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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-05-30 · Heft 20 (30.5.1890) · p. Seite 283

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 20 (30.5.1890)
Date
1890-05-30
Page
Seite 283 (sequence 11)
Language
German
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283 , wie er gehört de»! tßerordcm >er einmm fftes eine»! ii Siöjinn ichte. Tu Orientalin rere Int,! galt, dn Zigmu »n tngarischc» r Josepv ingnrischcn c Bersnsii c 9lc§abo. erschient». ,, der mit hts gemcni vogulischn! iber Juden Förderen mtganff» zur Pfte.cc welche sein Toru yn i gcndcllUli h L (' t) n ", iche Arbc» mit. LBr aufführe». So ginge» u nuS den Dr. Bel» wci Prcuc ■nfcffioncU. —;r llt. liier Jude t Knabenste Kinder r Unschli!» lott seiner die ganze Jerusalem, relle Wein arenlagern ennvr nui das flache Dach seines Hauses, wo zwei Orangenbäume in Töpfen wuchsen, und kniete zwischen den beiden Bäumen nieder, gegen Zion gelehrt, und blieb lange so, versunken in Gebet und Betrachtung. Cit, während er also auf den Knieen lag, tauchte der Mond aus »ec schwarzen Mecresflnth, und ein breiter Silberstrahl lag dann aus der gekräuselten Fläche, der Nicanor wie ein Lichtpfad von ihm;u»l Vaterland erschien. Es gießt Neigungen lind Leidenschaften, welche, heiß in der 'äugend, im Alter erlöschen, und hinlvieder giebt es Leidenschaften, welche in der Jugendzeit wenig beachtet, im Mannesalter von Ehrgeiz eingewiegt, aber im Alter, trenn das Gold so mancher anderer r räume verblaßt, doppelt mächtig werden. Solch' eine Leidenschaft war Nicanors Sehnsucht nach dem Dinpel von Jerusalem. Er hatte als Kind ihn lieben gelernt, und wenn die Muhen und Sorgen des Mannes diese Liebe auch in den Hintergrund drängten, so erwachte sie tut, so heißer, als er zu altern begann, und zulebt erfüllte jene Leidenschaft ganz sein Herz. Nieanor hatte sich durch Fleiß und Umsicht in Alexandrien ein deines Verniögen erworben, uitd als er seinen Gewinn liberschlug, i.md er ihn bedeutend. Er besaß weder Weib, noch Kind, noch Verwandte in Alexandria, so daß er den ganzen Schatz von Zärtlichkeit, een sein Herz barg, Einem tvidrileil konnte, und dies Eine war der »cmpel in Jerusalem. So beschloß er denn, sein Vermögen an die Verschönerung des Tempels zu wenden, welcher von Nehcmiassi und Ezra") errichtet worden, aber damals noch nicht so prunkvoll wie in den Tagen Salomos war. Nieanor wollte nach Jerusalem zmückkehre», damit seine Gebeine einst in heimathlicher Erde im Grabe 'einer Väter Ruhe fänden. In dieser Absicht gab er einem geschickten Bildschnitzer den »luftrag, mit allem Fleiß und aller Kunst zwei Thüren für den »cmpel zu fertigen. Lilien und Granatäpfel, Engel und Palmen ivarcit ihnen eingravirt, und mit getriebenem Kupfer waren sie bekleidet. Als die Thüren fertig waren, begab sich Nieanor mit ihnen und 'einer übrigen Habe an Bord eines Schiffes, das nach Joppe') fuhr. Das Boot glitt aus bem Hafen, einer fliehenden Seemöve gleich, und die weißen Segel blühte ein leichter West. Die Wellen züngelten um Bug empor und leckten liebkosend die Seiten des Schiffes, hinter ihm her zog sich ein lichter Streif im tiefen Blau der See, wie der Schweif eines Kometen. Nieanor stand am Deck neben seinen Tempel-! Horen und ließ die Lüfte mit seinen Silberlocketi spielen. Seine »lassen Wangen färbte die Freude, denn heimwärts ging die Fahrt, nach dem theuren Jerusalem. Die untergehende Sonne tauchte in ein Gewölk kupferfarbiger Dunste. Das Meer hob hoch seine schwarze Brust, als athme es schwer im Schlaf. Grüngoldenes Phosphorlicht entzündete sich auf den Wellen, und das Schiff hinterließ eine leuchtende Spur. Eine dünne Dunstschicht überzog den Himmel; eine Weile noch blickten die Sterne hindurch lind grüßten atis den Wellen, aber bald fegte eine dunkle Woge darüber hin uttd löschte sie aus. Ter Kapitän Perkara Florus sah mit finsterer Miene auf die Anzeichen und befahl, die Segel einznziehen. si Nehemia, ein vornehmer Hebräer und Mundschenk des Königs Artaxerxes Longimanus von Persien, wurde auf sein dringendes