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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-04-18 · Heft 14 (18.4.1890) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 14 (18.4.1890)
Date
1890-04-18
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 dem war Lehmann auch auf belletristischem Gebiet thütig. Es existireu von ihm sechs Bände Novellen uub mcftvere ()iftortfStommie. Innerhalb der Grenzen seiner religiösen Weltanschauung hat er ans diesem Gebiete nnstreitig Begabung und Geschick entwickelt. Der Verstorbene war ein eifervoller Mann; er hatte viel mehr van Pinchas als von Elijahu an sich: aber sein Eifer entsprang doch frommem Glauben, und darnim mag auch ihn der Bund des Friedens umschließen. Uns geziemt es nur, den Tod des iu der Vollkraft seiner Mannesjahre so jäh Dahin» gerafften zu melden; das Urtheil über sein öffentliches Wirken fällt der nnerbitterlich richtenden Geschichte zu. Möge dem Dahiugeschiedenen die Erde leicht sein! ZL Berlin, 12. April, lieber die Feier, welche am 2-1. März zn Ehren des scheidenden Dirigenten der jüdischen Gemeinde-Mädchenschule, Dr. Nt o r i tz 3 t ci n s eh neider, stattfand, geht uns nachträglich der folgende Bericht zu: Um 11 Uhr begann der Festakt mit einem durch die ersten beiden Klassen gesungenen Liede, daun sprach Dr. Steinschneider zn den Schülerinnen und zu dem Lehrerkollegium. Nach einem weiteren Liede sprach der Vorsitzende der Gemeinde, Justizrath Meyer. Ausgehend von der Kammerverhandlung, in der von der Frequenz der höheren Schuten durch die Inden die Rede war, betonte er, daß sich die Juden diesen Vorwurf des Dranges nach höherer Bildung gefallen lassen könnten. Ueberleitend zur Feier erzählte er von der Gründung der Schule, die vor etwa 55 Jahren als Industrieschule für die unbebemittelte weibliche jüdische Jugend in's Leben gerufen wurde. Nach uub nach mußte der Handarbeitsunterricht eingeschränkt werden und stehe jetzt an Stundenzahl in gleicher Höhe mit dem der Kommunalschnlen. Im Jahre 18t»9 kam nach dem Tode des früheren Direktors Engelmann, Herr Dr. Steinschneider als Dirigent an die Schule. Er hat, so ungefähr führte Redner aus, es verstanden!, trotz der Konfessianalität der Schule zur Versöhnung der Konfessionen beizutragen. Dieses, wie die Klarheit und Gründlichkeit im Unterricht, sei sein Hanptverdienst. Sein Streben ging dahin-, die Jugend für's Leben genügend vorzubereiten. Er habe das Leben stets ernst und als eine Feit der 'Arbeit angesehen, uw Andere feiern, auf Spaziergängen rc. habe auch er der Arbeit obgelegen, und Niemand könne anftreten. der Steinschneider jemals müßig gesehen hätte. So wünsche er ihm nach einem arbeitsreichen Leben eine lange verdiente Ruhe des Alters. Seine anspruchslose Einfachheir habe jeder Feier und jede in äußeren Zeichen sich dotnmentirende Verehrung seiner Person abgelehnt, und deshalb hätten der Schulwie der Gemeindevorstand ihni eine Adresse gewidmet, welche ihm als Zeichen der Hochachtung und seinen Kindern und Enkeln als Antrieb zur Nacheiferung dienen möge. Diese kostbar ausgeführte 'Adresse wurde von Tr. Maybanm verlesen. Sie gab den Worten des Jnstizraths Meyer durch den Mund des Rabbiners beredten Ausdruck. - Dann sprach Dr. Apolant int Namen des Lehrerkollegiums. Der, zwar