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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-04-18 · Heft 14 (18.4.1890) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 14 (18.4.1890)
Date
1890-04-18
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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7 3 12,720 M. m Jahre 27,968 M. (öemeiueu 't sich in lieligionsmtb Trier ichtignng, rricht am ation von 'tand eine Fassungen : jüdischen irogramm aelitischen nester von noch 11!' ihängeudc ikollegium denen säst tt, welche eß, ist in gewandelt historische gründuug lilanthrogeb lieben in Franknd Realttionirten teile, nno 6. Angnsi if Klassen itier vieribeu schule auch alv itezeichnet. ivar eine ils gegen t wurde, übrigens iber 1813) teal- und jnenz der Hl de des )es neuen lmd die Namensdoch erst tegebenen ^chulrath nlich das . Januar l die mit die prohule der n Lehrer :ath ben nennlmg it „Realer Zusatz in Volks- ' besserer ralschule lleginms Jndth." chaftsgebracht. he —- in meinen Jahren ist man darüber hinaus — sondern weil sich die Leser iild. Zeitschriften, wenn sie im Sommer geistige und körperliche Erfrischung in unserem Badestädtchen suchen und finden, vielleicht beim Lesen eines ilmen hier zngesatldten „Berichts" dessen erinnern mtb uns mit so eher mie Spende zukommen lassen. -- Nächst dem nahen Frankfurt a. Nt. nimmt Berlin den bedeutendsten Rang in unseren Spendenlisten ein; üi> beiden Orten sind noch viele Herzen zu finden, die einen edlen Gemanch von ihren Glücksgütern zu machen verstehen. Durch solche spenden ist es uns möglich geworden, die Leistungen des Js r. Armenöolz-Vereins ans das Doppelte (von 300 auf 600 Mk. für Hotz und Steinkohlen) und den Kapitalstock von 2600 auf 7060 Mk. zu erhöhen. Außerdem sind wir durch diese Erfolge ermn thigt worden, einen Hier einst bestehenden, in den 40er Jahren durch die Ungunst der Verhältnisse aufgelösten „Verein zur Ausstattung isr. Mädchen" wieder ins Leben zu rufen. „Was unsere Väter mit Trauer im Herzen imtergehen sahen, wir. ihre Kinder und Enkel, lassen es neu erstehen im sichte einer bessern Zeit!" Dieser im Frühjahr 1886 neu begründete Verein bezweckt, unbemittelten Mädchen ein Stab und eine Stühe zu werden, bei Ausbildung für einen Lebensberuf, bei Begründung eines iRächäfts oder einer Häuslichkeit. Hohe weitausgesteckte Ziele. -- Wer bno Loos eines armen alternden Mädchens betrachtet, den must großes .Nitleid ergreifen. Jene Mädchen stehen meist ganz vereinsamt da eder sind vielen Demüthignngen seitens ihrer Umgebung ausgesetzt, fallen mach nicht selten der öffentlichen Wohlthätigkeit anheim. Ihr Gemüth mhlt sich beständig tief verbittert, und was solchen Unglücklichen am meisten wehe thut, sie betrachten sich mit der Zeit als überflüssige Mitglieder der menschlichen Gesellschaft, die von ihrem traurigen Schicksal ü-chts weiß, nichts wissen will. Mich jammerte das traurige Geschick > >ier verlassenen Personen, und nach Rücksprache mit heimischen orennden und nach Erkundigungen bei anslvärtigen namhaften und weitblickenden Männern ward das Werk unternommen, und zwar mit aller nur möglichen Kraftanstrengung. Ja, es bedarf großer Ansmmer und voller Hingebung, um an einem kleinen Platze einen solchen Verein in die Hohe zu bringen, denn sein Wirken kann nur geräuschlos rov sich gehen. Seine Thaten sind wenig in die Augen faltend, seine »wecke mehr idealer Natur, von der großen Menge zum Theil nuverüanden, aber die Hilfe Gottes hat uns nicht verlassen. Günstiger steht