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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-04-18 · Heft 14 (18.4.1890) · p. Seite 212

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 14 (18.4.1890)
Date
1890-04-18
Page
Seite 212 (sequence 12)
Language
German
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212 Doch, <ich, wohl ward nach nicht erfüllt! Tic Zeit der Wunderblume: ' Statt bc* Gedankens fall uns Tein Bild, Roch dienen zum Hciligthum; Ach, leucht' es doch bald dem Bott in's Herz, Das sich darum mag schaaren. Einst spricht der Stein, einst tönt das Erz, Einst wird sich Lessings Geist allwürts Lebendig offenbaren! Tann werden die starren formen nicht Regieren mehr auf Erden, Tann wird in hellerem, rcinercnr Licht Ter Mensch zum Menschen werden; Tann wird den alten blutigen Streit Ein „weiserer Obmann" schlichten, Wie es Tein Mund rms prophezeit: Tie Liebe, dom Togmenzwang befreit, Wird dann den Glauben richten! U Litterarischc Mittheilungen. — P i r f e A h oth, b. i. Sprüche der Väter. Uebersetzt t>on S a tu u e l j rUlüftet Ux. Berlin 1890. (Speyer und Peters.) Ter Traetat der Mischna, welche die Sprüche der Väter enthält, ist f die Quintessenz der jüdischen Ethik unb als solche stets anerkannt unb 1 gelvürdigt worden, aber freilich nur in einem kleinen Kreise. Hütten! die Gegner des Indenthums auch nur eine Ahnung von dem Inhalt! dieses ethischen Tractats gehabt, so hätten sie gegen seine sittlichen Tenf denzen nimrnermehr solche Angriffe richten können. Tas harte Schicksal, j welches die jüdische Litteratnr von ihren Anfängen bis auf die nette Zeit! erfahren: verkannt 311 werden oder ungekannt zu bleiben, ist auch diesem ethischen Traetat nicht erspart worden. Wohl haben sich gelehrte Mällner zu verschiedenen Zeiten mit demselben beschäftigt, aber über die gelehrten Kreise hinaus ist die Kenntnis) dieser ethischen Sprüche nicht oder doch nur sehr selteil gelangt. Es war eilt schöner Brauch bei den alten Juden, das; sie au den Sommersabbath-Nachmittagen die Sprüche der ' Väter lasen. Mit io vielen anderen ist auch dieser schöne Braitch ge- > schwanden; aber die Kenntnis) dieser ethischen Sprachweisheit sollte aus j Israel nimmer schwinden! In ihrer Vereinigung von Milde und Weisheit, - von Lebenserfahrung und Frömmigkeit, von Duldung und hochsinnigem! Verständnis; der menschlichen Natur ist diese Spruchsammlung ein wahrer | Schab und ein Kleinod unseres Schriftthums, das wir bewahren und Hoch- Halten müssen auch unter den Bildungen einer neuen Zeit. Es war darum ein vortrefflicher Gedanke, diesen ethischen Traetat ins Deutsche zu übersehen. 'Nicht als ob es bisher an solchen Uebersetzungen gefehlt hätte; ihre Zahl ist vielmehr Legion. Aber fast alle diese Uebersetzungen, soweit! ich sie kenne, geben entweder den Gedanken jener Spruchväter nicht ihr volles Recht, oder sie sind in einem sogen. Siddur-Deutsch gehalten, welches die Lektüre zu einer wenig anmuthenden macht. Herr Dr. Samuel Kristeller hat sich bereits als ein Uebersetzungskünstler von seltener Begabung erwiesen; seine Uebertragungen von Gabirol, Jehnda, Halevi, Eharisi u. A. gehören zu den besten und treuesten, die wir besitzen. Auch in seiner Uebertragung der Pirke Aboth zeigt sich der feinsinnig nachempsiudende Dichter, der sprachgewandte Uebersetzer und nicht am wenigsten der tüchtige Denker. Sein Zweck ist die Erbauung der Leser und die Förderung einer schönen, allgemein menschlichen Sittlichkeit. Dieser Zweck wird biti'd) die vorliegende Uebertragung sicher in reichem Maße erfüllt werden. Zum ersten Mal wird weiteren Kreisen das Verständnis) eines ethischen Spruchgebiets erschlossen werden, das diesen bisher fast gänzlich verschlossen war; zum ersten Mal werden sie hier Lehren der Liebe 1111b einer geläuterten Gläubigkeit, Aussprüche tiefster Sittlichkeit unb Ideen hoher Moral Philosophie aus längst entschwundenen Tagen in modernem unb anmuthigem Gewände kennen lernen. Das ist ein hohes Verdienst, für das wir dem geschätzten unb vielverdienten Manne zu aufrichtigem Tanke verpflichtet sind. Einige Sprüche sind, um sie dem modernen Gefühl zugänglich .zu machen, in gereimte Form und