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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-05-30 · Heft 20 (30.5.1890) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 20 (30.5.1890)
Date
1890-05-30
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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4 die Juden, erst in spätern Jahrhunderten haben; es sei ein erfreulicher Fortschritt, das; es heute bereits zum Herzensbedürfnis geworden sei, dem Gefühle des Dantes an hervorragenden Tagen sichtlichen Ausdruck zu geben. Als zweites wies er auf die Bedeutung des Gemeindebundes hin, ans den geistigen Lieg, welcher darin liege, 450 selbständige Gemeinden zu gemeinschaftlicher sittlicher Arbeit vereinigt zu haben und 51t leiten, wie der Jubilar dies mit bewnndernswerthem Geschick thue. Gerührt dankte Dr. Kristeller und, an die Worte des Vorredners aukuüpsend, betonte er es mit Nachdruck, das; im Deutsch Israelitischen Gemeindebund die Idee der Ginheit Deutschlands bereits vor der politischen Einigung zum thatsächlichen Ausdruck gekommen. Herr Hugo A hein b 0 l d überreichte sodann eine Urkunde, durch welche die israelitische Gemeinde Leipzig den Präsidenten des Gemeindebundes zum Ehrenmitgliede ernennt, ferner eine meisterhaft gezeichnete Adresse des Düsseldorfer H a 11 bw e r t e r ve r e i u s. Ter Ni e u d e l s s 0h n - V er e i n in Frankfurt am Main hatte gleichfalls ein Ghrenmitgliedschafts-Diplom ausfertigen iinb überreichen lassen. Zahllos loa reu die Adressen, Glückwunschschreiben und Telegramme, welche von Nah und Ferli einliefen. Von israelitischer Leite heben wir die folgenden Korporationen hervor: Alliance israelile universelle, Historische Kommission für Geschichte der Juden in Deutschland, fast sämmtliche tu Deutschland bestehenden Lehrervereine, die Humanitütsgesellschaft in Kassel, dazu die Mehrzahl der Großgemeinden Deutschlands. Unter den Hunderten, welche ihre Karten zu dmn Ehrentage eingeschickt hatten, befindet sich auch der neu erwählte Oberrabbiner von Rom, Professor Ehrenreich. — Eine besondere Ovation wurde dem Jubilar noch am Nachmittag zic Theil, indem Professor Hirschberg Namens der früheren Schüler die Glückwünsche darbrachte. Das; es auch au poetischen Glückwünschen in hebräischer und deutscher Sprache nicht gefehlt hat, sei der Vollständigkeit halber erwähnt. Eine dieser Gaben, welche von dem Begründer des Gemeindebundes, Rechtsanwalt E m i l L e h m a u u i n Dr e s den. stammt, soll unseren Lesern nicht vorenthalten bleiben. Lie lautet: Siebzig Jahre lveiter Ütanm, Liebzig Jahre flücht'ger Tranni! Liebzig Iahre Frohgenus;. Liebzig Jahre Ueberdrnß! Liebzig Jahr' - in Freuden fülle, Liebzig Jahr' in Leidenhülle! Rur das Wirken, nur das Ltreben, Rur der Inhalt ist das Leben. Je mehr Liebe, je mehr Licht, Desto schwerer sein Gewicht. Liebzig Jahre — und die Waage Lenkt sich tief am heutigen Tage. Lolch ein Alter, reich an Tugend, Heisst kein Alter, zeugt von Jugend, Ob die Jahr' au Zahlen reich. Ob die Haar' auch weiß und bleich Reger Geist und Herzensschwung, Lchasfensdraug hält ewig jung. -st- Berlin, 2<>. Mai. In deu „Hamb. Rachr." lesen wir: „Dem Vernehmen nach hat der Aufsichtsrath der „Deutschen Verlagsitnb Bnchdrncterei - Attien - Gesellschnfl" iu seiner Sitzung am 14. d. M. beschlossen, mit dem 1. Juli d. I. das „Deutsche Tageblatt" eingehen zu lassen. Lämmtlichen Redakteuren ist gekündigt worden." Eine Lücke wird durch das