Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 22 (13.6.1890)
- Date
- 1890-06-13
- Page
- Seite 307 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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307 den anderen Menschen ausgezeichnet durch Euren hohen (steift und Eure edle Seele!" Und so geschah cs auch. Lea lernte die großen, herrlichen Eigenschaften ihres zukünftigen Gatten stets mehr und mehr kennen, und so verband diese beiden Menschen die wahrste, innigste Liebe bis in ihr spätes Alter. Der Mann aber, der sich auf so kluge Weise das Herz eines geliebten Weibes erwarb, wurde später einer der berühmtesten Gelehrten seiner Zeit. d Auf der Messe zn Petra. Vortrag, gehalten von Rabbiner Dr. Vogelstein in Stettin. (Fortsetzung.) Eine bequeme Herberge bietet ein Khan fast niemals. Doch jetzt sind alle erlittenen Beschwerden vergessen, der Orientale hält überhaupt die Erinnerung an erlebte Drangsale und Widerwärtigkeiten nicht lange fest, während er für das Gute und Erfreuliche, das ihm geworden, ein treueres Gedächtnis; hat. In den Straßen von Petra grüßt er alte Bekannte von Nord und Süd, die fast an demselben Tage dort cingetrofsen sind. Denn nicht jeder Tag bringt so große Schaarcn von Kaufleuten hierher, cs ist, als ob sie sich verabredet hätten, von allen Weltgegenden um dieselbe Zeit hier zusammen zu kommen. Es muß hier wohl ein großer Markt sein, der in einigen Tagen beginnt, denn es wäre doch ein merkwürdiger Zufall, wenn so von ungefähr die Söhne Jemens und Mesopotamiens, die Bewohner des Nilthatcs und die zum Libanon Aufschauenden nebst den Vertretern vieler anderer Völkerschaften sich in der Felsenstadt ein Stelldichein gegeben Hütten. Aber wir irren auch nicht, es ist Völkermesse, die hier abgehalten wird, und die sich seit unvordenklicher Zeit alljährlich hier einige Mal wiederholt. Schon in den Karawansereien Hütten wir bei aufmerksamer Beobachtung wahrnehmen müssen, daß sich mitunter ein lebhafter Handel entwickelt, denn es koinmen die Anwohner von vielen Meilen in der Runde, um ihre entbehrlichen Landesprodukte und ihre fertigen Waaren an die Karawanen nbzugeben und dafür einzutauschen, was ihrer Heimath mangelt. Der Zwischenhandel wäre ja auf andere Weise gar nicht zu ermöglichen, denn cs lohnt sich oftmals nicht, eines unbedeutenden Exportes und Importes wegen die große beschwerliche Reise bis zu den Handelsemporien zu machen. Aber die nach Petra lind anderen großen Handelsortcn hinaufziehenden und von dort zurückkehrenden Reisenden haben cs von jeher nicht verschmäht, auch unterwegs Geschäfte zu machen, ihren Waarenvorrath zu koinpletiren und sich in den von der Verkehrsstraße nicht berührten Gegenden ein Absatzgebiet zu verschaffen. Die Mitglieder der Karawane sind auch keineswegs, wie man früher wohl angenonnnen hat, bloß Kameel- und Eseltreiber, die gegen ein bestimmtes Entgelt den Transport vermitteln, wenn auch ein großer Thcil von ihnen aus solchen Bediensteten besteht; auch Kaufleute und Waareneigenthümer und vor Allem Handelsagenten begleiten den Zug, und die Letztgenannten zumal sind sehr gewiegte Geschäftsleute, die sich eine umfassende Waarenkenntniß erworben haben, die den Geschmack und die Bedürfnisse der verschiedenen Nationen genau kennen, und die jetzt nach der Quantität und Oualitüt der zu Markte gebrachten Natur- und Kunstprodukte den Preis derselben normiren. Im Allgemeinen herrscht der Tauschhandel vor, bei welchem es hauptsächlich auf die richtige Abschätzung des Werthes der einzelnen Wagren und ihres Verhältnisses zu einander aukommt, und die Großhändler auf der Messe sind in der Regel Käufer und Verkäufer zugleich. Doch auch edles Metall in geprägtem und ungeprägtem