Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 24 (27.6.1890)
- Date
- 1890-06-27
- Page
- Seite 327 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3224737-3227825-3227850--47155-3268660- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
327 bewiesen, t Metzelei jüdischen ommencr n Haupt )ie ungc frziehung .thodoxcn ud fürch endcrung chcn den inete die lorus bei > (Sathiv ruptstadt. ernehnien fit Völker o Kriege-: ften, den Haubenö n, welche Eindrml >m gegen .lcrhaßtcn lchniühein verlasse», ms. Die iberfallen scheu den linderte» it Gebiete rfgegebcn et. Sein aranf ein silbernen , »uißten i liefern, 0 Reitern d daran' rdt Nero Soldaten m Kriege elagerimg Uespasiwi linperatvl des jüdi An der und dar ,u seinen! leise midi ländischen lgen; ihn Centuril' nicht an rtte, und ,crt haben half. Agrippa blieb in Rom bis znin Anfang von Vitellins Regierung in geheimem Verkehr mit Vcspasian stehend. Es ist höchst wahrscheinlich, das; er dort für die Erhebung Vespasian's oder seines Lohnes Titus ans den römischen Thron arbeitete; hatte doch Letzterer das Gerücht verbreiten lassen, daß er nach Rom berufen ivorden sei, n»l von Galba adoptirt zu werden. Ein Menschenalter früher hatte der schlaue Agrippa t. Claudius ',mn Throne vcrholfen und sich dadurch selbst reichen Lohn und den Hilden manche Begünstigung verschafft. Warum sollte der Sohn nicht dasselbe versuchen, was dem Vater gelungen? Agrippa II. saß auf demselben Throne im nördlichen Palästina, lvclcher für seinen Vater nur die Stufe zum Thron des ganzen altjüdischen Landes gewesen war, und er konnte sich mit der Hoffnung schmeicheln, daß auch ihm so hoch zll steigen vergönnt sein werde. Agrippa II. hatte eineil werthvollen Bundesgenossen an seiner! geistreichen Schwester, der nicht mehr in der ersten Jugend blühenden, aber noch immer schönen Bcrenike, die den jungen Titus bezauberte und ihm ihre Reichthünicc zur Verfügung stellte. Ja, vielleicht ging der ganze Plan von ihr aus, die von dem Glanz des römischen! Kaiserdiadcnis und dem Titel einer Augustn gelockt wurde. Der! dritte im Bunde war der reiche alexandrinische Renegat, Tiberius j Alexander, der ebenfalls de» Flaviern Geld schaffte; denn um die römischen Soldaten zu gewinnen, brauchte man Geld und wieder i'klix Auch manchem frommen, friedlichen Juden mochte eine solche Lösung willkommen sei»! Palästina unter einem jüdischen Könige vereinigt, eine jüdische Prinzessin als Kaiserin in Rom, eine zweite Esther, uhiencii eine Zeit des Friedens und Glücks für die jüdische Nation unter dem Protektorat der Römer zu verheißen. Aber sic wurden Alle furchtbar enttäuscht; Zeiten und Menschen ivaren nicht mehr dieselben, ivic ein Menschen alter früher. Der furchtbare Druck der Römer-Herrschaft hatte die Mehrzahl der Juden so erbittert und die Römer so verhaßt gemacht, daß eine Aussöhnung nicht mehr möglich war. Die Ltimmen der wenigen Gemäßigten verhallten ungehört, und die äußersten Parteien ergriffen das Steuer des Staatsschisfs. Tollkühn schifften sic in den Sturm hinein, sie mußten ihn bezwingen oder untergehen. j Und selbst wenn die Ruhe wiedergekehrt wäre, hätte Agrippa launi das erreicht, was er erstrebte. Ihm fehlte die Findigkeit und Lchlauhcit seines Vaters, und trotzdem er dem römischen Imperator gegen seine Landsleute und Glaubensgenossen Heerfolge leistete und! für ihn den Unterhändler machte, fand er bei den engherzigen Empori lömmlingen, den geizigen Flaviern, nicht die Dankbarkeit, welche seine! Vorfahren bei den stolzen Juliern und Elaudicrn gefunden hatten,; Vereinte ebenso wenig als ihr Bruder. In Antiochia oder wahrscheinlicher in Cäsaren, als dort Vcspasian i und Titus die Gäste ihres Bruders waren, hatte der junge Flavier j die trotz ihrer vierzig Jahre noch schöne Bcrenike kennen gelernt. i .Blühend in Schönheit und Jugend" war sie, nach Taeitus, zur j Zeit, als Titus sich in sie verliebte, und selbst als sie einige Jahre j später nach Rom kam, galt sie für die schönste Frau ihrer Zeit. Uns komnit diese Schönheit einer vierzigjährigen Orientalin kaum! glaublich vor, und deshalb hat auch der neueste französische Biograph! des Titus gemeint, daß seine Liebe nur eine geheuchelte war, und! daß er der Jüdin nur ihres Geldes wegen den Hof machte. Der Franzose scheint sich den Sohn des Bespasian ungefähr