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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-06-06 · Heft 21 (6.6.1890) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 21 (6.6.1890)
Date
1890-06-06
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 Million Inden mein Volk vuiuirt und es in den Abgrund der Sozialdemokratie hineintreibt, dann stehe ich meinen Mann, und nichts in meinem Leben kann mich von dieser Linie abbringen. Wenn wir aber kämpfen wollen, müssen wir die Waffen ziehen. Ich halte es für einen Bann, der auf Deutschland liegt, und auf der liberalen Seite der evangelischen Theologie für einen grauenhaften Bann, daß so Viele nicht den Muth haben , gegen die Juden zu streiten, und den evangelischen Geistlichen gleich angreifen, wenn er ein Wort gegen die Juden sagt. Ich bin dem Professor Dr. Harnack dankbar, daß er die Juden als ein „Volk" anerkannt hat. Ich wage mich gar nicht so scharf zu äußernich sage blos immer: Nation. Daneben sind die Inden aber auch eine Religionsgesellschaft und haben ihre talmudistische Moral und ihre talmndistische Praxis — einige ehrenwerthe Juden ausgenommen. Gegen die schmachvolle Herrschaft des Judenthums über unser Volk müssen und werden wir kämpfen. Es ist nicht richtig, daß die Inden mehr verfolgt sind, als sie verfolgt haben. Wir finden sie auch im Neuen Testament iu der Apostelgeschichte immer als Verfolger der Christen. Paulus, der sie so sehr liebte, verurtheilt sie doch in den schärfsten Ausdrücken. Sollen nur Evangelische nicht den Muth haben, jetzt, nachdem der Schaden viel schlimmer geworden ist, in denselben biblischen Ausdrücken von ihnen zu reden? Dann sind wir nur ein Volk der Bibel, wenn es uns paßt." Damit lvar die Debatte zu Ende. L Berlin, 1. Juni. Es beginnt zu tagen. Nachdem seit zwei Jahrzehnten die Orthodoxie in allen Lagern gleichmäßig Mode geworden ist, sängt man jetzt endlich wieder an, den so lange unterdrückten freieren Biegungen Allsdruck zu verleihen. Daß aber die Neformidee nicht nntergegangen ist, sondern nur durch die Ungunst der Zeiten zurückgedrängt lvar, davon legt der brausende Jubel Zengniß ab, mit dem auf dem Vielten deutschen Lehrertage, welcher am 28. und 29. Mai in Berlin seine Versammlung abhielt, die Rede des Schulraths Dr. Dittes aus Wien ausgenommen wurde. Aus dem System Tiesterweg's, dessen Gedüchtniß der Neduer feierte, hob er die Stellung des großen Pädagogen )\m\ Religionsunterricht besonders hervor. Religiosität, nicht Konfession alitüt sei das zu erreichende Ziel. Befreiung der Volksschule von der kirchlichen fid)!, das sei das Mittel, um den Religionsunterricht der Schule zu etiicm ersprießlichen zu gestalten. Tie Dittes'sche Rede, deren Wirkung eine mächtige auf alle Zuhörer war. ist nach langer Zeit nucbet* einmal der ungeschminkte Ausdruck des freien Wortes auf religiösem Gebiete, und die Liberalen aller Konfessionen sind dem österreichischen Schulmann zu gleichem Danke verpflichtet. Denn solche Bewegungen beschränken sich nicht auf die Grenzen eines engen Kreises. Reformen sind nicht Theorien einzelner Köpfe, sondern das Produkt der Zeit, welches überall gleichmäßig ans Licht des Tages zu treten pflegt.. Möge die Dittes'sche Rede auch bei unseren Glaubensgenossen und besonders bei den Bildnern der jüdischen Jugend