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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-06-13 · Heft 22 (13.6.1890) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 22 (13.6.1890)
Date
1890-06-13
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 sozietät trennen, doch unterließ man es des Friedens Huven. Ein Zweiter Fall. Nor etwa 2 Jahren war in derselben Gemeinde die Stelle eines Elementarlehrers vakant. Schreiber dieses wandte sich an einen jüdischen Herrn, von dem er bestimmt annahm, er werde ihn unterstützen, mit der Bitte, er möchte doch, da so sehr viele jüdische Lehrer stellenlos sind, im Interesse der guten Sache, seinen Einfluß dahin geltend machen, daß wenigstens ein einziger jüdischer Lehrer angestellt werde. Aber welche Antwort erhielt ich! „Bedaure, ich selbst bin der größte Gegner einer solchen Anstellung, weil — die jüdischen Lehrer 1111fromm sind, und unseren Kindern ein schlechtes Beispiel geben würden." Die Stelle wurde selbstverständlich durch einen christlichen Lehrer besetzt. z. Pieschen, 4. Juni. Der neu erwählte Rabbiner der hiesigen Gemeinde, Herr Dr. M. S. Zuckermandel, traf heute Nachmittag hier ein. Derselbe wurde an der vorletzten Bahnstation von den Mitgliedern des Vorstandes, dem bisherigen Rabbinatsverweser, vielen Gemeindemitgliedern empfangen. Um 6 Uhr traf der stattliche Zug hierein, und es fand in der dicht besetzten, im Lichterglanz und Blumenschmuck prangenden Synagoge die feierliche Einführung des Herrn Dr. Zuckermandel in sein Amt statt. Bei seinem Eintritt richtete der Korporations-Vorsteher Herr Joachim au den Rabbiner eine Ansprache, in der er ihn im Namen des Vorstandes und der Gemeinde begrüßte, dann die Hoffnung und Erwartung anssprach, daß Herr Dr. Z., dem Beispiele seines Vorgängers, des hier unvergeßlichen Rabbiners Dr. Silberberg, folgend, in Wort und That eine segensreiche Wirksamkeit für die religiösen Interessen der Gemeinde entfalten nnb daß es ihm besonders j gelingen möge, den Frieden der Gemeinde zu erhalten, endlich, daß er seine ganz besondere Sorgfalt der Religionsschule 3ituieiiben möge. Tief gerührt ergriff nun Herr Dr. Z. das Wort. Er dankte zunächst dein Vorstande und der Gemeinde sowohl für ihren herzlichen Gruß als auch für den Empfang, der ihm geworden. Mit einem Hinweis ans die Umstände, die ihn veranlaßt haben, eine große mit einer kleineren Gemeinde zu vertauschen, sehe er es als eine Fügung Gottes an, die ihn zum Nachfolger seines edlen Vorgängers bestimmt; er werde sich bemühen, in beffeu Sinne zu wirken, um auch sich die Liebe 1111b Verehrung der Gemeinde, die jener so reichlich besessen, zu erwerben. Nach dem Prophetenworte (Hos. 2, 21, 22) spreche er den Wunsch ans, daß der geschlossene Bund ein dauernder, von Recht, Liebe und gegenseitigem Vertrauen getragener sein möge. Mit Gesang und Gebet schloß die erhebende Feier. CgD Königsdorff - Jastrzemb, 2. Juni. Das israelitische Kinderheim im hiesigen Soolbade ist am 1. Juni mit den ersten Pfleglingen eröffnet worden. Die Räume des Kinderheims, vorläufig drei große, freundliche, helle aneinanderschließende Zimmer befinden sich in einem von einem großen Garten umgebenen Hause, gegenüber dem über So Morgen großen Kurpark. Die Verpflegung steht unter direkter Aufsicht des Badearztes, der gleichzeitig Mitglied des Eomitäs ist, die sonstige Pflege und Ueberwachung der Kleinen liegt in guten Händen. Ausgenommen in das Kinderheim werden israelitische Kinder der Provinzen Schlesien und Posen im Alter von 6 bis 16 Jahren. Kinder bemittelter Eltern haben für eine dreißigtügige Shir den Kosteupreis von 50 M. zu zahlen, Kinder minder bemittelter oder ganz armer Eltern erhalten halbe resp. ganze Freistellen. Für diese Saison sind noch mehrere Plätze zu belegen, diejenigen, die ihre Kinder daher noch diesen Sommer im Kinderheim unterbringeu wollen, thun gut daran, diese schleunigst bei dem Vorsitzenden des EomitOs, Herrn Rabbiner Dr. Wilhelm Münz in Gleiwitz, anzumeldeu. Es empfiehlt sich, dem Anmeldungen ein ärztliches Attest beizulegen, und solchen, die aus eine Freistelle reflektiren, auch ein Armuthszeugniß beizufügen. Da die Verwaltung des Kinderheims sich in Gleiwitz befindet, sind alle Briefe au obengenannten Herrn Vorsitzenden und Geldsendungen an Herrn Bankdirektor Jakob Frankel in Gleiwitz zu richten. c. Bielefeld, 8. Juni. Auch unsere Gemeinde hat nunmehr, dem Beispiele Berlins und anderer Gemeinden fofßeub, einen Jugendgottesdienst eingerichtet, um den jüdischen Schülern und Schülerinnen der hiesigen Schulen den regelmäßigen Besuch der Synagogen zu ermöglichen. Der erste derartige Gottesdienst fand gestern Nachmittag 4 Uhr statt und war sehr gut besucht; auch Erwachsene hatten an demselben theilgenommen. Den bedeutsamsten Theil des neuen Gottesdienstes bildet naturgemäß die Predigt, welche als