Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-06-06 · Heft 21 (6.6.1890) · p. Seite 295

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 21 (6.6.1890)
Date
1890-06-06
Page
Seite 295 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3224737-3227825-3227847--47108-3268610
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Kamecb, e, fast dir sc, die au stcittfaud. tigkeit bc* wenn wir , die von feit. Roh, utanschcn, zu leiten, lichkeit zu - Von der i, woran elplatz ii, r Maaren ie sie aut enn dürr!, )e, durch lker unter unirendcu größeren en Absiii; n großen für eine s direkten Sammet, rd. : Schwer cbitibuini kehreudeii : Sprache Heerstraße :r Ernten Mamüg c weseut t Rechtsir in der illen und Elemente rnen und und die eten, Ge a Bednr' Handels läget in en- und alle An othbeheü in ihnen n Preis ) mußten werden, idler den es übrig, die Orte Waarenen, und mentlich 295 ni den ersten Jahrhunderten vor und »ach der christlichen Zeitrechnung sie Stadt Petra, in deni alten Edomiterlaude, mitten in der nach!,r benannten Peträischen Wüste Arabiens, etwas über IG) Kilometer vom arabischen Meerbusen entfernt, in einem Felsenthale gelegen. Auch wir, von dem Verlangen getrieben, uns ein Bild des altorientalischen Handels zu verschaffen, thun am besten, uns dorthin ,u begeben und uns einer nach Petra bestimmten Karawane an- ,»schließen, wodurch uns gleichzeitig Gelegenheit geboten ist, die iffgeuthümlichkciten eines Karawanenzuges kennen zn lernen. Petra hat seit mehr als 1000 Jahren seine Bedeutung gänzlich eingebüßt und war viele Jahrhunderte völlig vom Erdboden verichwunden, aber es gilt von dieser Stadt, was der Dichter von den ichöueren Zeiten und von dem edleren Volke singt, das einst gelebt: „Könnte die Geschichte davon schweigen, Tausend Steine würden redend zeugen, Die man ans dem Schoo ß der Erde gräbt." JUlciu die Geschichte schweigt nicht von ihr. Die Bibel berichtet uns nn 2. Buche der Könige, daß Petra, oder wie es in den semitischen Sprachen heißt: Sela — das will sagen der Felsen — schon im i. vorchristlichen Jahrhundert die Hauptstadt des Edomiterlandes war. „Amazia, der König von Juda," so heißt es daselbst, „bekriegte die Edomitcr, die früher Vasallen des Reiches Juda gewesen, aber von seinem Vater abgefallen waren, besiegte sie im Snlzthale und bemächtigte sich Selas im Kampfe nnd nannte seinen Namen Jokteel, d. h. „von Gott besiegt", bis auf diesen Tag." Doch bald machte sich Edom wieder unabhängig und rächte sich in der Folgezeit bitter an Inda für die ihm zngefügte Demüthigung, indem es mit jedem Feinde Judas gemeinsame Sache machte und nach der Einnahme Jerusalems durch Nebutadnezar die flüchtigen Judäer ausgriff und ihren Verfolgern überlieferte. Darum bricht auch der Verfasser der Klagelieder in die Vcrwiinschnng ans: „Juble nnd frohlocke nur, Tochter Edoms, auch an Dich wird der Kelch kommen, Du wirst Dich berauschen nnd entblößt werden." Nnd siehe da! Die Drohung erfüllte sich für Edom nur zn bald; im fünften Jahrhundert kamen die Nabatäer, ein bis dahin unbekannter Volksstamm, wahrscheinlich arabischen Ursprungs, nnd bemächtigten sich der Lünderstrecken zwischen dem rothen und tobten Meere. Die Edomiter wurden aus ihrem Gebiete verdrängt und mußten sich im südlichen Juda neue Wohnsitze gründen, und ihre Hauptstadt Sela auf der Höhe des Seirgebirges gehörte seit dieser Zeit den Nabatäern, die sie Arekem oder Rekem nannten. Während der Diadochenkümpfe wurde Petra — so wollen wir cs mit den Griechen und Römern nennen — einmal von Athenaeos, dem Feld- Herrn des Antigonus, überfallen und geplündert, aber nach kurzer Zeit ward er von dort wieder vertrieben und sein ganzes Heer wurde vernichtet. Demetrius belagerte vergeblich die unzugängliche Felsenstadt, die Pliuins bezeichnet als cimmulatiiin montibus inaccessis. Auch die Römer waren in ihren Unternehmungen gegen Petra, von dessen Besitz die Herrschaft über das petrüische Arabien abhing, Jahrhunderte lang nicht glücklicher, erst Trajan unterwarf sie. Sie blühte daun noch lange Zeit unter römischer Herrschaft, wenngleich der Höhepunkt ihrer Glanzperiode schon überschritten war, und stand später als christlicher Mctropolitansitz unter dem