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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-05-23 · Heft 19 (23.5.1890) · p. Seite 268

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 19 (23.5.1890)
Date
1890-05-23
Page
Seite 268 (sequence 11)
Language
German
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268 Die Theilnahme der Inden an den Seefahrten und Entdeckungen. Von Dr. M. Kayserling, Rabbiner in Budapest.! Der Antheil der Juden an den Seefahrten und Entdeckungen!! Nicht Ruhmredigkeit und nicht geschichtsschrcibende Uebertreibung leiten uns bei der Bearbeitung dieses Themas. Ist es ja hinlänglich bekannt, daß die Inden, sobald ihnen die Freiheit dazu gegeben wird, sich allen Arbeiten und Bestrebungen auf geistigem wie auf materiellem Gebiete mit Eifer hingeben und auch vor Mühsalen und Strapazen nicht zurückschrecken. Unter den fünfundzwanzig Männern, welche den Amerikaner Greenly vor einige» Jahren auf der Lady Franklin-Bai-Expedition begleiteten, befand sich auch ein Jude, Edward Israel, ein vielversprechender Astronoin, der eine bedeutende Zukunft vor sich hatte. Er starb infolge der Entbehrungen und Strapazen und wurde an den vergletscherten Felsenriffen Nordgrönlands verscharrt. Unter denjenigen, welche Hall auf dem Schiffe Polaris zur Entdeckung des Nordpols begleiteten, rvar der hochbegabte Emil Bessels, ein deutscher Jude. Im besten Mannesalter schied er plötzlich von hinnen, als er sich von Neuem nach dem gefahrvollen Schauplatze seiner, Thätigkcit, den Nordpolar-Gewässern, begeben wollte. Kepes, ein ungarischer Jude, machte unter der Führung Payers und Weiprechts die österreichische Nordpol-Expedition mit, und wieviel Juden waren unter den Seefahrern nach Chili, unter denen, welche in Afrika neue Eroberungen machten! An den portugiesischen Eroberungen längs der afrikanischen Küste, an der Entdeckung der neuen Welt haben auch die Juden ihren Antheil. Gedrängt von seinem tapferen Sohne, dem Jnfanten Heinrich dem Seefahrer, unternahm der portugiesische König Joao im Jahre 1415 die erste Eroberungsfahrt nach Ceuta, das den Ausgangspunkt zu weiteren Eroberungen bildete. Auf der portugiesischen Armada, welche die „Siebcnbrüdcrstadt", wie Ceuta int Altcrthum genannt wurde, erstürmt, befanden sich auch Juden; einer dieser jüdischen Seeleute erlitt im Gefecht den Tod. Mit der Unermüdlichkeit eines Liebhabers zog der Jnfant Heinrich den Schleier von der Küste eines hilflosen Festlandes, und Juden waren es, welche seinem Vorhaben durch ihre Kenntnisse und Erfahrungen wesentlichen Vorschub leisteten. Durch ihre Mittheilungen steigerte sich seine Vermuthnng zur Gewißheit, daß ein Weg von Europa nach Indien gefunden werden könne. Was Heinrich der Seefahrer begonnen, setzte Joao IV, mit doppeltem Eifer fort. Durch Juden ließ er Nachforschungen zu Land anstelle», durch ihr sinniges Forschen und ihren scharfblickenden Geist ließ er die Mittel auffindcn, um auf dem bahnloscn Element und unter einem unbekannten Himmel mit größerer Sicherheit dem dunklen aber heiß erstrebten Ziele entgcgenznstcucrn. Um die Gefahr, auf unbekannter Sec fern von der Küste sich zu verirren, möglichst zu beseitigen, gab er dem berühmtesten Mathematiker seines Reiches den Auftrag eine Methode zu erfinden, nach der Sonnenhöhe zu schistcn. Neben dem Nürnberger Seefahrer und Kosmographen Martin Bchaim saßen der jüdische Mathematiker Moses, ein Rabbi Abraham, wegen seiner mathematischen Kenntnisse hochgefeiert, des Königs Leibarzt Vccinho, der auch bei der Anfertigung der Weltkugel für den Seefahrer Pedro de Covilhao mitthätig war. Die gemeinschaftlichen Untersuchungen dieser Männer hatten den wichtigen Erfolg, daß man das Astrolabium verbesserte und in Verbindung mit dem Kompaß anwcndete, um aus dem Stande der Sonne die jedesmalige Entfernung eines Ortes vom Aequatvr bestimmen zu können. Nun konnte der