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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-06-20 · Heft 23 (20.6.1890) · p. Seite 317

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 23 (20.6.1890)
Date
1890-06-20
Page
Seite 317 (sequence 9)
Language
German
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317 >lück ihres eine wehnun drei- Auch sie ochter des für Poesie burtstage. md Mantüchtigen ldelspeisen oeitausend er Heines ich strahlte c sich hin, > der Anrach Tisch, >en Herrn enormem liusach -;r Dichter rau henie so genau Buch der kenommce;u reden; mir hatte;es tonnte Fingern, nit einem rr anders für feine rn Helene :ben gern tüchtig in mehreren lnken die :au Alles chen nach brünett, und . . . eferendar c nämlich iktere ge- „Daß Du die Zeit des Nachhausckommens versäumt hast; das geht nicht länger, Helenchen," unterbrach sic die Mutter — „das geht nicht länger. Der Referendar darf sich nichts in den Kopf setzen, rnrd Du erst recht nicht, und das; Du es nur weißt, ich Hab' zwar Deinem Vater das Versprechen gegeben, Dir noch nichts zu sagen, aber es drückt mir das Herz ab, — sch — leise, daß uns Niemand hört!" „Nun, Mütterchen, was denn?" „Es ist nämlich Jemand in Vorschlag für Dich, mein Kind;" Helene wurde kreidebleich — „etwas sehr Gutes," fuhr die Mutter hcrausstreichend fort, „aus Berlin, was sagst Du dazu, aus Berlin? Er wäre ein fabelhaftes Glück, er könnte die schönsten und reichsten Mädchen bekommen, — er will partout nur Dich." „Kennt er mich denn?" brachte das Mädchen mühsam hervor. „Er hat bei Bekannten Dein Bild gesehen, Helenchen, und da ..." „Mutter!" schrie Helene auf, „ich bitte Dich um Gotteswillcn, verhandelt mich nicht, laßt mich doch bei Euch, laßt doch nicht den ersten besten Menschen kommen, der weiter nichts von mir weiß, als daß ich Philipp Meyers Tochter, vielleicht nicht gerade bodenlos häßlich bin und so und so viel Geld mitbekomme. Wie soll ich Jemand lieben, den ich bis jetzt nie gesehen, das sind barbarische Gebräuche — Mutter, Du weißt nicht, wie unglücklich mich das machen würde; ich habe immer darauf gehofft, auch einst mein Herz befragen zu können und ans Liebe zu heirathen, und wenn ich vielleicht auch mein Ideal nicht erfüllt scheu werde, kann ich mich doch auch nicht verkaufen." Das erregte Mädchen weinte still vor sich hin. „Aber Helenchen, Kind, wer spricht denn davon? Glaubst Du vielleicht, wir werden Dich zu etwas zwingen, das Dir nicht gefüllt? — Das fehlte noch; aus den Referendar kannst Du nicht warten, und wenn er auch noch so ein allerliebster Mensch ist; zu anspruchsvoll darfst Du aber auch sein mit den paar Thalern, und was willst Du thun, wenn wir mal nicht mehr sein werden, der Vater und ich, und Du bleibst allein in der Welt ohne Liebe? Die Emma ist viel praktischer als Du, die hat mehr Vaters Sinn, Du bist mehr so, wie ich war, — wer weiß, ob ich's noch erleben werde, Dich glücklich zu sehen." Leuchen weinte und umklammerte den Hals der Mutter — diese weinte herzbrechend. Wenn ein Samenkorn in feuchte Erde gelegt wird, keimt cs um so kräftiger und treibt seine Blätter und Blüthen. Helenchen beruhigte sich auch allmälig, die Mutter versprach energisch, noch nicht zu sterben, und die Tochter revanchirte sich und gelabte, den „Verschriebenen" wenigstens freundlich begrüßen zu wollen. „Ihr könnt Euch doch sehen, doch kennen lernen, zum Neinsagen hast Du immer nach Zeit. Wenn Du nur ivüßtest, wie er gelobt wird und wie gut es ihm geht." „Wie heißt er?" fragte Helenchen, bei der cs noch immer wetterleuchtete. „Albert Behrend, so ein anständiger Name, so gar nicht herausfordernd." „Wie sieht er aus, wohl sehr schwarz?" „Gott bewahre, im Gegentheil, sogar etwas röthlich, ist nicht der Referendar Neumann auch etwas röthlich?" „Aber Mutter," sagte Helenchen vorwurfsvoll, „wie kannst Du das nur sagen, — Gustav