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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-04-25 · Heft 15 (25.4.1890) · p. Seite 218

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 15 (25.4.1890)
Date
1890-04-25
Page
Seite 218 (sequence 6)
Language
German
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schluß finden. und was er nch jo allmählich aufzeichnet, das wird mit der Zeit gewissermaßen von selbst zu einer Abhandlung oder zu einer gröberen Schrift ausreisen. Wenn jeder Rabbiner während seiner Amlsthätigkeit auch nur e i n e gediegene Abhandlung zur Förderung der Wissenschaft zu Stande brächte, wäre die jüdischtheologische Wissenschaft schon vortrefflich bestellt. Tie Bielschreiberei aber ist von Nebel, unb der Ehrgeiz, ein gelehrter Schriftsteller zu werden, macht den Rabbiner zmneist zu einem schlechten Prediger. Solche Rabbiner thäten dann besser, anstatt mit der Gemeinde zu hadern, die in immer geringerer Anzahl die Synagoge besticht, sich selbst zu fragen, ob sie nicht den Zuhörern dilrch ihre mangelhafte Vorbereitung und durch die Seichtheit ihrer Gedanken den Geschmack an dem Gottesworte völlig abgestumpft haben. 4. Mit der bloßen Predigt aber, zu der in kleineren Genieinden der Religionsunterricht, in größeren wenigstens die Vorbereitung der Konfirmanden hinzutritt. ist dieAmtswirtsamkeit des Rabbiners noch lange nicht erschöpft. Ter Rabbiner muß seine Lehren durch seine eigene Lebensführung bethätigen, sonst wirken seine Predigten, und seien sie auch noch so vortrefflich, nicht int geringsten auf die Gemeinde.'") Es kann nicht nachdrücklich genug hervorgehoben werden, daß es ebenso wenig die Beredtstnnkeit wie die Gelehrsamkeit allein, sondern hauptsächlich die Persönlichkeit ist, die den Rabbiner ,311111 Rabbiner für seine Gemeinde macht. Tas hat bereits der Prophet Ainos bewiesen, der. obgleich er niemals Prophetenschüler gewesen, die wahre Prophetie m Israel durch die Macht seiner von Gottesfurcht getrageneipPersönlichtcit begründet hat. Tas Ideal der Gottesebenbildlichkeit, das der Rabbiner der Gemeinde predigt, suche er nach Kräften in seinem eigenen Leben auszuprügen. Er sei menschlich im edlen Sinne: hilfreich und gut, friedfertig und geduldig und dabei voll Vertrauen. Muth und Kraft. Er suche mit Allen, mit den Männern und mit den -Fronen, mit den Alten und mit den Jungen in seiner Gemeinde bekannt zu werden: er lebe mit ihnen offen und zwanglos und doch jo. daß er ihnen stets das Ideale veranschaulicht, was dann um so anziehender und wirkungsvoller für feine Umgebung sein wird, je absichtsloser es sich giebt. Vormals lebten die Rabbiner zumeist von der Welt abgeschlossen und „lernten" Tag und Nacht, und da das . Lernen" damals als religiöse Bethätigung galt, so wirkte ihr Wort desto nachhaltiger, so oft oder so selten sie es auch gebrauchten. Heute versteht man unter religiöser Bethätigung etwas anderes, heute ist es nur die Seelsorge im weitesten Sinne, durch welche er seinem Worte den Weg in die Herzen seiner (Gemeinde bahnen kann. Er lasse sich darum von Jedem finden, sei zugänglich auch für den (Geringsten, öffne allen Klagen liebevoll sein Ohr und suche zu helfen, wo er nur immer helfen kann. Er mache sich, wenn irgend möglich, zum Mittelpunkte aller werkthätigen Liebe in der Gemeinde, und besonders für die Wohlthätigkeit. die im Stillen geübt ivird, bilde er den Vermittler zwischen den Reichen und den Armen. Bei Trauerfüllen soll er es so wenig wie bei Hochzeiten bei der öffentlichen Rede bewenden lassen: er muß auch Zeit haben, dort die Leidtragenden in ihrem Hanse aufzusuchen und zu trösten und hier die Freude der Fröhlichen zu theilcnwG So ivird der Rabbiner nicht blos die bekannteste, sondern auch die beliebteste Persönlichkeit in der (Gemeinde, die Beziehungen zwischen beiden werden immer zahlreicher und inniger, so daß es mit der Zeit kaum eine wichtigere Gewissens- *) Mm: Wut iViüi! mm ihm wie in a(Ur .'teil ”MTH HflN HS2 ln | «• <aa I 'i I I » *'y In manchen kleineren Gemeinden besieht die schöne, uachahiueilsimrihc triund nuni. daß der Rabbiner bei jeder JTHÜ bas iihcrinmmr und die Rameugebiuiq des wumbleins vollzieht. frage oder Familien-Angelegenheit giebt, in der die Gemeindeglieder sich nicht bei ihrem Seelsorger