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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-05-02 · Heft 16 (2.5.1890) · p. Seite 235

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 16 (2.5.1890)
Date
1890-05-02
Page
Seite 235 (sequence 11)
Language
German
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235 schmückte» c, und i» e Reiche» inem anbekannt c :igc Taun wollte: ler Vater Röselcch i Sohne: Kummer s)ir habe» s Fenster nückte die schönste» aß kann: m Ahrale in Helle» mmeltc», sich dock lcins be Auf de» ingsaine» hier und wgallerie. ) alsbald mincr i» isamnic», durch'-- rhob, so ine Tan schivand. da blied voch ein >er Jude .irochcnes lgabung! tnd jener teckt eine bückte er niedrige nnmelte, : Stirne cn vom wie ein besessen und die täusche» wach in ag' mir,;te nicht, cleugncn schivarze „Das ist mein Jüngel!" stellte er ihn vor. „So sag' mir nur, Junge," sprach jetzt der Graf das schwarze Ahrale mit derber Stimme, wie gewöhnlich, an, „hast Du das gemalt oder nicht?" Das schwarze Ahrale, das geglaubt, daß ihn dafür neue Schläge ertvarteir, duckte zusammen und stammelte mit weinerlicher Stimme: „Ich werde schon nicht mehr!" „Ob Du es je wirst oder nicht, das habe ich Dich nicht gefragt - vor Allem will ich wissen, ob Du das gemalt hast?" „Ja, ich," stöhnte das reumüthige Ahrale, „aber ich werde schon nicht mehr!" (Schluß folgt.) Die Juden iu Italien. Es ist bedauerlich, daß die Italiener sich nicht eingehender mit der höchst interessanten Geschichte des Judenthums auf der Apenninischen Halbinsel beschäftigen und im besten Falle diese Arbeit den Ausländern überlassen. Schon Gregorovius führte in einem Essay über das römische Ghetto Klage darüber, daß noch Niemand die Geschichte der römischen Inden geschrieben habe. Es war daher ein glücklicher Gedanke des Komitees der Tr. Moritz Rappaport'schen Stiftung in Wien, die „Geschichte der Juden in Rom seit ihrer ersten Niederlassung in der Hauptstadt des römischen Reiches bis zum Verschwinden des römischen Ghetto unter der Regierung König Humberts I.", als Preisthema auszuschreiben, und es steht zu erwarten, daß die Aufgabe auch des Preises würdig gelöst werden wird. Noch ungleich mehr als für den Kirchenstaat kommen die Juden für die alte Republik Venedig in Betracht. Die jüdische Gemeinde Venedigs ist in Hinsicht auf Seelenzahl die vierte Italiens; nur Rom, Livorno und Turin haben mehr Juden als die Lagunenstadt, unter deren 14«>,00t) Einwohnern 2500 Juden sind. Im Ghetto sind mehrere Synagogen, doch sind dies bescheidene, schmucklose Bctstuben. Der jüdische Friedhof liegt auf dem „Lido", und so müssen jüdische Lcicheir erst eine Stunde durch die Lagune schwimmen, ehe sie an der poetischen Grabesstütte auf dein „Lido" zur Ruhe kommen. Antisemiten im großen Stil giebt es hier nicht, aber doch im kleinen Stil — denn auch in Venedig haben es die Juden zu Reichthuin und Ansehen gebracht, um beides neidet man ihnen. Schon der Abenteurer Easanova weißte nicht viel Gutes über die venezianischen Juden — und das war vor hundert Jahren — zu sagen. Wenigstens schildert er uns Gabriel Schalom, seinen Mitgefangenen in den Bleikammern zu Beliebig, in seineii Memoiren als einen richtigen Tcsccndenten Shyloks und zeichnet ihn iiis Karrikaturhafte. Tie Juden sind aber nicht nur in der Lagunenstadt ansässig, sondern auch über die Provinz verbreitet: Padua hat 1000, Verona gleichfalls 1000 jüdische Seelen; in Udine, im Friaulsche», in Vicenza, Treviso, Vittorio befinden sich kleinere Genieinden. Dazu das interessante Völkergemisch, das diese Juden repräsentiren, denn sie rekrutiren sich aus deutschen, griechischen, spanischen und Portugiesischen Elementen. Schon in Triest begegnet man allerhand Nationen unter den dortigen Juden, nun aber bestehen viele verwandtschaftliche Beziehungen zwischen den triestiner und venetianischen Juden. Luzattis und Luzattos, Morpurgos, Levis, Evans giebt cs da iii'.d giebt cs dort. Deutsche Namen, wie Rosenthal, Goldschmied, Guggenheim, sind im Venetianischen nicht selten, aber manche ihrer Träger