Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 24 (27.6.1890)
- Date
- 1890-06-27
- Page
- Seite 323 (sequence 3)
- Language
- German
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323 s gekittet, 11 Demut l> gestellt, ne sittliche et edelsten 11 Gegner iS (vomit" nnengescw eiininttl)i.i >jadt hi> , hochedlea t ruhenden und dura, c Zeit dein Leihe r>nn gnädigsten iserer von res durch srter Her, tainen dewalS da-! es dieser e-s hinein Kindes, m n Symt'rn >ott, ruiser US. Dian wein u. Cbci. würden i höhere rforderlie! — Inden verrichte,, i. A. ali:; Kraft füll. Zn»! der Ma Männern gl. Preus. iben Maren schon Millionen gewesen Männern, olltc man Elche von cd. Ties' t einmal, elchetz ge „twietluna Militärwaltige Schaffen durch Arbeit hervvrgcbracht wird. Ich wünschte .mdererseits darauf aufmerksain zu machen, daß die politische Oekonomie nie unqualifizirtc menschliche Arbeit unmöglich als das Höchste schützen lann, insofern und insoweit nämlich ihre Hervorbringnugen durch Pferde, Ochsen oder Maschinen ersetzt werden können'). Nun erst will ich Herrn Tr. Rülf's Ausspruch, Arbeit schafft eine Werthe, nach ihrem Werthe würdigen. Geben wir zunächst zu, aas; der genannte Autor nicht ganz allgemein, sondern nur von menschlicher Arbeit sprechen wollte! — In jeder Wissenschaft beginnt man damit, solche Ausdrücke näher zu erklären, deren man für die m-treffende Wissenschaft gewissermaßen als allgemeinste Begriffe, als mmndjegend für die weiteren Ansführnngen nöthig hat. So ist denn mich in den Sozialwissenschaften, speziell in der Bolkswirthschaftslehre as Wort „Werth" wieder und wieder definirt worden. Ata» hat uimt auch von objektivem und subjektivem Werth n. s. w. u. s. w. gesprochen. Hierüber allein besteht eine ganze Litteratur. Im Fortgänge der Erörterungen und in der Entwicklung der Politischen Cefoiioitiie ist dann ein Lehrgebäude entstanden, welches auf dem ^atze fußt: „Nur Arbeit schafft Werthe." Nach dem, was ich „vor ausführte, wird man schon eingesehen haben, daß ich -öllig mit Herrn Dr. Rülf darin übereinstimme, daß der erahnte Satz — Theorie der Marxisten — unrichtig ist. Allein me Art und Weise, wie Herr Dr. Rülf darauf losschlügt, geht wiederum nicht an. Einmal geht aus diesem Satz keineswegs hervor, aß der Jude ein Erploitator ist, .sondern die Theorie, ui» welche es d, hier handelt, bedeutet in ihrer Konsegnenz die Forderung auf ansturz der gesaminten „kapitalistischen" Gesellschaftsordnung über- -anpt. Tie „besitzenden" Klassen erscheinen darnach in ihrer Gesammtu'it als eine reaktionäre Masse. Tie Juden wird man nur so lange .di Gegner berecht>gter sozialer Forderungen auszugeben vermögen, als sie selbst nicht Stellung nehmen in der großen, sittlichen Bewegung unserer Tage und nicht mehr, als geschehen, bis zu der Anschauung durchdringen, daß sie auf Grund ihrer religiösen und schichtlichen Erbschaft an erster Stelle berufen sind, zu leiten, statt Gefolgschaft zu leisten. Betrachten wir nun, was Herr Dr. Rülf an die Stelle des von bin Bestrittenen setze» will, nämlich den Satz: Arbeit schafft nur Bedürfnisse, die für denjenigen, der ihrer nicht bedarf, gar keinen Verth haben. — Das ist grundfalsch. Arbeit kann wohl Gegenstände auch Genüsse) schaffen, welche zur Befriedigung von Bedürfnissen amen sollen,, mögen solche Gegenstände nun objektiv oder subjektiv merlhvoll oder werthlos erscheinen. Daß jedoch die durch Arbeit eräugten Gegenstände identisch mit Bedürfnissen wären, ist sprachlich, chilosophisch und volkswirthschaftlich unhaltbar. Diese Berichtigung war hier unumgänglich; denn es läßt sich absolut nicht einsehcn, weshalb die Judenheit gewaltsam zur Volkswirlhschaft und zu den Sozialwissenschaften in Gegensatz gebracht werden soll. Das geschieht aber durch Herrn Dr. Rülf nicht allein bierinit, sondern in noch viel höherem Grade mit der verfehlten Behauptung: „Nur die Arbeit schasst Werthe; ... so kann man fast m allen volkswirthschaftlichen Werken lesen." Das ist einfach nicht aer Fall. Mau lese doch nach bei Roscher, Schönberg o tutli quanti, tu'i den englischen, französischen und italienischen Verfassern. — Tie Tache ist die, daß