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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-05-02 · Heft 16 (2.5.1890) · p. Seite 228

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 16 (2.5.1890)
Date
1890-05-02
Page
Seite 228 (sequence 4)
Language
German
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228 Emphatisch werden manche diese Frage verneinen, uns das Wort des Propheten entgegenrufen: „Haben wir nicht Alle einen Pater?" Stammt nicht ganz Israel von den Erzvätern ab? Abraham, Isaak und Jakob sind die Ahnen jedes Einzelnen; woher sollten die Standesunterschiede kommen? Nun, auch die Deutschen nennen als ihren Urvater Teut und hatten schon in den ältesten Zeiten Adlige und Nichtadlige. Selbst die kleinen Stämme Altgriechenlands, die mit größerem Rechte sich von einem Stammesheros herleiten, gliederten sich in „Wohlgeborene", „von edlen Vätern Stammende" und in „die Masse", das „Volk"! Im Gegentheil erzählt die Bibel schon von den Erzvätern so Manches, was die allgemein menschlichen Ursachen der Gliederung und Sonderung der ursprünglich Gleichen auch damals schon wirksam zeigt. Die Erstgeburt wird von Jakob so heiß ersehnt, denn sie verleiht das Priesterthum der Familie. Ob damit auch das Anrecht auf einen! Doppeltheil der Erbschaft, wie später, verknüpft war, können > wir freilich nicht behaupten. Aber eben dieses Priesterthum begründet! den Unterschied. Ist derjenige, welcher der Gottheit naht, welcher! Bitte und Tank der Familie dem Gotte darbringt und den Spruch i der Gottheit den Familiengliedern kündet, derjenige, welcher die Heiligthümer der Familie verwaltet und in Verwahr hat, nicht emporgehoben über seine Geschwister?') Und dann der Erstgeborene des Erstgeborenen! Er ist der in Purpur geborene Prinz -- der Jüngling, welcher im Familienrathe kraft seiner Geburt mehr bedeutet als die ergrauten Brüder seines verstorbenen Vaters. Tie Betonung der Ursachen, weshalb Reuben sein Erstgeburtsrecht verloren hat, der Satz: „Vorschnell, wie Wasser, darum hast du keinen Vorzug"-) bezeugt, wie diese Erbfolge sonst die übliche war. Also der Adel der Erstgeborenen ist bei den Israeliten schon in der Zeit der Erzväter vorhanden — ein Adel, dem das Vorrecht des Priesterthiuns und der Leitung der Familienangelegenheiten ft zustand. Sehen wir auch davon ab, daß „die Personen, welche sie erworben haben", die Sklaven oder Schützlinge, die Freigelassenen und Beisassen, mit zur Familie gezählt und spater in die Geschlechter, die Stamme und das Volk aufgenonunen wurden, wobei sicherlich die echten Nachkommen diesen Adoptivkindern gegenüber sich als die Vornehmeren betrachteten, - sehen wir auch hiervon ab, so tritt ein selbst die Brüder ungleich stellendes Moment in dem höheren oder niederen Range der Mütter hervor. „Ter Sohn der Sklavin", so nannte Sarah schon den Jsmael, und von Joseph wird erzählt, daß er als Knabe mit den Söhnen der Nebenfrauen seines Vaters umging, welche Sklavinnen gewesen sind. Zu diesen Ursachen treten nun die bedeutenden Einwirkungen der eigenen Tüchtigkeit und der günstigen Keschickesfügungen. Durch die ganze Geschichte Israels wirkt es nach, daß Joseph der Herrscher Aegyptens und der Wohlthäter seiner Brüder, daß Juda der Begabteste und Gewaltigste aller Söhne Jakobs gewesen ist, sowie daß Moses und Aaron dem Stamme Levi und in ihm der Familie „Kehath", der Zweitältesten Stammesftnnilie, angehörten. Sie drängten ihre Angehörigen in ihre Bahnen, sie fanden ihre Helfer in ihren nächsten Verwandten; ihr Ansehen vertheilte und vererbte sich auf ihre Familien, und so blieben die Häuser Joseph, Juda und Levi die drei Mittelpunkte des israelitischen Voltes, bildeten sie die edelsten Stämme der Nation. M Er ist der „2*1" ,,der mehr in", der der „Große", der! über die Kleinen und Jüngeren sich erhebt. ft I. B. Mosis 4v, 4. ft Ties erklärt Reubens Verhalten bei Josephs