Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 22 (13.6.1890)
- Date
- 1890-06-13
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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Kerlin, 13. Juni 1890. 54. 3a!|rgnng. »,r. 22. Jtt Ottf. WeiLcrge zuv „AkLgemeinen Zeitung des Iuöenthums". KorrespondenM und Nachrichten. Deutschland. -H- Berlin, 9. Juni. Die Enthüllungsfeier des Moses Mendelss oh u-Den km als in Dessau findet Mittwoch, den 18. Juni, Mittags 12' 2 Uhr statt. Der Zutritt findet nur gegen Eintrittskarten statt, welche im Empfangsbureau im Bahnhofs Hotel am genannten Tage bis 12'4 Uhr erhältlich sind. Der Enthüllungsseier schliefst sich ein Festessen im Bahnhofs-Hotel an. An der Spitze des Denkmal-Comitös steht der Oberbürgermeister in Dessau, Herr Funk. Das Programm für die Euthüllungsfeier beginnt mit einem Chorgesang nach einem Tonsatz voll Felix Mendelssohn-Bartholdy. Hierauf folgt die Festrede, welche Professor Dr. Adolf Lasson aus Berlin halten wird. Nach der Enthüllung folgt abermals ein Chorgesaug ulld danli die Uebergabe des Denkmals an die Stadt dllrch Landrabbiner Dr. S. Weiße. Hierauf wird von Seiten der städtischen Verwaltung Oberbürgermeister Funk die Uebernahme des Denkmals proklamiren. Die Feier schließt mit einem Chorgesang. Die Texte zu biefeu Gesängen hat Geheimrath Hosäns in Dessau gedichtet. 8 Berlin, 10 Juni. Am Sonntag den 8 Juni fand unter reger Theilnahme des Publikums die feierliche Einsegnung von elf Konfirmandinnen durch Rabbiner Dr. Maybaum in der großen Synagoge der hiesigen Gemeinde statt. In einer wahrhaft ergreifenden Ansprache legte Dr. Maybalun feinen Schülerinnen noch einmal in warmen Worten die Verpflichtung ans Herz, durch ihr ganzes künftiges Leben Zeugniß für die Trefflichkeit und Reinheit der Lehren des Jndenthums abznlegeu, mit welchen der zur Konfirmation vorbereitende Unterricht sie vertraut gemacht hat. Dann folgte der Haupttheil der Einsegnungsfeier: ein einleitendes Gebet, das Glaubensbekenntnis;, das wohlbegründete und erläuterte Schriftwort, das eine jede Schülerin sich zum Wahlsprnch für ihr ferneres Leben erkoren. Innig empfunden und klar durchdacht ertönten sie von den Lippen der jungen Sprecherinnen, so daß die Hörer bis ins tiefste Herz fühlten, es sei ihnen Ernst um das Trengelöbniß, mit dem sie sich ihrer Religion zueigneten. Der Segensspruch ihres Lehrers und feierlicher Gesang beschloß die weihevolle Stnnde. Wem sein Glauben in empfänglicher Jugendzeit solche erhebende wohl vorbereitete Eindrücke gegeben, dem ist er für alle Zeiten unveräußerliches, tiefinnerst, s Besitzthum. Man sollte daher meinen, alle diejenigen Eltern, denen darum zu thun ist, ihrer Religion die Zukunft zu sichern, müßten voll Eifers ihren Kindern diesen köstlichen Schutz gegen Abfall und Gleichgiltigkeit zu geben suchen. Allein die geringe Anzahl der Konfirmandinnen zeigt, wie wenig die Berliner Judenschaft sich die schöne Einrichtung für ihre Kinder zu nutze macht. Gerade in der jetzigen Zeit, wo allerorten sich Sinn für die religiösen Angelegenheiten bethätigt, ist diese Theilnahmlosigkeit doppelt zu beklagen und zu verurtheileu. Wenn in der ganzen großen Gemeinde nur 11 Familien ihre Töchter konfirmiren lassen, so ist an Knaben schon gar nicht zu denken. Sekundaner oder Primaner — jüngere dürften es freilich nicht sein — haben bereits „zu viel zu thun" oder fühlen sich bereits „zu erhaben", um an einem höheren Konfirmandenunterricht Theil zu nehmen. Gott besseres! L Berlin, 10. Juni. Am nächsten Sonnabend den 14. d. M. wird Herr Rabbiner Dr. Joses Stier aus Steinamanger in Ungarn eine Gastpredigt in der Synagoge Oranienburgerstraße halten. Am ^tüeitnäd)fteu Sonnabend wird in derselben Synagoge Herr Rabbiner Dr. E. Neumann aus Gr. Kanisza in Ungarn predigen. Königsberg, 29. Mai. Mit dem gestrigen Festessen hat die Jubiläumsfeier des Rabbiner Dr. B amberg er ihren Abschluß erreicht. Die Reihe der Ovationen wurde am Sonntag in der Frühe des Morgens von den Zöglingen des israelitischen Waisenhauses und der Dr. Kosch'schen Waisen-Erziehungsanstalt eröffnet, welche dem Jubilar, der an der Spitze beider Anstalten steht, einen Festgruß in Liederspenden und Deklamationen darbrachten. Ihnen schlossen sich unmittelbar die ehemaligen Zöglinge der Anstalten an, in deren Namen unter Ueberreichung