Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 18 (16.5.1890)
- Date
- 1890-05-16
- Page
- Seite 250 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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250 - fürchten vor dem Grimme des Drängers, wenn er es darauf anlegt, dich zu verderben!" (Jesaia 51, 52). Böse Zeiten müssen es gewesen sein, die den Psalmendichter (Ps. 124) veranlassen konnten, zn sagen: „Wäre nicht Gott mit uns gewesen, spreche Israel; wäre nicht. Gott mit uns gewesen, da Menschen sich wider uns erhoben, wahrlich, lebendig hätten sie uns verschlungen, da ihr Zorn wider uns entbrannte; wahrlich, es hätte sich über uns der Strom des Ilebermnthes ergossen. Gelobt sei Gott, der un§ nicht ihren Zähnen zum Raub werden ließ." Und mindestens ein halbes Jahrtausend später konnte die noch hellte zlim Andenken an die Befreiling aus Aegypten bei den Juden geltende Gebetformel festgestellt werden: „Gottes Verheißung hat sich an unseren Vätern und uns bewährt, denn in jeder Zeit standen sie gegen uns auf, uns zu vernichten; aber Gott rettete uns aus ihrer Hand." Und so hat sich deilli auch die Wahrheit des Spruches ans Kohelet, deil wir zuin Motto dieses unseres Aufsatzes gewählt: „Was gewesen ist, wird sein, lind was geschehen ist, dasselbe wird geschehen lind nichts Neues giebt es unter der Sonne" auch auf dem Gebiete des Antisemitismus bestätigt, llild lver die leidige Aufgabe iibertiommen, dem will die erainde recocta nicht recht Zusagen. Was in den persischen Zeiten Ha man, das hieß in den griechischen Zeiten Apion; Beide verdanken ihre historische Existenz den Juden; ohne die Erzählung von Esther und Mordechai wüßte inan nichts von Haman; ohne die Widerlegung des JosephuS wäre von Apion wenig mehr als der Name geblieben. Dabei muß man — um gerecht zu sein —- es anerkennen, daß für Apion der Antisemitismus größere Schwierigkeiten darbot, als für die modernen Judenfeinde. Apion konnte noch nicht ans den Talmud schimpfeli; denn es gab noch keinen Talmud; er konnte noch nicht den Eisenmenger ausschreibeu; es gab ja noch keinen Eiseilinenger. Aber eigeuthümliche Vorstellungen hatten damals schon die Inden, lvie man aus der griechischen Uebersetzung der heiligen Schrift wußte. Da stand z. B. als eine der Grundlehren „Tu sollst nicht stehlen", und ein Cicero konnte sich nicht genug ivundern, daß Po mp ejus, als er nach Eroberung Jerusalems den Tempel betrat, von den Schützen desselben sich nichts aneignete. Man weiß, wie viel Schönes und Herrliches aus der klassischen Kultur mit dem Eindringen nordischer Barbaren verschüttet worden; aber der Antisemitismus blühte lustig weiter. Bischöfe, wie Ambrosius von Mailand und Cyrillus von Alexandrien, betrachteten Beraubung und Zerstörung von Synagogen als verdienstliche Werke, und die westgothischen Konzilien ächteten das Judenthum; der Bischof Agobard von Lyon (um 800) konnte sein Christenthum nicht mit den Rechten von Nichtchristen im Einklang bringen; die glaubenswüthigen Dominikaner überlieferten ihre Lehre im östlichen Deutschland an Capistran, im westlichen an Pfefferkorn; diese überlieferten sie an Eisenmenger und Eisenmenger überlieferte sie an Rohling und Stöcker: „Was gewesen ist, wird sein, und was geschehen ist, dasselbe wird geschehen." Will man noch fragen: „Was ist zu thun?" Frage man doch, was ist nicht schon gethan worden? „Wären alle Meere Tinte, alles Schilf Schreibrohre u. s. w., sie würden nicht ansreichen u. s. w.')" Wer wollte alle Schriften aufzählen, die wider und die für Juden geschrieben worden? Wie oft ist bewiesen worden, daß ein Staat, i» welchem allen Bekenntnissen gleiche Rechte zngesprochen werden, zu Grunde gehen müsse? „Getretener Quark wird breit, nicht stark." — Glücklicher Weise fehlt es nicht an erleuchteten Staatsmännern und thatkräftigen Herrschern, denen Wahrheit und Recht die Zielpunkte ihres erhabenen Strebens bilden. Sie sind die irdischen Werkzeuge, deren sich die über Israel wachende Vorsehung bedient, und welche das am Schlüsse der prophetischen Zeit gesprochene Wort zur Wahr heit machen: „Ich, der Ewige, ändere mich nicht, und ihr, Söh»? Jakobs geht nicht