Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 23 (20.6.1890)
- Date
- 1890-06-20
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 .Uommiifuut, welche die Wünsche und Anregungen aus den Reihen! der Gemeiudemitglieder in Vorberathuug ziehen soll und vor dem Plenum darüber ]U referiren bestimmt ist. Die Wahl der Mitglieder dieser Kommission wnrde bis zur nächsten Sitzung vertagt. # Berlin, 17. Juni. Wie man uns aus Brüssel mittheilt, ist dort in der Plenarversammlung der Professoren der Universität am! 14. Juni Herr Professor Dr. Martin Phitippson, der älteste! Sohn des unvergeßlichen Begründers dieser Zeitung, einstimmig zum! Rektor der Universität Brüssel gewählt worden. Die Dauer des Rektorats umfaßt dort zwei Jahre. Wir registriren die Auszeichnung, die dem verdienstvollen Historiker zu Theil wnrde. mit aufrichtiger Genugthunng. * Berlin, 14. Juni. Die Anregung des Prof. Derenbvnrg in Paris, das tauf eub fte G eb nrtsjahr des Saadia Gaon (1892) j durch Herausgabe der Schriften Saadia's zu feiern, ist ans fruchtbaren! Boden gefallen. Ein Comitö, bestehend aus den Herren Grandrabbin! Zadoc Kahn-Paris, Oberrabbiner Prof. A. Wolff-Kopenhagen, Rabbiner und Seminardirektor Tr. I. Hildesheimer-Berlin, Rabbiner Dr. Hermann; Adler-London, Prof. Dr. Grütz-Breslau, Rabbiner Dr. Jellinek-Wien, Rabbiner Dr. Güdemaun-Wien und Rabbiner Dr. A. Loewy-London, hat sich an die Spitze des Unternehmens gestellt und wendet sich mit i nachstehendem Aufrufe an die Oeffeutlichkeit: „Saadia Gaon ist eine der z glänzendsten Erscheinungen der rabbinischen Litteratur. Mitten im j nin ha mm eda nischen Leben stehend, hat er die arabische und die jüdische; Wissenschaft seiner Zeit in sich vereinigt; in Folge seines Kampfes gegen; die Karaiten hat er einen bedeutenden Einfluß auf die Entwickelung des : Indenthnms geübt, endlich darf er durch sein hohes Alter als der älteste | jüdische Gelehrte und als Vorläufer der Männer der jüdischen Wissen-! schaft gelten. Zudem sind seine Werke von einer jugendlichen Kraft i und von einer Frische durchweht, die man aucl) in den besten Schriften seiner Nachfolger nicht mehr findet. Zur tausendsten Wiederkehr sei lies Geburtsjahres, welche 1892 stattfindet, mochten wir das Andenken dieses! großen! Mannes ehren und zugleich der Wissenschaft äußerst wichtige Do tu nie nie liefern, indem wir seine Werte, die theilweise bis jetzt nutze- 1 tan nt und nnedirt sind, hauptsächlich seine exegetischen und apologetischen Arbeiten, heransgeben. Dieses umfangreiche und schwierige Unternehmen j untre fast unmöglich ohne einen glücklichen Umstand, der dessen Ausführnng zu einer verhältnismäßig leichten Aufgabe macht. Herr Joseph ■ Derenbonrg, Mitglied des Instituts, in ganz Europa durch seine herrlichen Arbeiten über jüdische und arabische Litteratur bekannt, hat seit etwa 40 Jahren eine ganz besonders warme Vorliebe zu Saadia gefaßt, j Auch zu der Zeit, in der er durch die verschiedenen, seinen Ruf begrün-; denden Studien in Anspruch genommen war, dachte er beständig an Saadia und behielt sich vor, sobald wie möglich, zu ihn! znrückznkehren. Heute macht I. Derenbvnrg, so thätig und arbeitsfreudig wie vor 40 Jahren, das Anerbieten, der Veröffentlichung der Werke Saadia's einige Jahre zu widmen. Diese Veröffentlichung war das Ziel seines höchsten und edelsten