Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-05-09 · Heft 17 (9.5.1890) · p. Seite 242

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 17 (9.5.1890)
Date
1890-05-09
Page
Seite 242 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/3224737-3227825-3227843--47035-3268533
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

0 242 Statt der Orden waren Ehrensessel'), Ehrenwagen-) Ehrenkleider Mode. Auch gab es eine Amtstracht. Der Rock und Gürtel nvohl von besonderem Stoff und Schnitt) bezeichnen den Vezier. Ob „der Schlüssel aus der Schulter"3) nur eine Redewendung ist oder aus eine Uniform hindeutet, welche der unserer Kammerherren ähnlich ist, wage ich nicht zu entscheiden. Tie vornehmen Familien hatten Erbbegräbnisse. Als vermessener Ehrgeiz gilt es, das; der Majordomus Schewna das seine bei den Königsgräbern aushauen lassen will. Ebenso drückt es die Belohnung seiner Berdienste um das Königshaus aus, daß der lübrigens der! herrschenden Familie verschwägerte) Hohepriester Jojada im Grabe! der Könige bcigesctzt wird. j Die geringen Leute wurden auf denn Friedhof des Volks'), der! nicht sehr in Ehren stand, zur letzten Ruhestätte gebracht. s Die Geschichtsquellen bestätigen also die logische Folgerung: Ein > Volk, welches den Familienkreis") als Grundlage und die erbliche Monarchie als Krönung seiner Gliederung anniinint, in dessen unterster Schicht eine Sklavenmasse hin- und herwogt, in die zwar kein Freigeborener auf die Dauer hinabsteigt, aus der jedoch nn-! unterbrochen Freigelassene in die niederen Kreise der Freien aufj steigen, ein solches Volk scheidet und sondert sich auch weiter je nach > Rang, Stufe, Stellung und Ansehen; wenn auch der Zugang in die! höheren Schichten den Verdienten und den Günstlingen der Herrscher stets offen steht. Reichthum allein erhob auf keine höhere Gesellschaftsstnfe. Dagegen gehörte Besitz ebenso wie Bildung und Wissen zu den nothwcndigen Kennzeichen der Vornehmen. Setzt doch der Prophet Jeremias") die Großen, welche den Weg Gottes wissen, den unwissenden Niedern (D’^l) entgegen. Deshalb erhielt „p*7" den Begriff „arm" und „pjfp" „der Vornehme"') die Bedeutung „reich". Gleichbedeutend, vielleicht mit feinen Unterschieden, sind „Nagid" „N'ediw" „Sar" und „Rösch""3). Den gewöhnlichen Freien und dem niederen 'Adel (ein) scheinen diese Benennungen nicht zngestandeu zu haben, sondern erst den E”pi „den Rathsverwandten", den Senatoren, über welchen die pixn ^xs) „die Mächtigen des Landes", der hohe Adel stand, welcher „das Gesicht des Königs sah", d. h. hoffähig war. Auch der Bürgerstand gliederte sich in Patrizier und Plebejer, aber nicht in Geschlechter und Zünfte, denn der Kaufmann war nicht geachtet: Ackerbau und Handwerk wurden allein geehrt. Unter ihnen sind hochangesehen Aerzte, Schmiede, Waffenverfertiger, j Baumeister, Siegelstecher, Stcinhauer und Söffer9). In den Rath! der Stadt lies; nun; jedoch nur die Gutsbesitzer, die Zeit hatten, sich! um öffentliche Angelegenheiten zu kümmern, und deren Unterricht! daraufhin angelegt gewesen ist. Bürgerliche Familiennamen wurden s von der Beschäftigung, die in der Familie, wenn möglich, forterbte,! hergenommcn, so nennt Nehemia'9) „Goldschmidt" (Fp2£), „Apotheker j oder Salbcnmischcr" (TD")). ') Psalm 113. Sirach, 7 1. Jcsaias 22. s) D1TI "OS 12p H- Könige 23. 7. “) Vergl. Psalm 75. 6) Jeremia 5. 