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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-05-09 · Heft 17 (9.5.1890) · p. Seite 238

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 17 (9.5.1890)
Date
1890-05-09
Page
Seite 238 (sequence 2)
Language
German
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m Oder haben wir noch eine besondere Bestimmung, sei es für uns, sei es für die Menschheit? Die Bestimmung gehört zu den „Geheimnissen" des die Weltgeschichte lenkenden Gottes (5. M. 29, 28); was uns aber durch die Propheten „geoffenbart" ist, ist einfach und schlicht die Aufgabe: Gott lieben und in seinen Wegen wandeln; und diese Aufgabe ist allen Bölkern gestellt. Das glänzende Bild, das der Prophet von der messianischen Zeit entwirft, soll uns den Lohn Vorhalten, der uns, der die Menschheit erwartet; oberes enthält keine Bestimmung. Haben »vir aber die Aufgabe, an der Berwirklichung jenes Bildes zu arbeiten — und dies ist gewiß, so gewiß, wie alle Bölker diese Aufgabe haben — so werden wir sic lediglich dadurch und ganz anspruchslos erfüllen, daß wir mit den Bölkern und innerhalb ihrer nationalen Arbeiten unsere Schuldigkeit thun. Vielleicht liegt auch hierin noch eine besondere Bestimmung, die uns aber nicht zu kümmern braucht. Hat sie wirklich bestanden, so wird sie auch „am Ende der Tage" offenbar werden. Seid gut! thnt eure Schuldigkeit für heute! und ihr werdet eure Bestimmung für die Ewigkeit erfüllt haben. Ihr, meine Glaubensgenossen, an die ich mich hier insbesondere wende, und ich, wir sind Deutsche — wir sind dies, weil uns, die wir an der deutschen Sprache zum Denken gereift sind, von deutschen Dichtern geistig genährt, von deutschen Forschern wissenschaftlich belehrt, die wir selbst unsere heilige Schrift, „das Erbtheil der Gemeinde Jakob", nur verstehen, indem wir dieselbe in deutsche Rede übersetzen, die wir, mitten inr Getriebe der deutschen Nationalarbeit stehend und initarbeitend, von deutscher Sittlichkeit zur Tugend gestärkt werden — wir sind Deutsche, weil es uns, wie nur einmal sind, unmöglich ist, nicht Deutsche zu sein. Als ich Student der Berliner Universität war, hörte ich von einem beliebten Professor (Werder) Vorlesungen über Anthropologie, und da gab er auch eine kurze Charakteristik der vorzüglichsten Völker Europa's und schließlich auch der Deutschen. Von diesen sagte er: „Tie Deutschen sind das Volk der Religion." Das hatte mich erschüttert oder vielmehr freudig durchschauert. Sind denn nicht ivir Juden das Volk der Religion? und die Deutschen sind es auch! So bin ich denn von dem „dreifachen Faden" mnwunden: Jude, Deutscher, Mensch, und der wird nicht reißen, und er soll auch nicht aufgedreht und nicht zerfasert werden. Nein, es ist kein Widerspruch zwischen Judesein und Deutschersein und Menschsein, sondern diese drei schlingen sich so in einander, daß wir das Eine nur sein können, indem wir die beiden Andern sind, und es uni so niehr sein werden, je mehr wir dieses sind. Der jüdische Deutsche kann zu den besten Deutschen zählen, und der deutsche Jude zu den besten Juden — man nenne ihn so oder so, er wird zu den besten Menschen zählen. Darum lieben wir das deutsche Vaterland und sind ihm dankbar; ivir heute können nur dann gute Juden sein, wenn wir gute Deutsche sind, können aber auch nur dann gute Deutsche sein, wenn wir gute Juden sind. Wir werden beides sein oder nicht sein mit einem Male. Jenes Wort „das auserwählte Volk" ist für uns eine geschichtliche Erinnerung von religionssittlicher Bedeutung, eine Mahnung unserer Geschichte zu idealem Streben, zur Selbstprttfung und zur Denmth; es will sagen, daß wir Deutsche von nicht deutschen Ahnen sind, daß wir aber in dem doppelten und verschmolzenen jüdischdeutschen National-Gefühl doppelte Veranlassung zur Menschlichkeit, zu jeder Art sittlicher Bethütigung finden. Neben den Propheten begeistern uns Lessing und Herder, Kant, Fichte und Schiller, Goethe und beide Humboldt, die ebenso wenig außerhalb des deutschen Volkes erstehen konnten, als die Propheten außerhalb Israels. Gerade jenes Wort soll uns fern halten von der Art von Patriotismus, welcher