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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-05-23 · Heft 19 (23.5.1890) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 19 (23.5.1890)
Date
1890-05-23
Page
Seite 4 (sequence 20)
Language
German
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4 von Solomon I. Solomon —. Auch Damen beiheiligen sich mit bestem Erfolge an dieser Konkurrenz der schönen Künste — unter Anderen auch eine Nichte des Lord Mayor Esther S. Jsaacs, deren Bild „On tlie Watslr (Auf Wache — eine prächtige Studie eines Hundes) -- sehr viel Beifall findet. In der Grosvenor-Galerie finden wir den bekannten Porträtmaler B. S. Marks, ferner den obenerwähnten Landschafter Henry, sowie mehrere tüchtige Blumenmalerinnen, welche auch! in der neuen Galerie vertreten sind: Misses Miriam Davis, Clara und! Hilda Montalba und Mrs. P. Naftal. j i i Amerika. j New-Bork, 12. Mai. Wie wir bereits an dieser Stelle kurz gemeldet, beabsichtigt der bekannte Pariser Banquier und Philanthrop Baron Hirsch in die Vereinigten Staaten einwandernde Israeliten zu unterstützen. Wir erfahren soeben Näheres über die Angelegenheit. Baron Hirsch hat sich zu obigem Zwecke mit einer Anzahl hiesiger hervorragender Israeliten in Verbindung gesetzt und einen Fond gestiftet, der monatlich $ 10,000 Zinsen tragen soll, welcher Betrag zur Verbesserung der Lage israelitischer Einwanderer in die Häfen von New-Uork und Philadelphia verwendet werden soll. Zur Verwaltung dieser in so liberaler Weise seitens des Barons Hirsch zur Disposition gestellten Gelder hat sich nun in den Vereinigten Staaten eine Gesellschaft gebildet, deren Beamten folgende hochangesehene Geschäftsleute sind: Präsident: Meyer S. Jsaacs, Schatzmeister. Jesse Seligman, Sekretär: Julius Goldman, Trustees: Jacob H. Schiff, Henry Rice, Oscar S. Strauß, James H. Hoffmann, sämmtlich in New-Vork, und Mayer Sulzberger und Wm. B. Hackenberg, beide in Philadelphia. — Am letzten Dienstag Abend hielten die Mitglieder der „Beth Israel Hospital- Gesellschaft", welche sich vor ca. 8 Monaten gebildet, um ein israelitisches! Hospital in der unteren Stadt zu gründen, eine Versammlung ab. Die aus 1500 Mitgliedern bestehende Vereinigung, welche bereits einen Fond von $ 50,000 ausgebracht, hat beschlossen, vorläufig ein temporäres Krankenhaus in einem gemietheten Gebäude einzurichten, bis ein neues Hospital, dessen Kosten auf $ 250,000 veranschlagt werden, gebaut worden ist.? Von Nah und Fern. * Ter Ehordirigent der berliner Reformgemeinde, Herr Professor i Emi l B resl a u r, Direktor des Berliner Konservatoriums und Klavier- . lehrer-Seminars, erhielt vom Prinzregenten von Braunschweig das Ritteri kreuz zweiter Klasse des Ordens Heinrichs des Löwen. — Die in Berlin j anläßlich des Hildesheimer - Jubiläums anwesenden orthodoxen! Rabbiner Deutschlands hielten am 19. Mai eine Konferenz ab. — Zu dem Kais erd in er in Königsberg haben mehrere Glaubensgenossen Einladungen erhalten. Von einer Seite werden die Herren Becker, Simon und Cohn, als Vertreter der Großindustrie bezw. des Großhandels, angegeben, nach einem anderen Bericht soll auch Rabbiner Tr. Bamberger zur Tafel befohlen worden sein. — In Landsberg an der Warthe ist Herr B. Elsaß, ein Zögling des Pester Rabbinerseminars, in Marienburg Herr Dr. Pick, bisher in Pyritz. zum Rabbiner gewählt worden. — Aus dem antisemitischen Lager wird gemeldet: Der frühere Portier Aschen brenn er. der dann Redakteur j des „Christlich - Sozialen Korrespondenzblattes" und über zehn Jahre , Vorstand des Bureaus der christlich-sozialen Partei war, am 15. März v. I. die Leitung der Geschäftsstelle der Zeitung „Das Volk" übernahm, letztere Stellung aber, wie er sagt, lediglich wegen Personalveränderuugen am 1. März d. I. aufgeben mußte, sucht jetzt durch Inserate eine Stellung, gleichviel welcher Art. Sollte in dem großen Berlin nicht irgendwo eine Portierstelle vakant sein? fragt der „B. C." — In Halle verfiel eine antisemitische Versammlung der polizeilichen Auflösung. 