Strebens, sie wird die Krönung einer der schönsten wissenschaftlichen Laufbahnen unserer Zeit sein. Herr Joseph Derenbvnrg wird in der Aufgabe, die er sich gesetzt, durch mehrere Mitarbeiter unterstützt werden, unter denen in erster Linie Herr Tr. A. Harkavy, Biblivthetar au der taiserl. Bibliothek in St. Petersburg, zu nennen ist. Derselbe hatte gleichfalls die Idee dieser Verösfentlichnng gefaßt, bat aber ans freien Stücken, die Leitung desselben Herrn I. Derenbonrg zu , überlassen. Herr Dr. Harkavy hat sich erboten, die Biographie Saadia's; zu schreiben, und die ebenso umfassenden, wie gründlichen Kenntnisse; dieses Gelehrten und die reichen Materialien, über» welche er verfügt,; bestärken in der Zuversicht, daß seine Arbeit einen der hervorragendsten Dheile der geplanten Verösfentlichnng bilden wird. Herr Dr. Harkavy hat seine Mitarbeiterschaft auch für andere saadinnische Werke zngesagt. — Ein Unternehmen von solcher Wichtigkeit kann nur dann gelingen, wenn ihm die Oeffeutlichkeit ihre Unterstützung angedeihen läßt. Die Achtung - und Liebe für die Wissenschaft ist einer der hervorragendsten Züge des j Judenthums. Deshalb wenden wir uns ohne Furcht und mit der zu-! versichtlichen Hoffnung, daß unser Ausruf Gehör finden wird, an alle; israelitischen Vereinigungen, welcher Art sie auch sein mögen, und an alle Mäcene der jüdischen Wissenschaft mit der Bitte um ihre Unterstützung. Wir ersuchen die Spender, ihre Gaben so bald als möglich entweder an Herrn Grandrabbin Zadoe Kahn (Rue St. Georges 17)! oder an die Alliance israelile iRne Trövise 45) zu senden. Auch die! allerkleinsten Gaben Einzelner werden mit Dank entgegengenommen.! Die eingelaufenen Summen werden in der Kasse der Alliance israelite.; deponirt. Wir sehen vertrauensvoll der Antwort entgegen, welche uns! die gelehrte Welt und die israelitische Welt ertheilen wird, wir rechnen auf große Sympathie-Bezeugungen für dieses Unternehmen und sind überzeugt, daß nur bei der bezeichneten Jahreswende zu Ehren der jü di scheu Litteratur und der Wissenschaft überhaupt ein festgefügtes, unvergängliches Denkmal aufgeführt haben werden. rj Berlin, 16. Juni. Von vielen Seiten gehen uns Klagen darüber zu, daß ein Herr E. Raden Hansen aus Hamburg jüdische Privatleute und Gemeindevorstände durch Zusendung eines Pamphlets belästigt, welches mit einigen scheinbar freundlichen Worten beginnend, die bodenlosesten Beschuldigungen und Verdächtigungen gegen Juden und Judenthum enthält. Da das sechs Ouartseiten füllende Machwert als Ueberschrift die Worte trügt: „An das verehrliche Rabbinat und den Vorstand der israelitischen Gemeinde zu . . .I so scheint hier die Aufdringlichkeit, um nicht den gebührenden stärkeren Ausdruck zu gebrauchen, eine vorbedachte zu sein. Ter Verfasser, welcher bereits vor Jahren ein bogenlanges Buch: „Esther, oder die semitische Unmoral im Kampf gegen Staat und Kirche," geschrieben hat, zeigt in den wenigen Seiten eine solche Fülle von Unwissenheit, daß dieselbe nur noch von der Verblendung übertroffen wird, mit welcher er die Erzeugnisse dieser Unwissenheit gerade demjenigen Leserkreis zu Gesicht bringt, der dieselbe in jeder Zeile zu kontroliren vermag. Das ganze Schriftstück Hai übrigens in uns einen einzigen Eindruck zurückgelassen, den des nutze dingten Mitleids mit dem Autor, welcher seine Kenntniß