wie einen armen Lieutenant vorgestcllt zu haben, der sich um die Tochter eines reichen jüdischen Bankiers bewirbt, um seine Schulden bezahlen zu können. Aber die Verhältnisse waren doch damals anders als heute, und Titus war der Emporkömmling, nicht die jüdische Prinzessin. Freilich hielt sich jeder Römer für besser als einen barbarischen König, und wenn ein römischer Feldherr sich fremden Geldes bemächtigen wollte, machte er gewöhnlich nicht so viele Umstände. Aber cs kam noch etwas Anderes dazu. Diese jüdischen und ägyptischen Frauen, die sich mit aller Pracht des Orients, mit aller Schönheit griechischer Kunst und griechischen Geistes zu schmücken wußten, hatten für die rohen römischen Krieger etwas Fesselndes und Bezauberndes. Dieselbe Magic, mit der Cleopatra Cäsar und Antonius anzog und festhiclt, ließ auch Bcrenike in Titus' Augen jung und reizend erscheinen. In den Uffizien zu Florenz, in dem Kabinet des Hermaphroditen, befindet sich die Büste einer wunderschönen Frau, welche von Manchen für die der Bercnike gehalten wird. Eine königliche Binde nmgiebt ihr Haupt, und die Frisur ist verschieden von derjenigen der römischen Damen. Sic trügt einige Reihen von Locken, ungefähr in der Art, wie wir sie auf den Bildern der Montespan sehen. Freilich spielten neben der Schönheit auch die Reichthümcr Berenike's und der vermeintliche Einfluß ihrer Familie auf die jüdische Volksstimminig eine große Rolle, bei den schlau berechnenden Flaviern. Der geizige Vespasian ließ sich ihre kostbaren Geschenke wohl gefallen, und selbst die Zeitgenossen waren über die wahren Gefühle des Titus im Unklaren. So sagt Taeitus, von der Rückkehr des Titus nach Palästina bei dem Tode Galba's sprechend: „Manche glaubten, er sei aus Sehnsucht nach Bcrenike so eilig zuriickgekehrt; freilich hatte sic der junge Mann gern, aber den Geschäften that dies keinen Eintrag." Ihrerseits hat mm ivohl Bercnike den um zwölf Jahre jüngeren, schönen und stattlichen römischen Feldhauptmann heiß geliebt, aber auch bei ihr ivaren neben der Liebe ehrgeizige Motive im Spiele. Im Lager Vespasians wechselten darum zärtliche Zusammenkünfte mit politischen Bcrathungen, und während da intriguirt und mit den Römischgesinnten unter den Juden unterhandelt ivurde, trat hin und wieder ein Stillstand in den militärischen Operationen ein. In gricchisch-röinischen Kreisen fehlte cs sogar nicht an Stiinmeii, welche den ganzen Krieg mit den Juden, angesichts der inneren Verhältnisse Roms, für eine Zeit- und Kraftverschwendung hielten mid dem Feldherrn riethen, die Juden in Ruhe zu lassen und mit seinem Heere nach Rom zu ziehen, uni den Vitellins zu stürzen. Allein solche Rathschlüge fanden bei den Flaviern kein Gehör und wurden auch von Agrippa und scineni Anhang ilicht gern gehört. Diese konnten der römischen Ilnterstütznng gegen die immer mehr fanatisirte Unabhängigkeitspartei nicht entbehren. Die Emigranten brauchten das fremde Heer gegen die Patrioten in Jerusalem und sahen sich am Ende, wie siebzehn Jahrhunderte später andere Emigranten, bitter enttäuscht und noch dazu von ihrem eigenen Bundesgenossen betrogen. Von der höchsten Wichtigkeit für Vespasian war es, sich Aegyptens, der Kornkammer Roms, zu versichern. Im Besitze eines Gegners wäre diese Provinz für jeden röniischen Kaiser eine Verlegenheit gewesen, Bespasian hätte ohne sie lvcder Kaiser iverden noch Judäa unterwerfen können. Und Aegypten befand sich in der Hand eines Sohnes jenes Volkes, das er bekriegte. Aber Tiberius Alexander, den Nero kurz vor Ausbruch des jüdischen Krieges zum Präfekten von Aegypten ernannt hatte, war ein entarteter, voin Glauben seiner Väter abgefallener Sohn. Mit ihm hatte sich Vcspasian, wahrscheinlich durch Vermittelung Agrippas, ins Einvernehmen gesetzt, und der Renegat ward der eifrigste und wichtigste Helfer der Flavier. Tic unter feinem Befehl stehenden Legionen ivaren die ersten, welche auf seine Auffordermig am I. Juli des Jahres 69 Bespasian zum Imperator ansriefen, weshalb dieser Tag in der Folge als erster Regierungstng Vespasians gefeiert wurde. Erst einige Tage später folgten die in Judäa stehenden Truppen dem Beispiel der ägyptischen Legionen. Tiberius Alexander erschien bald darauf im Lager des Titus, um an dem Kriege gegen seine ehemaligen Glaubensgenossen Thcil zu nehulen.