Gesuch ll4 v. Chr. als Statthalter nach Judäa geschickt, mit der Erlaubniß, die Mauern und Thore Jerusalems wieder aufbanen zu lasse». -) Ez ra, ein jüdischer Gesetzlehrer des 5. Jahrh. v. Chr. *) Joppe oder Jaffa war schon im Alterthum eine berühmte feste Seestadt Syriens. Hier soll Andromeda an den Felsen geschmiedet worden sein. Hierher ließ auch von Tyrus Salonto die Baumaterialien -um Tempel schaffen. Asver Nicanor hörte ein Wehklagen im Tauwerk, ein Wispern I und Pfeifen um den Mast, und der Wind peitschte seine Wange und s zerzauste sein Haar. Im Westen, wo das Licht hinschtvand, ein silber- 1 schimmernder Gürtel, sah er die Wogeir sich erheben und ihre Hätipter schütteln, sah ihre Kronen uiedcrrollen und im Schaum verschwinden. Wenige Minuten später stürzte sich der Sturm mit dein Gebrüll i eines Löwen, der seine Beute erfaßt, auf das Schiff und blies es f vor sich her über die Tiefen wie ein tvelkcs Blatt. Nicanor blieb s bei seinen Thüren. Von Zeit zu Zeit schlug die Sec über das Deck j und durchnäßte ihn bis auf die Haut. Jetzt kletterte das Boot einen Berg schäumenden Wassers empor, tanzte einen Augenblick lang auf dem Wellenkamm und tauchte dann in den gähnenden Schlund hinab. Die Befehle des Kapitäns wurden von Wind und Wogen überdonnert. Eine Welle legte das Schiff auf die Seite; zwar richtete; es sich mit einem Ruck wieder empor, aber dabei brach der Blast, und die Matrosen mußten ihn kappen. Alan begann die Schiffsladung über Bord zu werfen. Alich zn Nicanor traten sie und forderten die Auslieferung seines Gepäcks. „Werft alle meine Teppiche und Stoffe in die Wellen," sagte er, „aber schont die Thore des Heiligthums! Ballen auf Ballen der köstlichsten Stoffe des Orients flogen in die See. Aber eine Welle brach über das Schiff herein und füllte den - Kielraum mit einer Sündfluth von Schaum. „lieber Bord mit diesen wuchtigen Thüren!" befahl der Kapitän. „Schottet, schottet dieses Eigenthum des Allerheiligen!" flehte; Nicanor. „Alles, was mein war, habe ich Euch überlassen; nehmt : auch, was ich von Gold und Silber noch besitze, ich gcb' es ohne j Schmerzen hin, aber diese Thüren, welche ich Gott gewidmet, kann i ich, will ich nicht untergehen lassen" Aber tvas vermochte eines Mannes Bitte gegen die Todesangst; und Verzweiflung so Vieler. „Alter Mann," sagte der Schiffsherr, „sieh', ivir wollen nur das s eine Thor nehmen. Vielleicht beruhigt sich die Sec mit einer so f heiligen Last. Widerstehe nicht: wenn Dein Gott nicht zwei Thüren; haben kamt, mag er sich mit einer begnügen." Und also geschah»; das eine der kupfergetriebenen Thore wurde ins Meer geworfen, während Nicanor seine Augen schloß. Aber der Sturm ließ nicht nach, und bald erthcilte der Kapitän den Befehl, auch die zweite Thür über Bord zu schleudern. Nicanor hatte sich selbst aus das mächtige Thor gesetzt, das i Antlitz in die Hände begrabend. Verzweifkungsvoll richtete er sich jetzt empor und sagte: „Dann will ich mit über Bord." Er hielt das Wort. Als die schwere Eichenmasse in die Fluth niedcrstürzte, sprang der alte Mann nach, schwang sich, mit der Kraft; der Verzweiflung sich anklammernd, hinauf und kauerte dann auf der schwimmenden Thür, das Haupt zur Brust gesenkt, die Hände tun die Kniec geschlungen, gleichgtltig gegen sein Loos. Aber er ging nicht unter. Das große Thor trug tvic ein Floß Nieanor durch Sturm und Wogen, trug ihn rettend an» Gestade. Als der Alte gewahr wurde, daß sein Floß auf steinigctt Grund stieß uttd unbeweglich blieb, dämmerte Hoffnung in ihm auf. Ten; Allmächtigen anrufend, kroch er an den Rand, tastete um sich und; entdeckte, daß er auf festem Boden sich befand. Allmälig lichtet sich da» Dunkel. Eine schtvarzc Linie, welche int Osten sich zeigt, gewinnt bei der wachsenden Helle mehr und ntehr Form, so daß Nicanor sie zn seiner Befriedigtmg als Wald- und , Hvhenzüge erkennt. Auch der Stnrnt legt sich mit der Morgcni dämmernng. Langsam, wie aus Furcht vor dem Anblick der Verwüstung zögernd, verbreitet sich das Licht, und nun entdeckt Nicanor

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