Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 14 (18.4.1890)
- Date
- 1890-04-18
- Page
- Seite 209 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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209 wundcrui, reichbestanden, Zöhenzug die durch men zwei d Geröll konnte», > stieg die n Füßen dehnten nd tiefen trockneten s Heiligie Stadt Marmor Tempel- Palästen, mr noch -chwarzer zerfallene kreischte, wrt, im i warfen saöl nnd rusalems jnte der Nächten i jenseits Purpurjgenoffen n Roms. Länderer e zurecht itersetztcr Sonnen- Dennoch bachtung chlechtem oga von ng, sein Doch stöhnend Himmel n er aus 'glich z» i Andern i er zwar : so laut! Andern t gemein, wuschen, : gehört „Christlich? Der Erdboden würde mich, verschlingen, wenn ich in dieser Stunde den Juden verleugnetc. Christlich'? Die Greuel da unten löschen alle anderen Lehren, als die vom rächenden Gott Israels, ans meinem Gedüchtniß. Die Nazarener haben kein Vaterland, aber dies ist Jerusalem, mein Vaterland!" Und er warf sich zur Erde hin und küßte sic. Der Andere wühlte verlegen im Haar. „Höre, Timon," sprach er, „daß Du kein geborener Römer bist, merkte ich längst, doch würd' mir lieber sein, wenn Du Dich als ungeschliffener Thracier enthüllt l,littest. Tenn ein Jude — wie Du weißt, ein Jude auf diesem Grund und Boden betroffen, wird gehängt. Und mitgefangcn, mitgehangen —" „Wie kannst Du so feige sein! Wagst Du doch zu Rom Tein Leben, so oft Tu zur Nazarenerprcdigt in Keller und Höhlen kreuchst!" „Das geb' ich zu, aber cs ist ein Unterschied zwischen Rom und hier. Ich sterbe lieber unter guten Bekannten, als auf Reisen; und vollends, wenn ich als Märtyrer sterben soll, so ist dort meine Camilla bei mir und geht mir mit dem Beispiel eines seligen Endes voran. Auch wurden wir nicht nach Damaskus geschickt, um in Jerusalem auf den Cäsar zu schmähen. Ich will mit jüdischer Politik nichts zu thun haben. Im Gegentheil, Euer höher Rath, nicht unser Statthalter hat den Herrn gekreuzigt. Ihr habt Eure Strafe redlich verdient." „Ja, das haben wir, mein guter Andronieus," crwiederte der Andre, indessen ruhiger geworden. „Aber sieh', darin denk'ich wieder christlich: Warum soll der Sünder durch den Sünder sterben?!" „Keine Spitzfindigkeiten! Entweder glaub' ich, oder glaube nicht. Entweder bist Tu ein Christ oder kein Christ. Im ersten Fall webst Du dem Kaiser, was des Kaisers ist, das heißt, Du machst über die römisch Politik da unten (er zeigte auf die Getrümmer) keine unnützen Bemerkungen; im andren Fall sagen wir uns Lebewohl. > Tenn ich habe den Auftrag, mit Bruder Timon zu den Brüdern in I Damaskus zu reisen — den Juden Timon kenn' ich nicht." „Ja, mein armer Bursche," versetzte Timon nach kurzem Nachdenken und legte seine Händ in traulicher Weise auf die Schultcrn des Gefährten; „wir wollen scheiden. Eine iilhnung davon kam mir, als ich Dich auf diesen Umweg drängte; jetzt weiß ich mein Schicksal. Es wäre unbrüderlich, das mit Dir zu theilen .... Doch bevor wir uns trennen, möchte ich Dir den Beweis führen, daß ich die Gemeinde nicht hintergangen habe. Man kann Manches nicht glauben und gehört doch zum Bund. Tie Harfe hat viele Saiten »nd jede Saite mehrere Töne. Nicht jeder stimmt zum andren, und doch klingt das Ganze so harmonisch .... Was trieb Dich zum Beispiel zu den Nazarenern?" „Höre, höre! Fang' nicht abermals Griechisch an. Was mich zu den Nazarenern trieb? — ja, was trieb mich denn? Beide saßen wieder. Andronieus, auf die Ellenbogen gestützt, grübelte nach; Timon wartete mit einem feinen Lächeln auf die Antwort. „Das kam so," begann nach einer Pause Andronieus. „Ich bin arm, und es ist mir immer schlecht ergangen. Nun mögen die Götter wissen, ob es in der Arena oder in der Oelmühle war, wo der heilige Geist über meine Camilla kam — kurzum, eines Tages meinte sie, in den Lehren des neuen Gottes