Schiffer ruhig in das unbekannte Meer hinaussegeln; er durfte nicht besorgen, den Rückweg nicht wieder zu finden. Da nahte sich dem Könige Joao ein kühner Genuese mit dem Vorschläge, ein Geschwader über den Ozean nach den Ländern zu führen, deren Reichthümcr und hohe Gesittung Marco Polo so verführerisch geschildert hatte. Es war Columbus. Der König legte den Vorschlag seinem nautischen Kongresse vor. Seine Leibärzte Joseph Becinho und der auch dichterisch begabte Rodrigo, dessen Poesien sich in einem portugiesischen Cancioneiro befinden, hielten des Genuesen Begehr für thörtcht und meinten, es gründe sich einzig und allein auf die Grille von der Insel Zipango des Marco Polo. Da auch D. Pedro de Menezes, der alte Graf von Villa-Real, dem Könige rieth, nicht auf Columbus' Träumereien zu hören, so wurde der Seefahrer abschlägig beschieden und abgewiesen. Das spanische Königspaar schenkte ihm willig Ohr. In demselben Monate, in dem Jsadella die Katholische die Vertreibung der Juden aus allen ihren Königreichen und Herrschaften dekretirt hatte, ertheilte sie und Ferdinand, ihr Gemahl, Columbus den Auftrag, sich mit einer hinreichend großen Armada nach Indien zu begeben, und einen Tag nachdeni die Juden Spanien verlassen hatten, schiffte er sich ein, um Gold zu stichcn und die Heiden zum Christenthum zu bekehren. Unter den neunzig Abenteurern, welche ihn auf seiner Fahrt begleiteten, befand sich auch ein Jude, Luis de Torrcs, der „in Murcia außer dem Hebräischen und Chaldäischen auch ein wenig Arabisch gelernt hatte". Diesem Juden vertraute er mancherlei Missionen an. Bevor er den Rio de Mares verließ, schickte er ihn und einen Spanier aus, um den König des Landes aufzusuchen. Vier Tage brachten die Beiden im Innern des Landes zu und knüpften freundliche Verhältnisse mit den Einwohnern an, so daß ein Häuptling sie zu den Schiffen begleitete. Ein Jude machte die erste Entdeckungsfahrt mit und leistete bei derselben wichtige Dienste, um gleichsam für seine Stammes- und Glaubensgenossen die neue Welt in Besitz zu nehmen. Und mit dein den unglücklichen Juden abgenommenen Gelde wurde ColnmbuS die zweite Fahrt ermöglicht. Während der Genuese Amerika für Spanien in Besitz nahm, richtete Portugal seinen Blick unverwandt auf das noch unbekannte Indien. Den von Joao IV. entworfenen Plan der Entdeckungsfahrt nahm D. Manuel mit neuem Eifer auf. Bald nach seinem Regierungsantritte sandte er ein Geschwader aus, zu dessen Befehlshaber er Vasco de Gama ernannte. Nachdem der Admiral in Gegenwart der gesammten Schiffsmannschaft mit Abraham Ilacuto, dem Astrologen des Königs und bekannten jüdischen Chronisten, Rücksprache und von diesem von ihm hochgeschätzten Manne herzlichen Abschied genommen hatte, trat er im Juli 1497 seine große Entdeckungsfahrt an. Er landete an Malabars Küste und hielt sich in Calecut einige Tage auf. Er hatte die Stadt kaum verlassen, als in der Nähe von Andicdiva sich seinem Schiffe in einer kleinen Barke ein Fremder näherte, ein Weißer, und ihm in castilianischer Sprache den Schiffsgruß entbot: Dios salve los Navios, y los Sonores Capilaes, y la coinpana (|ue uolles viene! Groß war die Freude der Portugiesen, heimathlichc Laute zu vernehmen. Der Gruß wurde erwiedert; der Fremde kam näher und rief dem Admiral zu: „Nehmt mich in euer Schiff und erzählt mir von meinem theuren Heimathlande. Viele Jahre lebe ich hier als Gefangener, und jetzt erweist mir ein Gott die Gnade, mich Schiffe aus Spanien, meinem Heimathlande, sehen zu lassen." Er erhielt Aufnahme. Die Schiffsmannschaft erwies ihm die Ehre eines Admirals. Wer war dieser Fremde? Ein Jude aus Granada, der jüdische Pilot Gaspar. Bei der Einnahme Granadas, noch jung, ergriff er die Flucht, begab sich nach der Türkei, von da nach Mekka und nach Indien. Hier lernte ihn der Fürst Sabayo kennen und

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