Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 23 (20.6.1890)
- Date
- 1890-06-20
- Page
- Seite 314 (sequence 6)
- Language
- German
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314 fast ollen Ländern des Orients lind ans den Inseln des Meeres in größerer Zahl niedergelassen hatten. Darum gewahren wir auch auf der Messe zu Petra jüdische Händler als Berkaufer und Agenten, in de» Quartieren der Babylonier, wie iu den Buden der Araber und in den Markthallen der Aegypter. Jüdische Käufer sind Überwiegend Jerusalemer, die hier ihren beträchtlichen Bedarf von Kleiduugs- und Schmuckgegenständen, Galanteriewaaren u. dergl. decken. Jerusalem ist zwar keine Handelsstadt ersten Ranges, es fehlen ihr hierzu alle nöthigen Vorbedingungen, die Lage der Stadt ist sogar in dieser Hinsicht eine ungünstige. (5s fiihrt keine Karawanenstraße direkt oder in nächster Nähe an ihr vorüber, es fließt feilt schiffbarer Fluß vorbei, und die Verbindung mit dem Meere ist trotz der geringen Entfernung eine sehr schwierige. Aber der Konsum war daselbst, so lange der! Tempel bestand, ungemein stark; denn abgesehen von den mindestens! nach mehreren Huuderttanseuden zählenden ständigen Einwohnern, kommen zu den Festen so viele Wallfahrer, daß die Stadt 311 Zeiten weit über eine Million Menschen innerhalb ihrer Maliern sieht. Aus der Provinz, aus Syrien, aus Aegypten, aus Kleiuasieu, aus Griechenland und den Inseln des Archipels strömen Schaaren frommer Pilger herbei, da jeder Jude, wo er auch weilen mag, darnach trachtet, wenigstens einmal in seinem Leben die Festtage in Jerusalem zuzubringen und im Tempel aus Moria, der einzigen legitimen Opferstätte, betend und opfernd zu erscheinen. Da müssen denn wohl die , jerusaleunschen Kaufleute, wenn anders sie sich auf ihren Bortheil i verstehen, es sich angelegen sein lassen, eine große Auswahl schöner j Luxusartikel zur Schau zu stellen, um die zugereisten begüterten Glaubensgenossen zu Einkäufen von Geschenken für ihre Frauen und Kinder zu bewegen. Denn das war, wie wir aus dem ersten Kapitel! des ersten Buches Samuel wissen, eine uralte Sitte bei den Juden, »ach der Darbringung des Opfers die Glieder der Familie durch! Geschenke zu erfreuen und hierdurch das Andenken an den Besuch der j heiligen Stadt, der dem Wallfahrer selbst so viele erhebende geistige j Genüsse verschafft hatte, für längere Zeit in ihnen zu erhalten.! Doch jetzt sind wir von unserem Rundgaug ermüdet; einen i kleberblick über das Treiben auf einem orientalischen Meßplatze der alten Zeit haben wir mm wohl schon gewonnen, in alle Einzelheiten! vermögen wir bei der Kürze der Zeit doch keinen Einblick zu thun. j Und so begnügen wir uns denn mit dem, was wir in der Eile haben j wahrnehnien können. Wenn es weniger war, als man erwartet hat, so i ist doch das Wenige mit Liebe und Freudigkeit dargeboten worden. U Ein alter Journalist. Paris, im Juni. Bor etwa 10 Jahren, nach dem Tode Mathildes, der Witüve Heinrich Heinc's, hatte ich Gelegenheit, die Bekanntschaft Alexander Weill's, des Elsässer deutsch-sranzösischen Schriftstellers, zu machen. Man kann fick keine lebendigere Heine-Biographie denken, als diesen guten, alten Herrn, den ich längst im Elysium vermuthet hatte, woselbst seine redlichen Bemühungen, Heine und Meyerbeer mit einander auszusöhnen, zweifellos gelingen müßten, was hienieden aber bekanntlich nicht der Fall gewesen. „Alter Herr" kann übrigens von Alexander Weill nur mit Rücksicht auf so viele seiner berühmten Freunde und Zeitgenossen gesagt werde», die schon so lauge nicht mehr unter den Lebenden »veilen; denn in Bezng auf Frische und Originalität kann die raschlebige und früh alternde Jugend unseres „bin <lc Siede" es keineswegs mit dem achtzigjährigen Schriftsteller aufnehmen, der noch heute so unbändig gegen Borurtheile und Autoritäten wüthend, die Wahrheit und Moral über Alles setzend, in den Federkrieg zieht, wie zu den Zeiten, als er bei dem „jungen Deutschland", der romantischen Schule Frankreichs, feinem vielgeliebten Meister Balzac oder den Saint - Siuiouisten unabhängig-freiwillige