Raths erholen. Hierdurch aber wächst der Einfluß, den er zum Heile seiner Geineinde auszuüben vermag. Der Rabbiner begnüge sich ferner nicht damit, daß die Frommen in der Gemeinde sich um ihn schaaren, er bemühe sich auch um diejenigen, die dem religiösen Leben fern stehen, um sie, sei es durch seine Persönlichkeit, sei es durch Benutzung irgend welcher Gelegenheit — z. B. in wissenschaftlichen, wohlthätigen und geselligen Vereinen — zur Darlegung des edlen Lehrgehalts unserer Religion für dieselbe zu gewinnen. Ter Fatalismus, der es angesichts der religiösen Gleichgiltigkeit der Massen gehen läßt, wie es eben geht, ist des Rabbiners unwürdig; und der Fanatismus, der Alle aufgiebt, jo aus der Geineinde geradezu hinausdrängt, die seinen Standpunkt nicht theilen, ist völlig unjüdisch. Die Verirrten vielmehr aufzusuchen und in unermüdlicher Hingebung zu sinnen und zu trachten, wie sie für die Gemeinschaft der Glaubens- und Stammesgenossen wieder gewonnen werden können, ist eine der edelsten Aufgaben des Rabbiners. Freilick würden hier fanatischer Eifer und Aufdringlichkeit nichts ausrichten, nur Milde und taktvolles Benehmen können hier zum Ziele führen. Hub nun noch das Letzte. Wir leben in einer Uebergangszeit: das religiöse Leben der Gemeinde ist noch immer in der Umwandlung begriffen; es bedarf daher der ernstesten Sorge und der größten Vorsicht von Seite des Rabbiners, damit seine Wirksamkeit der Gemeinde zum Segen und nicht zum Schaden gereiche. Darum sei hier noch kurz die Frage behandelt, wie sich der Rabbiner zu den Reformbestreblingen in seiner Gemeinde zu stellen habe. Tenn Reformbestrebungen tvird er heute in jeder Gemeinde bereits vorfinden, und es ist nur zu beklagen, daß hier nicht mehr die Rabbiner, sondern ausschließlich die Gemeinde-Vorstände die Führung haben. Aber die Rabbiner wollten es ja nicht anders: sie haben die günstige Gelegenheit versäumt, sie haben sich gegen jedwede Reform so lange gestemmt, bis die Gemeinden über ihre Köpfe hinweg zur Neugestaltung des religiösen Lebens übergegangen sind. Hätten sie rechtzeitig auf die warnende Stimme der Redlichen gehört, sie hätten manches erhalten und manches zweckmäßiger gestalten können. Henke nun hat der Rabbiner zumeist nur hintennach zu sanktioniren. was die Gemeinde - Verwaltung nach ihrem Ermessen auf religiösem Gebiete angeordnet hat. Aengstlichen Wählten mag ja dieser Zustand, der sie jeder Verantwortung scheinbar überhebt, recht bequem erscheinen: aber er widerspricht dem eigentlichen Berufe des Rabbiners, der ans religiösem Gebiete der natürliche Führer seiner Gemeinde ist, und der auch, wo er sich der Führung begiebt, für jeden Schaden des religiösen i Lebens vor Gott und Israel die Verantwortung trägt. Darum muß I hier der Rabbiner sich die Führung wiederum zu erringen trachten. : Tie Verhältnisse sind in den letzten Jahren insofern wieder etwas : günstiger geworden, als das Ansehen der Rabbiner in den Gemeinden! einigermaßen gestiegen ist. Wenn sie nun bedenken, daß sie ihr wieder! gehobenes Ansehen nicht blos ihrer größeren zeitgemäßen Bildung.! sondern zumeist ihrer nachträglichen Rücksichtnahme auf die religiösen Bedürfnisse des gegenwärtigen Geschlechtes verdanken, dann müssen sie es einsehen, daß sie nur durch ein thatkräftiges Vorgehen aus allen Gebieten das volle Vertrauen der Gemeinden w' der gewinnen und zudem das religiöse Leben vor der um sich greisi )en Zersetzung! bewahren tönnen. Für diejenigen, die mit uns zu solcher Einsicht gelangt sind, entsteht nun die Frage: wo ist Initiative und wo ist Zurückhaltung geboten? Was, so antworten nur, in der Gemeinde noch lebt und veredelnd und religiös erbauend zu wirten vermag, das soll der Rabbiner pflegen und umhegen und in seinem leuchtenden und erwärmenden Kerne der Geineinde darzulegen suchen. Nu imb Kro des betti leiten in die Rev auf Abc oder Bc Rabbine auf aug aber neu große L nicht fel In (Wnnbe meide e m ihrer cnnedru erst eine ne von ihr zu 1?mlle iv den Scl meinde Mensche mnen l m allen iah sich uhließlic dre Eodi e echte" ..Gelehr verschick Blätteri als die wenn s deutige: hat die ob ein darüber Wanten Ar H'ui ge worden Den Vo mögen bleiben, giatorei *) **) •iiio dei hiv reli wenn a F arisch

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