubst Du glücklich mit ihm zu werden?" Helene sah den Vater mit schimmernden Augen a», unfähig, ein Wort zu sprechen. Dem Alten wurde beklommen. „Na rede, mein Kind, habe Vertrauen zu mir." „Vater," schluchzte sie auf und hing an seinem Halse, „Vater, ich bitte Dich um Gotteswillen, mach mich nicht unglücklich, lasst mich nicht fort von Euch, ich kann den Gedanken nicht ertragen, diesen, diesen Mann zu hcirathen. Hast Tn mir deshalb die gute Erziehung geben lassen, mir so viele Opfer gebracht, und nun, wo eS sich tu» mein Lebcnsglück handelt, mir keine Stimme zu gestatten? Ich bitte Euch um Gottcswillcn, erspart mir die Lüge, ich kann den Fremden nicht lieben, nie, nie, nie." Und sic barg den Kopf an des Vaters Brust und weinte herzbewegend. „Nun, sei nur still, sei nur still," beruhigte der Vater, während die weinende Frau Jettchen ein Brausepulver cinriihrtc, „was mißfällt Dir denn an ihm?" „Ich kann ihn nicht lieben, Vater, ich kann nicht, und ohne Liebe denke ich mir eine Ehe entsetzlich. Ich wollte Euch ja den Gefallen thnn, ich wollte alle Gedanken an den Andern ans meinem Herzen reißen, nm gehorsam zu sein, — ach, cs war so furchtbar schwer, ich habe hem Nacht kein Auge geschlossen, und Nachmittag, da — da kam der Brief." „Von wem?" fragten beide Eltern wie aus einem Munde. „Von ihm, von Gustav Ncumanu. Wir lieben uns ja schon lange, aber er ivagtc nur nicht, es wir zu gestehen; nun hatte er erfahren, daß sich Jemand um mich bewirbt, und da fragt er mich, ob es wahr sei, und daß er sehr unglücklich werden würde. Ach, Vater, Tn bist ja so gut und edel, sei cs doch auch zu mir." Nun musste sie erst das Brausepulver trinken. Die Mutter warf flehende Blicke auf den Hausherrn. „Schöne Geschichten," brummte der, „ein armer Referendar, gute Aussichten für die Zukunft, da könnt ihr sieben Jahre warten." „Ach, Vater, Gustav ist fleißig, in einem Jahr macht er den Assessor, er ist ja nur zum Besuch hier, ich tvill mich auch so einschrünken, und er wird auch von Dir nicht» haben wollen — ich will ihm ja nur ein Trostcswort sagen." „Daß Dir der nette Mensch keine Liebe eiuflösst," klagte der Vater; „und Emmchen hat er so gut gefallen. Wie die Beiden sich nett unterhielten und wie ihre Augen glänzten, als er von der Residenz erzählte." „Ich will nichts von der Residenz wissen," schluchzte Helene, „ich habe große Städte nie leiden mögen." Dem Stadtverordneten schien allerlei durch den Kopf zu gehen; er schickte seine Aelteste ganz liebevoll zu Bett und hatte noch eine lange Unteredung mit Frau Jettchen. Diese begab sich zu Emma, die noch in der Küche fleißig war. „Weißt Du, Emmchen," fing sie an, „mir kam'» vor, als ob der Berliner Herr mehr Gefallen an Dir gefunden hätte, als an Hclenchen, er sah Dich immer ganz verklärt an. Uebcrhaupt mit Helcnchen wird das am Ende noch einen Kampf geben." „Das fürchte ich auch, Mutter," sagte Emma und füllte frisch geschlachtete Hühner mit Petersilie; „ich begreife das Mädchen nicht, wie sie sich zu solcher Partie sperren kann." Darauf gingen Alle zu Bett.