Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 24 (27.6.1890)
- Date
- 1890-06-27
- Page
- Seite 325 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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325 lesters. 20. Juni, tolerante!, öffentliche,, zu zeigen, erurtheilen. lichkeit ui,!, u würdige , nicht n», i, die wie »eru sollen halten, uni l religiösen fett Wal>> d aus den, i fein ewig licher cttieli nngen von Antisemt! doch and! ließe, bei, nd auf bi' Die groß' die Lehren Träger den t in Folge .eneinande, der schon iriff in sin, , schon de, tfmerksam nistes von und prote )uldsamkeii ibzuwehren htigen nu n :le solche, u Sommer euvertrete rügte un> im östet nderungen. ingst nid t ivangelium ii in ihren ntetnschasi enschlichkeü chtnetterud. csammlnug ider eine sührungen. ipitze scharr chaus nicht e in Wien. sie ja nie iswiegelung giriickschrecken, wenn es sich auch um einen großen Künstler oder Schriftsteller handelt. Die Antisemiten fragen nur: Bist du Jude „der nicht? Bist du Jude, dann giebt es keine Grenze der Rücksicht. Aber diese Rücksichtslosigkeit, behauptete der Redner richtig, bleibe nicht bei den Juden stehen. Wenn Jemand eine ganze Gruppe Iiaßt, eine ganze Nation haßt, so wird das Gefühl des Hasses gepflegt „nd tvirkt genau so wie die Mikroben und Bakterien, die sich vcrnielfältigen und den geistigen Organismus zerstören. Haben nun die Antisetniten keine Ahnung von dem Schaden, gen sie in Oesterreich durch ihre Reden in Versammlungen und Bierhäusem anrichten, so ahnen die Herren in der Soutane nicht, welchen Schaden sie schaffen und eingreifen lassen durch ihr Schweigen in der Kirche auf der Kanzel und bei anderen Gelegenheiten. Hier aber will ich die toleranten Sätze eines ungarischen Priesters iviedergeben; es sind dies die Worte des Domherrn Ferdinand Cselka, aer jetzt hier in Preßburg seinen Amtssitz hat, die letzten Jahre in Budapest wirkte und vor einigen Wochen bei seinem Abschiede von dort ein Gedenkblatt schrieb, das umso interessanter und wichtiger ist, als dieser edle Priester, wie gesagt, von nun ab hier in Preßvurg, der klassischen Stadt der Judenkratvalle und einer Pflanzstätte >cs Antisemitismus, wirken wird, wo noch nie ein öffentliches evanaelisches Wort gegen die Ausbrüche des Antisemitismus und zu Buttsten der guten Beziehungen der Religionen zu einander sich iräftig und energisch vernehmen ließ. Es kann auch heute nicht a'sagt werden, auf welche Angelegenheiten und Zwischenfälle der „mannte Domherr anspielte, worauf seine Abschiedswortc hinzielen and was ihn zu denselben vcranlaßte. Er sagt unter Anderem volgcndes: „Durch dieses Gedenkblatt wird es mir möglich, manche als aeilsam sich erwiesene Ideen nenerdings zu erörtern. Ich hatte „'ährend meines langjährigen Wirkens in der Hauptstadt Gelegenheit, inter verschiedenen Verhältnissen auch mit Anhängern anderer Konzessionen in bestem Einvernehmen zu wirken, und ebenso scheiden wir. Tic Erklärung hierfür ist eine sehr einfache. Der gute Gott, der die Acnschen erschaffen und ihr gemeinsamer Vater ist, hat gestattet, aas; sic abgesondert leben, aber nicht erlaubt, ja unter Androhung aon Strafe verboten, daß sie sich ungeliebt von einander absondern. Jeder suche die Wahrheit zu ergründen und vor seinem Gewissen >» rechtfertigen, vergesse aber dabei nicht, die Berechtigung der Ueberlengung eines Anderen zuzugcben, und unterlasse es nicht, darum den Andern zu lieben und mit Liebe untereinander zu leben." Ein zweites betont aber der Priester noch nachdrücklicher, nämlich, daß in der Religion jede Gewalt und Willkür vermieden werden müsse". „DerMensch," sagt er, „kann auf Grund des ihm angeborenen Rechtes das Bestreben zur Schau tragen, seine Mitinenschen für seine eigene Religion zu gewinnen, er darf jedes kluge, logische Motiv ausnützen, um zu überzeugen, aber weiter zu gehen, ist ihm nicht gestattet. Wie es Christus, als die Apostel ltagten, die Menschen wollen auf sie nicht hören, nicht erlaubt, daß iie das himmlische Feuer auf die Starrsinnigen erflehen, so möge auch kein Anderer zur Bekehrung