Plänklerdieuste that. Seit zehn Jahren gab er es auf, im „Evöuöment" oder anderen großen Boulevard - Journalen mit dem beträchtliche» Theile lebender und tobtet Celebritäten, denen er den Respekt versagt, zu polemisireu. Er hatte gemerkt, daß die Mode gegen jedwelche Bermiuderuug des französischen Ruhminventars sei, und um seine Kollege»» nicht zu ge»»ireu, schrieb und veröffentlichte er hinfort seine polemischen Streifzüge in zwanglosen, periodischen Heften, die sich von Zeit zu Zeit zu recht kuriosen Büchern verdichten. Mau »uns» ihm Tank »vissen, daß er über gewissen „Hauptfragen", deren Erforschung seit einem Dezennium ihn mit Vorliebe beschäftigt, das den Epigonen besonders wiffenswerthe Gebiet seiner reichen iitterarhisto rischen und persönlichen Erinnerungen nicht gänzlich vernachlässigt. ,,M;i Jeunesse", ..Inlrocluction seines nieenoires“. oder seil» jüngstes deutsches Buch: „Briefe hervorragender verstorbener Männer Deutschlands an Alexander Weill" sind reich an dokumentarischen und anekdotischen Schilderungen. Daß Weill keineswegs seine eigene Person in den Vordergrund stellt, sondern stets nur solcher Erlebnisse gedenkt, bei denen er uns berühmte Männer „im Schlafrock" vorführen kann, macht seinem Geschmack »vie seiner Bescheidenheit in gleicher Weise Ehre. Demi, obgleich Weill niemals als Leisetreter oder von Höflichkeitsrücksichten in seiner Kritik beeinflußter Publizist, sondern eher als eine Art litterarischen Grobians bekannt »var, so hatte er niemals die egoistisch, Absicht verfolgt, auf Kosten Anderer sich selbst herauszustreichen. I» Bezug auf Ruhm und schriftstellerische Ambitionen hat Weill die originellsten Ansichten, die mau sich denken kann. So ist er z. B. ein Gegner des litterarischen Autorenrechtes, und hat von demselben keinen Gebrauch gemacht, seitdem eine bescheidene, aber gesicherte materielle Existenz in Paris ihn nicht mehr nöthigte, mit deutschen Verlegern und Zeitungsherausgebern Verrechnungen zn pflegen. Bedürfnißlosigkeit und Originalität haben sich bei ihm stets gut vertragen u»»d einander wechselseitig gefördert. In vielen Genres zu Hause, blieb er überall nur so lange, als es ihm selbst gefiel, und seinen Gru»»dsätzen, »vie seinem Temperament widerstrebte es in gleicher Weise, irgend eine Spezialität, in der seine Leistungen besonderen Erfolg erzielt hatten, »vie z. B. die „Dorfgeschichten", die er vor Auerbach in die deutsche Litteratur eingeführt hatte, auszubeuteu. Den wohlthuendsten Eindruck, den man aus den erwähnten Memoirentverkcn gelvinnen muß, übt eben dieser gänzliche Mangel an Stoßseufzern gekränkter Eitelkeit oder neidischer Unzufriedenheit aus, vo» denen ähnliche Schriften niemals frei si»»d. Wem» eS ein Gebiet giebt, auf welchem dieser alte Journalist seine sonstige Anspruchslosigkeit verleugnet und für seine Ideen mit höchst überflüssiger Nachdrücklichkeit Propaganda zu machen sucht, so geschieht dies mit einem solchen Feuereifer inniger Ueberzeuguug, daß man glauben muß, „Io Ikhi j>dit Weill“, der sonst immer so amüsant zu sein wußte, halte diese ennuyeuse Abschweifung für eine Ehrensache. Leider ist dem auch so. Ein einziges, leidiges Thema hat fick» seit einem Dezennium in den einst so vielseitigen und abwechselungrreichen Produktionen Weill's ansässig gemacht: es ist der große Prozeß, den Weill seit Jahr und Tag gegen einen gewissen Esrah wegen angeblicher, gründlicher Verfälschung der reinen mosaischen Lehre führt. Nach zweitausend Jahren ist dem schriftgelehrten Redakteur des alten Testaments in Weill ein persönlicher Feind entstanden, und für die meisten Katastrophen oder noch bestehenden Hebet der Menschheit \.. wird st »aehrer» bestehen windet angebli ach tra ilasaü ihm ge ven „9 ifit sech geholt, inet m Jeier < möglich beim ( bapag J> Hingen Politik icristisö oe n E leimte ichärfe» Weill, nchtigk A Weise i s: ii i h Jour» Jourrn Redakt ilande» oes,,j» Paris' iratisch von dt Publik zuschrii lacheul mir zu int O -vriinfj für b: „Alexe mit A nt der fern e Waffe» nimmt 6 Placke» wfüllii nach s den ab Weill, >h»n i »Alexa ') der ui'