o mit dem seit über 70 Jahren hier wirkenden „Jsr. Armen -Hol z- Terein", dessen Hilfeleistungen den dringendsten Bedürfnissen des Allwgslebens entsprechen. Alljährlich, wenn die Nebel des Herbstes sich wiammenballen, wenn der scharfe Wind über die leeren Fluren streicht, 'ieht man hier schwer beladene Wagen mit Holz und Kohlen über die Straße fahren, um bei unbemittelten Mitgliedern der hiesigen Gemeinde nügeladen zu werden. Jeder, der diese Hilfe in Anspruch nimmt, selbst derjenige, der noch Haus und Hof besitzt, erhält mit größter Diskretion wii ihm zugedachten Antheil. Noch nie ist ein Mißbrauch vorgekonnnen. dagegen waren wir im Lause einer langjährigen Thätigkeit oft so glücklich, von vielen Familien benachrichtigt zu werden, daß die Zeit der choth und der Trübsal vorüber, und daß die jetzt erwachsenen Kinder '0bst im Stande seien, die Pflichten zu übernehmen, für die bisher Andere eingetreten waren. Aber die entstandenen Lücken bleiben nicht: bald nahen neue Hilfesuchende, denn, wie unsere Weisen sprachen'. ..(iilgol i( sch Imoloni!“ „Das Rad des Geschickes kreist beständig auf Erden", and während es den Einen hinanfhebt, läßt es den Anderen hinnuter- 'inten. So ist es gekommen, daß, während die Zahl der in hiesiger T>emeinde seither Unterstützten von 19 auf 14 hernntergegaugen, sich die Nothlage auf umliegenden Ortschaften vergrößert hat und wir den Beschluß gefaßt haben, hier helfend einzutreten, ehe es zu spät ist. Tenn die Armuth auf dem Lande ist, wenn sie einmal ausgebrochen aiel trauriger und schwerer zu heilen, als in den Städten, wo mehr -Nittel und Einrichtungen zu deren Bekämpfung vorhanden sind Tie Vorschläge, die wir neuerdings zur Hebung und Sicherung dieses Vereins gemacht haben und die jüngst in diesen geschätzten Blättern als nitzbringend und daher als selbstverständlich angenommen betrachtet wurden, haben bis jetzt noch nicht die Billigung unserer Mitglieder lenmden. Wir greifen hier nur zwei Bestimmungen heraus, nämlich, daß der Verein unter Aufsicht des jeweiligen Knltnsvorstandes gestellt werde Tiefem — der bei reger Betheiligung der hiesigen Gemeindemitglieder >>l freier direkter Wahl unter Aufsicht eines Regiernngsbeamten gewählt mrd — soll die Befugniß zustehen, bei zu spärlich besuchten Generalversammlungen die Prüfung der Abrechnung selbst zu besorgen, den iiernen Fonds in Verwahrung zu nehmen und einen neuen Vorstand! wählen zu können, damit nicht Alles dem Zufall an heim-! gegeben sei. Nach Rücksprache mit bedeutenden und erfahrenen i Männern aus kleinen Gemeinden, halte ich diese Bestimmung i in den Statuten unserer Vereine für sehr nothwendig, sie verhütet! manches, was durch zu große Selbstständigkeit, bei vielfach vorhandenem Jndifferentismns, sich als große Gefahr für die Zukunft erweisen könnte, i — Ein zweiter Vorschlag war derjenige, daß unser Verein solchen i ehrenhaften Mitgliedern unserer Gemeinden welche den untersten Steuerklassen angehören, die Gelegenheit zur Selbsthilfe reichen sollte, indem die Betreffenden durch kleine wöchentliche Ratenzahlung (etwa vom Mai bis September) das Anrecht ans je 1 Wagen Steinkohlen -- das ist 40—50 Centuer - zu den billigsten Engros-Preisen erwerben könnten. Hierdurch würde unser Holz-Verein zugleich einer der einfachsten und . billigsten K o n s u m verein e werden, in einer Zeit, in welcher das Heiz-! material so thener geworden. Werden diese Auseinandersetzungen die! Zwecke, die ich damit verfolge, erreichen, nämlich daß sie den hiesigen Leser nochmals zum Nachdenken und zur Erfüllung meiner Wünsche j bringen, und werden sie vielleicht in kleinen Gemeinden anregend auf die Bildung und Hebung von Wohlthätigkeitsvereinen wirken, daun werde ich froh sein, als einer der ältesten Mitarbeiter dazu beigetragen zu haben, daß wir im eigenen Lager Hand aulegen zur Besserung unserer Institutionen. Louis Lehmann. 