Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 14 (18.4.1890)
- Date
- 1890-04-18
- Page
- Seite 205 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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205 Uflciitcincr nstrumeut, sowohl in i ftubircu, t und bic mschen zu : innigsten chärft bncühlen und Krisis in ui haben, nsächliche»! sie bereiteologisches ) begreifen > auch was >ß darüber setze der ithums die n die eine b nur die en bleiben Geschichte, sgestallen. nicht nur e Gewähr r Streben ,'schiedenen üngst Der he für die alle Zeit aale eines Welt der >en. Tan eits längs! :ten, noä> ophisch zu üt unseres;n Stande besonderen gründuug twickeluug r zu den igebildeten c wundereht er in der ebenso die ewige rtjahrigcn tritt, und hat, das ochte und ' als das an das tzie Offenifurta.A!. geblieben, tems, die lbefühl für das Gute, Wahre und Heilige. Tiefer Glaube an die inmnterbrochcne Wirksamkeit des „heiligen Geistes", b. h. an die Ewigkeit der göttlichen Offenbarung, deren erhabenster Träger Israel geworden, lehrt uns die jüirgsten Manifestationen des Gottesgeistes ebenso hoch schützen, >vic die ältesten, und verleiht dem gegenwärtigen Gcschlechte, das sich zwar ans den alten Formen herausgelebt hat, aber noch ebenso religiös wie irgend eines der borangegangenen empfindet, die Hoffnung, daß die neuen Formen der Gottesverehrung ebenso heilskräftig wirken werden, wie ihrer Zeit die alten. (Schluß folgt.) U Anklänge an biblische Gesichtspunkte in den Dichtungen von Henrik Ibsen. Von Dr. I. H. Ritter, Prediger. (Schluß.) Wenn der gewöhnliche Mensch die Außenwelt betrachtet, sind ümi die Dinge und Ereignisse das Wesentliche und die Ideen das >ie begleitende Nebensächliche. Anders ist das Verhältnis) bei den Schöpfern des Bibclmerts und bei dem sinnenden Dichter der Gegenwart. Ihnen bilden die evnereten Erscheinungen nur die Unterlage, bas Postament, auf welchem sich die Ideen, die geistig sittlichen Gesetze als die Hauptsache erheben, ihnen sind die unmittelbar gegebenen Zustände nur Bilder für Wahrheiten, welche sich durch dieselben ausbrücken. Sie führen uns daher erst zu der rechten tiefern Betrachtungsweise. Als ich inich einst längere Wochen hindurch mit stereoskopischen wildern beschäftigte, gewann ich die Uebung, aus jedem Bilde sofort, auch ohne Hilfe des GlaseS, das stereomctrische Gefüge hcrauszucrtcimcn. Was früher eine Fläche gewesen, ward nun ohne Weiteres ein Körper, mein Auge drang nach allen Seiten in den Gegenstand, und ich erkannte seine Verhältnisse bis auf den Eirund. Und wenn uns ein feiner Kunstkenner durch eine Galerie von Gemälden begleitet und uns überall die bedeutenderen Stücke erläutert, gelangt das Organ unseres Anschaneus erst zu seinem vollen Gebrauch. So lehrt uns der wahre Dichter das Leben und seine Darbietungen richtig sehen und verstehen, lehrt er uns bemerken, was wir ohne ihn gar nicht wahrgenvmmen, und würdigen, was wir vorher nicht beachtet hatten. Wie das Symbol, die sinnbildliche Darstellung bedeutsamer Wahrheiten, beherrscht auch das Typische, d. h. das Geineinsame und Vorbildliche iir Personen und Begebenheiten sowohl die Dramen obsen's wie die Bibel. Bei beiden sind es sehr häufig nicht einzelne, individuelle Persönlichkeiten, sondern ganze Kategorien menschlicher Richtungen, die uns geschildert werden, und an deiren wir lernen sollen. Wenn uns die Schrift Abraham zeichnet, so haben wir, wie sie selbst verlangt, in ihm nicht einen einzelnen Mann, sondern einen ganzen Kreis zu sehen, das Charakteristische in Gesinnung und Glaube, in Verkehrsart und Schicksal, wie cs sich gleichmäßig durch viele Geschlechter und Stämme hindurchzieht. Nicht Abram, ein einzelner hervorragender Manu, sollst Du heißen, sondern Abraham, Vater einer Menge, d. i. Urbild, Darsteller