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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-05-23 · Heft 19 (23.5.1890) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 19 (23.5.1890)
Date
1890-05-23
Page
Seite 3 (sequence 19)
Language
German
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3 fünfzig Jahren war M. I. Bodenstein als armer Handwerksbursche hier eingewandert, durch Talent und eisernen Fleiß arbeitete er sich derart empor, daß er zu den Ersten seines Faches zählte und zu den vornehmsten Schöpfungen auf dem Gebiete der Dekorationsmalerei herangezogeir wurde. Sein Leben war der Arbeit und der Wohlthätigkeit gewidmet. i. Gneserr, 18. Mai. Zu der in der hiesigen jüdischen Gemeinde vakant gewordenen Rabbinerstelle haben sich bereits mehrere Rabbiner gemeldet. Am 10. hielt Rabbiner Dr. Heppner aus Pleschen und gestern als zweiter Kandidat Herr Rabbiner Dr. Richter aus Filehne die Probepredigt. Pleschen, 15. Mai. In der heutigen gemeinschaftlichen Sitzung des Vorstandes und Reprüsentantenkollegiums wurde Herr Oberrabbiner Dr. Zuckermandel aus Trier einstimmig zum Rabbiner der hiesigen Gemeinde gewählt. Sein Antritt erfolgt zum 1. Juli. * Neustadt bei Pinne, 18. Mai. Nach einem heute von dem Rabbiner Dr. Pick in Breslau an den hiesigen Korporations-Vorstand eingegangenen Schreiben hat derselbe die auf ihn hier getroffene Wahl als Rabbiner der jüdischen Gemeinde ablehnen müssen, weit er inzwischen von der israelitischen Gemeinde in Marienburg zum Rabbiner gewählt worden und diese Stelle bereits angenommen hat. L Wittlich, 9. Mai. Eine stattliche Anzahl Mitglieder des! Vereins is r a elitis ch e r Lehrer un d K ul t u sb e a mt en Südwest- Deutschlands hatte sich am 13. und 14. April in Saarlouis zur Generalversammlung eingefunden. Der Vorsitzende Eppstein-Hoppstädten eröffnete die Verhandlungen mit dem Rechenschaftsbericht des Vorstandes und theilte u. A. mit, daß die im vorigen Jahre gewählte Kommission, die bezüglich der Anstellungsverhältnisse der Lehrer eine Petition an den Kultusminister richten sollte, am 19. August 1889 in Ottweiler getagt und sich ihres Auftrages entledigt habe. Ein Bescheid auf ihre Bittschrift sei noch nicht ergangen. Im Aufträge des Gemeindelnindes ltnb als dessen Delegirter begrüßte Herr Sender-Tholey die Versammlung ltnb wünschte den besten Erfolg aller Besprechungen und Verhandlungen. Zugleich forderte er die Anwesenden auf, kräftig für die Interessen des fu segensreich wirkenden Bundes einzutreten und die demselben noch nicht angehörenden Gemeinden zum Beitritte zu veranlassen. Sodann bot der Vorsteher der israelitischen Gemeinde Saarlouis, Herrn R. Mayer, den versammelten Lehrern seinen und seiner Gemeinde herzlichen Willkommgruß, dankte für die der Gemeinde Saarlouis erwiesene Ehre mtb widmete den Bestrebungen des Vereins warme Worte freundlicher Anerkennung. Nach der N e ch nu n g s - ablage ward dem Kassenführer Decharge ertheilt und man schritt zur Vorstandswahl. Der bisherige Gesammtvorstand — Eppstein-H oppstädten als erster, Nußbaum-Trier als zweiter Vorsitzender und Nußbaum-Wittlich als Schriftführer und Kassenführer wurde wiedergewühlt. Die durch den Ausfall des ersten Referats freigewordene Zeit wurde für eine eingehende Berathung über die nächstjährige Versammlung verwendet. Eine stärkere Heranziehung der Kollegen im Reichslande hoffte man durch ein Tagen im Reichslande selbst anzubahnen. Vom Lehrer Leeser-Forbach wurde Straßburg als Ver-! sammlungsort vorgeschlagen, ltnb der Antragende wußte den Gedanken! so warm zu befürworten, daß die Versammlung ihm trotz der nicht wegzuleugnenden Schwierigkeiten zustimmke. Als Zeit für diese Versammlung wurde der 17. und 18. Mai 1891 festgesetzt. Die schon früher festgesetzte Abgrenzung der Spezialbe^irke — Trier, Saarbrücken, Hoppstädten — wurde in Erinnerung gebracht und für jeden von ihnen ein Ordner berufen. Zugleich wurde den Spezialkonferenzen aufgegeben, den Stoff der Hauptversammlung vorzuberathen. Am zweiten Verhandlungstage hielt Herr Sender-Tholey einen interessanten Vortrag über „biblische Geograpbie und Chronologie in der Religionsschule". Nachdem der Vorsitzende für die trefflichen Ausführungen des Referenten bestens gedankt und auch die Zuhörer durch Erheben von den Sitzen ihren Dank bekundet, entspann sich eine längere auf den Inhalt des Vortrages bezügliche Debatte, die sich bis zu so später Stunde hinzog, daß man an beit Aufbruch denken mußte. Der Vorsitzende dankte noch dem Kollegen Kohn-Saarlouis für seine liebenswürdigen Bemühungen um den gemüthlicheu Verlauf der Konferenz und beauftragte ihn, auch dem Vorstande der israelitischen Gemeinde den Dank der Versammlung für die herzliche Begrüßung und freundliche Aufnahme zu übermitteln. Mit dem Wunsche eines gesunden, heiteren Wiedersehens