verstehen doch kein deutsches Wort mehr. An den Beziehungen, ivelche die Republik Venedig zu den Inseln Korfu und Eypern hatte, in deren Besitze der Löive von San Marco einst gewesen, ivaren auch die Juden bctheiligt, uiid war Venedig von jeher der Sitz einer zahlreichen griechischen Kolonie, so waren auch Juden in derselben. Der Deputirte von Venedig, der Vizepräsident der Kainmer, Jsacco Pesaro-Maurogonato, stammt aus Korfu, und cS giebt Juden, deren Wiege in Salonichi oder Smyrna gestanden. In Italien wie im Norden koinuien Ehen zwischen Juden und Christen noch selten vor. Ja es scheint, als ob die Inden, wie sehr sic auch mit ihren Interessen imb Gefühlen im Leben der italienischen Nation wurzeln, an deren Freiheitskümpfen auch sic einen rühmlichen Antheil genonniien haben, sich doch von Neuem zu einem besondern Ganzen zusnmnicnzuschließen im Bcgristc seien. Auch das ist eine universelle Erscheinung in ganz Europa. Bia» sucht dasjenige, was schon starr erschien, zii galvanisircn; man sucht Schivärinercien für Abstraktionen lebendig zu macheii. In Mailand haben sich die Inden soeben eine neue Synagoge gebaut, und andere Genicinden, vielleicht auch die von Venedig, werden dem von den lombardischen Glaiibensgenossen gegebenen Beispiele folgen, die ihrerseits wieder aus eine von Rom ansgegebene Parole lauschten. Tenn am Tiber konzentriren sich nicht mir die Ideale der katholischen Weltherrschaft, sondern auch die Juden Italiens schauen dorthin wie nach der Wiege ihrer besten Traditionen. Schon sind die Juden Roms im Begriffe, ihre alte Synagoge dem neuen Regulirungsplane der Stadt zum Opfer zu bringen. Wir sagen „ihre alte Synagoge" und sollten besser sagen „ihre alten fünf Synagogen". Demi die röinische Judenschaft, diese älteste Gemeinde des Abendlandes, besteht ihrem historischen Ursprünge irach aus so inannigfachen nationalen Eleiiientcii, daß diese, ein jedes einem besonderen Ritus huldigend, sich in je einem besonderen Raume zusainmcnfanden, um ihre Gebete zu (flott einporzusenden. Es sind fünf Synagogen in einem einzigeir großen architektonisch unbedentenden Hause: die scuola tedesca, die sruola siciliami, catalana, easligliaiiii und portoglie.se. Schon ans diesen Namen geht hervor, daß sich die Juden Roms, von denen manche ihren Ursprung bis auf die von Titus aus Jerusalem nach der Kaiserstadt am Tiber als Gefangene gebrachten Juden zurückführcn, doch größtentheils aus spanischen, romanischen Elementen rekrutirten. Schon unter dem Papstthum aber hatten sich die verschiedenen Elemente assinülirt, und mitten im modernen italienischen Nationalstaat konunen jene alten Unterschiede gar nicht mehr in Betracht. Nun werden sie jetzt, wo das Ghetto zerstört ist, sich alle in einem einzigen Synagogeiigebüude niederlassen und sich begnügen, ihre alten fünf Synagogen der Nachwelt im Bilde zu überliefern. Freilich wird der Geschichtsforscher nicht mit jener Thcilnahnie an dem neu errichteten Gebäude vorübergehen, wie an dem alten Hause mit den ärmlichen korinthischen Pfeilern, das der siebenarmige Leuchter und die Harfe des Psalmistcn schniücktc». Noch giebt es keine wirklich sachliche Geschichte der römischen Juden, und doch dürften es ja diese an historischen Traditionen mit den altberühmtcn Gemeinden von Amsterdam und Prag, Mainz und Worms und anderen aufnchinen. Seit Jahren jedoch macht ein deutscher Orientalist. Tr. Berliner in Berlin, Studien über die Geschichte des römischen Ghetto. Dieser Gelehrte hat wiederholt archivalische Nachforschungen in Rom und anderen Städten Italiens über seinen Gegenstand unternommen und weiß nicht genug die Sorgfalt zu rühmen, mit der die röinische Judengcnieinde ihr Archiv geordnet hat. Aber nicht nur im jüdischen Geincindcarchiv, sondern auch im Munizipalarchiv am Kapitol hat er reichliches Material für seine Arbeit gefunden. Bedauernswerth ist cs, daß ein Herr Eitore Natali, eine mit der Oieschichte der röniischen Juden vertraute Perlichkeit, die sogar den 1. Baud einer allerdings nicht besonders

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