eines Pokals der Rabbinatskandidat Fabian seinen Tank aussprach. Darauf folgte Festgottesdienst in der Synagoge; nach Schluß desselben erschienen in der Behausung des Jubilars die Gratulanten; bei der großen Zahl derselben müssen wir uns darauf beschränken, nur die einzelnen Körperschaften und deren Sprecher zu erwähnen, ohne den Inhalt der Ansprachen, die alle in dem Danke gegen den Jubilar für dessen Wirkeil in den verflossenen 25 Jahren seiner Amtsthätigkeit lind in den Wünschen für die Zukunft gipfelten. Namens der Lehrer und Beamten der Gemeinde sprach Dr. Wolffberg und für die Zöglinge der Neligionsschule eine Schülerin der Anstalt in schwungvollen Versen unter Ueberreichung eines kostbaren Blumenkorbes und einer goldenen Feder. Namens der Gemeinde und deren Vorstandes sprach der Obervorsteher Professor Dr. Samuel, im Aufträge der Neprüsentantell-Versammlnng der stellvertretende Vorsteher Laser Eichelbannn Die Ansprachen der Vereine und Institute eröffnete wiederum Professor Dr. Samuel Namens der Central-Armenkommission; ihm folgten als Sprecher für das Waisenhaus Dr. Friedländer, für die Dr. Kosch'sche Waisen-Erziehungsanstalt Dr. Schlesinger, für den Verein für Krankenpflege Julius Fürst, unter gleichzeitiger Ueberreichung einer Adresse des Verbandsausschusses der Synagogengemeinden Ostpreußens, für den Studienbeförderungs-Verein Professor Dr. Jaffö, für das israelitische Stift Samuel Magnus, für den Armen - Unterstützungsverein Polizeirath Jagielski und Hausmann Puppet unter Ueberreichung einer Adresse, für den Feuerllngsverein Arnold Sommerfeld und für den Bekleidungsvereiu Julius Lazar. Frau Bertha Wedel und Fräulein Fürst sprachen dem Jubilar den Dank der Franenvereine in der Gemeinde aus. Auf die Ansprachen erfolgte in sichtlich bewegter uitb gehobener Stimmung der Dank des Jubilars, welcher hervorhob, daß das, was ihm zu erreichen vergönnt gewesen, nur ermöglicht worden durch das einmüthige Zusammenwirken mit den Vertretern der Gemeinde und seinen Mitarbeitern unb Mitarbeiterinnen bei der Verwaltung wohlthütiger Anstalten. — Nunmehr überreichte Professor Dr. Samuel das dem Jubilar bestimmte Ehrengeschenk, welches, in dem Atelier des Hofjuweliers Aron gearbeitet, seiner Bestimmung entsprechend, einen durchaus ernsten und würdigen Charakter hat. Es ist dies eine sitzende Figur des Moses von Michel Angelo, umgeben von drei Figuren, welche den Frieden mit der Palme, die Wissenschaft mit einer auf Büchern sitzenden Eule und die Barmherzigkeit mit zwei Kindern unter ihrem Schutze versinnbildlichen. Zwischen den Figuren an dem Mittelbau sind drei Reliefs angebracht, welche in getriebener ciselirter Arbeit Szenen aus dem alten Testament: die Findung Mvsis, Moses in der Wüste an den Felsen nach Wasser schlagend, und die von Kanaan heimfahrenden Kundschafter darstellen. Allster diesem Ehrengeschenk wurde dem Jubilar ein Kapital zu einer „Bamberger- Stiftung" nach freiem Ermesseil überwiesen. Mehr als 500 Gemeinde- Mitglieder, hoch und niedrig, reich und arm, hatten sich an der betr Sammlung betheiligt. —- Diesem eigentlichen offiziellen Festakt schlossen sich im Laufe des Tages Hunderte von ®mtuhiüeu aus allen Stünden und Konfessionen an, 11111 dem Jubilar ihre Verehrung auszildrücken. Von Auswärts waren zahllose Telegramme von Amtsgeuossen und Privatpersonen eiugelaufen. Unter den Geschenkeil von Auswärts heben wir eine bedeutende Kapitalsendung des Berliner Lokalcomitös der Alliance israelite hervor, das wegen der Verdienste des Jubilars für die Alliance ebenfalls zu einer „Bamberger-Stiftung" bestimmt ist. — Am Mittwoch war p Ehren des Jubilars ein Festmahl in dem schön dekorirten Saale des Kneiphöfischen Junkerhofs veranstaltet. Demselben wohnten etwa 150 Personen, darunter als Vertreter der Stadt die Herren Oberbürgermeister Selke, Bürgermeister Hoffmann und Stadtverordneten - Vorsteher Kommerziellrath Weller, und von Auswärts geladenen Gästen die Amtsgenossen des Jubilars Dr. Vogelstein-Stettin, Dr. Werner-Danzig, Dr. Rülf-Memel und Dr. Sittmann-Elbing, sowie der Verbandsvorsteher der Synagogen - Gemeinden Ostpreußens, Herr Eloesser-Insterburg, und für die Religionslehrer der Provinz Herr Sturmann-Osterode, welcher im Aufträge derselben am Vormittag dem Jubilar eine Adresse überreicht hatte, bei. Wir müssen uns auch hier