die Schule nach Adam Smith den Satz: „Arbeit ist Waare — nichts als Waare", aufgestellt hatte. Gegenwirkung gegen diese mißbräuchlich ausgebentete Lehre war es, welche die Beranlassung zu der von de» Pseudo-Sozialisten (Marx, die Sozialst Mit Roscher mache ich den Unterschied, daß es ein Anderes ist die Arbeit, ein Anderes die Arbeiter zn schätzen. Demokraten und Sozial-Anarchisten) ausgebildeten Theorie darbot: nur die Arbeit schaffe Werthe. Hypothesen und Theorien kommen 1 in jeder Wissenschaft zur Erscheinung; aber sie sind nicht damit identisch. Und so ist denn auch die echte Wissenschaft so wenig eine Gegnerin des Handels, wie der Handel etwa lediglich oder auch nur vorwiegend stidisch ist. Was Herr Dr. Rülf vom Handel — oder sprechen wir lieber j von den distributiven Gewerben — aussagt, ist gewiß zu unterschreiben. Daß Produzent und Konsument') bei der heutigen entwickelten Art des Wirthschaftsberriebes, der Arbeitstheilung, der Verschiedenartigkeit der Lebensbedürfnisse, bei dem Zusammenhänge und dem Angewiesensein j nicht nur dieses oder jenes Orts auf einen andern desselben Staates,! sondern ganzer Länder auf Erzeugung und Verbrauch der andern, j daß Produzent und Konsument, ohne die heftigsten Rückschritte bis! zu ganz primitiven Zuständen, des Kaufmanutz und Handelsstandes! sollten entbehren können, vermöchte nur die völlige Einsichtslosigkeit; in Wesen und Wirken des Verkehrs zu behaupten. In diesem Sinne 1 sind die distributiven Gewerbe produktiv int besten Verständnis; des l Worts. Das gilt von der bestehenden Wirthschaftsordnung. Wer diese | überall verwirft, also die Kollektiviste» und Anarchisten, der wird — angenommen, aber nicht zugegeben, daß die Pläne dieser Parteien überhaupt ausführbar seien — in seine Rechnung einen andern Faktor einstelleu müssen. Er kömmt nicht darum hin, das; die j Ermittelung der Bedürfnisse des Konsums, welche bekanntlich nach j Ansicht der genannten revolutionären Parteien international geregelt j werden soll, und die Feststellung und Zutheilung der Produktion,! was gleichfalls international geregelt tverden soll, einer sehr großen j Anzahl sehr kenntnißreicher, sehr umsichtiger und schon deshalb gut! zu entlohnender Beamten bedürfen wird. Was die Komnuinen oder! Kantone oder die Gentes oder Produktivgenosseuschaften für diese j würden aufbringen müssen, könnte sicherlich nicht weniger betrage»,! als was heute zur Entlohnung der distributiven Erwerbszweige auf-! gebracht wird. Die Möglichkeit, wie gesagt, daß und wie sich ein i derartiges System durchführen ließe, entbehrt überdies bis jetzt jeder! ernsthaften Begründung. Auch lvnnnende Geschlechter werden in ab-! sehbarer Zeit aus die Erbringung eines solchen Beweises wohl verzichten müssen. Sv weit geht unsere Uebercinstimmung mit Herrn Tr. Rülf über die Kraft und Macht des Handels. ' Allein gerade deshalb ist hier j das Wesen desselben so hervorgehoben worden, um gleichzeitig zweierlei! zu erklären. — Eines ist schon vorhin gesagt, nämlich: Handelsschast! und Judenschaft ist nicht dasselbe, auch heutigen Tag« nicht, wenn! auch wider ihren Willen den Jude» der Handel als Hauptbeschäftigung lange Jahrhunderte .hindurch angewiesen war. Dem Jrrthum, als ob dies dennoch sei, werden wir entgegcntrcten mit der ganzen Gewalt der Geschichte und der anderen Wissenschaften, wo immer wir ihn finden. — Das Zweite ist folgendes: Der Spruch: „Du sollst ein! Segen sein; durch Dich sollen gesegnet sein alle Geschlechter auf! Erden" kann nicht erfüllt werden durch Mittlcrschaft der Juden auf i materiellem Gebiete, wenngleich auch dieses keineswegs eine unwürdige Beschäftigung ist. „Du sollst ein Segen werden" muß und wird zur Vollziehung gelangen durch Mittlerschaft der Inden auf ethischem Gebiet. Tie religiös-dogmatische Seite mag dabei vollständig unberührt bleiben. Ter Werbung von Proselyten haben wir uns ja immer j fern gehalten. Dagegen rcpräsentiren wir schon durch unsere Existenz drei große Grundsätze. -nt I bedeutet ein Stamm, welcher viele Jahrtausende mit ungeschwüchter geistiger Stärke, mit unzerstörbarem Schaffensdrang, h Vergl. Militärstnat S. l">'> n. 357.