Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 16 (2.5.1890)
- Date
- 1890-05-02
- Page
- Seite 232 (sequence 8)
- Language
- German
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232 Einzelne aus dem Zusammenhalt gerissene Eitatc könnten nur ein unvollständiges Bild von diesen kleinen stilistischen Mcisterlvcrkcn geben; ich begnüge mich, als die Grundidee des ganzen ungewöhnlich interessanten Briefwechsels die folgende Stelle herauszuheben, die von dem Messias handelt. Für Ellen ist der Messias schon gekommen, Esther erwartet ihn noch. Hören wir nun, wie die Jungfrau die synkrctistische Idee ihrer Briefe rein und schwärmerisch zum Ausdruck bringt, indem sie jene apokalyptische Zeit schildert, die Scher und Dichter zu allen Zeiten verkündet haben: „Ein herrlicher Garten wird die Erde sein, wo an dem thränenbenetzten Baum des Leidens und der Schmerzen Früchte der Freude und des Glückes in aller Pracht erblühen werden. Dann wird Heil, Freude und Wonne jedes Meuschenhcrz erfüllen; die ganze Erde wird ein Haus, die ganze Menschheit eine Familie bilden, und das frühere Paradies wird wieder hergestellt sein! Daun, meine vielgeliebte Freundin, dann wird ein allgemeiner Friede herrschen lind kein Hast wegen der Religion mehr stattfinden; der ewige, der nilverüildcrlichc, liebevolle, barmherzige Gott, er wird alle seine Kinder segnen auf gleiche Weise. Die Thräncn der Unterdrückten lverden aushören zu fließen; Seufzer von Verfolgten werden nicht mehr gehört werden; die Armen werden sich gehoben fühlen, die Reichen vor Gott sich beugen; die kranken Gemüthcr werden geheilt, die Unglücklichen getröstet, die Traurigen erheitert, die Bösen bekehrt lverden; Haß, Frevel und Uebermuth werden verschwinden, denn das Reich Gottes wird gegründet sein auf Recht, Wahrheit und ewigen Frieden. Ach, diese himmlische, heilvolle Zeit, daß sie doch schon da wäre, daß schon die ganze Menschheit geheiligt imb durchdrungen wäre von der Erkenntniß Gottes, beseligt und durchglüht von der Liebe unseres himmlischen Vaters! Allein, meine liebe, theurc Freundin, um diese große Zeit zu erwirken, müssen wir alle, alle, Klein und Groß, Arm und Reich, zusammen arbeiten, und alle können wir dazu beitragcil. Denn jeder gottesfürchtige Mensch ist schon ein Einlvohner, ein Bürger und Thcilhabcr des göttlichen Reiches. Also wollen auch wir, theure Freundin, wirken nach Kräften und mitbauen am messianischen Reiche, indem wir in unserer Umgebung ein Reich Gottes im Kleinen, ein schönes Reich der Liebe und Treue, der wahren und echten Religion stiften wollen. In jeder Familie soll sich die Menschheit veredelt sehen, bis einst die ganze Menschheit wie eine einzige edle Familie erscheint. Das ist der Messias, auf den wir hoffen; möchten wir seine Ankunft bald erleben und durch unfern Wandel sein Erscheinen beschleunigen helfen!" In der That, der Lehrer, der der „schönen Seele im schönen Körper" ein Denkmal der Liebe in Liedern gesetzt, hat Recht, wenn er behauptet, daß dieses Kind „am Reiche Gottes mitgcbant" und die Aufgaben der Zeit und die Ziele der Menschheit tiefer erfaßt hat, als viele Weise und Gelehrte unserer Generation. Und diese edle Jungfrau war ein „weiblicher Hiob", der die Erde nichts, der Himmel alles bot. Sollte man nicht glauben, daß sie tiefer und reiner die großen Räthselfragen des Lebens erfaßt und seine Schickungen mit größerer philosophischer Ruhe ertragen hat, als jene Pessimisten, die ob dieser Rüthsel und Schicksalsschlüge ihr Herz verhärten, indeß sic es der ganzen Menschheit liebend erschloß? Was du gefühlt, gedacht, geschrieben, Du bist im Tod ihm treu geblieben, Daß deiner schönen Seele Der letzte Sieg nicht fehle! So heißt es in der biographischen Einleitung zu diesen Briefen, welchen, ich zweifle nicht daran, der letzte Sieg eines tiefen und nachhaltigen Eindruckes nicht fehlen wird, den