Patriarchat von Jerusalem. Im siebenten Jahrhundert fiel die Felsenstadt auf dem Eroberungszuge Omars in die Hand der Muhammedaner, sie wechselte nochmals ihren Namen und ward Wadi Musa (Thal des Moses) genannt, welcher Name noch heute für das Felsenthal gebräuchlich ist; denn die Stadt selbst, die bald alle Bedeutung verlor, existirt, wie bereits erwähnt, heute nicht mehr, der Wüstensand hat sie verschüttet. Doch vor etwa 70 Jahren hat man hauptsächlich von englischer Seite damit begonnen, in Wadi Musa nach den Trümmern der untergcgangenen Stadt zu suchen, und da an der Angabe Plinins, daß das ganze Thal, in welchem Petra lag, kaum zwei römische Meilen groß ist, nicht zu zweifeln war, so mußten die Nachforschungen auch bald zum gewünschten Ziele führen, und mit verhültnißmäßig leichter Mühe ist es gelungen, die großartigen, Staunen erregenden Ruinen blos zu legen. Es sind zum größten Thcilc Reste von Kunstbauten aller Art, die uns erkennen lassen, daß die Bewohner Petras nicht nur von Kunstsinn erfüllt waren, sondern daß sie auch außerordentlich prachtlicbend und vor Allem sehr reich gewesen sein müssen. Den Reichthum verdankt aber Petra durchaus nicht seinen Landcsprodukten, die, was Quantität und Qualität betrifft, keineswegs von Belang sind, auch nicht seinem Gewerbesleiße, sondern einzig nnd allein seiner günstigen Lage an dem Knotenpunkte der wichtigsten Karawanenstraßen und dem hierdurch beförderten lebhaften Zwischenhandel. Eine Karawanenstraße führte aus dem südwestlichen Arabien, die Küste des rothen Meeres parallel, die Produkte des glücklichen Arabiens, sowie Acthiopieus und einiger Hinterländer bis nach Petra, und die betriebsamen Bewohner der südarabischcn Küste kauften die ebenso zahlreichen, wie werthvollen Erzeugnisse ihres Landes, welche ihnen die Produzenten theils zuführten, thcils in den von ihnen ausgesuchten Pflanzungen abließen, in großen Mengen auf und beförderten sie auf der Straße nach Petra in den Welthandel. Ein anderer Karawanenweg brachte die reichen Produkte Babyloniens und Indiens von der am persischen Meerbusen gelegenen Stadt Gerrha ebenfalls nach Petra, und dieser Weg wurde in der späteren Zeit fast ausschließlich benutzt; die alte Straße von Babylonien an das Mittelmeer führte zwar über Thapsakus, Palmyra nnd Damaskus, aber nach Strabo wurden auf dieser ganzen Strecke die meisten Kaufleutc von Räubern ansgeplündcrt, weshalb sie den Weg über Petra Vorzügen, von wo ferner eine Karawanenstrnße nach Aegypten ging mit Abzweigungen nach mehreren arabischen Häfen am Mittelmeerc, sowie eine Straße nach Gaza, jener weltberühmten Stadt in Palästina, an die sich sovielc geschichtliche Erinnerungen aus dem Alterthume nnd dem Mittelalter knüpfen, mit einer sehr wichtigen Fortsetzung nordwärts; endlich führte eine Straße von Petra die östlichen Ufer des tobten Meeres nnd den Jordan entlang nach Damaskus. Wir haben also, das ist nicht zn leugnen, unsern Standort gut gewühlt, denn hier müssen vor unseren Augen die wichtigsten Handelsartikel des Orients Revue passiren, und hier bietet sich auch erwünschte Gelegenheit, in die Gcschüftsusanren der alten Haudelsvölker des Morgenlandes einen Einblick zu thun. Was die Eisenbahn in unseren Tagen, das und noch viel mehr waren die Karawanenstraßen im Alterthum. Ihre merkautilische Wichtigkeit wird noch erhöht durch ihre geringe Zahl; Konkurrenzwege gab cs nicht, oder sie bildeten doch nur eine verschwindend kleine Ausnahme, die Kaufleute waren also gezwungen, die bestimmten Wege zum Waarcntransport zu benutzen, und die an solchen Länder verbindenden Straßen gelegenen größeren Orte mußten durch den Zusammenfluß so vieler Handeltreibender, die hier in der Regel einige Tage Rast machten, um sich von den ausgestandencn Beschwerden zu erholen, ein sehr lebendiges bunt bewegtes Bild erhalte». Der Anblick eines mit Waaren, Futter und Reisegeräth bepackten Kameels im heutigen Orient ist, wie uns alle Reisende übereinstimmend berichten, ein überaus grotesker, und aus der alte» Zeit besitzen wir im Talmud eine kurze, humoristische Schilderung, wie einst ein Kamee! eine große Ladung Flachs trug, die nach beiden

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.