der Humanität widerspricht und eine Ausschließlichkeit alles Fremden fordert, wie sie nur in Ueberhebnng und Vermessenheit möglich ist, welche sich schließlich doch nur als kleinliche Eitelkeit erweist; es soll uns fern halten von demjenigen Patriotismus, der einem Gewebe gleicht, das fest und dicht genug gewebt ist, um alles Gute aus der Fremde abzuhalten, aber Maschen genug zeigt, um jeden Jrrthum, jede Unwahrheit und jedes Laster eindringen zu lassen. Wir sind Deutsche voll und ganz, nach gesetzlicher Stellung und nach Beziehung des Gemüths. Dies wird dadurch nicht verkürzt und nicht gestört, daß wir eine andere Religion haben als die weil überwiegende Mehrzahl unserer Mitbürger; wir haben eine eigene, die jüdische Religion; auch daran erinnert jenes Wort. Viclfacl, freilich hat man gemeint und meint man wohl auch noch, jedes religiöse Bekenntnis; schließe Haß und Verachtung gegen jede andere Religion in sich, und .also könne kein Staat bestehen, noch weniger eine Nationalität, in der verschiedene Bekenntnisse vorhanden sind. Einheit des Staates und des Volkes sei nur möglich bei Einheit de, Religion. Alle Bürger, forderte man, müßten dasselbe glauben und bekennen; und so sei germanisch gleichbedeutend mit christlich. Uns Juden hat man Haß und Neid gegen alle Bölker angedichtct de, alten Welt, des Mittelalters und der neueren Zeit, und was de, Thvrheiten mehr sind. Wir sind glücklich, in Zeiten zu leben, wo der gleichen Vorurtheile nur noch in wüsten Köpfen leben, die, mögen sie dem Fleische nach dem deutschen Volke angehören oder auch nicht, jedenfalls aber nicht Deutsche nach dem Geiste sind, wenn sie anä, zum Theil auf der Höhe der Gesellschaft stehen. Indem wir die jüdische Religion bekennen, sprechen wir es allerdings thatsächlich, wenn auch stillschweigend aus, daß das Christenthnm nicht unsere Religion ist — aber weiter nichts. Solche- Bekenntniß aber ist uns unerläßlich und unumgänglich. Die Religion wird uns nicht natürlich angeboren und ist nicht mit dem Zufall de, Geburt gegeben; sie wird uns anerzogen, wir erhalten sie als geistiges Erbtheil von unseren Eltern. Es ist aber viel leichter, sein irdisches Vaterland aufzugeben und ein anderes zu wählen, als seine Religio» sein Gemüths-Heim, gegen eine andere zu vertauschen. Wer solches fordern kann, weiß nicht, was Religion ist. In dem jüdischen Bekenntniß liegt gar kein Haß und keine Feindschaft gegen irgend ein anderes; nur das behaupten wir, daß uns unsere Religion im Streben nach jedem Ideal der Sittlichteil und Bildung fördert, und darum halten wir fest an ihr. In ihr haben wir gelernt, was Gott und Welt und Mensch, was Andachi und Demuth ist, was Vater, Mutter, Bruder, Schwester, was Greis und Kind, was Mann und Weib, was Fürst und Obrigkeit und Mitbürger, was Pietät und Liebe und Gerechtigkeit ist; in ihr haben wir alles Erhabene denken und fühlen gelernt. Welch einen Sinn könnte es also haben, die Religion aufgeben' vertauschen? verschachern? Die Frage, welche Religion die wahre sei, kann den Juden nicht quälen. Der Prophet hat uns belehrt (Micha 4, 5.): „Alle Völker mögen wandeln, ein jedes im Namen seines Gottes; wir aber wandeln im Namen unseres Gottes auf ewig und immer." Sicherlich ist die jenige Religion nicht die wahre, welche vorgiebt, die einzig und allein wahre zu sein. Alle Ringe sind echt, und jedes Volk hat den (einigen vom Vater der Menschheit, der in seiner Weise und Form die Tyrannei eines Ringes gewollt hat. Der gütige Vater hat jedem Sohne denjenigen Ring gegeben, der für seinen Finger paßte. Dieser göttliche Ring aber ist ein geheimnißvolles Wesen. Wer ihn nur am Finger trägt, dem wird er zum Unheil bringenden Nibelui in Wal Träge fühle. Ja nur im der Ret Herz a, recht gl auch n tiebevol Itr für Ta» Vi An genug Raturgi daß der DaS ist beleucht» beute di Magistr Doch au allerorte ringend« betracht« nwl der Di« bekannt; »ui den werden ichehen, ansführl Daj Debatten nhren ' waltung licht m Dchnlvo Bcrurth« Mn wüi ieten. Zw zu werd s ist d wischen seife g« Bis als Mil «örpersck 'ich in gefallen cheidigun dies eine

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