von Juden und Judenthum offenbar nur der Lektüre antisemitischer Schriften und seiner eigenen Phantasie verdankt. ¥2 Königsberg, 12. Juni, lieber die Ausweisnngsmaßregetn gegen die hiesigen russisch-jüdischen Kaufleute läßt sich der Jahresbericht des Vor steheramtes unserer Kaufmannschaft folgendermaßen aus: In unserem Jahresberichte für 188.4 schrieben wir über die damals in Verbindung mit den generellen Maßnahmen gegen polnische Elemente begonnene Ausweisung der hier lebenden russisch-jüdischen Kaufleute: „Unseres Erachtens gehören diese unserm Handel so nützlichen Personen nicht zu denjenigen Ausländern, von denen Polonisirungsbestrebnngeu zu befürchten wären, lieber die politische Seite der Answeisnngsniaßregeln zu urtheileu, ist zwar nicht unsere Aufgabe; aber wir glauben es aussprechen zu müssen, daß die hier lebenden kleinen russisch-jüdischen Händler, von ganz seltenen, uns übrigens nicht bekannten Ausnahmefällen vielleicht abgesehen, unserer Meinung nach überhaupt keine Pvlitit treiben, sondern nur eifrig ihren Geschäften nachzugehen suchen. Was sie aber geschäftlich für unfern Platz bedeuten, davon wird sich der Fernstehende kaum eine rechte Vorstellung machen können. Gerade auf ihnen und ihrer Thätigteit beruht ein großer Theil unseres Geschäfts mit Rußland. Insbesondere trifft dieses zu auf unfern Haupthandlungszweig. das Getreidegeschäft, das zum überwiegenden Theil in der Einfuhr russischen Getreides auf dem Bahinvege und in der Wiederausfuhr desselben über See besteht. Die Heranziehung des russischen Getreides ist vornehmlich Sache dieser russisch-jüdischen Kommissionäre. In Folge ihrer Genügsamkeit und Gewandtheit, ihrer emsigen Rührigkeit und ihrer Kenntniß von Land und Leuten in Rußland, hauptsächlich aber in Folge ihrer verwandtschaftlichen und sonstigen persönlichen Beziehungen zu ihren Auftraggebern in Rußland sind sie in der Lage, das Getreide so billig heranzuschaffeu, wie kaum ein Anderer. Bein! Fortgange dieser Personen von Königsberg würde daher unzweifelhaft ein großer Theil unserer russischen Getreidezufuhren uns verloren gehen. Es sind nicht nur die dauernd hier lebenden, sondern auch die nur zeitweilig sich hier aufhaltenden russisch-jüdischen Händler, welche eine solche unserem Getreidehandel ersprießliche Thätigkeit entfalten. Aehnlich liegen die Verhältnisse im Holzhandel und im Handel mit Flachs und Hanf. Aber auch ein erheblicher Theil unseres Exports nach Rußland, namentlich von Thee, Heringen und Kolonialwaaren, wird lediglich durch die hier lebenden kleinen russisch-jüdischen Kommissionäre erinöglicht. Ferner kommen in Betracht die zahlreichen, in den hiesigen Geschäften angestellten russisch-jüdischen Korrespondenten, gleichfalls unserem Handel sehr nützliche Personen, da die Kenntniß der russischen Sprache in Deutschland wenig verbreitet ist; die russischjüdischen sogenannten Hansmakler der Flachs-, Hanf- und Lnmpeubranche, eine Eigenthümlichteit dieser Geschäftszweige und eine für dieselben kaum entbehrliche Institution; die in den Flachs- und Hanfgeschäften ihrer besonderen Fertigkeit in der Bearbeitung des Flachses und Hanfes wegen angestellten russischen Bracker; die russischen Rnbelmäkler und noch so manche andere russisch-jüdische kleine Händler und Gewerbetreibende." — Diese Answeisnngsmaßregeln sind bis auf den