j Zustande wird in großer Menge als Zahlungsmittel verwendet.! Darum finden wir auf der Messe zu Petra die Geldwechsler in so j ansehnlicher Zahl vertreten, und unter ihnen besonders viele Phö-! nizier, Aegypter und Juden.! Begeben wir uns nun auf den großen Platz einige Kilometer! von Petra entfernt, auf welchem die Vorkehrungen für die beginnende! Völkerincsse getroffen werden, und auf welchem außer der Meßzeit j sich ein großer Bazar und eine bedeutende Waarenniederlage befindet, i Wir kommen gerade dazu, wie arabische und äthiopische Kausleute die Produkte ihrer Länder und auch die aus dem Innern Afrikas! ihnen zugesührten auspacken; kostbare Perlen, Elfenbein in gewaltigen; Stücken, Edelsteine verschiedenster Art, kleine Blöcke glänzend weißen ■ Marmors, der nach Diodor noch schöner war als der Parische, und zu Schalen und Weinkrügen verarbeitet wurde, werden malerisch gruppirt zur Schau gestellt. Die Perlen gehen zum großen Thcil nach Griechenland und in späterer Zeit besonders stark nach Rom, wo Frauen selbst die Schuhe dicht mit ihnen besetzt hatten. Auch Salz, Guninii, ■ echtes Terpentin, Honig, Wachs, sehr wohlschmeckende Datteln und | große Quantitäten Dattelwein werden abgeladen und zrnn Vcr-! kaufe gestellt. : Rings herum ist die Lust von ivürzigcm Aroma angefüllt, denn . soeben hat mau einen Kamcelrücken von seiner duftenden Last befreit, i die aus Balsam, Kassia, unechtem Zimmt, Ingber, Kardamom, in Schläuche gestampfter Myrrhe und vor Allem aus Weihrauch besteht. Um letzteren wird besonders stark gefeilscht, er ist ein überaus wichtiger j Handelsartikel und wird in großen Mengen nur über Petra ausge- : führt, von wo er feinen Weg nach Gaza und den Mittelmcerhäfeu! nimmt. Nach der Einnahme von Gaza schickte Alexander d. Gr. nach dem Berichte Plutarchs für 500 Talente (das ist beinahe für 27-’ Millionen Mark) Weihrauch »ach Maecdvnicn; da können wir uns vorstellen, wie bedeutend der Handel in diesem Artikel gewesen sein muß. i lieber den hohen Preis, der für Weihrauch erzielt wurde, können I wir uns nicht wundern, ivcnn wir hören, welchen Plackereien und Zollvexationen die Exporteure dieses Artikels unterworfen sind. Plinius entwirft uns hiervon ein sehr anschauliches Bild; er erzählt: „Der gesammelte Weihrauch wird auf Kamcelen nach Sabota geführt, j wo nur eilt einziges Thor hierzu bestimmt ist; vom Wege abznj gehen, bestrafen die Gesetze mit dem Tode. Dort nehmen davon den i Zehnten die Priester des Gottes Sabis in Empfang, und früher darf; er nicht in den Handel kommen. Nun kann er durch das Gebiet der i Gebansten, eines arabischen Volksstamincs, ausgcführt werden, wes- ■ halb auch ihrem Könige eine Abgabe zu entrichten ist. Von der Hauptstadt desselben bis nach Gaza sind 05 Kameelstationen. auf i welchen den Priestern und Schreibern der Könige bestimmte Portionen i abgegeben werden müssen. Desgleichen plündern die Wächter, Traj banten und Pförtner, und hier ist für Wasser, dort für Futter und! Quartier und in mancherlei Zöllen so viel zu bezahlen, daß bis zu unserem (b. h. dem mittelländischen> Ufer die Kosten jedes Kamecls sich auf 088 Denare (b. i. über 4oo Mark) belaufen, und nun erst kommt die Abgabe an die Zöllner unseres Reiches." Wie groß diese gewesen und unter welchem Titel sie erhoben wurde, das thcilt der römische Schriftsteller nicht mit, aber ivenn auch nicht gerade von Weihrauch, so kennen wir doch vvn anderen ans dem Orient cxportirten Waaren die drückenden Finanzzölle, welche die Römer auferlegten, und von denen hier eine kleine Probe gegeben werden mag. Der Zollsatz von 1 Prozent des Werthes, der nach den Bürgerkriegen allgcniein cingeführt war, scheint in Bezug auf orientalische