gebührend Beherzigung stnden! -fl-Berlin, 2. Juni. Eine der Hauptschwierigkeiten, welche der Vorstand der jüdischen Gemeinde im vorigen! Jahre zu überwinden hatte, als er in mehreren Sälen an den hohen Feiertagen Gottesdienst einrichtete, war die Beschaffung eines geeigneten Knabenchors. Die Knaben der jüdischen Gemeindeschule, welche für diesen Zweck am besten brauchbar sind, finden ihre Verwendung in den vier ständigen Synagogen der Gemeinde. Aus diesem Grunde ist ein schon vor Jahren gemachter Vorschlag jetzt angenommen und verfügt worden, daß zu den Nebengottesdiensteu, deren Zahl in diesem Jahre voraussichtlich noch erhöht werden dürfte, nur Männerchöre engagirt werden. s. Berlin, den 1. Juni. Die unter dem Protektorat der Kaiserin Friedrich stehenden B a r u ch - A u e r b a ch' s ch e n - W a i s e n - E r z i e - Hungs-An statten veröffentlichen ihren 57. Jahresbericht, welchem nur folgende Notizen entnehmen: In dem Knaben-Waisenhause befinden sich 50, in dem Mädchen-Waisenhanse 26 Zöglinge, welche den Unterricht größtentheils in höheren Schulen genießen. Auch über die Unter-Sekunda lrinaus, deren Abschluß im Allgemeinen als das Ziel der Knaben-Anstalt gilt, finden wir Zöglinge in der letzteren, wie auch in der Mädchen- Anstalt zur Zeit zwei Zöglinge eine Lehrerinnen-Bildungsanstalt besuchen. Es wird eben in dem Institut gemäß seiner Bestimmung als eines Elternhauses für Waisen jedem Zögling die Möglichkeit einer seiner Leistungsfähigkeit entsprechenden Entwickelung und dereinsligen Lebensstellung geboten. So haben sich von den iut letzten Jahre entlassenen Zöglingen drei dem kaufmännischen Beruf, zwei dem Buchdruckergewerbe und einer dem Studium der Medizin gewidmet. In der Mädchen-Anstalt hat seit Ostern vorigen Jahres eine Entlassung und demgemäß auch eine Neuaufnahme nicht stattgefunden. Der mangelnde Raum namentlich ist es auch, der den Vorstand bestimmt hat, an eine Verlegung und Erweiterung der Anstalten zu denken, und dieser Absicht, welche gewiß mit lebhafter Theilnahme begrüßt und hoffentlich auch gefördert werden wird, ist konkreter Ausdruck dadurch geliehen, daß als einen Grundstock zu den alsdann erforderlichen Neubauten neben bem bereits vorhandenen, 11,745 M. betragenden Baufonds Herr Kommerzienrath I. Israel einen „Kaiser Friedrich-Baufonds" von 5000 M. gestiftet hat. Als eine weitere wesentliche Zuwendung sei das Fanny Wollenberg'sche Legat von 12,000 M. zur Unterstützung ehemaliger Zöglinge erwähnt. Diesem wichtigen Zwecke dienen insgesammt 24,6969.78 Ai. Stiftungs-Kapitalien, aus denen u. a. namhafte Beihilfen zur Selbstständigmachung bezw. Verheirathung früherer Zöglinge gezahlt werden. Unantastbares Vermögen besitzen die Anstalten 72,2548.22 M. bezw. 36,1882.91 M. Die nach Titeln aufgeführten Ausgaben betragen 48,143.06 M. bezw. 24,622 75 M., die Kosten der Verpflegung 10,680 Ai. bezw. 5365.39 M., d. h. 50,80 Pf. pro Tag und Kopf. Besondere Erwähnung verdient noch der als sehr befriedigend bezeichnte Gesundheitszustand, die seit 1885 alljährlich wiederholte Einrichtung einer Ferienkolonie, in welcher die meisten Zöglinge die Sommerferien verleben, und der gleichfalls wiederholt eingerichtete Handfertigkeitsnnterricht. Den Vorstand bilden neben dem Direktor Dr. Strelitz die Herren Louis Liebermann, Kommerzienrath