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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-04-18 · Heft 14 (18.4.1890) · p. Seite 207

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 14 (18.4.1890)
Date
1890-04-18
Page
Seite 207 (sequence 7)
Language
German
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207 i sie mit schaftlichcn elchcn ba;- czwungen, ■tiifl gegen nschauung r heiligen tvorgüngc : Autoren re, lernen c kennen, siel jedoch Propheten fftand fest icit, wen» ii früher» und dost rkciintmß ondel gcinng von lchcn rein of's Enton seiner stntc, das illcn, die eicht, auf :lt, wenn Heim der nd Recht cn", weil die große der Weg lehr eure Propheten ten, von Zustände für eine nge Umcrfliirtc, ipfe und c handle, nur neue iste selbst, >er reforatze, der eben der i Gründe iottc mit mit dem ■ ist, dost hten für er Gotte rotz ihrer nkt, mit gt. Ihr ) den sie erbenden Art; sie >r nennt. in dein Alles besiegenden Mannesmuthe, den sie gerade von dem Manne erwarten zu dürfen geglaubt hotte, in der unbedingten Hingebung und in der Selbstverleugnung der Liebe, in der Starke des EharakterS, womit der Edle olle Verantwortung und alles schwere Verhängnis; auf sich allein ninnnt, wenn cs Ehre und Glück des Hauses betrifft. Sic ist die Vertreterin des neuen Gedankens, welcher zwar seltsam erscheint und uns überrascht, wie der neue Gedanke des Propheten sein Volk überraschte, der aber dennoch das ewig Wahre and tief Gegründete gegenüber dein Konventionellen und Schcinsamcn enthält und darum so packend wirkt, zur unverweigerliche», wenn auch widerwilligen Anerkennung zwingt. So richten sich auch die „Gespenster" gegen die flache alltägliche und falsche Auffassung, welche in Gesellschaft und Sitte maßgebend gelvordcn, und die sich oft selbst im Gesetz zum Schaden der Menschen äußert. Denn das Recht, welches gilt, ist nicht immer das Rechte. Pie Gespenster bedeuten nichts anderes als die ererbten Vorurtheile, an denen wir hangen und die wir mit uns herumschleppen. Frau Alving, die zu der Erkenntnis; kommt, daß das ganze Elend ihres Familienlebens, das traurige Schicksal ihres Sohnes und ihr eignes von der Nachgiebigkeit gegen solche verrottete Vorurtheile herrührt, äußert sich, durch Schaden klug geworden, gegen den Pastor Mauders, welcher das Bindende und Verpflichtende der herkömmlichen religiösen »nd staatlichen Satzung befürwortet, folgendermaßen: „Ach ja, die Trdnuug und das Gesetz! Manchmal glaube ich beinahe, daß diese beiden alles Unglück hier auf Erden stiften." Ilnter Gespenstern versieht sie ausdrücklich „allerhand tobte Ansichten, allen möglichen alten «Rauben, der in uns umgeht. Er steckt in uns und wir können ihn nicht loS werden ... Und dann sind wir Alle mit einander so gvtteSiannnerlich lichtscheu," daß wir die Gespenster nicht einmal offen zu beleuchten wagen. Aber der Dichter ivagt es wie in „Nora" so auch liier durch den Mund einer Frau »nd verbreitet dadurch Licht und Erkenntinß in unserer Seele, ohne darnach zu fragen, welchen Nutze» dieses Licht bringen werde. Das Leuchten der Wahrheit ist ihm Nutzen genug. „Verkannten Wahrheiten und neuen nmthigen Anschauungen die Bahn brechen," sagt er im „Volksfeind", „das ist unsere Aufgabe." Und nun erinnern Sie sich, wie oft in der Schrift der GotteSmanu die schädlichen Illusionen zerstört, die falsche moralische Grundlage und den alten wahnerzengcndcn Gebrauch beseitigt, wie JesaiaS den König Hiskia veranlaßte, die kupferne Schlange, welche der Gesetzgeber Mose selbst errichtet hatte, zu zertrümmern, weil sic ans einem Denkmal der Religion zur Urheberin des Aberglaubens geworden war, wie Jeremias selbst den Tempel, das heiligste Institut des israelitischen Alterthums, nicht schont, wenn er die Jrrthümer, die sich an ihn hängen, bekämpfe» und klar machen will, daß der wahre Gottesdienst nicht in der äußeren Anbetung, sondern in der gottgefälligen Gesinnung und Handlungsweise besteht, wie er dem Volke zürnst (7, 2): „Höret das Wort des Ewigen, die ihr cinzieht in seine Fhore, um euch vor