nicht in amtlicher Eigenschaft anwesende Schnlinspektor widmete dem scheidenden Direktor gleichfalls einige Worte des Abschiedes, die zwar nur als Ausdruck seiner persönlichen Meinnng gelten durften, doch wies er darauf hin, daß unzweifelhaft die Behörde ihn zu ebendenselben Worten antorisirt haben lvürde. So schloß die Feier, die noch einen nachhaltigeren Eharatter gewonnen hätte, wenn es sich um die Würdigung der Verdienste Steinschneiders als Gelehrten gehandelt hätte. Hier galt es nur, den Lehrer nach Gebühr zu feiern. * Berlin, 15. April. Im Krantenhanse der hiesigen ji’ibis ch e n Gemeinde sind im Jahre 1889: .1278 Kranke mit 45,102 Verpflegungstagen behandelt worden; davon waren: 5-3; arme Gemeinde-Mitglieder 1 nit 18 3'»15 Verpilegnngstagen =40,01 84 „ auswärtige Glaubensgenossen mit. 03.) zahlende Kranke auf allgem Station (incl. Gewerkstafsen- Krantej mit. 128 Kranke auf Extrazimmer mit 4,090 11,08 % 17,225 „ 28,42 % _ 4,402 _ - 9ML 1,278 Kranke mit.45,102 Verpflegnngstagen 100 A An 427 Rekonvaleszenten sind bei deren Entlassung 2,022 M. 90 Pf. Unterstützungen gezahlt worden. — Baar-Unterstützuugen für hiesige Stadltranke sind in Höhe von 8,018 43c. 40 Pf. gewährt worden. - - In beiden Polikliniken wurden 8,215 Personen behandelt und denselben in den meisten Fällen kostenfreie Medikamente :c. verabreicht. -- Die Gesammk-Ansgaben für Krankenzlvecke innerhalb der Gemeinde belaufen sich im Jahre 1880 ans 151,422 Nt. 44 Pf. - - Für fremde kranke Glaubensgenossen sind für Unterhaltung in der Anstalt, für Erpedikion Durchreisender, Gewährung von Maschinen, Bandagen, Brillen rc. 12,720 M. 90 Pf. verausgabt worden. — Im Siechenhause sind im Jahre 1889 45 Sieche in 11,091 Tagen mit einem Koskenaufwande von 27,968 M. j 89 Pf. verpflegt worden. i Stargard i. Pomin., 12. April. In der Beilage zur „Allgemeinen j Zeitung des Jndenthnms", der „Gemeindebote" Nr. 12, findet sich in! dem Artikel: Die preußischen Behörden und der jüdische Neligions- > unterricht folgender Passus: „In Rakibor, Stargard i. Pomm. und Trier; leistet der Staat keinen Beitrag." Dieser Passus bedarf der Berichtigung, > da in Stargard i. Pomm. für den jüdischen Religionsunterricht am; königlichen Gymnasium nur der Staat aüciti eine Remuuerakiou von! 200 Mark zahlt. - (Hiernach scheint der 1888 gemeldete Zustand eine j erfreuliche Aenderung erfahren zu haben. Red.) Frankfurt a. Main, 14. April. Nach bcu jüngsten Auslassungen | des Herrn Kultusministers und des Berliner Hofpredigers über die jüdischen! Schulen unserer Stadt erregt das soeben ausgegebene Schnlprogramm; der von Herrn Dr. Bürwald geleiteten Realschule der israelitischen Gemeinde besonderes Interesse. Die Anstalt war im Wintersemester von 278 Schülern, darunter 20 Nichtjuden, besucht; hierzu kommen noch 119 Zöglinge der Vorschule. Die mit der Realschule zusammenhängendc Mädchenschule zählte zuletzt 224 Schülerinnen. Das Lehrerkollegium besteht außer dem Direktor ans 29 Herren und Damen, von denen fast die Hälfte christlicher Konfession ist. Der Name der Anstalt, welche ' bisher „Realuub Volksschule der israelitischen Gemeinde" hieß, ist in; „Realschule der israelitischen Gemeinde (Philanthropin) umgewandelt worden, lieber diese Aenderung giebt das Programm einige historische