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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-05-02 · Heft 16 (2.5.1890) · p. Seite 227

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 16 (2.5.1890)
Date
1890-05-02
Page
Seite 227 (sequence 3)
Language
German
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1 i 7 ». Am Mendel na „die je", und s junge hstcilunq l6, heißt Wilhelm istor der heiligen Herrn ben der )en ist", id, ans prndenz, frühern Schulze, lches die am misekehrung >t traute, ailzc hat e sich in h Moses len, das; er Seele t"; viel' u hören, , unsere irophctcn cht durch juiu von ein Voll »auungen is David ese ganze zu Ende ht lehren n ganzer i wie uns lkiba, der m Herrn, sollst ihn »acht des tärtyrcrn, ad tvelche ,r höchste» , d. h. i» ) nun ei» inner ilu >ch glciäi en Werth >e, daher um, dar« uns selbst, klärte, i» etwa dae chast ans aft dieses hum troh der stets emphatisch zur Schau getragenen Accnschcnliebe sich mit Sklaverei und Lcibeigeirschaft, mit Folter und Hexenprozessen ab- »finden gewußt? Will es nicht noch heute friedliche und arbeitsame Menschen rnn ihre Existenz bringen? Hat sich nicht Mander selbst mit seinen gleichgesinnten Kollegen für die Fortdauer der iraurigen Zustände vor 1848 eingesetzt, tvelche mit Hilfe der Kirche;u Gunsten einer bevorzugten Kaste die große Menge des Volkes sein willkürlichsten Drucke Preisgaben? Für inich ist daher eine aitdere Anschauung über den Wandel TiiMb Mendels maßgebend. Er war ein Kind des Rationalismus, der, wie ja auch Mendelssohn lehrte, nur eine Religion der Vernunft lanntc, für welche die Nützlichkeit der ausschließliche Werthmesser war. Die Humanitütsidee ließ wohl die religiösen Gegensätze in den ointergrnnd treten, tödtetc aber die Religion selbst. Man fühlte den äußeren Truck mn so schmerzlicher, als man sich innerlich vom Judenilnim losgelöst wußte, und darum ivar cs nur selbstverständlich, daß inan diese lästige Fessel von sich warf und die Hemmung des Vorwärts- '.ommens damit zu überwinden suchte. Tie Macht des religiösen Gedankens aber trat dann um so schärfer hervor, man fühlte die beere in sich inrd floh zu dem Mystieisnins, in dessen Halbdunkel man den besten Schutz vor dem blendenden Strahl des Zweifels mild, und an dem Reste Israels erfüllte sich die Weissagung von r ont Knechte Gottes, „er hat die Sünde der Menschheit getragen und üir die Schuldigen gebüßt". U Die Äimultnnschnlen in den Provinzen Posen nnd Wcstprcnßen. Von Lehrer Plvcki in Flatow. Die in letzter Zeit im Abgeordnetenhanse angeregte Debatte über eie Frequenz jüdischer Schüler in höheren Schulen, die wiederholt in der Stadtvertretung von Berlin nothwendig gewordene Rettifitirnng von Schnlvorstehcrinncn über ihr Verhalten gegen jüdische älter», welche ihre Kinder den von diesen Damen geleiteten Anstalten;»fiihren wollten, läßt erkennen, daß in Preußen, welches in Bezug aus Schulen stets für mustergültig gehalten worden ist, doch auch in diesem Punkte -- wie in vielen anderen Punkten -. die Gleichberechtigung aller Konfessionen noch zu wünschen übrig läßt. Bisher haben wir nur von Rußland gehört, daß e-s seinen jüdischen llnterthanen den Besuch der höheren Schulen nur „prozent- »'eise" gestattet. Rach den Wünschen manches Abgeordneten soll aber auch bei uns in Preußen nur ein „Prozentsap" jüdischer Schüler geduldet" werden; hoffentlich gewähren diese Herren als Vertreter -er Religion, welche die Menschen- und Bruderliebe besonders in E rbpacht genommen, recht hohe Prozente! Wenn aber erst die höheren Bildungsstätten von semitischen Eindringlingen gesäubert sein werden, »an» wird doch der Hofprcdiger mit seinem Anhang gewiß auch auf be Bildungsstätten sein Augenmerk lenken, die unter dem Namen Simnltanschulen" nicht nur jüdische Kinder als gleichberechtigt auf- »chmcn, sondern —Imrrikülo «liclu —sogar jüdischen Lehrern christ- »cheu Kindern „Tropfen der Weisheit" cinzuflößen gestatten. Diese Schulen sind zwar ganz besonders geeignet, den Klassen- , und Rassenhaß