Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 24 (27.6.1890)
- Date
- 1890-06-27
- Page
- Seite 329 (sequence 9)
- Language
- German
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329 ithlich mit ihrer von iger Jude, »er Niedcr- > vermehrt r »nd an- 'in Verkehr tel Paulus Hällsche» er Gegend ctt itnb wo er römischad gehaßt Ätzern, wie ht minder »hus vom ein Kern e ein ihrer :e und die otzcr eifcr üoinitians. nännlichcn rein, eine ein Sohn )en Thron so war zu >erbinbiuw halb grisj kaiscrhvss, e Berenike tsser seinen gegen die i ihm das eeina aus. Diamantenheit der und ließen verbannte iebt. och halten rural nach e ihr Ende Sicherheit und unter ner gegen allen Ber-! Berenike vor ihrem - Teinpels he fromme : Religion, cht einmal nd retten, hr Vaterm, hielten tsschrciber r Schicksal r gefallen, spis und stieg nicht aus den Wolken herunter, nur das alte ward mit seinem Teinpcl zerstört. Berenike ward nicht die Gemahlin des Imperators Titus Flavins Vespasianus, der römische Senat huldigte nicht der jüdischen Augusta; sie starb als Verstoßene, und die Töchter des jüdischen Volks wurden in die Gefangenschaft geschleppt und voir dem römischen Anktionar deur Meistbietenden zugeschlagen, oder stürzten sich zu Hungerten ins Meer, um der Schande zu entgehen. Titus Flavins Vespasianus überlebte nur um Weniges die Verbannung Berenike's. Er starb am kt!. September des Jahres 8t nach einer Regierung von wenig mehr als zwei Jahren. Sein Ende war nahezu so traurig, tvic es die jüdische Legende schildert. Zwar nistete sich keine Fliege in sein Gehirn ein, um ihn zu Tode zu auülcn, aber er starb in dem eiskalten Schneebadc, das ihm sein örtlicher Bruder, der Fliegcntödter Domitian, hatte bereiten lasten. Auf seinem Todtenbettc tonnte er die Hufschlage des Pferdes göre», auf dem fein Bruder nach Rom galoppirte, um sich von den Prätorianern zum Kaiser ansrufen zu lassen. d 3f£uillctü n. MEr—Z- Präliminarien. Novelle von B. H c r w i. (Schluß.) In der Küche draußen tvar große Konferenz mit der Kochfrau, aic einem Minister gleich auf einem Stuhle thronte und mit wichtigen Vlickcn die Verhandlung leitete. Frau Jcttchen, die starken Arme in die noch stärkere Seite gestemmt, stand vor ihr. Emma nahm an der Bcrathung Thcil. Die Kochfrau erzählte soeben, daß Möllcr'S nebenan bei der Verlobung ihrer Tochter schon vor vier Wochen junge Gänse hatten. „Natürlich," sagte Frau Meyer, „der alte Möller ist ja mit .Instern und Champagner aufgepäppclt worden. Aber was die können, Wunen wir auch. Emmchen, schreib' ans, was Alles gebraucht wird." Vmmchen schrieb, die Kochsrau ging leuchtenden Auges von dannen, aber vier junge Gänse tvar das Todcsurthcil gesprocheir worden. Meyer rief Frau Jettchen in seine Stube. „Jettchen," sagte er erregt, „ich habe eben Brief von Frau Lehmann bekommen, also den neunundzwanzigsten, Mlltter, bist Dil gerüstet?" „Ich bin's, Philipp," flüsterte sie stolz, „verlas;' Dich darauf ich bin's." Unterdessen probte Helcnchcn das Rothbraunseidenc an. Die Mutter kam mit mehligen Händen, die sic tvcit nbgestrcckt hielt, und sah i'rüfend auf das elegante Machwerk. Ihr Gatte hatte sich eine Cigarre lwgezündet und schäkerte herablassend mit den Hilfsschneidcrinncn. „Es macht ein bischen stark mit der Garnirung," meinte Frau Meyer tadelnd. „Das seh' ich nicht ein," sagte der Vater, statt des wichtig bantirenden Fräulein Hosfmann, die übrigens den Mund so voll Nadeln hatte, daß sie nicht reden konnte, „übrigens, was schadet das?" „Graziös ist die Hauptsache, lieber Philipp, das verstehst Du nicht," erklärte Jettchen und wiegte sich in den schweren Hüften. Helenchen stand da wie ein Opferlamm, das Alles mit sich geschehen ließ; ihre Aligen starrten ins Leere; ach, es war nicht der Berliner Möbelhändler, nach dem sie ausschauteil, es war ein jugendlicher, blonder, fleißiger Referendar, der sie schon von der