Jakob Israel, Berthold Marckwald, Louis Gradenwitz, Kommerzienrath E. Lohnstein und Kommerzienrath Anton Wolfs. Die Wirksamkeit des Vorstandes ergänzen die Ehrendamen Frau! Philippine Liebermann und Frau Recha Marckwald. lH Berlin, 3. Juni. Nicht nur Bücher, auch Zeitungsnotizen j haben ihre Schicksale. So scheinen die Berichte unseres Korrespondenten 1 „aus Oberschlesien" sich des ganz besonderen Schicksals zu erfreuen, in! bis zur Unkenntniß entstellter Weise die Runde durch jüdische und! nichtjüdische Blätter zu machen. Zwei lustige Beweisstückchen hierfür | liegen uns heute vor. In Nr. 11 findet sich bei einer Besprechung! über die Verhandlungen des Abgeordnetenhauses vom 20. und 21. März; eine Kritik der Rede Virchow's, die in dem Wunsche ansklang, der? verehrte Abgeordnete möge die Sache der Juden solchen Vertheidigern überlassen, die diese nicht für ein nothwendiges Nebel halten. Diese Notiz kehrt jetzt über London in folgender Form nach Deutschland zurück. Der „Jewish Standard" berichtet: „Berlin. Nach einem „Berliner Telegramm" an Dalziel in London hat die jüdische Gemeinde j den Reichstags-Abgeordneten Professor Virchow ersucht, im Reichstage! nicht die Vertheidigung der Juden zu übernehmen, sondern dies solchen j Abgeordneten zu überlassen, welche die Juden nicht als ein „noth-! wendiges Nebel" betrachten." Derselbe Korrespondent hat später die! Frage aufgeworfen: „Wie groß ist denn überhaupt die Zahl derjenigen Schüler, die aus religiösen Bedenken den Schulbesuch oder das Schreiben an Sabbathen aussetzen?" Flugs schreibt ein anderes Blatt: „Die schlesischen Rabbiner beabsichtigen eine Untersuchung darüber anzustellen, wie groß die Zahl derjenigen Schüler ist, die aus religiösen Bedenken! den Schulbesuch oder das Schreiben an Sonnabenden und den jüdischen I Festtagen aussetzen." * Mannheim, 24. Mai. Der Wahlausschuß der nationalliberalen Partei des Wahlkreises Maunheim-Weinheim-Schwetzingen hat an sämmtliche Vertrauensmänner imWahlkreise folgendesRundschreiben ergehen lassen: „Wir erlauben uns, Sie daraus aufmerksam zu machen,! daß seit einigen Wochen in einzelnen Orten unseres Wahlkreises durch auswärtige Elemente (Llebermann von Sonnenberg. Die Red.) versucht wird, der sogenannten „deutsch-sozialen Partei" Eingang zu verschaffen. Diese Partei verfolgt unter dem Deckmantel volksthümlicher Reformen den offen ausgesprochenen Zlveck, antisemitische Strömungen herbeizuführen und, wo solche vorhanden, zu fördern. Ein solches gehässiges Treiben kann dem öffentlichen und gesellschaftlichen Leben nach keiner Richtung zuträglich erscheinen, und wir richten deshalb an Sie die dringende Bitte, nach Kräften dahin zu wirken, daß jene Partei keinen Boden bei uns finde, damit der konfessionelle Friede in unserem Wahlkreise erhalten bleibe. Der Vorstand der nationalliberalen Partei, Mannheim." H. Schweinfurt, 23. Mai. Die Beerdigung des Herrn Distrikts- Rabbiners Lebrecht, dessen Ableben die „Mg. Ztg. d. Judenth." in ihrer vorigen Nummer gemeldet hat, gestaltete sich zu einer imposanten Ehrenkundgebung der gesummten hiesigen Bürgerschaft. Außer den vollzählig erschienenen israelitischen Kultusmitgliedern der Gemeinde Schweinfurt und zahlreichen Vertretern der Bezirksgemeinden betheiligten

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