Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 20 (30.5.1890)
- Date
- 1890-05-30
- Page
- Seite 284 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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284 fünf Palmen auf einem Hügel, kann, wie das Wasser mehr und mehr fällt, die Umrisse der Thür unterscheiden, an die er sich geschmiegt hatte, lind zuletzt in einiger Entfernung eine dunkle Masse, die, ihm nach uuerteilnbar, im Sunde ruht. Lichter wird der Morgen, ein gelber Streifen leuchtet im Osten über dem palmenbekränzten Hügel. Und mm, mit Eins tritt die Tonne am Horizont hervor, glänzend und unversehrt, das zweite Thor.... Biele Jahrhunderte später beschloß König Herodes, den Tempel van Jerusalem umzubauen. Er ließ die alten Quadern durch neue von Marmor, das gewöhnliche Holz durch Eederuhvlz, Eisen durch Kupfer, Kupfer durch Silber, Silber durch Gold ersetzen. Sämnitliche Thüreu sollten neuen, prächtigeren Platz machen. Als aber die Thore des Asver Niranor ansgehangen werden sollte, gebot der Hohepriester Einhalt, trotzdem sie alt und morsch und unansehnlich geworden ivaren. „Laßt diese Thore/' sprach er, „welche der fromme Jude Niranor Gott geweiht rmd Gott dem Nieauor bewahrt hat, ein Tenkmal seiner Frömmigkeit bleiben für alle Zeiten." Und so blieben diese alten Thüreu, bis der Tempel zerstört wurde. U Littrrarischc Mittheilnngen. — GesammelteS ch r i f t en non 2 e o p o lb ü m. Heransgegeben tunt Immanuel Löw. II. Band, Szegedin 1890, 477 Seiten mit dem Portrait Non A. Chorin. Leopold Löw, geboren zu Boskvwitz in Mähren 1810, gestorben zu Szegedin in Ungarn 28. Oktober 1875, darf als einer der hervorragendsten ungarischen Rabbiner seiner Zeit bezeichnet werden. Seine umfassende Belesenheit in der talmudisch-rabbinischen Litteratnr, sein wunderbares Gedächtnis, seine seltene Kombinationsgabe machen seine Werke zu einer unerschöpflichen Fundgrube für jüdisches Wissen. Obgleich er nicht Gelegenheit hatte, in Deutschland zu studiren, so ist doch sein deutscher Stil musterhaft zu nennen; damals konnte man in Ungarn noch wagen, deutsch zu schreiben. Von seinen größeren Schriften sind: „Die graphischen Requisiten und Erzeugnisse bei den Inden" von dem Institute zur Förderung der israelitischen Litteratnr (1869—1870) herausgegeben worden; sein: „Tie Lebensalter in der jüdischen Litteratnr" erschien Szegedin 1876, in eine noch altere Zeit gehört sein „Mafteach" oder Einleitung in die biblische Litteratnr. Außerdem befindet sich ein großer Theil seiner Abhandlungen in der von ihm redigirten Zeitschrift Ben-Chananja und an anderen Orten. Da diese Zeitschrift in Deutschland weuigverbreitetwar, die soustigenArbeitm schwer aufzufindeu sind, so war es ein ebenso pietätvoller wie allgemein gern aufgenommenerGedanke vonJmmanuelLöw'), dem würdigen Sohne und Amtsnachfolger Leopolds, die einzelnen Aufsätze als „Gesammelte Schriften von Leopold Löw" herauszugeben. Da der erste (1889 erschienene) Band, so viel ich weiß, in diesen Blättern nicht angezeigt worden, so darf es gestattet sein, die Besprechung desselben mit der des zweiten Bandes zu vereinigen. Es bedarf in der That nur einer Angabe des Inhalts, um von der Vielseitigkeit und dem geistigen Reichthum desselben Kenntniß zu geben. Ter erste Band beschäftigt sich hauptsächlich mit jüdischer Dogmatik („lieber den Geist des Talmuds"; „Die Reform des rabb. Ritus auf rabb. Standpunkte"; „Die Grundlehren der Religion Israels"; „Lebensbetrachtung des Jndenthums"; „Jüdische Dogmen"; „Die talmudische Lehre vom göttlicheil Wesen"; „Die Aussprache des vierbuchstabigen Gottesnamens"- „Die Lehre Philo's vom Eide"; „Kiddllsch Ha-Schem und Chillul Ha-Schem"; „Die Klage über Jndifferentismus"; „Die Tradition"; „Zur Maimonides- Frage"; „Rom und Jerusalem"; „lieber Moses Mendelssohn"). Die jüdische Geschichte wird beleuchtet in: „Die große Synode" und „Geschichtliche Erläuterung der Wochell Daniels". — Der zweite (1890 erschienene) Theil ist vornehmlich der Geschichte gewidmet; mit besonderer Vorliebe wird der Lebensgang Ahron Chorin's besprochen, daneben: ') Immanuel Wüv, eitler der ersten Hö er an der Lehranstalt (damals Hochschule) f. d. Wissenschaft des Judenthums, ist Berf. des sehr steif igeu Buches: Aramaische Pflauzennamen, der sich noch eine kleine Schrift über Meleagros aus Gadara (1d81—1883) anschlleßt. Abraham und Josef Flesch; Dr. M. Sachs; Manheimer; S. D. Luzzatlln Salomon Mnnck. Zu einer Besprechung der Wirksamkeit Abr. Geiger/, mit dem ihn eine innige Freundschaft verband lind den er mix um ein Jahr überlebte, ist er nicht mehr gekommen. Außerdein wird von der „neuesten Geschichte der Kabbala" und der „Vergangen. ' heit und Gegenwart der Chasidäer", von der „talmudischen Manti! : der „Astrologie bei den Inden", dem Vereinswesen in Israel inib der Geschichte des mährischen Landrabbinals seit 100 Jahren in4 dem Erfolge der Minimalreform in Berlin (1866) abgehandell, auch ein Referat über Geigers „Urschrift" und Pineles: „De.ikeh schel Torah" hinzugefügt. Für Band III ist Januar 1891 in Aussicht genommen T'EPYfll “VH in zwei Partien: Autorin und Werke von Elieser Ben Zion Es rat. Wilna 1889. 8. Des Werk soll eine bio-biliographische Aufzählung zeitgenössischer Rabbinc n zumal Rußlands und Polens geben, itub insofern an du/ O^H^lN 2"^ von A. Walden (Warschau 1864) anknüpfen, de./ selbst wieder, wie schon derName lehrt, an Asulais bekanntes Werk sich wn lehnt. Freilich haben sowohl Walden als auch Efrat von Asnlai uuh dessen Aberglauben, nicht aber dessen umfassende Kenntniß und desscn Scharfblick herübergenommen. Jndeß ist für den Bibliographen an4 die Kenntniß derjenigen Autoren, deren Werke nicht leicht nach Deutwn land gelangen, erwünscht. Die erste Lieferltng (66 Nummern) hat du Buchstaben noch nicht erschöpft. Dieser Umstand findet zunächst seine Erklärung in der sehr ausführlichen (von Dr. Loewe herrührende!' Biographie des kürzlich verstorbenen Londoner Rabbiners Nathan Adler, der außer der Reihe (da er konsequentermaßen erst im Buchstaben; zu kommen hatte) hier ausgenommen ist. Diese Voranstellung, deren Absicht vielleicht zu errathen ist, und die auffallende Umständlichkeit tnr Biographie A's au dieser Stelle, die sogar bis auf den Ursprung de/ 'Namens Adler zurückgeht, leitet aber noch auf einen anderen Gedankengang. Der großen Verehrung, deren sich N. Adler bei seiner Gemeint? auch dann noch erfreute, als er im hohen Aller sich nach Brighton zurückzo-;. wäre nicht der mindeste Abbruch geschehen, wenn er überhaupt gmnicht als Schriftsteller aufgetreten wäre. Es kann ein Rabbiner fiodes höchsten Lobes in seiner Amtsführung würdig gemacht haben, oh!/, jemals schriftstellerisch thätig gewesen zu sein?) Wenn aber ein Rabbinu unter die Schriftsteller gebracht wird, so ist es keine Mißachtung dc-> geistliches Amtes, wenn die Leistung einer Kritik unterzogen wir/. Wenn dem Rabbiner Adler in einem Schriftsteller-Lexikon wegen sein- - i Kommentars zu Onkelos nJYtt eine so hervorragende Stelle an-! gewiesen wird, so darf auch die Ansicht ausgesprochen werden, daß dieiu Kommentar einen ziemlich untergeordneten Platz unter entsprechende n Arbeiten einnimmt, und daß die so ausführliche Einleitung besser inr I geschrieben oder nicht veröffentlicht worden wäre. Gerade über „Targu-n : Ontelvs" könnten die Akten geschlossen, d. h. aus den Standpunkt Jbni Esra's zurückgegangen werden. Und wenn Luzzatto, da doch Onkeloein „Ger" fehl soll sein Werk: „Oheb Ger" (5. Mos. 10, 18) nannte. I und Berkowih ihm folgend auch noch „Lechem we-Simla" (das.) gab, U i war es etwas unvorsichtig, sein Buch THIZU nennen, da man io! möglicherweise neugierig sein konnte, was davon nach 5. Mos. 14, 2! i einem Ger gegeben werden sollte?) B e r i ch t der All i a n c e I s r a e 1 i t e Universelle iwo I. und II. Semester 1889 (deutsche Ausgabe). Der gewohnte Berich! der A. I. U. bietet nichts wesentlich Neues. Von besonderem Jnteres'c dürfte sein, was über die vielbesprochenen Ereignisse in Bagdad mitgc : theilt wird (S. 48 ff.). Dem Centralkomitee gehören innerhalb de/! deutschen Reiches an: Dr. Neumann in Berlin, Dr. Bamberger in! Königsberg, Dr. Bürwald und Dr. Fuld in Frankfurt a. M., I. M. . Bielefeld in Mannheim, Dr. Feilchenseld in Posen, Dr. Frank in Kölln! Prof. Dr. Grätz und Th. Oschinsky in Breslau, Dr Josephthal in; Nürnberg, B. Luria in Hamburg, Dr. Perles in München, E. Simon! Salomon in Metz und Dr. Salvendi in Dürkheim. D. C. ') Pgl. Mahbaum: Jüdische Homitciik S. 182 st'. 2) Die von PerleS veröffentlichten Beinerkungen Lcheftels über T. D. nehmen ciübescheidene Stellung ein. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauch Witz in Berlin.