Erläuterungen, denen wir Folgendes entnehmen: „Von ihrer Begründung am 1. Januar 1804 bis zum August 1812 hieß die Schule „Philanthro- : Pin", ein Name, welcher ihr im Voltsmunde bis auf diesen Tag geblieben z ist. Bei der Neuordnung des Schulwesens im Großherzogthum Frant-! fnrt wurde das Philanropthin unter dem Namen „Bürger- und NeaO! schule für die israelitische Gemeinde" in die vom Staate subventionirten I öffentlichen Schulen des Großherzogthnms eingereiht. Diese neue, aus; dem Philanropthin hervorgegaugene Schulanstalt, welche am 12. August! 1812 eröffnet wurde, bestand aus einer Knabenschule mit fünf Klassen i und je zweijährigem, also zusammen lOjührigem Kursus und einer vier-! ttassigen Mädchenschule mit achtjährigem Kursus; in der Knabenschule! wurden die 2 unteren Klassen als „Elementarklassen" oder auch als j „Bürgerschule", die beiden oberen Klassen als „Realschule" bezeichnet. ' Mit der Knabenschule sowohl wie mit der Mädchenschule war eine i Volksschule verbunden, in welcher die unbemittelte Jugend theils gegen! ein unbedeutendes Schulgeld, theils unentgeltlich unterrichtet wurde. ' Von dieser Einrichtung rührt es her, daß die Schule, welcher übrigens! mit der Wiederherstellung der freien Stadt Frankfurt (14. Dezember 1812) | die staatl iche 11 nt erst ü tznng entzogen wurde, bald den Namen „Real-und; Volksschule der israelitischen Gemeinde" annahm. Die Fregnenz der j Volksschule minderte sich im Laufe der Zeit; sie saut am Ende des! Schuljahres 1852 51 auf 8 Schüler. Diese wurden im Beginn des neuen! Schuljahres, im April 1854, in die Realschule ausgenommen, und die Volksschule hörte auf. Obgleich nun seitdem eine entsprechende Namens- ' ändernng der Schule wiederholt erwogen wurde, so ist dieselbe doch erst infolge einer von dem Königlichen Provinzial-Schnltollegium gegebenen Anregung erfolgt. Aus Anlaß der Prüfung der von dem Schulrath zur Bestätigung eingereichten neuen Pensionsordnung warf näuilich das Königliche Provinzial-Schnltollegium in einer Verfügung vom 22. Januar 1889 die Frage auf, ob nicht, nachdem bereits im Jahre 1854 die mit < der Realschule früher verbundene Volksschule eingegangen sei, die projektirte neue Pensionsordnung als nur für die an der Realschule der! israelitischen Gemeinde zu Frankfurt a. M. definitiv angeitellten Lehrer und Lehrerinnen zn bezeichnen wäre. Dieses gab dem Schulrath den Anlaß, unter Zustimmung der Gemeindebehörden, die seitherige Benennung der Schule „Real- und Volksschule der israelitischen Gemeinde" in „Realschule der israelitischen Gemeinde (Philanthropin)" abzuändern; der Zusatz Philanthropin wurde in Erinnerung an die ursprüngliche und im Voltsmunde noch immer geläufige Benennung der Schule zum Zweck besserer Unterscheidung von der anderen hier bestehenden israelitischen Realschule i gewählt. Durch Verfügung des Königlichen Provinzial-Schulkolleginms i vom 10. Juli 1889 wurde diese Namensänderung bestätigt.! Hamburg, 8. April. Sie haben in Nr. 8 der „A. Ztg. d. Judth." j ein sehr günstiges Urtheil über einen von rnir verfaßten „Rechensch afts- > bericht" mehrerer hier bestehender Wohlthätigkeits-Vereine gebracht. 1 Ich freute mich sehr damit, nicht weil ich mich gerne gelobt sehe —- in

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