in Straßburg wurden die Verhandlungen geschlossen. Sender-Tholey dankte noch dem Vorsitzenden für die außerordentlich geschickte Leitung der Verhandlungen und brachte dem gesammten Vorstande für seine Mühewaltung ein dreifaches „Hoch" aus, in das die Versammelten kräftig einstimmten. R. Nußbaum, Schriftführer. * Nürnberg, 18. Mai. Der in hiesiger Stadt wohnende geprüfte Rabbiner N. N. ertheilte seit mehreren Jahren verschiedenen Schülern und Schülerinnen der hiesigen stüdt. und königl. Lehranstalten privatim Religonsunterricht, ohne daß dieselben dem öffentlichen israelitischenReligionsunterrichte fern blieben. Im vorigen Herbst stellte N. N. einigen Volksschülern ein Zeugniß aus, daß sie bei ihm Religionsunterricht hätten und auf Grund dieser Zeugnisse dispensirte die königl. Lokalschulkommission die betr. Knaben von dem öffentlichen Unterrichte ohne vorherige Einvernahme des Rabbinats. Auf Reklamation des Rabbiners versprach die Inspektion zwar, künftighin in Einvernahme mit dem Rabbinate vorzugehen, sprach aber ihre Ansicht dahin aus, daß gemäß der einschlägigen Verordnungen dieser Privatunterricht den öffentlichen Unterricht ersetzen könne. N. N. mit diesem Erfolge nicht zufrieden, wandte sich nun direkt an die königliche Regierung von Mittelfrankeu mit dem Ersuchen, zu gestatten, daß diejenigen Schüler städt. und königl. Lehranstalten — also auch der höheren Schulen — welche bei ihm israelitischen Religionsunterricht hätten, von dem gleichen Fache in ihren Klassen dispensirt werden. Darauf erging nach vorheriger Einvernahme! des hiesigen Rabbinats folgende Negierungsentscheidung: Ausbach, den 12. April 1890. Aus den Bericht vom 2. d. Mts. wird erwiedert, daß der Bitte des geprüften Rabbiners N. N. zu Nürnberg vom 18. v. Mts. zu gestatten, daß diejenigen Schüler königlicher oder stüdt. Lehranstalten, welche bei ihm israelitischen Religionsunterricht genießen, von dem gleichen Fache in ihren Klassen dispensirt werden, eine Berücksichtigung nicht zugewendet werden könne, vielmehr im Hinblick auf die bestehenden diesbezüglichen Vorschriften daran festgehalten werden müsse, daß eine Dispensation von dem Besuche des öffentlichen israelitischen Religionsunterrichtes nur beim Obwalten besonderer Verhältnisse, daher nicht allgemein, sondern lediglich für einzelne Fälle nach vorgängiger Einvernahme des Rabbinates zulässig erscheine. Hiervon ist dem vorgenannten Gesuchsteller in geeigneter Weise Eröffnung zu machen. Die Rektorate der kgl. Mittelschulen zu Nürnberg, sowie die kgl. Lokalschnlkommissivu dortselbst sind von gegenwärtiger Entschließung bereits verständigt worden. gez. Frhr. v. Hermann, Kgl. Regierungs-Präsident. HgH Halle, 19. Mai. Der akademische Senat der Universität Hatte hat zum ersten Male einen Juden, den medizinischen Professor Dr. Julius Bernstein, zu ihrem Redor magnilictis gewählt. Bernstein ist der Sohn des seligen Aron Bernstein, der als Mitbegründer der Berliner Refvrmgemeinde, als Verfasser von „Mendel Gibbor" und „Vögele der Maggid", sowie als langjähriger Redakteur der Berliner Volkszeitung den Lesern wohl bekannt ist. Daß gerade Halle, welches noch bis vor nicht langer Zeit Juden überhaupt nicht als Dozenten zugelasseu hat, nun ein solch hervorragendes Beispiel von Vorurtheilslosigkeit bietet, ist in der heutigen Zeit doppelt erfreulich. England. * London, 11. Mai. Der den Inden des Oefteren gemachte Borwnrf, daß sie ans dem Gebiete der Ku n st, namentlich jenem der bildenden Kunst, keine bemerkenswerthen Leistungen auszuweisen vermögen, wird durch einen Besuch der eben eröffneten drei Kunstausstellungen glänzend widerlegt. Sowohl die Royal Academy als auch die Grosvenor-Galerie und die neue Galerie weisen treffliche Werke unserer Glaubensgenossen ans. Hierbei muß man sich vor Augen halten, daß die Kunstwerke, welche in der Royal Academy zur öffentlichen Ansstellnng gelangen, zuerst eine sehr strenge Jury passiren müssen, welche ans den Mitgliedern der Royal Academy besteht; in der Grosvenor - Galerie können nur diejenigen Künstler an der Ausstellung theilnehmen, welche persönlich hierzu eingeladen werden. Man kann also getrost behaupten, daß dieienigen Künstler, deren Werke wir in diesen Ausstellungen finden, zur Elite der Künstlerschaft gehören. Es würde zu weit führen, alle Namen zu nennen. In der Royal Academy sind allein 14 Glaubensgenossen vertreten, welche ans allen Gebieten lHistorie, Genre, Thierstücke, Landschaften und Blumen) Hervorragendes leisten. Wir erwähnen nur das letzte Werk des verstorbenen Malers James L. Henry „Passing Clouds" lVorüberziehende Wolke»), ferner ein prächtiges Thierstück von Stanley Montefiore, einem der tüchtigsten Pferdemaler der Insel — ein großes Historienbild „Hippolyta" »nd ei» Porträt

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