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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-05-16 · Heft 18 (16.5.1890) · p. Seite 251

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 18 (16.5.1890)
Date
1890-05-16
Page
Seite 251 (sequence 3)
Language
German
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zur Wahd hr, Söhn, unter um lntisemiti*- )t an da, wehe bei, es sei luif ■int, wenn salbung» nengt uni D Rohhei» die Kneift > harrend, er, sv buf; im Kreiß rgl. Tieweiß wir' eiligen sich >, wohne» gen ihnen zu baue,» eizutrage», mtssteucr» t ein Pol! In keinen, »ran eine» ,s Schöne, iebt es bei ier sich i» ch könnte» chkeiten ie ft fest am es an Be reicht und k enorme» »beschulen, stymnasiei,? den 3» >ig zeige»' Kaum l)»i das Lebe» ldrverk, im >en jüdisch alten nvrt, ige können ankommen weiß num en nicht i» Aber nun vahr! In Wer rvenn rte komn», fl" re. hließen sie it Messer» echen, kein ., Protze,» kes: Rabl» -- 2: thui», vorn Bordrängen der Juden u. s. w. Am schlimmsten freilich ist es, wenn die jüdische Jugend in so enormen Prozentsätzen die Schulanstalten besetzt; gern glauben wir, daß den bekannten Agitator gegen die Juden bei der Nachricht, daß ein hiesiges Gymnasium neun Abiturienten — sämmtlich Juden — gehabt, und daß überhaupt in der: oberen Klassen die Mehrzahl aus Juden besteht, eine Gänsehaut überlief. Vox fancilnis haesit. Da und in den von jüdischen Schülerinnen überfüllten höheren Töchterschulen marschiren „pädagogische Gründe" auf; man schreibt über „Entchristlichung der Schulen" und dergleichen. Es hat ja gar nicht in unserer Absicht gelegen, eine Apologie der Juden zu schreiben; leiden die Juden an spezifisch ihnen anhangenden Fehlern, so werden die Verständigeren wohlgemeinte Rathschläge dankbar entgegennehmen. Nur verschone man uns, wenn man vom Judenthum sprechen will, mit den t'adles convenues vom „Gott der Rache", von der „Sklaverei der Weiber", von der „Intoleranz der Juden" und derartigen Märchen, die leider hier und da in Folge der Unwissenheit selbst von Juden gläubig entgegengenommen werben. Man gebe und man lasse uns die mit Begierde gesuchte Gelegenheit, uns als treue Bürger des Staates zu beweisen und uns dem Vaterlande, je nach unseren Kräften, nützlich zu machen.? Wochenschau. Von Gustav Karpeles. Berlin, l2. Mai. „Auf meiner Warte steheich!" So ruft der atthebräische Prophet, indem er Umschau hält im Kreise der Völker und die Gefahren schildert, die Israel bedrohen. Auch der moderne Zeitungsschreiber, der, so er leine Aufgabe in hohem und ethischein Sinne erfaßt, wohl als ein bescheidener Nachfolger jener großen Volksvertreter gleiche Aufgaben und gleiche Ziele verfolgt, muß auf seiner Warte stehen und Umschau! lialten über die Stellung des Judenthums in allen Landen der l ckulturwelt, über Israels Leiden und Freude», über die Arbeit im i Dienste der Gleichberechtigung und die Kulturmission zur Verbreitung!'cr Humanität. Unsere Wochenschau soll diesem Zweck fortan gewidmet sein. Von mein möglichst objektiven Standpunkt aus, und von einer höher» Warte als von der Zinne irgend einer religiösen oder poli- ,schen Partei soll sie die Vorgänge der Woche, soweit sie in den , »'reis der Aufgaben dieses Blattes fallen, besprechen. Freilich, diese Objektivität innezühalten, wird nicht immer leicht 'ein. Schon beim ersten Versuch stocke ich. Wie ist es möglich, über die letzte vom Grafen Pfeil angeregte Herrenhansdebatte objektiv;a sprechen? Gleichwohl, der Versuch soll gemacht werden. Vorher »doch will ich kurzweg bemerken, daß die „Allgemeine Zeitung des .mdenthums" ein für alle Mal darauf verzichtet, die verschiedenen | Lammerdebatten über die sogenannte „Jndenfrage" im stenographischen Wortlaut oder auch nur im Auszug zu bringen. Die Redaktion ist der Meinung, daß alle Leser diese Debatten bereits zur Genüge aus den Tagesblüttern kennen, und daß es ihr nur obliegt, vom Standpunkte des Judenthums aus dieselben zu beleuchten, im Uebrigen aber ihre Spalten mit nützlicheren und darum jedenfalls auch