Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 17 (9.5.1890)
- Date
- 1890-05-09
- Page
- Seite 248 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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248 Kleide». Ein Ilusdruck der Höflichkeit bestand auch in Geschenken. Es flitlt als eine Unhöflichkeit, einen Besuch zu machen, ohne Geschenke iiiitznbrinpen. Sehr großen Werth legte man auf die Geschenke, die man an Freuden- und Festtagen den Armen reichte. Sie hatten nicht nur den Zweck, Noth und Elend zu lindern, sie sollten auch den Empfänger auf die Stufe des Gebers erheben. Man beschenkte den Armen und deutete ihm dadurch an, daß man ihn als ebenbürtig betrachte. Nach dem Gesagten ist cs ivohl überflüssig zu bemerken, daß Anstand und Höflichkeit bei den Hebräern nicht etwa als eine „Scheidemünze" betrachtet wurde, wie Kant die Höflichkeit nennt und dabei bemerkt: „Ein Kind ist, wer sie für echtes Gold nimmt." Noch weniger wurde die Höflichkeit bei den Hebräern von dem Gesichtspunkte ans betrachtet, von dem aus Schopenhauer sie betrachtet, der da sagt: „Höflichkeit ist wie die Rechenpfennige eine offenkundig falsche Münze; mit einer solchen sparsam zu sein, beweist Unverstand, dagegen Freigebigkeit mit ihr vcrräth Beistand." Am allerwenigsten aber war die Höflichkeit den Hebräern das, >vas ein moderner Schriftsteller in ihr findet: „eine Blaste, die ein Feder trägt, um so lange als möglich den Andern in Ungewißheit zu lassen, wer er sei." Nein! Anstand und Höflichkeit waren bei den Hebräern echte Bolkstngenden, hervorgneilend ans dem lauter» Born der Bruderliebe, die einen jeden Blenschen als Ebenbild Gottes betrachtet und die keinen heiligeren Gottesdienst kennt als — den Liebesdienst, den lvir uns gegenseitig erweisen. 9 west-östliche Poesien. »ou Sam uel drifte Her. »in* du erringst mit Jugendkraft, Tet* bleibt wie Schrift in Erz getrieben. Doch was dn spät im Alter lernst, »erfliegt wie Schrift in Sand geschrieben. Gabirol, Mibehar Peninitn. $ Du fragst, wie diese Welt des Lichts So herrlich einst geschaffen ward? Es hat am Anfang sich im Nichts Der Herr aus Liebe offenbart. I'.silni <SO, :i ii. Dschclalcddin Kiuui: Musnewi. Fünf Stufen hast du zu ersteigen, Willst du als Weiser dich bewähren: Zuerst, o Schüler, lerne schweigen, Zum Zweiten lern' verständig hören, Mach' drittens Wissen dir zu eigen, Dann mußt du weis' im Thun dich zeigen Und fünftens endlich Weisheit lehren. — Nun geh' und bring die fünf zu Ehren. (iabiml Mibchur Peninim. ¥ Wer menschenscheu das Leben flicht Und einsam seines Weges zieht, Wer stille Nacht in Tag verkehrt, Mit eitlem Wahn sein Herz bethört, Berdrießlich seine Pflicht nur übt, llnd ungeliebt auch Keinen liebt: Wie elend kommt uns Solcher vor! Ob auch gelehrt — er ist ein Thor, Ob noch so reich — er ist doch arm, Er führt ein Leben — daß Gott erbarm'! l’ii-ke Almtli III U Litterarische MittheUungen. # Allgemeine Geschichteder Litteratur von ihren Anfängen bis auf die Gegenwart. Bon Gustav Karpeles. Mit Illustrationen und Porträts. Zwei Bände. In 12 Abtheilungen ü 2 Mt. (Berlin, G. Grote'sche Verlagsbuchhandlung.) „Der Besitz einer den Ansprüchen der Jetztzeit angemessen angelegten, alle Völker und alle Zeiten umfassenden „Allgemeinen Geschichte der Litteratur" ist heutzutage unentbehrlich für den Gebildeten, welchen