Tanzstunde her gern mochte und der jetzt die Ferienzeit iur Städtchen zubrachte; noch hatte er kein Wort von Liebe mit ihr gesprochen, aber sie lvußte cs längst, daß er ihr innig gut war. Tie Mutter war eine Lehrcrwittwe, eine liebe, ehrenwerthe Dame, die ihr Alles daran gesetzt, den Sohn studiren zu lassen, sie wußte auch von seiner Neigung zu der hübschen Helene Meyer, hielt ihil aber stets zurück, sich dem Mädchen zu nähern. Zufällig trafen sie sich häufig, wie es allch heute geschehen war. Daran dachte Helenchen. Der achtinidzwanzigste war herangckommen. Bl eye r senior empfing die Glückwünsche von Frau und Kindern. Die Thüren waren mit Guirlanden bekränzt und gestreute Tannen lagen bis zum Straßcudannu. Meyer junior hatte eine Morgcnkantatc auf der Violine gekratzt. Der bewußte Butterkuchen stand, süßen Duft ausströmend, auf dem Eßtische; auch einige andere Torten waren zur Vorsorge angeschafft, eine Bowle war kalt gestellt, man konnte ja ilicht wissen, ob die Saat aufgegangen war. Morgens früh kamen einige nahe Verwandte, denen Enlmchcn, die praktische Tochter, einen Wink gegeben. Ein Schwager brachte eilt Seidel mit Alfcnide-Deckel, eine Consine von Jettchen hatte sich die Zeitung besorgt, in der vor fünfundzwanzig Jahren Philipp Meyer seine Etablirang anzeigtc, sie überreichte das Exemplar mit schwungvollen Worten, Meyer that, als ob er eine Thrüne zerdrückte. Der Vormittag kam, es blieb Alles still. Bei jedem Klingeln zuckte er zusammen und nahm eine würdevolle Haltung an, Hans, der hoffnungsvolle Untertertianer, wollte sogar gehört haben, daß der Vater plötzlich ziemlich laut etwas vor sich gesagt habe, das mit den Worten „meine Herren" begann. In der nculichen Bezirksversammlung hatte sich leider keine rechte Gelegenheit gegeben, die Genossen aus das bevorstehende Freudenfest vorzubereiten, zweimal hatte Meyer den Anlauf gemacht und mußte gerade im entscheidenden Augenblick die Flagge mit der Jahreszahl 1868 wieder einziehen. Geradezu aufdringlich wollte er nicht sei». Nach der Versammlung ging er mit dem alten geschwätzigen Doktor Fröhlich nach Hause. Dieser wußte und kolportirte alle Stadtneuigkeiten. Das war seine letzte Hoffnung, der und die Frau Lehmann. „Nun, lieber Herr Meyer, Ihnen stehen angenehme Tage bevor, wie ich höre, wann wird denn das frohe Ereignis; stattfindcn?" „So Gott will, am achtundzwanzigsten," antwortete Meyer bescheiden, innerlich frohlockend, denn nun schien ihm die Verkündigung durch die Stadt so gesichert, als ob cs in der Zeitung gestanden hätte. Ach, der Getäuschte ahnte nicht, daß Fräulein Hoffmann mit ihren Hilfsarbeiterinnen jetzt gerade bei Frau Doktor Fröhlich war und dort von der Verlobung geplaudert hatte. Meyer saß da und wartete, ging vom Fenster zur Thür, Emmchen stellte die Kuchen, die sich wohl am längsten hielten, in die Speisekammer, sie war immer praktisch. Helcnchcn saß in ihrem Zimmer und las ein wunderschönes Gedicht von W. Müller, das anfing: „Ich möcht' es Prägen tief in jedes Herz" und den Refrain hatte: „O lern' entsagen." — Dabei rollten ihr die dicken Thräncn über die blassen Wangen, — ach, sie wollte ja so gern eine gehorsame Tochter sein, und mit neunzehn Jahren durfte man das Leben ja auch nicht mehr so ideal ansehcn, hatte die Mutter gesagt, und eigentlich hatte Gustav Neumann sich ihr auch noch gar nicht erklärt, aber sie fühlte es doch in ihrem Innern, das; er ihr gut war, das sagten seine treuen blauen Augen, das sagte sein Händedruck, und nun sollte sie den fremden Mann erwarten, sollte freundlich zu ihm sein mit diesen widerstrebenden Gefühlen im Herzen — ach, sie war tief unglücklich, doch heute durfte sic nicht weinen, heute war des Vaters Ehrentag, drum schnell die Augen getrocknet und hinüber zu den Anderen. Im Vorzimmer war eben große Aufregung. Hans, der Posten stand, meldete den Oberlehrer, der eben ins Haus getreten. Ter