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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-05-23 · Heft 19 (23.5.1890) · p. Seite 263

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 19 (23.5.1890)
Date
1890-05-23
Page
Seite 263 (sequence 5)
Language
German
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263 eugungen och daran ernimmt? adenthum >s Gebot; üheren in dem auch indämmt, in Gebote lg GotteS chaftigkeit. et, kündet lir sollein gebieten : n können, ist in dar- Prüfung: in diesem n Festtage :n werden, stottesliebe e siuatische ie Sitte» tsprosseneii md ihren: angestell:. lben nickt , wie alle den 3kr auf die ie Echtheit de an de» fer und ie i so höhe» i anderen Wort bc-: i§." Niäit äbe. Jede i und Vörie in feste, ch in Zaitl en irg für siel! im Juden- :r war at fo hat > c der Geist ichen Lehre gethan und rat alsbald se nach den hinzufngtc rungen der tthum, be ndes Zeug niß für den Geist der Entwickelung, der das Judenthum stets beherrschte und der es nie duldete, daß die Wahrheit für alle Zeiten abgeschlossen werde. Und diese Entwickelung vollzog sich nicht etwa unbewußt von ihren Trägern: nein, sie ließen sich bewußt durchdringen von dem Geiste der Wahrheit, woher er auch wehte und wohin er auch führte, und in allen großen Epochen Prüften und ordneten sie ihren religiösen Bestand stets von Neriem. Und so wir an diesem Feste wiederum erfüllt von dem Geiste unserer Zeit und in Hinblick auf die heilige Urschrift unserer Religion unseren Bestand an Glaubenswahrheiten überschauen, gewahren wir hier nichts, was nicht jede geläuterte Erkenntniß und Empfindung zu befriedigen vermöchte. Wie nach der uralten Schöpfungssage vier Hauptströme von Eden ausgingen, also sind es auch vier Gedankcuströme, die noch heute aus der Schrift hervorgehen und das religiöse Leben des Judenthums befruchten: der Glaube an den einig-einzigen Gott, der Glaube an den Gottesgeist im Menschen, der Glaube an den Beruf des Menschen znr Selbstheiligung und der Glaube des Judenthums an sich selbst, an seine Zukunft, an seine Bestimmung zur Weltreligion. Aber es sind keine starren Dogmen, es sind Gedaukenströme, die ewig fließen, die sich aus ihren Quellen stets verjüngen, auch Zuflüsse aus anderen Gebieten in sich aufnehmen und je nach der Bodenbeschaffenheit der Länder ihren Lauf regeln. Daher die bewunderungswürdige Fähigkeit des Judenthums, sich in alle Kulturen einzuleben; daher seine volle Ueberemstinnnung mit den edlen Errungenschaften aller Zeiten und Geschlechter; daher die Zukunftsfreudigkcit seiner Bekenner, die heute wie zur Zeit der alten Propheten durchdrungen sind von der Ueberzeugung, daß die aus dem Judenthum hervorgegangene Erkenntniß dereinst die Erde erfüllen wird, wie das Wasser den Meeresgrund bedecket. Aber dieses Ziel — nicht durch die Gewalt der Waffen, nicht durch Zuwendung irdischer Vortheile darf es erstrebt, kann es erreicht werden. „Nicht durch Macht und nicht durch Stärke, sondern durch meinen Geist, spricht der Ewige Zebaoth." Nichts ist dem Judenthuin unantastbarer als das Heiligthum der inneren Ueberzeugung, und nichts ist ihm verhaßter als jene Seelenfänger, die auch den sittlichen Menschen nicht gelten lassen, bevor er sein Denken und Emfinden in die enge Formel des Bekenntnisses eingczwüngt hat. Nein, frei wie aus dem Felseugrund die Quelle soll aus den Tiefen der Menschenbrust die Sehnsucht nach dem Göttlichen einporsteigen; der Zug der Liebe soll es fein, der Drang »ach Wahrheit, der rmserer Religion Anhänger gewinnt. Darum soll Israel nur durch fein vorbildliches Leben zeugen für die Lauterkeit seiner Lehre und deir Tieg des Judcnthums knüpfen au den Sieg der Wahrheit und der Liebe. Und nun zum Schluffe eine alte Legende aus dem Sagenkreise der Gesetzgebung, die diesen Gedanken also veranschaulicht. „Als der Heilige, gelobt sei er, unter dem Aufruhr der Naturgetvalteu, seinem Volke die Thora offenbarte, da eilten die Könige der Erde zu dem großen Heidenprophcten Bileam und sprachen zu ihm: Wehe, eine neue Siutfluth will über uns Hereinbrechen! Thoren, erwiderte der Prophet, der Ewige hat ja dem Noa zugesichert, keine Sintfluth