ihm nicderzuwerfcn; verlaßt euch nicht auf die Lügenwvrte, wenn sie spreche» Tempel, Tempel, Tempel des Ewigen, sondern bessert euren Wandel und eure Handlungen und übt Gerechtigkeit Einer gegen den Andern!" Ja aber, so sagt man, Ibsen hat doch wohl selbst Jrrthümer und Vorurtheile verbreitet, namentlich durch die Lehre von der Vererbung, welche sich wie ein rother Faden durch alle seine Dichtungen zieht. Bald übertragen sich bei ihm üble Eigenschaften, bald erbt der Mensch die traurigen Folgen, welche sich an diese Eigenschaften knüpfen. Hat er dadurch nicht statt der moralisch freien Selbstentschließung dm Naturprozeß zur Quelle des Lasters geniacht »nd die Tclbstverantwortlichkeit des Menschen aufgehoben? Es ist richtig, i daß das Problem der Vererbung unscrn Dichter wie kaum ein : anderes beschäftigt und ihn auf's Tiefste erregt. Was ist ererbt, was zu vertreten i Welche Neigung ausustäteu! Wird die Antwort angenonnneii: „Es ist ererbt und überkommen?" Schwindeltiefe Rüthselfragen, Wer darf euch zu deuten wagen? Es ist auch richtig, er beantwortet diese Räthsclfragcn nach langem Beobachten und Nachdenken dahin, daß es eine Vererbung j gicbt. Aber wenn irgendwo, so stimmt er hier mit dem Gesichtspunkt der Bibel überein. Er äußert sich darüber mit gleicher Kraft, mit s gleich lebendigem Nachdruck wie sie. In der Schrift werden Eltern und Kinder als Eins betrachtet. ■ Wenn Gott beut Abraham etwas verspricht, so hat er ihm selbst das : Versprechen gehalten, ob er cs auch erst bei den Kindern erfüllt.; „Du hast ihnen dieses Land gegeben, welches du ihren Vätern zugcschworen" *), laute tdie dankbare Anerkennung der Nachwelt. Wenn er den Nachkommen straft, so hat er den Vater für seine Sünde , getroffen; denn wie kann man einen Menschen empfindlicher büßen ■ lassen, als an seinem Kinde? Tic Sünde des Vaters ist der Keim; zur Sünde des Sohnes; der Keim ist aber nicht so stark wie die! ausgewachsene Frucht; darum tritt in der Regel erst beim späteren! Geschlecht das sichtbare Unheil und das Verderben ein. Erst beim j vierten Geschlecht, heißt cs im Ist. Kapitel des 1. Buches Mose, ist ' das Sündciunaß Amvri's voll, erst bei diesem Höhepunkt erfolgt sein; Untergang. Gott vergilt die Schuld der Vater in den Schoos; ihrer! Kinder nach ihnen, sagt die Bibel**), und Ibsen sagt: Gott braucht die Schuld, den ersten Keim Zum ew'gen Ausgleich für die Sünde; Und sucht der Eltern Sünde heim Am Kinde und am KindeSkinde! Welche Aehnlichkeit in Gedanke und Form! j Man spricht von einem ehernen (besetz in den ökonomischen! Einrichtungen der Gesellschaft; hier haben Sie das eherne Gesetz in j den Einrichtungen Gottes, von welchem sich Ibsen wie von einer j Qffenbarung berührt fühlt, so daß er hinzufügt: j Ja, hoch von oben kommt mir Licht:! Das Höchste ist das Gleichgewicht! Dieses Gleichgewicht vermögen wir nicht aufznhebcn, wir mögen Gutes thun oder Böses, ein Verdienst uns erwerben oder eine Schuld auf uns laden. Der Pendel folgt im Sittlichen wie im Natürlichen, in den Bewcgtuigen der Freiheit wie in denen der Nothwcndigkeit; dem Gesetz der Ausgleichung. Dabei ist aber weder in der Schrift noch bei Ibsen die Vererbung jo gemeint, daß Verdienst und Schuld anfhören, daß das Große der Vorgeschlcchtcr ohne eigenes Zuthnn und das Böse ohne eigenes Vergehen sich mittheilt. Von der Schrift; brauche ich dies nicht erst zu beweisen. Aber auch Ibsen giebt dafür Belege genug. Wenn bei ihm der Eingebildete ausruft: Ein Großes wächst aus hohen Ahnen, so wird ihm von dem Erkenntnißvvllen die Antlvort: Wenn sie zur That, zu Größerem mahnen; Nichts kann der Väter Helmbnsch nützen, Macht man daraus nur Narrenmütze». Das Schicksal, ivelches uns Alle in gewisse Verhältnisse gesetzt hat, die von unserem Willen unabhängig sind und uns von Haus aus Triebe und Teniperamentsstimmungeii verliehen, die sich unbewußt in uns regen, entbindet uns keineswegs von der Verantwortung; denn *) Jeremias 02, 22. **) Jeremias 32, 18; vergl. 2. Buch Mose 20, 5.

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