Verschwinden des Blattes nicht entstehen, seine spärlichen Leser werden schon Trost finden. Das „Deutsche Tageblatt" war das erste große antisemitische Tageblatt iu Deutschland, das Leiborgan des vortreffliche!; Hofpredigers, der uuu sagen kann: „Fallen seh' ich Zweig auf Zweig." s. &<t tut Otter, 27. Mai. Am 2. Juni wird hier im Sitzuugssaale der Lpuagogeu-Gemeiude eine Versammlung des „Vereins jüdischer Lehrer in der Provinz Hannover" stattfinden. Außer der Berichterstattung und Neuwahl des Vorstandes steht ein Vortrag des Landrabbiners Dr. Gnttm ann in Hildesheim: „lieber den Unterricht in der jüdischen Geschichte in der Volks- und iu der Religionsschule", auf der Tagesordnung. Im Anschlüsse an diese Konferenz wird Nachmittags 4 Uhr die Generalversammlung der „Unterstützungssätze für jüdische Lehrer, deren Witiwen und Waisen iu der Provinz Hannover" abgehalten. Den; Berichte über die Wirksamkeit letzteren Vereins entnehmen wir, daß in deu Jahren 1887—1<S<S9 die Einnahmen 16,279 M. 65 Pf. betragen haben. An Pensionen sind 12,445 M. 86 Pf., und zwar 1887 an 7 Personen 4784,44 M, 1888 an 9 Personen 4449,99 M., 1889 an ebenso viel Personen 4162,5' - M. gezahlt worden, was für 1889 nicht nur absolut, sondern auch relativ einen Rückgang bedeutet. Leider ist für das taufende Jahr eine noch weitere Reduktion der Unterstütznngsquoten zu erwarten. Es ist dies sehr traurig, weil dadurch znm großen Theil alte emerirte Lehrer betroffen werden, deren mitunter einziges Einkommen diese Unterstützungen bilden. Hoffentlich werden erhöhte Einnahmen für die Zukunft einen noch weiteren Rückgang, verhüten.! Mesterreich-Ungarn. * Wien, 20. Mai. Wohin der Antisemitismus, wenn er konsequent betrieben wird, führt, zeigt nachstehenderBericht der „O. W.". In Rußland, welches vor Wochen den 20. Jahrestag der Aufhebung der Leibeigen : schaft feierte, steht der Judenhaß im Zenith seiner verheerenden Wirk! samkeit. Der Träger des antisemitischen Gedankens in Rußland ist; Fürst Meszczerskij, der Herausgeber des „Grashdanin". In der That,! Fürst Meszczerskij ist ein konsequenter Mann und scheut sich nicht, seine! letzten Gedanken auszusprechen, während seine Standes- und Gesinnungsi genossen zur Lüge und Heuchelei ihre Zuflucht nehmen müssen. Mi:! der Entrechtung und Knebelung der Juden allein ist es nicht gethan.! erklärt er offenherzig, man muß über das ganze Volk die Zuchtrnthe! schwingen; es genügt nicht, daß man den Inden den Zugang zu dev j Schulen verschließt, man mnß dem gesauunten Volke den Schulbesuch j soviel wie möglich erschweren. Vor Allem muß die Leibeigenschaft wieder! reaktivirt werden. Daß der fürstliche Antisemit in logischer Konsequenz | zu diesen Forderungen gelangte, ist durchaus begreiflich. Die russische Politik war eine Zeitlang darauf gerichtet, den Bauernstand um jeden! Preis zu heben und zu kräftigen, und sie schuf zu diesem Zwecke eine! ganze Reihe von Institutionen, welche es den; Bauer möglich machten, seinen Grundbesitz zu vergrößern. Diese Politik, welche im Königreich Polen sogar noch fortdauert, hatte den völligen Ruin des russischen Adels zur Folge. Ter Adel zechte, jubilirte und verpraßte sein Vermögen in den Hauptstädten, während sein Grundbesitz nach und nach in bäuerliche Hände überging, was ja um so leichter war, als den Bauern der billigste Kredit vom Staate stets entgegengetragen wurde. Die Ernüchterung ließ nicht lange ans sich warten. Eine amtliche j Zusammenstellung