urehr über diese Erde zu bringen. So droht uns wohl der Untergang durch Feuer, fragten sie. Beruhigt euch, antwortete Bileam, weder Wasser noch Feuer sind im Anzuge, keinerlei Zerstörung bedroht euch. Im Gegentheil, es ist die Offenbarung der Thora, die sich jetzt am Sinai vollzieht, die euch, die allen Menschen den Frieden auf Erden bringen wird. Denn so heißt eS: „Der Ewige verleiht feinem Volke Macht, der Ewige segnet sein Volk mit Frieden". Ja, sie ist eine Macht, die Thora Israels, eine geistige Macht, die die Menschen gewinnt durch die Wahrheit ihrer Lehre, die sie heran zieht mit Banden der Liebe, die sie mit einander versöhnt und verbindet und ihnen alle Segnungen des Lebens gewährleistet „denn ihre Wege sind Wege der Anmuth rmd alle ihre Pfade voll des Friedens". Das ist die Thora, die uns vor Jahrtausenden offenbart wurde und die wir getragen haben durch die Flucht der Zeiten. So lasset uns sie cnlch fürder Hochhalten, auf daß sie in uns und durch uns mächtig werde; auf daß sie uns das Leben verkläre und durch unser Beispiel über uns hinaus wirke, anerkannt iverde auf den Thronen der Könige, in den Versammlungen der Gesetzgeber, in den Hallen der Wissenschaft; auf daß sie zum Heile und zum Segen werde für alle Geschlechter der Erde! Entstehung und Bedeutung des Antisemitismus in Hessen. Von De. I. Rülf in Memel. Hessen wird für den Reichstag die einzigen, und nicht mehr nur den einzigen Böckel aus Marburg, sondern sogar vier Antisemiten stellen. Das ist, sagt Mancher, doch eine gar merkwürdige, höchst bedenkliche Erscheinung, welche doch wohl auch in der Gesinnungs- und Handlungsweise der hessischen Juden Grund und Ursache haben müsse. Ich kann mir nicht denken, daß an einer solch auffälligen, gravirendcn, die Judenfeindschaft beweisenden, höchst bedauerlichen Thatsache die Juden ganz ohne Schuld sein sollte». Gemach, niein lieber Leser, erst höre, dann urtheile! Schreiber dieses ist in der unmittelbaren Nähe Marburgs geboren und ausgewachsen, kennt seine Glaubensgenossen in dortiger Gegend, kennt Land und Leute sehr genau, hat als junger Student seine erste, gerade der Bekämpfung der Judengegncrschaft geltende Schrift geschrieben („Zur Vertheidigung der Juden; mit besonderer Rücksicht auf ihre Stellring rmd Beaufsichtigung in Hessen") rmd getraut sich zu, die Sache in zutreffender Werse, ohne Voreingenommenheit, Niemandern zu Lieb und Niemandein zu Leid, darstellen zu können. Die Juden in Hessen sind nicht besser rmd nicht schlechter, als sonstwo in Deutschland; sie haben alle Vorzüge und alle Fehler ihres Stammes und nebenbei, gerade wie überall, auch die Fehler und Vorzüge der Bevölkerung, unter welcher sic leben. Jedes Land hat die Juden, welche es verdient, oder tvie der hessische Jude zu sagen pflegt, „wie sich's christelt, so jüdelt sich's". Der schwere Druck und die hirnrnelschreieirde Mißregieruug, unter welcher die Bevölkerung Hessens vor dem Jahre 1806 schmachtete, ist weltberüchtigt geworden; am meisten hatten darunter die Juden zu leiden. Diese waren zwar schon seit dein Jahre 1831 emanzipirt, d. h. auf dem Papier. Sie hatterr sich diese papierrre Emanzipation durch eine große Sunmre unter sich aufgebrachten Geldes erkauft; allein nach arißen hin blieb diese völlig wirkungslos. Die Juden erhielten vor wie nach keine Anstellung im Staatsdienste und blieben vor wie rrach der Polizeiwillkür und, was noch schlimmer war, der Willkür der Amtsbehörden überlassen. Eine Konzession zu einem Geschäftsbetriebe, ein Heirathskousens war nur mit schwerer Mühe und schwerem Gelde zu erlangen, oftmals aber waren alle dergleichen Aiistrengrurgcn vergeblich. Ich kannte einen vermögenden Nimm, der viele Jahre hindurch ein Manufakturgeschäft ohne Konzession betrieb rmd schließlich durch gehäufte Strafen gezwurrgen wurde, sein Geschäft zu schließerr und auszuwandern. Ich kannte einen hochgebildeten Mann, einen bekannten jiidischen Schriftsteller, der 23 Jahre verlobt war, ehe er den Heirathskousens erwirkte. Endlich war er so glücklich, die Heirathserlaubniß zu erlangen, genoß aber das eheliche Glück nur

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