60 Personen verlangten hierauf stürmisch das von ihnen erlegte Eintrittsgeld im Betrage von 30 Pfennig zurück. Der Tumult wurde endlich so groß, daß zehn Verhaftungen vorgenommen werden mußten. Ein Trupp von Theiluehmern zog vor die Wohnung des Bankier H. F. Lehmann, um das Eintrittsgeld zurück zu fordern. Da dies erfolglos war, zerstreute sich schließlich die Menge. — Die sü ch s i s ch e n K o n s e r v a ti ve n haben jetzt den Antisemitismus offen in ihr Programm ausgenommen. — Im 101. Lebensjahre starb am 12. Mai d. I. ein Hamburger Freiheitskämpfer aus den Jahren 1813—1815, nämlich der im israelitischen Altenhause befindliche David Nathan, an Altersschwäche. Der Verstorbene erfreute sich bis zn seinem Tode einer verhältnißmäßigen Geistesfrische, so daß er von seinen Kriegserlebnissen klar itnb deutlich zu erzählen wußte. All ihrem siebzigsten Geburtstage hat die durch ihre Wohlthätigkeit bekannte Frau Simon May./in Hamburg zur Erinnerung an ihren verstorbenen Gatten, Herr Simon May, der lange Jahre hindurch Vorsteher der Talmud-Thoraschule war, den Betrag von 10,000 Marl der jüngst gegründeten Lehrerwittwenkasse dieser Schule überwiesen. - Bei Beendigung der Liquidation, welche auf Grund des Gesetzes von> 7. November 1864 betr. die Verhältnisse der Hamburger israelitischen Gemeinden angeordnet, mit Ende des Jahres 1889 beschafft war hat der Liquidationsvorstand beschlossen, eine Denkmünze der Deutsch Israelitischen Gemeinde in Hamburg prägen zu lassen und sämmtlich noch lebenden Vorstehern zu überreichen. — In Schweinfurt starb am 14. Mai der älteste baierische Distriktsrabbiner Lebre ch t, einer der frühesten Vertreter der Reformbestrebungen im Judenthum. Erst vor einigen Wochen hatte er sein sünfzigjähriges Amtsjubiläum gefeiert. Man schreibt aus Groß-Kanizsa: Die Lehranstalt der hiesige,! Kultusgemeinde hat einen großen moralischen Erfolg zu verzeichnen, indem das Unterrichts-Ministerium dasselbe in den gleichen Rang mit einer vierklassigen öffentlichen Mittelschule stellte, deren erster Jahrgang voraussichtlich mit dem Beginne des nächsten Schuljahres eröffnet wird. — Durch deu am 17. April inMen-Sandecz stattgehabten Brand sind mehr als 600 arme jüd. Familien an den Bettelstab gekommen und namenlosem Elend preisgegeben. — Der israelitische Friedhof in Zwittau (Mähren) wurde zur Nachtzeit in vandalischer Weiß' beschädigt. Die Eineckung der Einfriedungsmauer wurde zum großen Theil vollständig zerstört, viele auf dem Friedhofe befindliche metallene Grabstellen-Täfelchen zertrümmert, das Dach der Leichei/ kammer durch Steinwürfe stark beschädigt und das Eiugangsthvr durch unflüthige Zeichnungen verunreinigt. Die Generalversamm lung der United-Synagoge in London beschloß, zu Ehren des Chiei Rabbi Dr. Nathan Adler einen würdigen Grabstein anfertigen zu lassen. ~ Die Pariser geographische Gesellschaft hat in ihrer letzten Sitzung dem Kapitän Binger, einem Juden, die große goldene Medaille für seine Erforschung des oberen Niger am Guineagoll zuertheilt. In derselben Sitzung wurde Binger zum Sekretär der Gesellschaft ernannt. — Der „Matin" veröffentlicht eine Unterredung seines Mitarbeiters mit einem österreichischen Diplomaten, welcher erklärte', die soziale Frage in Oesterreich komplizire sich durch den Antisemitismus. Letzterem sei nunmehr mit den energischsten Mitteln entgegeuzutreten. „Ich kann versichern -- schloß der Diplomat daß Kaiser Franz Josef der entschiedenste und entschlossenste Feind des Antisemitismus ist." — Die jüdische Gemeinde in Rom Hot den Rabbiner und Professor Moses Ehrenreich, bisher Präsident des Rabbiner-Seminars, zum Oberrabbiner erwählt, während für den ersteren Posten Herr Dr. Benedctto Zevi ernannt wurde. — Alexander Strakosch war jüngst auf Schloß Rot teuftei u geladen, wo er den Monolog aus Goethe's „Faust", dann Szenen aus „Maria Stuart'/ die Ballade „Tie beiden Grenadiere" rezitirte und mit seinen Vorträgen außerordentlichen Beifall fand. Anwesend waren: Erzherzog Carl Ludwig, die Kronprinzessin-Witwe, dann die Erzherzoginnen Maria Theresia. Maria Josepha, Jsabella Margarethe, Elisabeth und Maria Annunciata. Als gegen halb 11 Nachts die Erzherzoginnen sich zurückzogen, ersuchte Erzherzog Carl Ludwig Herrn Strakosch. noch zu verweilen. Beide Herren verweilten bis nach Mitternacht iu lebhaftem Gespräch, allerlei künstlerische und litkerarische Fragen erörternd. In einer Generalversammlung der Gemeinde Ahavatn Achim in Cincinnati, welche Sonntag, den 27. April, stattfand, wurde Herr Dr. H. Zirndorf einstimmig als Rabbiner obiger Gemeinde erwählt. — In Algier plünderten Araber am Markttage in Guelma israelitische Verkaufsläden und überfielen die Besitzer, welche sich wiedersetzten, so daß Militär einschreiten mußte. Drei Araber wurden getödtet, ein Polizei-Agent verwundet mit) etwa 100 Verhof tungeu vorgenommen. Aehnliche, jedoch minder ernste Vorgänge sollen in den letzten Tagen auch in Constantine, Jemappes und Qued-Zenaii vorgekommen sein. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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