Verkaufe.! In der Knechtschaft wurde Israel zum Volke, und auch bei den Sklaven, bei den Niedrigsten der Niedrigen, bildet sich ein Höher und ein Niedriger, eine ungleiche Vertheilung von Rechten und Pflichten- Die Familieneinheit blieb die Grundlage der Stammesgliederung' und die Familienältesten - das heißt die Vorsteher der Familie') - sind die Becnnten der Israeliten, die Aufseher, welche die Arbeit tiberwachen und das Gearbeitete abzuliefern haben. Diese Aufseher arbeiteten nicht mit. Daß sie für die Verschuldung ihrer Untergebenen, für die Schonung derselben, von den ägyptischen Zwingherren körperlich mißhandelt wurden, das steigerte ihre Verehrung, ihr An sehen bei ihren Familien. Sie wurden die Fürsten und Vor nehmen, sie, die für das Volt gelitten hatten. Fester und gegliederter wurde die Verfassung des Volkes in der Wüste. Damit wurde eine Reihe von Häusern in dem erblichen Besitze fürstlicher und über die Masse erhebender Stellungen und Aemter bestätigt oder neu dazu bestimmt. Die alten Familienämter reichten nicht aus, weder für die Gliederung des Heeres noch der Rechtspflege. Die „Fürsten der Tausende, der Hunderte, der Fünfzig und der Zehn, welche das Volk richten sollten") als Häupter des Volkes" sind wohl dieselben, wie die über das Heer gesetzten Fürsten der Tausende u. s. w."ft. Diese Fürsten, mochte ihr Amt erblich sein oder nicht, hinterließen ihren Kindern wenigstens den Glanz ihres Naiuens und ihrer Stellung, sodaß diese Familien einen Adel bildeten, der mit der noldesse de ja ro!>(\ dem Beamten und Professorenadel, zu vergleichen wäre. Freilich kennt das Gesetz des Judenthums kein Vorrecht, fcim abweichende Behandlung des Vornehmen. In allen') Stücken soH ein Gesetz und ein Recht den Einheimischen wie den Fremden, itn: wie viel mehr also den Adligen und den Richtadligen uinfassen. War ja in gewissem Sinne durch alle Zeit bis zur Zerstörung des ersten Tempels das ganze Volk niederer Adel. Denn die genealogischen Register wurden nicht künstlich fnbrizirt, sondern jede Familie führte die ihrigen und ließ Niemanden in ihren Verband, der seine Zn gehörigkeit nicht sattsam Nachweisen tonnte. Familienweise wohnten sie, familienlveise rückten sie ins Feld, daher") gaben sie ihre Geburt stets an nach ihren Familien, nach ihren Vaterhäusern. Wer das nicht vermochte, gehörte zun! Gesindel. Wer also aus dem Zusammen Hang der Familie hinausgestoßen war — die Findlinge, die unehelick Geborenen, oder wer einen geschändeten Rainen geerbt hat, du Entweihten bei den Priestern — der ging des Adels verlustig, sau! in die Masse, zum rpcfiöiO, hinab. Das wehrhafte Volk gliederte sich in Haus CVE), Famick nnatfffc), Geschlecht (2S iTi) und Stamm (N22 , EE^ft ft. Die Vorsteher dieser Theile sind vornehmer als die Glieder, m sind die Häupter und Fürsten E^8"l). lieber diesen Adel erhebt sich die Priesterfamilie. Rück! die Erstgeborenen, sondern die Nachkonunen Aarons sollen Priester des Ewigen mit Sonderrechten und Sonderpflichten sein. Nicki allein, daß der gesalbte Priester, wie der Naßi (Stammesfürst» 1 '] II. Buch Mosis 4, 21*. 14. (gvns » ft I l. Buch Mosis 18, 1-4. ft IV. Buch Mosis 81, 14. ft lieber die Priester und eine kleine Ausnahme für den Ras:! sprechen wir bald. ft lchald. — Nehenüas ^,-p). 4V. B. Mosis I, J"! ft II. Buch Mosis 11, 4. ft Das Bild ist vom Baume mit seinen Verästlungen und Ver! zweignngen. s) III. Buch Mosis 4. bei Ver recht eil heiligt. Vorrech iessen h weise er ckßt ihr Me fü aber da wrß tei ’p) „cii lUMlt Hl Re 3tamm ftachdei Richter sie Lev ftssaph iir dess Tel ii. s - Famili Lm iimwan ind ehe Ti mthoiti Jh icniiM gestattet Ae> leiden i ftideons isondott wlieniß uui) tue Hie it der 1 ft am ei ft hnen Prophet Hofkleid ht Rai Me Ulte ernannt üunsiler 'ftdst Jj Da md Pr ftmdma "Machte "oit Nie Es! edrängi oarenft Melden l M I ft I ft I

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