Neumann und röthlich; blond ist er, wundervolles, dunkelblondes Haar, und der Schnurrbart wird bestimmt auch blond, — dann hast Du ihn Dir noch nicht angesehen —" „Mag sein, mein Kind, mir kam's so vor. So, nun geh' und übe ein bischen, der Vater wird bald kommen, verrathe mich nicht, daß ich Dir 'was gesagt habe." Helenchen ging ins Wohnzimmer und setzte sich ans Klavier aber die Tasten blieben unberührt, die Hände lagen gefaltet im Schoos;; endlich ermannte sie sich und begann nach dem Gehör Beethovens Trancrmarsch zu spielen, sie spielte ihn mit viel Gefühl und viel Fehlern, und es war ihr unsagbar traurig dabei zu Muthc. „Na, Lena, was ist mit Dir los," unterbrach die eintrctende Emma die Spielende und legte schwer die etwas große Hand auf der Schwester Schulter. Emma war kleiner und stärker als Helene, hatte sehr dunkles Kolorit, blitzende braune Augen, machte aber im Ganzen einen weniger seinen Eindruck als die Schwester. Auch im Wesen waren sie äußerst verschieden. Emma lachte sehr gern laut, machte gern die neueste Mode mit, griff aber Alles, was ihr in den Weg kam, herzhaft an; Helenchen machte einen viel bescheideneren Eindruck, trug sich einfacher und war im Ganzen viel unselbständiger als die jüngere Schwester. „Na, nun beichte," wiederholte diese, „was war denn das für eine lange Unterredung mit der Mutter, es ist wohl was im Gange, eins bitt' ich mir aus, keine Geheimthuerei vor mir, ich komm' doch hinter Alles, also heraus mit der Sprache, was ist's?" „Denke nur, Emma, ich soll heirathen." „Na, das wäre ja herrlich, und dazu machst Tu solch Gesicht?" „Aber einen, den ich noch gar nicht kenne, wie soll in so kurzer Zeit Neigung entstehen; ach, Emma, ich bin sehr unglücklich —" „Aber Du kennst ihn doch noch gar nicht, sagst Du selbst, warte doch erst ab, tute er ist, vielleicht ist er noch ebenso nett, wie Tein verhungerter Referendar — na, fahre nur nicht auf, mir machst Tu nichts weiß, — aber weinen solltest Du deshalb uicht, Lena, — sei unbesorgt, ich steh' Dir zur Seite, ich helfe Dir, — Du sollst nicht unglücklich werden." Helenchen fiel der Schwester wieder;nn den Hals, und Beide umarmten sich, bis Emma sagte: „Nun wisch' Dir die Augen und übe weiter, ich höre Vaters Stimme draußen, aber bitte, mach' etwas weniger Fehler, ein Glück, das; der tobte Beethoven auch noch taub ist, sonst müßte er sich im Grabe herumdrehcn." Unterdessen war Philipp Meyer bei Frau Lehmann gewesen, welche die gütige Fee spielen wollte, und die geneigt war, die Fäden des Bundes zu knüpfen. Sie konnte ihrem Besuche schon den ersten Brief des jungen Mannes zeigen, eines Stiefcousins ihres seligen Schwagers. Das heißt, sie zeigte den Brief nur von Weitem, denn hinciubticken lies; sie nicht in die „Primilinarieu", wie sie krampfhaft sagte. Er habe Helencheus Bild gesehen und sei sehr entzückt." „Kunststück!" schmunzelte Meyer. „Die Familie sage ihm auch sehr zu —" Meyer zog sich mit einem Ruck die Weste herunter, das; die Knöpfe knackten. „Und jetzt kommt die Pointe, d. h. die Schwierigkeit, — er habe ... so schreibt er, — seinem seligen Vater das Wort gegeben, das Wort . . . nicht unter 30,000 zu heirathen." Meyer saß wie eine geknickte Lilie. Auch Frau Lehmann legte die dicken Hände gefaltet in den Schoos; und sagte resignirt: „Er thut es nicht anders, lind ich fürchte, er kriegt'S auch; er kriegt's wo anders mit Kußhand, Sic können's doch aber auch, Herr Meyer, untergraben Sic das Glück Ihres Kindes nicht, für das hübsche Leuchen muß es doch auch was Gutes sein, in acht Tagen könnte er kommen, wenn er nur nicht so viel in Aussicht hätte, in Posen die Tochter vom reichen Destillateur Auswald —" „Kenne ich zufällig, Frau Lehmann, die hat die Pocken gehabt — aber wie!" „Und in Beeskow vom ersten Getreidekaufmann, ach, wie heißt, er doch gleich?"

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