eine wirksame Ergänzung des Religionsunterrichtes den Schülern die Kenntniß des Judenthums vermitteln sott. Hoffen wir, daß die neue Einrichtung zur Hebung itttb Förderung des religiösen Interesses innerhalb unserer Gemeinde beitragen möge. in. Aus Mheinheffen, 6. Juni. Gestern fand im israelitischen! Gemeindesaale in Mainz die Gründung eines Vereins der israelitischen! Lehrer des Großherzogthums Hesien statt. Es waren ungefähr 35 bis | 40 Lehrer und die Herren Rabbiner Dr. Salfeld aus Mainz und; Dr. Stein aus Worms anwesend. Zum Vorsitzenden wurde Herr! Lehrer K lingenstein-Ober-Ingelheim gewählt. Es wurde sodann; eine Kommission gewühlt zum Entwurf von Statuten und eine andere! zum Entwurf einer Denkschrift, welche bei der Regierung eingereicht werden und in der die traurigen Mißstüude, die auf dem Gebiete des; Schulwesens in unserem Lande herrschen, dargelegt nnb die Regierung! ersucht werden soll, dieselben abzustellen. Besonders erfreulich war die rege Betheilignng der beiden Herren Rabbiner an den Debatten, j welche sich noch über manche Verhältnisse des religiösen Lebens erstreckten, : und trat hier so recht die Zusammengehörigkeit der beiden Stände, die! von jeher eins ivu Judenthum waren, wohlthueud hervor. Hoffen j wir, daß die Begeisterung, wie sie sich gestern für den Verein kund gab, > nachhaltig wirke! Die nächste Versammlung wird in Darmstadt stattsinden. Ein gemeinschaftliches Mahl mit verschiedenen Toasten folgte den Verhandlungen, und bis zum späten Abend verbrachten noch viele Besucher der Versammlung vergnügte Stunden gemüthlicheu Beisammenseins im goldenen Mainz. Auf ein Ergebenheirs-Telegramm, das dem Großherzog gesandt wurde, traf die Antwort ein: „Aufrichtigen Dank für die ausgesprochene Gesinnung des neuen Vereins. Ludwig." Möge der neue Verein blühen und gedeihen! —ck Ans Baden, 6. Juni. Besonders jetzt ist das Auschreibeu, welches Herr Stadtrath Bielefeld in Karlsruhe, Mitglied des Oberrathes der Israeliten, bei Gelegenheit seiner goldenen Hochzeit aus dem Großherzoglichen Geheimen Kabinet erhalten hat, für weitere Kreise bemerkenswerth. Es lautet: Hochgeehrter Herr Oberrath! Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog ist es bekannt geworden, daß Euer Hochwohlgeboren morgen, den 4. 'Mai d. I., mit Ihrer Frau Gemahlin die Feier der goldenen Hochzeit begehen. Seine Königliche Hoheit nehmen an diesem seltenen Familienfeste den herzlichsten Antheil; zugleich gedenken Höchstdieselbeu bei diesem Anlaß Ihrer langjährigen erfolgreichen Thätigteit im Dienste Ihrer Glaubensgenossen als Mitglied des Synagogenraths-Kollegiums und dessen Vorsteher, Ihrer Wirksamkeit für das Gedeihen der hiesigen Gemeinde als Stadtrath, sowie für die Interessen des Bezirks und Kreises Karlsruhe als Bezirksrath und Mitglied des Kreisausschusses. Es ist! deshalb Seiner Königlichen Hoheit ein werthes Anliegen, im Hinblick! auf die bevorstehende Feier der Anerkennung erneuten Ausdruck zu geben,! welche der Großherzog Ihrer wahrend einer Reihe von 48 Jahren auf den! verschiedensten Gebieten des öffentlichen Lebens geübten segensreichen! Wirksamkeit widmen; in dieser Gesinnung haben Sich Seine Königliche ' Hoheit bewogen gefunden, Euer Hochwohlgeboren das Kommaudeurkreuz l Höchstihres Ordens vom Zähringer Löwen zu verleihen. Im Vollzug dieser höchsten Entschließung beehre ich mich, Euer; Hochwohlgebvren die Insignien und Statuten des Ordens sonne die - Verleihnngsurkunde im Anschluß zu überreichen, und bitte Sie, die Ver-; sicherung meiner vorzüglichen Hochachtung zu genehmigen. Karlsruhe, den 6. Mai 1890. Freiherr von Ungeru - Ster n b e r g. ' Der Landtag hat eine Petition der israelitischen Gemeinden i Karlsruhe, Mannheim, Bruchsal u. s. f., welche die Beziehungen der j aus dem Verbände Austretenden nach den für die christlichen Kirchen- < gemeinden bestehenden Bestimmungen geregelt zu sehen wünscht, der! Negierung überwiesen, die dem nächsten Landtage eine dahingehende - Vorlage machen will. Erst mit dem Ablaufe des zweiten uitf das Jahr | des Austritts folgenden Kalenderjahres erlischt die Steuerpflicht, sofern! der Ausgetretene nickt früher einer Kirchengemeinde andern Bekennt- I nisses kirchliche Steuern zu entrichten schuldig wird. Das ist die er-! strebte Aenderung. — Die Positionen sür den israelitischen Kultus! sind im Etat sür 180091 dem Voranschläge gemäß bewilligt worden. Es werden im ordentlichen Etat jährlich 4600 Nt. und im anßerordeut-- liehen 8400 Nt. zur Aufbesserung gering besoldeter Rabbiner verwendet. Hierzu tritt noch aus dem letztgenannten Titel 6000 Nt. Kreditrest. — Herrn Dr. Georg Adler, Privatdozent für Nationalökonomie und Finanzwissenschast an der Universität Freiburg, hat der Großherzog am 23. Mai den Charakter als außerordentlicher Professor verliehen.

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