Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 15 (25.4.1890)
- Date
- 1890-04-25
- Page
- Seite 216 (sequence 4)
- Language
- German
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216 Bedürfnis; gefühlt, innere Gründe zu finden, die feinen Uebertritt rechtfertigen, und da er das Bedürfnis; dazu hat, so findet er sie auch; er wird überzeugt und an ihm entwickelt sich jener Neophyteneifer, von dem der österreichische Schriftsteller Fcrdinpnd Kürnberger ein Pröbchen mittheilt, indem er von August Lewald erzählt, das; dieser ihn, den geborenen Katholiken, vorwurfsvoll fragte: „Besuchen sie nicht die heilige Messe?" Eine solche Wandlung der lleberzeugung denke ich mir bei zwei Eonvertiten unseres Jahrhunderts, tvelche beide als Theologen im Christenthum sich einen Namen erworben haben, bei dem Katholiken Emanuel Beith und bei dem Protestanten August Neander. Beide sind in weltlichen Berufen zum Christenthum übergetreten, wie es scheint, in der Absicht, die Hindernisse zu besiegen, die sich ihrem Fortkommen in dem gewählten Berufe — Neander war Jurist und Beith Thierarzt — entgegenstestten. Später aber scheint in ihnen das Bednrsniß entstanden zu sein, das, was sie vorstelltcn, wirklich zu werden, und sie wurden beide gläubige Christen, so das; Beith es zum Dompredigcr in Wien und zu einem besondern Vertrauensmann der frommen Damen am kaiserlichen Hofe brachte, und Neander schon mit 23 Jahren ordentlicher Professor der Kirchengeschichte wurde und sogar nach seinem Tode das hohe Glück erfahren konnte, von den; bekannten Hofprediger als Ideal eines wahren Christen und wahren Israeliten aufgestellt zu werden, ja sogar neuerdings zu einem Heiligen der Judenbckehrungsgesellschaft in Leipzig avanzirte, welche! sein Leben in einer ihrer neuesten Publikationen beschrieb.*) Tie Schriften, welche das „Institntum Judaicum“ zu Leipzig von Zeit zu Zeit herausgiebt, verdienen ivohl keine besondere Beachtung, wenn man die Wirksamkeit dieser Litteratnr zum Maßstabe nimmt. Ich glaube wohl kaum, daß sie jemals einen Juden zum Christenthnm bekehrt haben, und sehr oft begegnet man darin der Klage, daß unter den heutigen Christen so wenig Berstäudniß für die Bedeutung, welche die Bekehrung Israels für die Kirche und die Vollendung deS Gottesreiches hat, antreffe, und daß dem entsprechend die Geldmittel für diesen edlen Zweck so spärlich fließen. So gehen Judenthum wie Christenthnm au dieser Litteratur und den ihr zu Grunde liegenden Tendenzen gleich theilnahmlos vorüber. Ich glaube daher ganz kühn behaupten zu dürfen, daß ebenso wenig, wie die britische und ausländische Bibelgesellschaft mit ihrer der hebräischen Bibel beigedruckten Lntherübersetzung, mit ihren, als Anhang der Thora beigegebenen Auszügen ans de» christogisch gedeuteten Stellen der Bibel und endlich mit der mofforetischen Bemerkung, daß bei dem Worte rp2 (2. Mos. 12, 22.) ein Duamez stehe, was mit der darüber stehenden Segolta das Kreuzeszeichen bilde und andeuten solle, daß daS am Kreuz vergossene Blut des Gotteslamnies ebenso daS Sühnezeichen für den neuen Bund geworden sei, wie das an die Thüren der Israeliten in Aeghpten gesprengte Blut des Passahlammes ein Zeichen des alten Bundes gewesen ist — ebenso wenig wie mit diesen Dingen von Seiten der britischen Gesellschaft ein Erfolg erzielt wurde, ivird meines Erachtens mit den systematischen Versuchen der deutschen gelehrten Theologen ein nennenSwerther Erfolg erreicht werden. Unsere heritige Welt, besonders die gebildete Welt unter den Juden, ist viel zu gleichgiltig gegen die Erörterung religiöser Fragen und viel zu wenig unterrichtet über die Grundbegriffe jüdischer j Bibelauslegung, als daß eine solche Litteratnr von ihr für etwas Besseres angesehen iverden sollte als müßiges Theologengezänk. *> Dr. Ludwig Schulze, Professor der Theologie in Rostock: August Neander, Ein Gedankblatt für Israel und die Kirche. Schriften des Instit. Jud. Vir. 24. Leipzig 1890. Wenn ich im Gegensätze zu diesen Ausführungen einer von den, „Institntum. Judaicum“ herausgcgcbeuen Schrift eine eingehendere Erörterung widme, so geschieht das nicht, weil ich sic für gefährlich halte, sondern weil ich gerade möchte, daß meine Leser dieser Litteratur mehr Aufmerksamkeit zuwenden, um ihre Schwäche zri erkennen, und daß sie anderseits darnach streben, innerhalb des Jndcnthnins für eine Verbreitung der Kenntnis; von demselben durch billige und leickn lesbare Schriften Sorge zu tragen. 