zu mildern; damit ist aber den Antisemiten nicht ge- | »»'nt, davon leben sie ja; deswegen müssen diese Schulen wieder ver- »btvinden, und in diesem Wunsche, wenn auch aus anderen Motiven,; E'gegneii sich die evangelischen mit den katholischen Heißspornen. \ Seit Falk's Rücktritt ist denn auch die Zahl der Simultanschnlcn! jgeringer geworden, nnd wenn die definitiv angestellten, zur Zufrieden- ' heit ihrer Vorgesetzten Behörden wirkenden Lehrer nur bei Seite geschoben werden könnten, tver weiß, ob der Antrag auf völlige Aufhebung dieser Schulen nicht schon gestellt tvorden wäre. In den beiden Provinzen Posen nnd Westprcnßen, tvo der Polonismus niedergehalten werden soll, hat der frühere Kultusminister Falk diese Schuleinrichtungen auf Antrag der Ortsbehördcn gestattet, oft gegen den Willen der betreffenden Regierungsbehörden. In Posen bestehen zur Zeit noch 12 Simultanschnlen mit 15 jüdischen Lehrern, und zwar in den Städten: Birnbaum, Bojanowo, Gractz, Kempen, Obornik, Posen, Argenau, Jnowrazlaw, Gollantsch, Krone a. B., Mrotschcn und Schocken. Merkwürdigerweise zählt auch Westpreußen 12 solcher Schulen mit ebenfalls 15 Lehrkräften, und zwar: Danzig, Tuchcl, Locbau, Stargardt, Flatow, Krojanke, Kulmsee, Lautcnburg, M. Friedland, Neuenburg, Neumark und Schlochau. Db es Zufall ist, daß in jeder dieser Provinzen gerade ein Dutzend Schulen mit je fünfzehn jüdischen Lehrern zu finden ist? — Während die Provinz Posen noch 58 konfessionelle jüdische Schulen anfweisen kann, findet man in Westpreußen nur noch in 5 Städten diese Schulen. In den übrigen Städten besuchen die jüdischen Kinder christliche Schulen. U Der Adel in Israel. Voll Tr. A. Lew in, Rabbiner in Freiburg i. B. „Auch meine Seele hat ctm Sinai gestanden - mit diesem Worte pflegt man das Gefühl der Gleichheit zu schildern, welches jeden Juden jeden! Juden gegenüber erfüllt. Das Schiller'sche: „Doch keiner steht so hoch, daß ich mich neben ihm verachten sollte," bezeichnet eine Stufe der Gleichheit, welche heut eine kindlich niedrige erscheint. Wir sehen es vor uns, das Bild des Tisches, um welchen der Hausherr nebst Weib nnd Kind nnd (Gesinde sich reihen; nnd den Ehrenplatz nimmt der Gast ein - der heimath- und vermögenslose „Schnorrer"! Freilich durch viele Jahrhunderte vermochte Hab' und Gut keine Abstufung von Standen und Klassen bei den Inden zu begründen. Denn „Was du bist, das war ich" konnte so oft der Arme, der durch Plünderung und Vertreibung Verarmte, der „Schalatzjude", dein Besitzenden znrnfen; und „Was du bist, das werde ich vielleicht schon morgen sein", das dachte der Gutsituirte, sobald er den Schnorrer, dieses Urbild des ewig wandernden Ahasver, gewahrte. Wenn auch in ruhigeren Zeiten Reich, Bemittelt und Arm die drei Abstufungen scharf schieden, tvelche Vorrechte, Rechte oder Wohlthaten in Anspruch nahinen, so war es doch leicht, ans einer zur andern überzugehen. Deshalb meint der Jude, daß die auf Erden möglichste „Gleichheit Aller vor dem Rechte" in der Gemeinde und besonders in der Gesellschaft in Israel durchgeführt worden ist, zumal inan kaum mehr die Bedeutung des Einen kennt, was früher noch als ein Recht von Standesunterschieden in Geltung gewesen ist, die Bedeutung des „Jichus"! Ist es denn aber wahr, daß das Judenthum alle seine Bekenner gleich stellt, daß wir keine Stande und keine Sonderung der Volksklassen kennen oder je gekannt haben? Judenthum bezeichnet uns hierbei natiirlich nicht die Religion — diese kennt nur Gläubige und Ungläubige — sondern das Volksthum, und was davon übrig geblieben ist, vielleicht auch bei uns noch übrig geblieben ist, weil man auch uns gegenüber noch immer nicht vergessen will, daß es nicht allein eine Religion giebt, welche Judenthum heißt, sondern daß es auch einmal ein Volk der Juden gegeben hat. Hat also dieses Volk der Juden —- oder um die Frage ans alle seine Stämme auszudehnen — hat dieses Volk der Israeliten einen Adel gehabt, der sich vom Volke abhob?

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