erueulicheren Dingen zu füllen. Was nun die Herrenhausdebatte über den Antrag des Grafen Pseil vom 8. Mai betrifft, sv scheint sie wirklich nur den einen Zweck verfolgt zu haben, damit doch auch das preußische Herrenhaus «eine Judendebatte habe und nicht hinter allen anderen Kammern mrückstehe. Seit den Tagen des Grafen Brühl und seinem geflügelten >1 - Wort von „Krämern, Juden und Postschreibern" hat ja das Herrenhaus keine ordentliche Debatte über die Juden geführt. Nun ist auch das geschehen — an einen praktischen Erfolg seines Antrags hat wohl weder Graf Pfeil noch einer seiner Freunde, die für denselben eingetreten, je geglaubt. Aber auch nicht einmal besonders bemerkenswerthe Gesichtspunkte bot die Debatte. Weder Graf Pfeil, noch Herr v. Kleist-Retzow, unser alter Gönner, oder Graf Schulenburg wußten etwas Neues oder auch nur etwas halbwegs Sachliches für die von ihnen behailptete Thatsache vorzubringen, daß der Unterricht in den preußischen Schulen durch die Rücksichtnahme auf die zahlreichen jüdischen Schüler gefährdet werde. Im Ernst haben sie wohl selbst niemals an diese Thatsache geglaubt; sie hätten sicher sonst einen schärsern Ton angeschlagen. Sie wollten wahrscheinlich nur die „Erwägungen" des Herrn Kultusministers in der jüngsten Judendebatte des Abgeordnetenhauses fruktifiziren. Zum Glück ist ihnen dies nicht gelungen. In männlich offener, entschiedener Weise hat Herr v. Goßler erklärt, daß der Antrag thatsächlich unausführbar und daß vielmehr dem gemeinsamen Ziele der Entwickelung des Vaterlandes gegenüber A l l e ohne Unterschied der Konfession sich willig die Hand reichen müßten. Das sind schöne, wahrhaft humane Worte, für die wir dem — Grafen Pfeil zu herzlichem Danke verpflichtet sind; denn er hat sie ja provozirt. Daß er diese Aufforderung zum konfessionellen Frieden, die auch Miguel und Bötticher stellten, mit den stolzen Worten zurückwies: „Eine enteilte tordiale mit den Juden ist doch nicht möglich", wundert »ns nicht und schmerzt uns auch nicht. So wie Graf Pfeil denken ja doch nicht einmal alle seine sonstigen Gesinnungsgenossen, und ein geistreicher politischer Kops hat mit berechtigter Ironie gefragt: „Hat nicht erst kürzlich ein anderer Graf Pfeil es mit seiner Würde vereinbar gehalten, eine solche eutente eordiale zu schließen?" Daß das Herrenhaus den Antrag mit erdrückender Minorität angenommen, ist bekannt. Für uns aber bleibt es immer höchst erfreulich, wenn ein Graf Moltke für uns und ein Graf Pfeil gegen uns ist! Das ist nächst der Rede des Kultusministers, auf deren sachliche Bedeutung wir übrigens noch einmal znrückkommen werden, das einzige günstige Resultat der Herrenhausdebatte. Im Uebrigen bot die Woche wenig Neues und noch weniger Erfreuliches. In Oesterreich wird noch immer über die edle Stiftung des Baron Hirsch im Betrage von 12 Millionen Gulden unterhandelt, ohne daß man sich über die Modalitäten einigen kann. In Rußt a n d bringt jeder Tag neue Gesetze gegen und neue Beschränkungen für die Juden. Aber alle diese Gesetze entspringen aus weiser Fürsorge für deren zeitiges und ewiges Wohl. Wer das nicht glaubt, den mache ich auf das Reskript des Polizeipräsidenten einer der größten russischen Städte aufmerksam, in welchem auf das Strengste anbefohlen wird, daß ja in sämmtlichen „Eheders" (wörtlich) Ventilatoren angebracht, daß beileibe nicht die Wände der Lehrzimmer mit gesundheitsschädlichen Farben tapezirt oder bemalt werden dürfen! In dem russischen Chedarim wird also fortan eine gute und frische Luft herrschen und die angeborene Farbe der Entschließung auch in Zukunft nicht durch des Gedankens Blässe angekränkelt werden! Die Convertiten des Zudenthums. Von Rabbiner Dr. G. Deutsch in Brüx. IV. Ein merkwürdiger Gegensatz in dem Verhalten der Kirche gegenüber dem Judenthum ist die Feindseligkeit gegenüber dem jüdischen Bekenntniß und den gläubigen Juden einerseits, und der große Jubel über die Bekehrung eines Juden, sowie die völlige Gleichstellung des

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