so vielerlei neue Beziehungen dazu drängen, seine Kenntnisse zu erweitern und den geistigen Blick auch in fernere Litteraturgebiete zu werfen". Je allgemeinere Zustimmung diese Worte, mit welchen der Prospekt einleitet, finden werden, um so auffälliger und fühlbarer wird die Lücke, welche durch den Mangel einer für den gebildeten Laien berechneten Geschichte der Weltlitteratur gebildet ist, um so dankbarer begrüßen wir es. daß ein so gelehrter und geschmackvoller Schriftsteller, wie Gustav K arp eles, sich der umfassenden Aufgabe unterzogen hat, solches Werk zu schreiben. Die erste der zwölf Abtheilungen liegt nun vor schon dieser kleine Bruchtheil des Gesammtwerkes rechtfertigt das Urtheil, daß Verfasser und Verleger die Erwartungen des Publikums nach jeder Richtung hin zu befriedigen vermögen. G u st a v K a r p e l e s ist unfern Lesern aus früheren Schriften so bekannt und steht so hoch in ihrer gerechten Gunst, daß wir uns des Lobes über seine kunstreiche Darstellung, an welche in diesem Werke die schwierigen Anforderungen der Kürze, der Klarheit und der Eleganz zu gleicher Zeit gestellt werden, füglich enthalten können. Doch mit gleichem Antheil trügt die überaus prächtige Ausstattung dazu bei, das Buch zweckentsprechend zu gestalten. Die reichlich beigegebenen Illustrationen und Tafeln sind von vorzüglicher Klarheit und Schärfe. Der vorliegende Theil des Werkes hat für uns insofern noch ein besonderes Interesse, als er, die Litteratnrgeschichte des Orients enthaltend, auch die Litt er atur der Hebräer behandelt, und so zum ersten Male dem jüdischen Schriftthum von den biblischen Zeiten bis her zu Hartwig Wessely seine Stellung innerhalb der Weltlitteratur anweist. Daß Karpeles, der Verfasser der zweibändigen Geschichte der jüdischen Litteratur, es verstanden hat, diese umfassende Litteratur in einem Kabinetstückchen von nur 25 Seiten vorzuführen, ist der bündigste Beweis für unsere obigen Behauptungen. Und nun noch einmal die Aus stattung! Das Lesepublikum dieser Zeitung wird gern ein Verzeichniß deri jenigen Illustrationsbeigaben hören, mit welchen der geschilderte Theil der | „Allgemeinen Geschichte der Litteratur" ausgestattet ist. Es sind folgende:! 1. Eine Seite (Hosea 14, 3 — Joel 1, 0) der ältesten in Europa! befindlichen Bibelhandschrift: Petersburger Propheten-Kodex vom Jahre 916 u. Ehr. mit babylonischer Punktation. Verkleinertes Faesimile. 2. Der Stein mit der Inschrift des Moabiterkönigs Mesa. 3. Eine Seite ans dem sogen. Reuchlin'schen Propheten-Kodex vom Jahre 1105 n. Ehr. 4. Faesimile einer Spalte aus der ältesten hebräischen Bibelhandschrift! in Norddeutschland (Inhalt Jesaias 1. 1, 10—27). 5. Jerusalemer Tempelstele. 6. Faesimile einer Seite aus dem Talmud (Megilla 1 a). 7. Faesimile einer Seite aus einer Handschrift des Tachkemoni von Jehuda Charisi. 8. Das sogen. Grab Davids auf dem Berge Zion. Nach dem Gesagten haben wir wohl kaum noch nöthig, unseren Lesern! die Anschaffung des Karpeles'schen Werkes zu empfehlen. Die „Hoffnung" des Prospektes, daß das Werk „im Bücherschränke eines jeden Litteratnrfreundes Aufnahme finden werde", deckt sich mit unserer Hoffnung, und sie wird zur Gewißheit werden bei Jedem, der sich die angenehme Mühe macht, einen Blick in das Buch zu werfen. B. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.