sie auf jeden Leser durch die naive, liebenswürdige Art, mit der in ihnen die höchsten Wahrheiten vorgetragcn werden, hervorbringen müssen. Zumal, wenn man daneben die Geschichte des Lebens und Leidens dieser jungen Schriftstellerin liest, die auf der Höhe des Lebens so tiefes Leid erlebt und in der Blüthe der Jahre dahingeschieden ist. Mit diesem Denkmal einer edlen Seele endet auch unsere Darstellung. Der französische Zweig der Familie Rothschild zeichnet sich weniger durch litterarische Leistungen als durch warme Förderung j litterarischer Arbeiten Anderer aus. Das Lied, das Heine Betty! v. Rothschild gewidmet, ist bekannt, und zahlreiche wissenschaftliche Werke sind Zeugen ihrer Thütigkeit. Ihre Tochter Bettina hat das Lehrerinnen-Examen gemacht, ihre Nichte, wenn mich die Genealogie nicht irre führt, Enmm, hat musikalische Kompositionen »dirt und soll auch als Malerin nicht unbedeutend sein. In jedem Falle ist auch dieser Zweig den anderen ebenbürtig. Und man kann wohl sagen, daß die Damen des Hauses Rothschild nicht nur zu den reichsten, sondern auch zu den edelsten Schriftstellerinnen gehören, indem das einzige und höchste Ziel ihrer litterarischen Arbeit jene Ideale sind, zu denen wir wie zu den Sternen aufschaucn, denen alles Sehnen und jede Arbeit des Geistes gilt: Versöhnung und Verbrüderung der Menschen, reine Humanität und, über Allem, werkthätige Liebe! U —E Feuilleton. «*»•■» Bas Höfelc. Von N. S a m u e l y. Weißt Dri, lieber Leser, was ein Röscle ist? Gewiß nicht; aber wenn Du zufällig an dem jüdischen Wochenfcstc in einem kleinen galizischen Städtchen einmal verweilen solltest, so wird Dein Blick sich sofort gebannt fühlen von vielen Bildchen, die aus jeden: Fenster Dir entgegcnblicken, Bildchen, die Gegenden und Szenen aus dein heiligen Lande vorstellen: ein Libanonwaldchen, die Lilien von Saron. einen rauchenden Berg — den Berg Sinai — und dergleichen mehr. Befragst Du nun das erste beste Jüngelchen, das Dir in den Weg läuft, was diese Bildchen denn eigentlich bedeuten, so wird es Dich bestimmt höchst befremdet mischen und Dir antworten: „Wie, Sic sind ein jüdisch Kind und wissen nicht, was diese Bildchen sind? Das sind ja „Röselcch", die zu allen Zeiten an dem Wochenfeste die Fenster unserer Eltern und Voreltern geziert haben, und ein Röscle — wer I weiß das nicht? — eilt Röscle ist ein Röscle!" Ein solches Röscle liegt seit vielen Jahren in meinem Gebetbuch — allerdings stark vergilbt und von dem Zahn der Zeit arg veri stümmclt, aber noch immer erkennbar genug, um zu wisse», das; daej eben ein Röscle ist!! Derjenige, der vor vielen Jahren, als Knabe, dieses Röscle s gemalt, wird sich gewiß nicht mehr daran erinnern, aber mir j kommt cs sehr oft in den Sinn, und ganz besonders heute,! nachdem ich eine Notiz in der Zeitung gelesen, die auf dieses Röselc Bezug hat, ja, als Fortsetzung desselben anzusehcn wäre; jene Notiz nämlich lautet: „Der rühmlichst bekannte Historienmaler Artur Liebgott, der sein letztes Bild hier ausgestellt hat, wurde für seine kunstvolle Leistung mit dem ersten Prämicnpreis ausgezeichnet." Wie aber so ein kleines Röselc Einen zuweilen von der dunkelsten Niederung auf die sonnigste Höhe des Glückes emportragen kann! Wäre nicht dieses Röscle, dann würde unser Artur Liebgott bis zum heutigen Tage nur das schwarze Ahrale geblieben sein, wäre vielleicht heute ein „Klausner" oder ein Schnorrer, und am allerwenigsten würde > kanntcr Wi herrliche der bei Honigse haben, jedem r een Bll hei den grast, und so ichwarzc tonnte i wenig hockte; unter t 'hielt 1 göttliche wand 1 Ai leiden, gegeben gende & gemüht .nies k Fäusten groben „st gäbet c vcrstohl gurcn t und je oes nr mit sin wurde ,P schwarz seinem mst an und S vorübci Den M tue Hel lU'llt P entstellt eben ei 3> ihre I bald eu Wände ihm g Wortci eigcntli zum Z lioffen, oder ei Brod > ')