1. Gietzerr, 14. April. Der seltsame Ausfall der Reichstagswahl in Gießen lenkt die allgemeine Aufmerksamkeit auf unsere Stadt. Mau hat mich schon mehrmals gefragt, warum vorzugsweise in den Provinzen Oberhessen, der großherzoglichen und ehemals knrhesfischen, Antisemiten in den Reichstag gewählt worden seien, und meinten, es müsse da etwas faul im Staate sein, d. h. die Juden der betreffenden Gegenden müßten wohl besonders durch wucherische und betrügerische Geschäfte, die sie trieben, Abneigung und Haß bei den christlichen Bewohnern erzeugt haben Nichts ist falscher als diese Annahme. Die Juden hierherum stehen moralisch und religiös hinter anderen jüdischen Gemeinden gleicher Lebensstellung nicht zurück; zeichnen sich auch nichts weniger als durch größere Wohlhabenheit ans. Es giebt nur wenig Wucherer oder betrügerische Handelsleute unter ihnen; und diese wenigen sind von ihren eigenen Glaubensgenossen ebenso mißachtet, wie von den christlichen. Auch giebt es verhältnißmäßig ebenso viel, wo nicht mehr christliche als jüdische Wucherer und Betrüger in den Orten, die antisemitisch gewählt haben. Von den wucherischen Hetzern selbst nicht zu reden. Der Grund, warum die antisemitischen Hetzprediger in vielen Orten, besonders in Dörfern so viel Anklang gefunden haben, ist hauptsächlich der, weil in den von ihnen veranstalteten Versammlungen keine Gegenredner ansgetreten resp. zugelassen worden sind. In Gießen und Friedberg und anderen größeren Orten würden ihnen kompetente Gegner entgegengetreten sein, und gewiß mit Erfolg, an denen es in kleineren Orten fehlte. Lassen Sie giftspeiende Blätter wie in Kassel und Marburg auch anderwärts erscheinen und von Hans zu Hans kolportirt werden, und deren Inhalt in mündlicher Rede mit lügnerischen Thatsachen und würzigen Anekdoten spicken; sie werden überall beim leichtgläubigen, den Inden ohnehin ans ganz anderen Gründen abgeneigten Landvolke Glauben und Anklang finden. Ob von Seiten der Vorstände unserer Gemeinden dem nicht zu begegnen gewesen wäre und künftig in ähnlichen Fällen nicht zu begegnen sein mochte, ist eine andere Frage. Vielleicht wären da sogenannte Reiseprediger am Orte, welchen Gedanken ich schon einmal dem Vorstande des deutsch israelitischen Gemeindebnndes nahe legen wollte. In gleicher Weise wollte ich diesem auch schon den Wunsch anssprechen, womöglich aller Orten, wo ein antisemitisches Blatt erscheint, einen Mann zu bestellen, der ihm in geeigneter Weise in Wort und Thal enkgegentrete. Kein Opfer, dafür gebracht, wäre zu groß. Luxemburg. x Luxemburg, 14. April. Der Stadtrath genehmigte in seiner heutigen Sitzung die unentgeltliche Ueberlassnng einer der schönsten öffentlichen Plätze der Stadt zum Ban der neuen Synagoge, sowie eine Unterstützung von zehntausend Franken für diesen Zweck. Wie lange wird es noch dauern, bis dieses Beispiel auch in anderen Ländern, namentlich aber in Deutschland, Nachahmung finden wird> Oesterreich - Ungarn. cc. Wien, 7 April. Gestern Abend starb hier im Alter von 78 Jahren W i lh e l m R i tt e r v. B o sch a n, einer der angesehensten Vertreter der

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