aus Nazareth sei doch viel Vernunft: Die Armen in's Elysium, die Reichen in den Orkus. Das leuchtete mir ein. Ein Wort gab das andre — kurzum, wir suchten einen Bekannten auf, den ich längst im Verdacht hatte, ein heimlicher Nazarener zu sein. Ich habe eine feine Nase; der Mann war unser Mann. Auch nur ein Handwerker, aber reden könnt' er, beim Styx! wie ein zweiter Cicero. Das arme Seelchen schmolz einem wie Wachs unter seinen Worten. Meine Frau wurde ganz verwandelt, sanft wie ein Lamm. Auch das stimmte mich günstig. Und dann die Gütergemeinschaft — Hab' ich nichts, brauchst auch Tu nichts — kurzum, nächste Saturnalien wird eS just ein Jahr, daß Camilla und ich getauft sind .... Da hast Tu meine VekchrnngSgeschichte, und bin ich zwar kein Paulus, so war ich auch kein Saulus." „Mithin führten Dich sehr irdische Beweggründe dahin, das Ueberirdische zu glauben —" „Höre, Bruder, wenn Du mich nur ausholtest, um meinen Glauben zu verdächtigen!" rief Andronieus mit drohender Miene. „Meinst Du, ich würde Weib nnd Kind und Geschäft verlassen, und Neptun mich anvertrauen, und in dieser traurigen Gegend mir die Füße wund laufen, nur um den Brüdern und Schwestern in Damaskus Angesicht in Angesicht zu sagen, daß wir in Rom wohlauf sind und dasselbe von ihnen hoffen: wenn ich nicht den Glauben hätte! Was, beim Herkules! wären mir die Christen in Damaskus, wenn ich nicht an Christus glaubte!" „Beruhige Dich, Freund; Tn hast den Glauben und die Liebe. Ich wollte Dir nur an Dir selber die Widersprüche deS Lebens zeigen. Dem Einen wird Wasser zu Gold, dem Andern Gold zu Wasser.! Vielleicht begreifst Tu mich besser, wenn ich Dir meine Bekehrung! erzähle. Auch wirst Du bei der Heimkunft gefragt werden, wo Timon j blieb. Tann magst Du berichten, was Tu von meinen Worten behalten hast. Sic werden Dich und mich schon verstehen, unsere! Weisen. Hier hast Tu von Tercntius Rusus und andern reißenden Thieren nichts zu fürchten. Also verweile!.... Betrachte mich als einen Sterbenden: lege Deine warme Hand in meine erkaltende! Das ist das treffende Symbol des Weltlaufs." .... Ter tiefe Ton einer Tuba, anschwellcnd und verhallend, tönte durch die Luft. „Horch! Sie blasen im Lager," sagte Andronieus. „Die können nun schlafen; ich muß wie ein Dieb die Nacht zum Tag machen Ob meine Camilla jetzt an mich denkt?" „Meiner gedenkt Niemand." „Das hat auch seine Vorzüge; ja, wenn ich manchmal zu philosophiren beginne-Doch, Du wolltest mir erzählen. Ich bin ganz Ohr." Timon warf noch einen Blick nach Westen, dann begann er: „Ich bin, das einzige Kind jüdischer Eltern, zu Tarsus geboren —" „In Cilicieu. Kenn' ich," warf sich der Andere in die Brust. „Bist Du dort gewesen?" „Nein, aber dort ist auch Paulus zu Hause." „Ja, auch Paulus. Er aber wuchs in einer strenggläubigen Pharisäerfamilic heran, ich wurde nach den Grundsätzen meines Vaters, der wie ein Grieche lebte, wie ein Epikurüer dachte, erzogen. Während der junge Saul zu den Füßen der Schriftgelehrten seiner Sekte saß und mit einer gewissen Eitelkeit die breiten Denkzettel und Kleidersäumc der Pharisäer trug, war mein Bemühen, das Attische fließend rein zu sprechen und die Chlamys zierlich wie ein Grieche zu falten. „Wir Inden bildeten in der hellenischen Stadt eine gesonderte; Gemeinde, hatten unser eigenes Recht und eigene Richter. Mein; Vater bekleidete das Archontenamt, eine Würde, die er nicht gesucht,! die man ihm, damals vielleicht, weil er ein Freidenker war, aufj gedrungen hatte. In seinen Mußestunden las er gern nnd bald auch l mit mir griechische Autoren. Doch sein wärmster Herzschlag gehörte! dem kalten Marmor. Wenn Ausländer bei uns zu Gaste waren i und das Gespräch auf Bildhauerei kam, bewährte sich mein Pater stets j als der feine Kritiker und aufrichtige Bewunderer. Er konnte an j keiner Statue vorübcrgehcn, ohne nach ihr zu blinzeln. ... 'i /'