und Vertreter einer großen zusammengehörigen Klaffe von Menschen. Und in Jacob, dein Hinterhältigen, der sich läutert und durch sein Ringen zum Israel, zum Gottesstreiter, zum Kämpfer für die Sache des Rechts und des Lichtes wird, ist cs nicht schwer, das Prototyp, das Vorbild seiner ganzen zum Kampfe gezwungenen Nachkommenschaft zu erkennen. Nirgends erscheint in dieser Beziehung die Verwandtschaft Jbsen's mit der Bibel deutlicher als in dem dramatischen Gedichte „Brand", wo, wie schon Otto Brahm hervorhebt, mehrere Gestalten, Bauer und Vogt, Doctor, Probst und Küster so sehr der Besonderheit ermangeln, daß sie nicht einmal mit Namen genannt werden. Brand selbst ist ein Typus höchster idealer Gesinnung und ganz vom Geiste des ältesten Prophetenthums durchdrungen. Ich habe mich schon beim ersten Lesen des Stückes, wo Alles noch unmittelbar, ohne abschwüchende Reflexion wirkt, des Eindruckes der Aehnlichkeit nicht erwehren können, welche der Held des Gedichtes mit dem biblischen Bilde des Elijah besitzt. Ein muthiger furchtloser Eiferer zieht Brand wie Jener in die Welt. Streng und rauh, voll Entsagung für sich, aber auch voll grausamer Rücksichtslosigkeit gegen Andere, hat er nur das eine Ziel im Auge, die falschen Götter, die Dämonen zu zertrümmern, Den Leichtsinn, der mit Kranz im Haar An eines Abgrunds Rande tanzt, Den Stumpfsinn, der sich gern verschanzt Hinter dem Brauch und dem, was war, Den Wahnsinn, der so ganz nnmachtet, Daß Böses er als gut erachtet. Wie Elijah Alles erträgt: Verkennung und Verfolgung, Einsamkeit und Entbehrung, so auch Brand, um seinem Gotte zu dienen. Er läßt nicht mit sich pattiren, er fordert den ganzen Menschen und fordert Alles Dorr ihm für Gott; auch der geringste Abbruch ist ihm schon Götzendienst. Spricht der Prophet zürnend zunr Volke: „Wie lange noch hinkt Ihr nach beiden Seiten? Ist der Ewige Gott, so wandelt ihm nach, ist es Baal, dann folget diesem," so drängt auch Brand auf unbedingte und unverbrüchliche Parteinahme: Volle Entscheidung im Einzelnen und Einen, Fester Will' im Großen und im Kleinen, Alles oder nichts verlang' ich, Hoffet nichts mir abzuringen. Und da das Volk fragt, wie lange der Kampf dauern, welche Opfer er kosten und worin der Siegespreis bestehen werde, antwortet Brand: Wie lang' das Streiten währen wird? ES währt bis an des Lebens Ende, Bis jeder Zweifel schwindet, — nichts Euch trennt vom Alles oder Nichts. Und Eure Opfer? Alle Götzen, die Euch den ew'gen Gott ersetzen. Ter Siegespreis? Des Willens Einheit, des Glaubens Schonung, der Seele Reinheit, Die Freudigkeit, die Euch dnrchschauert, die Alles opfert, überdauert. Ja, einzig durch des Opfers Wüsten geht es zu nnserm Kanaan. „Alles oder nichts." Das ist die gleiche Devise beider Helden, sagt Brand, Ihr habt ein zeriss'nes Sein, Für Euch ist Gottesdienst nur Schein; Alles, Alles selbst das Leben Müßt Ihr Gott, dem Ew'gen geben! Darum sind ihm der Vogt und seine Gesinnungsgenossen so verhaßt, die nur so ein wenig nebenbei das Bischen Aufschwung und Begeisterung besorgen wollen, welches der Mensch allerdings zum Erfolge nöthig habe. Er dagegen verlangt, daß wir aus dem Herzen reuten Schlaffheit, Lüge und nicht ruh'», Bis von Halbheit wir befreiten llnsern Willen, unser Thun. Das ganze Stück ist eine Strafpredigt gegen Trägheit und Charakterlosigkeit, gegen alles halbe und gewohnheitsmäßig verlogene Wesen? Und in seinem eigenen Lebe» und Handeln bewährt Brand die verkündeten Grundsätze. Er übt feine Schonung gegen Mutter und Geschwister, gegen Kind und Gattin. Wie der Sänger im 5. Buche Moses den Leviten preist, weil er von Vater und Mutter spricht: ich kenne sie nicht; von Brüdern und Söhnen: ich weiß nichts von ihnen, denn ich habe Gottes Wort und Bund zu hüten und seine Aussprüche i