Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 22 (13.6.1890)
- Date
- 1890-06-13
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3227825-3227848--47130-3268633- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Oran 1× ep/1048048
- Riga 1× ep/1000826
OCR text
4 Diese Universität zählt nunmehr einen ordentlichen (Juristen) und vier außerordentliche Professoren ll Juristen, 3 in der philosophischen Fakultät, je 1 für Geologie, romanische Sprache und Nationalökonomie), sowie 1 Privatdozenten (für semitische Sprachen und Sanskrit), die der israelitischen Gemeinde angehören — In Freiburg hat am 1. Juni die regelmäßige Jahreskonferenz der Religionslehrer des Bezirkes stattgesunden. Neben Lehrproben in analytischer und systematischer Methode wurden Referate über die im Gebrauch befindlichen Fibeln und über die Frage: „Was und luie hat der Lehrer in der Volks- Religions-) schule vom jüdischeil Eeremonialgesetz zu lehren", gehaltell. Alle vier Arbeiten boten eine Fülle von Belehrung nnb Anregung. Oesterreich - Ungarn. I. Prag, 6. Juni. In ben Ansgleichverhandlungen des b ö hmi s ch e n L a il d t a g e s spielte auch die Jndenfrage eine kleine Rolle. In der Sitzung vom 24. d. M., in welcher über den künftigen Landesschulrath debattirt wurde, beantragte der Abg. Dr. Kutschern, statt „Vertreter der israelitischen Religionsgenossenschaft" das Wort „Rabbiner" zu setzen. Statthalter Graf Thun vertrat die Regierungsvorlage unter Hinweis auf die Verschiedenheiten der Organisation der Religions-Genossenschaften und der hierüber bestehenden Gesetzgebung. — Dr. Rieger vertrat die Parität der beider! Voltsstämnre des Landes, sprach sich aber gegen den Antrag des Abgeordneten Kutschern bezüglich der Abänderung des Wortes „Vertreter der israelitischen Religions- Genossenschaft" in „Rabbiner" aus, da er sich an den Wortlaut der Ausgleichsvereinbarnngen gebunden halte. Dr. Gregr verlangte die Wahl zweier katholischer, zweier evangelischer Geistlicher und eines Rabbiners. Referent Abgeordneter Dr. Mattusch trat für die Ablehnung der gestellten Abänderungs-Anträge und für die Annahme der dem Konferenz-Protokolle entsprechenden Bestimmungen ein, die schließlich auch erfolgte. 9 Von Hai) und Fern. Für die zahlreichen Religi ousgesells ch asten und gottesdienstlichen Vereine in Preußen, welche nicht im Besitze von Korporatiousrechten sind, ist eine Entscheidung des Kammergerichts von Wichtigkeit, in welcher der Passus sich befindet: „Auch die nicht mit Korporationsrechten ausgestatteten Gemeinden unterliegen nur insofern den Beschränkungen des Vereins- und Versammlungsrechts, als hier der Veranstalter von Gottesdiensten dieselben anznmelden hat." — Die Sängerin Fräulein Rosa Olitzki, Tochter des Kantors O., hat am Sonntag ein sehr zahlreich besuchtes Morgenkonzert gegeben, über welches die Kritik sich sehr lobend ausspricht. — Die Regierung in Trier geht, wie gemeldet wird, nach nunmehr 40 jährigem Bestehen des „Gesetzes über die Verhältnisse der Juden im preußischen Staate" daran, die Einrichtungen von Synagoge u - G emeindeu im dortigen Regierungsbezirk vorzunehmen. In Glogau ist an einem Hause in der Bailstraße ein in das Mauerwerk eingelassener Stein entdeckt worden, dessen hebräische Inschrift besagt, daß der Stein im Jahre 1372 zur Erinnerung an einen Hausbau im Ghetto, dem früheren Jndenviertel von Glogau, gesetzt lvnrde. - Die hessische Lehrerkouserenz versammelt sich am 7. Juli in Kassel. Aus der Tagesordnung steht ein Vortrag des Lehrers Amram aus Borken über den „ethischen Inhalt der jüdischen Gebete" und ein solcher des Geheimraths Dr. Kristeller aus Berlin über die „ethische Maxime in Pirke Aboth II, 1." Die Feuerbestattung eines Juden hat in Leipzig stattgefunden. Der in England verstorbene Kaufmann Rosenberg hat zufolge letztwilliger Auordnung seine Leiche verbrennen lassen und wurde seine Asche jüngst auf dem jüdischen Friedhof in Leipzig beigesetzt. - Zu der Beisetzung der Erbprinzessin von Thurn und Taxis, welche am 20. Mai in Regensburg stattfand, ist auch das dortige Rabbinnt durch Schreibeu des Hofmarschallamtes eingeladen worden. — Die israelitische Kultusgemeinde Oehringen in Württemberg, bisher Filiale von Eschenau, mit 180 Seelen, die im vorigen Jahre mit großen Opfern eine neue Synagoge erbaute, ist zur eignen Kirchengemeinde erhoben worden, dagegen haben sich die Gemeinden Affaltrach und Eschenau zu einer Synagogengemeinde vereinigt. — Die israelitische Gemeinde