durch diese in eine überaus gefällige Gestalt gebracht worden. In dieser Weise könnten die Sprüche der Väter in der That eine neue Popularität gewinnen oder vielmehr die alte, erbgesessene wiedererlangeu. Nur ungern widerstehe ich der Versuchung, einige dieser gereimten Uebertragungen zur Kräftigung dieses Urtheils hier vorzuführeu; aber der Raum dieses Blattes verbietet eine solche Wiedergabe. Nur ein Spruch, der des Rabbi Meir, mag hier für viele stehen. Er ist als Motto an die Spitze dev kleine;!, liebenswürdigen, vortrefflich ausgeführten und auch in seiner äußeren Erscheinung überaus ansprechenden Büchleins gesetzt. Er charatterisirt die alten Sprüche wie die neue Uebersetzung am treffendsten. Er lautet: In die Tiefe strebt der Kluqa Doch der Narr, der flcbt aut Schein; Darum sieh' nicht nach dem Kru§e, Sondern forsche nach bau Wein. Junger Saft aus altem Saß Wird (5'rsahrnc nicht betrügen; Doch ein altes, edles Naß Bringt auch Vuft aus neuen Krügen! k. •’Sr rb'bz ^22 KlilaUi Juli, enthaltend die Geschichte der Rabbiner der Stadt Lemberg vom Anfänge bis auf die Gegenwart, so wie der berühmtesten Rabbiner und Schriftsteller von Polen und Lithauen vom Jahre 1492 bis 1692, mit einer Abhandlung über die Synode der vier Länder in Polen und Lithauen. Mit kritischen Anmerkungen und einer Einleitung von Ehaim Nathan Dembitzer, Rabbinatsassessor der Kultusgemeinde in Krakau. (Krakau 1889.) — Das (in hebräischer Sprache geschriebene) Buch empfiehlt sich als eine auf immenser Be lesenheit und fleißigem Quellenstudiinn beruhende Schrift über die jüdischpolnischen Autoritäten der letzten drei Jahrhunderte und ist für eine geschichtliche Darstellung dieser Zeit unentbehrlich geworden. Der Gebrauch wäre durch Hinzufügung eines Index der vielen Namen erleichtert worden. — Dembitzer hat sich durch eine Kritik des Werkes „Ir ZedeU von L. M. Zun.z (über die Rabbiner in Krakau) in der Zeitschrift Haschachar und durch seine Herausgabe des Buches „Rabia" bekannt gemacht. Bei dieser Gelegenheit sei der segensreichen Wirksamkeit der „Zunzstiftung" gedacht, welche, nachdem sie dem von Gestetner in Budapest mit großer Sorgfalt angefertigten Index zu des Dr. Zunz „Litteraturgeschichte der synagogalen Poesie" zum Druck verholfen, auch obigem Werke eine Subvention hat zu Theil werden lassen. Genannte Stiftung, in welche nach dem Abgänge des Dr. Steinschneider der Rabbiner Dr. Maybaum eingetreten, wird dem Vernehmen nach im Jahre 1896 (zehn Jahre nach dem Tode des Dr. Zunz) einen Bericht über ihre Wirksamkeit für die jüdische Litteratnr veröffentlichen. Unter Anderem soll auch das Erscheinen einer Biographie des Dr. Zunz bevorstehen, mit der sich ciu namhafter Gelehrter seit längerer Zeit beschäftigt. Der ..Zunzstiftung" ist auch der litterarische Nachlaß des Dr. Zunz zugefallen, wahrend die Zunz'sche Bibliothek, wie früher die Oppenheimer'sche und dann die Michael'sche Bibliothek, den deutschen Boden verlassen hat. v. <1. d ---„Die Moseslehre". Unterrichtsbuch für die israelitische Religionsschule und zur Vorbereitung für die Konfirmation. Von Dr. David Leimdörfer, Prediger in Hamburg. (Hambg. 1890 bei G. Fritzsche.' Zweite vermehrte und verbesserte Ausl. Die „Moseslehre" ist die zweite Auflage der 1876 von dem Verfasser herausgegebeueu „Kurzgefaßten Retigionslehre". Was dieses Buch vor vielen anderen desselben Inhaltes auszeichnet, ist das überall deutlich zu Tage tretende Bestreben des Verfassers, bei möglichster Kürze des Ausdrucks die Einheit zwischen der Gottes- und der Tugendlehre, eine innere Verknüpfung von Glaube und Moral zu schaffen. Diese Aufgabe, welche der Verfasser sich nach feiner im Vorwort gemachten Angabe gestellt hat, ist ihm durchaus gelungen. Der Glaubens-und Sittenlehre, welche getrennt zu behandeln der Verfasser trotz seiner gegentheiligen Behauptung nicht umhin kann, sind die beiden Hauptabschnitte, dem Kultus, der Bibelkunde und dem speziellen Konfirmandeuunterricht drei kleinere Abschnitte gewidmet. — Freisinnigen Lehrern und Gemeinden sei das Buch zur Einführung bestens empfohlen. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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