11. Das Büchlein, von welchem die Rede ist, giebt sich nach seinen eigenen Worten als ein Gedenkblatt für Israel nach dem Fleische, aus dessen Mitte der Glaubenszeuge Neander hervorgegangen war. der „errettet ivurde von der Finsternis; zum Licht, von der Kiieckw schaft unter den; Bann und Fluch des Gesetzes mit seinen unerfüllten Forderungen zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes, von dein Zwange des tobten Buchstaben zu der Lebensyuelle mittelst der Bei gebling der Sünden, in dem Blute des Lammes, ivelches, auf un> gesprengt, reinige von aller unserer ltngcrechtigkeit." Wir Juden sind solches Phrasenthilin nicht gewohnt. Das sollten sich iinsere Bekehrer merken. Heines bekanntes Wort über die Dreieinigkeitsdoktrin ist eine geniale Zeichnung des Verhältnissewelches der Durchschnittsjude gegenüber christlichem Mystieismus ei» nimmt. Damit will ich dem Christenthnm selber ja nicht nahe treten. Ich will nur sagen, daß mystische Vorstellungen nur dann auf uns irgend einen Eindruck machen können, wenn wir von Jugend auf, zu einer Zeit, wo das phantastische Vermögen in uns überwieg!, damit vertraut umreit. Ebenso will ich zugeben, daß die elegischen Klagen um Zions Fast und die innigen Gebete um seine Wieder Herstellung, wie wir sie in Gabirols und Jehuda Halevis Dichtungen finden, denjenigen kalt lassen, ja ihm als phrasenhafte Ziererei erscheinen werden, welcher nicht einmal die Zeit dnrchgemacht ha! wo er an die Wiederherstellung dieses nationalen Heiligthums glaubte. Wenn daher die Schriftsteller des „Institntum Judaicum" einen gut gemeinten Rath annehmen wollen, mögen sie sich solcher Wendungen, „wie Vergebung der Sünden in dem Blute des Lammes", „der göttliche Lebensgnell, der die Schaaren der Engel erfüllt" und ähnlicher enthalten. Ter Durchschnittsjude ist viel zu wenig theologiscb geschult, um unter solchen Redewendungen sich überhaupt etwas zu denken. Er wird bei einer solchen Lektüre sich langweilen, und Lange weile ist nicht das rechte Mittel, durch welches man Jemanden bekehrt Wir aber haben das Interesse, diese „Befreiung von dem Banne und Fluch des Gesetzes zu dem Lichte des Glaubens" ein wenig bei Lichte zu besehen. Zuerst liegt die Frage vor, ob denn das Juden I thum wirklich unter dem Fluche des Gesetzes steht. Im Talmud i wird das Gegcntheil dieser Anschauung als das ABC der Religion bezeichnet (Berachoth 5a, nach ll. Mos. 15, 26. mpim p’SX xinix iliHV pl 1VS bttf). Und in das Gebetbuch ist unter die Erbauungslektüre für den Sabbath Nachmittag der Ansspruch eilte* Lehrers ausgenommen, der sagt: „Gott wollte Israel glücklich machen, darum hat er ihm viele Gesetze gegeben." (Makkoth 33, 16.) Allee das sagt uns doch klar und deutlich, daß das Judenthum in dem Gesetz nicht etwa eine Falle erblickt, welche dem gutmeinenden Mcnschcnkinde zu dem Zwecke gestellt ist, damit es in seiner llnkennt niß sich etwas zu Schulden kommen lasse, tvas Gott mit seinem Fluche bestraft, sondern es ist ein Mittel, den Menschen daran zu gewöhnen, das; er sein Leben nach dem Willen Gottes einrichte. Das Gebot Gottes lautet: „Ihr sollt treu beobachten die Gebote des Herrn eueres Gottes, seine Zeugnisse und seine Gesetze, die er befohlen hat, und sollt thun, was recht und gut ist in den Augen detz Herrn. eamit es ilnch, oi (Gebote i leinen Ai and die ' sich sättig Jändewe der Pslick wer une dich segi deinem 6 Alle, irisst, wc nach Mo and von stluch tri richterlich ,'vliut) tri Grenze st das Rech diejenige! r amit w acht odc: ü rasende mnthigcn ein Ftuck wrund d in also > Verricht widerlich allmälig lann der ialtung > straft vl erlangt i mit der < nichtigen nändlich» er auch dadurch reichen £ ihm sein dem Ver iwd dad Rabbine Es ihre St« Gcmcini wenn di Würdest Rabbine die nur ►