lieferte den Beweis, daß nicht weniger denn sieben j Millionen Desntinen adeligen Grundbesitzes in verhältnißmäßig kurzer! Zeit in bäuerliche Hände nbergegangen waren. Der Jammer ob diesen! Entdeckung war groß und um so allgemeiner, als die „Bauernmanie' j inzwischen nachgelassen und einer urkonservativen Feudalpolitik Plab j gemacht hatte. Fürst Meszczerskij fand aoer bald Rath. Drei Ele > niente — meint er — bedrohen das heilige Rußland: die Juden, di. „faule" Zivilisation des Westens und der Liberalismus. Gegen dir Juden sind schon die strengsten Maßregeln im Zuge; um der „faulen' Zivilisation einen Damm zu sehen, empfiehlt der Fürst die Reduzirung der Schulen (fünfzig Mittelschulen, meint er, seien für das ganze Reich übergenug); um dem Liberalismus zu begegnen, dessen Vorkämpfer sicb zumeist ans Bauernsöhnen rekrutiren, wird schließlich die Wiederein führung der Leibeigenschaft empfohlen. w. Wien, 24. Mai. Jüngst wurde der Schlußstein in dem von der israelitischen Kultusgemeinde zur Erinnerung an das vierzigjährige Regierungsjnbiläum des Kaisers erbauten Altersversorgungs- Hause in Anwesenheit des Statthalters und des Vicebürgermeisters gelegt. Das Haus steht auf dem Platze, auf welchem ehemals das I israelitische Spital stand, neben dem alten Friedhofe, auf welchem das Dioskuren-Paar Samson Wertheimer und Samuel Oppenheimer deu j ewigen Schlaf schlafen. Im Herbst wird das neuerbaute Waisenhaus , eröffnet werden. Die Wiener Gemeinde zeichnet sich durch zahlreiche! Wohlthätigkeitsinstitute und Vereine ans. Diese finden in dem Alters-! verforgungs- und Waisenhause eine angenehme und vortreffliche,Er-! gänzung. Bei dieser Gelegenheit mag erwähnt werden, daß in den! jüngsten Tagen im israelitischen Blinden- und dann im Taubstummen! Institute die öffentlichen Prüfungen stattgefunden haben, die aufs Neue j den vortrefflichen Ruf dieser Anstalten begründeten. — Die jüngste j Tochter unseres Kaisers. Erzherzogin Valerie, wird im Monat Juli j HeiratHerr, und es ist jetzt ihr Troussean zu sehen. Ich bin nicht in > der Lage, den Leserinnen dieser Blätter einen Bericht darüber zu geben, j ich will jedoch hervorheben, daß auch Israeliten (so Spitzer Comp.) | mehrere der ansgestellten Wunderwerke treirt haben. j * Wien, 21. Mai. Wie recht hat doch der Altmeister mit bem | Ausspruch von jenen Leuten, deren Jeder vom Andern nbgethan wird.! Wie es die hiesigen Antisemiten untereinander treiben, davon diene! Folgendes zur Kenntniß. Ter dentjchnationale Parteitag, welcher j Sonntag, den 11. b. Nt. in Melk a. d. Donau unter dem Vorsitze des 1 Herrn Dr. Julius Sylvester stattfand, faßte n. A. den Beschluß, an j Abgeordneten Vergani folgende Mittheilung gelangen zu lassen: „Die , am 11. Mai 1890 in Melk tagende Versammlung der Verlrauens- - Männer der deutschnationalen Partei hat beschlossen, Sie nicht mehr! als der deutschnationalen Partei angehörig zu betrachten." Im Anhang vorn 16 Dnrchle Volksbl Sie Jh nalen SJ sollende schlüssel lnndgal Bemerk 4. Mai sich m des „D und wc Seffent zur „6 Schuld Feine 5 II. unter G euere uehmei hat de im Je Gesam gebrack unb K Begräl Stiftm gemach des La Enque Ansklä getrete betresst genehn Anstal nvthwl 4t 0!n c lntion ausschl dabei > langen Julia; As so, jüdisch Borste 11,000 stützt Lände welche Schul, es in und I ihn; u noch i Hasses heit v Nt und nrthei Ersah gegen könnte haben Borsil in Rn gezeick \

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