unter" (Maleachi 3, 6). Und es sollte unter unverständige Männer geben, welche glauben, daß man den Antisemitismus mit Gründen widerlegen könne? Sollte man nicht an de» alten Spruchs) denken: „Füllt der Krug auf den Krug, wehe de,» Kruge; fällt der Stein auf den Krug, wehe dem Kruge; es sei tuie es wolle, immer ist wehe dem Kruge." Wie wäre es denn, wenn ein moderner Hanian sich hinstellen und mit dem obligaten salbungsvollen Tonfall predigen wollte: Es giebt ein Volk, zersprengt uni zerstreut in allen Landschaften, versunken in Völlerei und Rohheii. Ein solcher Mensch trägt den kargen Erwerb der Woche in die Kneipt und vertrinkt ihn, traktirt seine auf das Wirthschaftsgeld harrend? Frau mit Schlägen, vernachlässigt die Erziehung der Kinder, so bui; die Hälfte vor Vollendung des ersten Lebensjahres stirbt, ist im Kreiß seiner Genoffen stets aufs Mefferstecheu vorbereitet und dergl. Diejenigen unter ihnen, die einen höheren Besitz sich — wer weiß wie' — errungen, sind von einem schmutzigen Geiz erfüllt, betheiligen sich an keinem wohlthütigcn oder gemeinnützigen Unternehmen, wohne» in abgelegenen, öden Straßen, wahrend doch ihr Vermögen ihnen erlaubt, sich in den schönsten Stadttheilen elegante Häuser zu baue», und dadurch ebenso wohl zur Verschönerung der Stadt beizutragc», als auch einen entsprechenden Theil der städtischen und Staatssteucr» auf sich zu nehmen «. s. w. — Ein anderes Mal: Es giebt ein Voll u. s. w., das keinen Sinn für Kunst und Schönheit hat. In keinen: Theater, in keinem Konzert, in keinem Kunstsalon sieht man eins» Juden; denn sie sind zu geizig und zu gefühllos für das Schöne Tiners, Soupers, Bälle, Festlichkeiten und Gesellschaften giebt es bei den Juden nicht, und doch könnten Gelehrte und Künstler sich in solchen opulenten Kreisen nach Behaglichkeit bewegen; und doch könnte» so viele Handwerker und Kaufleute von derartigen Festlichkeiten in manche schöne Einnahme haben. Aber der reiche Jude sitzt fest mit seinem Geldtasten und läßt dem fleißigen Arbeiter, dem es an Beschäftigung fehlt, nichts zukommen. Und nun gar Unterricht und Bildung! Da hat nun die Stadt und da hat der Staat mit enormen Kosten Lehranstalten mannigfachster Art geschaffen, Geineindeschule», Bürgerschulen Gewerbeschulen, Handelsschulen, Realschulen, Gymnasien n. s. nt., und Allen, auch den Inden, in liberalster Weise den Zn gang gestattet. Ob wohl die Juden sich dieser Freiheit würdig zeige»' ob ihre Kinder diese Anstalten bevölkern? Weit gefehlt! Kaum Hai das jüdische Kind sich die knappsten Kenntnisse, die es für das Leben braucht, erworben, so wird es in der Wirthschaft, im Handwerk, i:» Geschäft gebraucht; die oberen Klaffen stehen leer; mögen den jiidisä: Einjährig-Freiwilligen oder überhaupt den Offizier-Aspiranten mnli so glänzende Aussichten eröffnet werden, die jüdischen Jünglinge könne:: das erforderliche Maß von Kenntnissen — auf die allein es doch ankomme» kann — nicht erwerben. Und wo jüdische Schüler sind, da weiß ma», daß man dumme, faule, schnmtzige Schüler hat, deren Exerzitien nicht;» korrigiren sind, die nicht von der Stelle rücken u. s. w. — Aber nun genug, höre ich meine Leser sagen, das ist ja doch Alles nicht wahr! I» der That ist es nicht wahr, ja das Gegentheil ist wahr. Aber wenn | man glaubt, daß diese Wahrnehmung den Juden zu Gute kom»», so ist man un Jrrthum. „Füllt der Stein auf den Krug" re.! Wenn die Inden nicht in den Kneipen umherliegen, so „schließe» »>' | sich ab"; wenn sie nicht mit Revolvern schießen und mit Messer» i stechen, so ist das Zaghaftigkeit; sie „können kein Pulver riechen, kci» j Blut sehen". Man spricht von Großmannssucht, Prahlerei, Protze:» ') Midrasch Esther 94a (o»I. Amst.) z» 4, 6. Vgl. Dukes: Rat>ft Blumenlese S. 216. thum, ist es, Schuld gegen i Abitur! ven ob' überlief Schulet gische E und de Eder Ju hangen schlüge vom Jt der Ra der IC der Uni iUan g uns ab lande, mbeiii < die Jsr teilte A bescheid und gl: halten Kultur! Dienste "er Hu Ul 'Niem Warte tischen tkreis 1 Fr 'ein. § die letzt in spre »'doch i oiident Kamme Wvrtla der Mei den Ta vnnkte aber ih treulich: W Pfeil > Zweck i 'eine I Ul ruckst: ilHL ') Sabbat 11a.