Gewaltmittel anwenden. Derjenige, der weiter gehen will, Gewalt, Paragraphen, Polizei, Richter und Gesängniß anzuwenden wünscht, vergeht sich gegen die göttlichen (besetze, er säet Wind und wird ein Gewitter ernten." Er schließt: „Es gab eine Zeit, in welcher ich mit dem Seelsorger einer anderen Konfession .... in fortwährendem Zwist und Hader mich befand, ja selbst vor dem Bezirksrichter stand ich wegen Religionsstörung.Später lebten wir in bester Eintracht, die van keinerlei Zerwürfniß gestört wurde, als leuchtendes Beispiel dessen, daß man sich in religiösen Dingen von jeder Gewaltthat enthalten müsse." Diese Sätze nthmen echtreligiösen Geist und bringen Gedanken zum Ausdruck, die das Judeuthum stets befolgt hat. Auch unsere Propheten sprechen mit Wärme und Begeisterung davon, daß die Menschen in der Zukunft in einer Religion sich einigen werden, und es ist eine ihrer theucrsten Hoffnungen, dieselben um das Banner des großen Gottesglaubens geschaart zu sehen. Doch die Bckchrnngsgcwalt und die Ueberzcugung durch Schtvert, Druck und Verfolgung waren stets verboten, und unter der Herrschaft dieses Weltbanners soll kein Mensch ausgestvßen, keines Menschen Leben verbittert, verkümmert und gering geachtet tverden. Es ist bezeichnend und dankenswerth, daß die Aussprüche dieses katholischen Domherrn fast ganz mit dem Wortlaut mancher Stellen aus den Propheten und dem Talmud übereiustiinmen und ans vielen Vorschriften der mosnischen Lehre sich klar ergeben. U Eine jüdische Königin. Von Dr. Marcus Landau. 11. (Sin anderer jüdischer Alabarch von Alexandrien, Alexander Lysimachus, hatte einen Sohn Marens, dem Kaiser Claudius unsere Berenike schon als Kind zur Frau bestimult hatte. Lysimachus, der Bruder oder Nesse des Philosophen Philo, war einer der reichsten Juden Alexandriens und genoß dort großes Ansehen. Er hatte die Geschäfte Antonia's, der Mutter des Claudius, in Aegypten besorgt unb sich, sowie der ältere Agrippa, ihrer befonberen Gunst und Huld zu erfreuen gehabt. Unter Caligula in Ungnade gefallen und in das Gefüngniß geworfen, ward er von Claudius wieder in Freiheit gesetzt. Dieser Kaiser verschaffte ihm auch, gleichsam zur Entschädigung, die Verschwägerung mit dem Könige Agrippa, den der reiche Alexandriner früher in seiner Noch unterstützt hatte. Allein sein Sohn starb noch vor der Hochzeit, und so kam die Verbindung der königlichen Familie von Judäa nüt dem Oberhanpte der Alexandrinischen Juden nicht zu Stande. Das freundschaftliche Verhältnis blieb aber zwischen ihnen bestehen, und der jüngere Agrippa ging später eigens nach Aegypten, um dem anderen Sohn des Lysimachus, Tiberius Alexander, seinen Glückwunsch darzubringen, als ihn Nero zum Statthalter des Nil-Landes ernannt hatte. Nach dem Tode ihres Bräutigams wurde die noch nicht sechzehnjährige Berenike mit ihrem Onkel Herodes, der bereits Wittwer war, vermählt, und ihr Later erwirkte ihm als Mitgift von der Gnade des Kaisers Claudius das kleine Königreich Chalkis im Libanon. Berenike war nun Kölligin, saß aber nicht lange auf dem Thron, denn ihr Mann, dem sie zwei Söhne, Berenician und Hyrkan, geboren hatte, starb schon im Jahre 49. Claudius verlieh das Ländchen ihrem Bruder Agrippa H., an dessen Hof Berenike ihren Wittwensitz behielt. Dieser Aufenthalt Berenike's bei ihrem Bruder gab zu argen Verleumdungen Anlaß, imd mit die Lügenhaftigkeit derselben zu erweisen, entschloß sie sich, den König Polemon von Cilicien zu heirathen, der von ihren: Reichthume gelockt sich beeilte, das Judenthum anzunehmen. So erzählt Josephus, der, wie man aus dem Zusammenhang der Erzählung sieht, an diese Verleumdungen nicht glaubte. Auch ails dem Bericht in der Apostelgeschichte von der Unterredung des Paulus mit Berenike und ihrem Bruder ist ersichtlich, daß nian in jlldenchristlichen Kreisen die Geschwister für frornm und tugendhaft hielt. Dies tritt noch deutlicher hervor, wenn man damit die Vorwürfe vergleicht, welche nach dem Berichte der Evangelien der Täufer Johannes dem Herodes Antipas wegen eines geringem Vergehens gegen die Sittengesetze lnachte. ■