Mergentheim besitzt das ursprüngliche Börne'sche Familienhaus, in welchem die Synagoge, das Rabbinats-Schulhaus und die Gemeindestube sich befinden. Der Rabbiner bewohnt die ehemaligen Borne'scheu Familiengemächer, die früher mit prächtigen Gobelins dekorirt waren. Die Gemeinde hat letztere für 1500 M. an einen Kunstliebhaber verkauft und das Kapital als eisernen Fonds zur etwaigen Synagogenrestaurirung niedergelegt. - Zum Oberrabiner von Straß bürg wurde der bisherige Metzer Rabbiner Weill gewühlt. — Zu Wien wurde am Donnerstag den 5. d. M. im Bethause der innern Stadt eine Gedächtniß seier für Moritz Rapaport von Dr. Jellinek abgehalteu, welcher in; seiner Ansprache die Preisfrage erwähnte, die nächstens von dem Curatorium der Dr. Rapaport'schen Stiftung veröffentlicht werden wird. — j Wegen Verbrechens der öffentlichen Gewaltthätigkeit, begangen durch antisemitische Drohbriefe, ist Karl Pfaffstätter aus Kalladori von dem Wiener Gerichte zu 1' 2 Jahren schweren Kerkers verurtheilt worden. — Die Innsbrucker Gemeinde w a hl en spielten sich dies mal unter sehr lebhaften Kämpfen ab. Namentlich im zweiten Wahlkörper hatten die vereinigten Antisemiten und Klerikalen ihre Haupt! anstrengung gegen die Wiederwahl des der jüdischen Konfession an! gehörenden Gemeinderathes Wilhelm Danuhnuser gerichtet. Die An j strengungen sind jedoch vergeblich gewesen, denn die Liberalen haben; im zweiten Wahlkörper ebenso gesiegt, wie im dritten. -- In der am j 24. Mai unter dem Vorsitze des Oberstlandmarschalls Tarnowsky abj gehaltenen Enquete über die Frage der Reform der galizischen > Judenschaft wurde ein Antrag auf Errichtung von konfessionellen! Schulen einstimmig abgelehnt. Dagegen wurde beschlossen, bei bei | Negierung die Errichtung von Rabbinatsschulen und Anstalten zur Aus-! bildung jüdischer Religionslehrer für Galizien in Vorschlag zu bringen. - In Budapest wurden beim letzten Mai-Avancement 2 Juden mit | dem Majorsrang bekleidet. Es sind dies die Herren Josef Havasi! und Armin Weber, welche zu Rechnungsräthen im k. uug. Honved ■ Ministerium ernannt wurden. Diese hohe Beamtenstelle ist mit dem Majorsrang gleichbedeutend, und haben die Betreffenden die Uniform eines Stabsoffiziers zu tragen. — In Riga hat der jüdische Kaufmann Jakob Ärmstedt ein Kapital von etwa 360,000 Rubel zur Gründung einer Armenanstalt ohne Unterschied der Religion und Nationalität gestiftet. — Lord Rothschild in London ist zum Leiter der königlichen Agrikultur-Gesellschaft von England gewühlt worden. - Ein aus den höchsten Persönlichkeiten Englands bestehender Verein hat sich zur Aufgabe destellt, Jerusalem mit Wasser zu versorgen. Das Unternehmen macht befriedigende Fortschritte. Englische Ingenieure sind mit; dem Studium der Frage au Ort und Stelle beschäftigt, und es ist Hoss-! nung vorhanden, daß die alte Wassernoth bald beseitigt werden wird. . Unter den Männern, welche sich für das humane Unternehmen inter j essiren, befinden sich auch der Erzbischof von Canterbury, Lord Roth! schild, der Abgeordnete Samuel Montngue, Oberstlieutenaut Goldsmid,; Dr. Adler, Dr. Gaster und Sebag Montefiore. — Obwohl es in Jeru-; salem zahlreiche Aerzte der verschiedensten Nationalitäten giebt, hat der Pascha von Jerusalem die Behandlung seiner Gattin einem jüdischen Arzte übertragen und diesen nach der gelungenen glücklichen Heilung : derselben mit einem reichen Geschenke belohnt. — In Jaffa ist von i Bebkin Vater und Sohn eine Musterschule für hebräische, französische; und arabische Sprache eröffnet worden. — Seit Anfang Mai erschein!! in Oran (Algier) unter dem Titel „Die i sraelitische Jugend " in : französischer und arabischer Sprache ein neues jüdisches Blatt. — Ter ' erste Mai wurde auch in Algier gefeiert, aber die allenthalben von : den Juden ohne Grund gehegten Befürchtungen waren hier vollkommen berechtigt. Der arabische Pöbel überfiel die Juden, plünderte und raubte, ■ und wo die Juden sich zur Wehre setzten, um ihr Eigenthum zu retten, i kam es zu blutigen Ausschreitungen. Besonders arg wurden die Inden ' in Smendan hergenommen. Hundert Araber sammt den Rädelsführern! wurden eingesperrt, mehrere Exzedenten und ein Polizeiinann wurden > getödtet. — In Chicago feierte am 22. Mai Frau Sarah Rotw j schild ihren 102. Geburtstag. Die sehr rüstige Greisin ist in Grebenau! (Preußen) geboren. Vier Generationen wohnten der Feier bei, darunter! 27 Enkel und 15 Urenkel. «iSST* Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.