6) Josna 10, 24. nanPEH ‘’t’SK ’j’ltp/ Micha 3 werden die C’j’lJp de» ^pj,'1 ’vTSI gleichgestellt. Atischle 6 spricht davon, daß die Ameise keinen p^p hat. 7) Cbronik nennt den Hohenpriester flpx^ Psalm 113 (2'13); II. König 10 ist iv|j der König; Mischle 8, 15 (17). b) Psalm 2!). II. Könige 24. *) II Könige 12. Sirach 38. Nehemia 3. Während in Inda die Prinzen des Königshauses den Kreis der hochadligen, fürstlichen Familien, denen die Anrede 1V (Fürst) gebührte, immer mehr vergrößerten') und die Priester mit den Königen sich verschwägerten, waren es in Israel die Königsmörder und die Königsmacher, welche dem hohen Adel stets neue Elemente zuführten. Diese begnügten sich nicht mit Titeln, sondern strebten nach dem Besitze der Macht und würdigten schließlich die Könige zu ihren willenlosen Werkzeugen herab. Von der Macht der „Hausmeier" haben wir schon gesprochen. Statt aller sonstigen Belege sei allein der drastischste angeführt. Jeremias') spricht: Höret das Wort Gottes, Könige Juda's. — Er spricht dies in dem Stadtthore, durch welchcs diese Könige ein- und ansgehen. Auch die Namen dieser Fürsten nennt er, welchen der letzte König von Juda zuruft: „Tenn der König vermag nichts gegen euch." Auch damals schon erklang das Lied voin König absolut, so lang' er uns den Willen thut. Auch damals schon geberbeten sich die Vornehmen, die mit Reichthum und Mach; Ausgerüsteten ganz ebenso, wie die üppige jeuuesse doree aller Zeiten3). Auch damals schon waren die Vornehmen die Ersten, die von der Lust erfaßt wurden, die Sitten fremder Völker nachzuahmcn: den» Zephanja') verkündet die Ahndung Gottes den Fürsten und Prinzen und Allen, welche fremdländische Gewänder anziehen. Die beiden Reiche zerfielen. Die fremden Sieger hatten den Adligen die geziemende Achtung damit gezollt, daß sie die Vornehmsten zuerst außer Landes bringen ließen. Tie waren hinweggegangen als Gefangene, die Höflinge, die Fürsten Judas und Jerusalems, welchc Daniel3) die Königssprossen und die „Herzöge" nennt. Die Bedingungen für das Bestehen des Adels waren durchweg ver nichtet. Die Civilliste der Prinzen war versiegt, die Aemter aufge hoben, die Paläste zerstört, die Aecker wüst und vom Feinde in Besitz genommen. Fiir Biele vollzog sich daher eine Wandlung, wie sic in den phönizischen Städten schon längst eingebürgert war, deren „Händler Fürsten", deren „Kaufleute Gelehrte des Landes" waren.") Ter Prophet Ezechiel') klagt darüber, daß das höchste Reis der Cedcr abgebrochen und in ein Krämerland, in eine Stadt der Händler ver setzt worden ist; daß aus der Saat des Landes ein rankender Wein stock niedrigen Wuchses hervorgcgangenist. Tie Edelleute wurden in Babhlonien zu Kaufleuten. Doch fünfzig Jahre bedeuten nicht viel im Leben eines Volkes, und als im Jahre 536 v. ein Theil der Verbannten heinikehrte, war der Adel noch nicht ganz entwurzelt. In späterer Zeit") stritt man darüber, ob.„feines Mehl" oder „Auswurf" Q-lPüE IX iPD) damal-- zurückgekehrt wäre. Und, je nachdem, Beides ist richtig. Die sich in die neue Ordnung der Tinge nicht schicke» mochten, die Vornehmen, welchc nicht Kaufleutc werden wollten, eilten zurück zu den heimischen Gefilden. Diese Vornehmen waren eben durch ihr Verhalten die Aernieren geworden; in Babylonien aber erwuchs der neue Geldadel! Für die Fortdauer vornehmer Geschlechter mit dem Range mw dem Titel berühmter Vorfahren giebt die Aufzählung der Heiinkeli renden sattsamc Belege. Ihnen stellen wir nur noch einige ältere Angaben voran: ') Wie sie ansgestattet wurden mit liegendem und beweglichem Be sitze, zeigt II. Chronik 22. 2) Jeremia 17 und 33. 3) Amos 4, 1 und 6, 4—0. Äoheleth 10 *) Zephanja 1. 5) Daniel 1. 6) Jesaias 23. 7) Ezechiel 17. *) Talmud babli Kidduschin 71 d. T Weins Jamd« 000 v Haupt < worin David! vorneh Simeo und S die an B er ei» , Frei deuten für i» Pascha gehöre 2iren< betrieb den Ili prieftci welche mehr mutter iimn'fe leljr il T noch ii der a selbst, Das aus. vollstä T Stand der nn Kamst nimm) die den A die w war ti doch ii A wesen, lhume hielt , ietzgebl A neue mit d 2)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.