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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-04-11 · Heft 13 (11.4.1890) · p. Seite 199

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 13 (11.4.1890)
Date
1890-04-11
Page
Seite 199 (sequence 11)
Language
German
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»ach dem eingezogenen Bericht des Nettesten-Kollegiums der Kaufnmnnschaft in allen Kreisen genießen —" „Das ist das beste, der Zusatz, mein lieber Papa," flüstert das junge Geschöpf, schmiegt sich an ihn und zieht ihn, nachdem er sich; »II« der Umarmung seiner Iran gelöst, zum langen Kuß herab. „Und Detlef wird sich freuen, wenn er kommt!" fährt sie erregt »ländernd fort. „Wäre er nur erst da! Ich mag nicht mehr warte». Die Uebung nimmt diesmal kein Ende " „Ja, Graf Detlef Duvenstedt wird Augen machen," murinelt Herr Simonides, einer leichten Eitelkeit nachgebcnd. „lind um so »>ehr wird er sich freuen, da nun in sechs Wochen Eure Hochy\l sein soll, Alice. — Am Ende — jung gefreit, hat Nicmcind gereut. Ich habe nichts mehr einzuwenden." Durch den Garte» dringt ein lauter Ircudenschrci; er kommt »ii5 Alice SimonidcS Munde. Die Simonides'sche Billa ist bekränzt und beflaggt, drunten in »er Küche hat der dicke Koch alle Hände voll zu thun, nicht minder l»k> Gesinde. EL wird heute besonders aufgetischt; der Bräutigam »es jungen Fräuleins soll cintreffen, gleich nach der Börseuzeit. Alice hat ein weißseidenes Kleid angcthau, und in dem schtvarzeu Haar glänzt ein kleines, aus Diamanten zusammengesetztes Schneej glockchen.! Schon seit einer Biertelstmidc steht sic au einem der großen Neuster und schaut auf die Straße. Vergeblich! Aber endlich wird; ihre Ungeduld befriedigt. Ein kräftiger, edel und schlank gctvachsener Offizier steigt aus dem Wagen, und eilt, seinem Diener Anweisung gebend, durch de» Borgarten der Billa zu. Auf der Treppe erscheint Alice Simouides Ihr Herz pocht —. Nun ist er bei ihr, eilt auf sie zu, umarmt ne und will ihren Mund berühren. „Doch nicht hier vor den Leuten, Detlef," flüstert sic schamhaft; abwechselnd. „Komm, komm!" Sic will ihn fortzichcn. „Nein, nein, erst einen Kuß und noch einen," steht er, hält sie und beugt sich herab. Und rasch sich umblickend, gewährt Alice Si- : mouidcs dem drängenden Mann, dem Omi fett Detlef Duvenstedt, 1 was er begehrt — einen Kuß-- Die jüdische Gesellschaft in Paris. Leit jener bekannten boulangistischen Versammlung in Neuilly, in welcher die Anhänger des Generale in ba* Fahrwasser des Antisemitismus einlenkten, gegen welche bekanntlich der Oberrabbiner von Paris in einem offenen, im „Temps" erschienenen Briefe auftrat, beschäftigt in Frankreich, km Lande, das eben erst das Eentenarium seiner großelt Revolution gefeiert, die Judenfrage die öffentliche Meinung. Obwohl durch den Verlust Elsaß-Lothringens die jüdische Bevölkerung Frankreichs um die Hälfte reduzirt wurde und in Paris, Marseille, Lyon, Bayonne, Nancy und Bordeaux Juden in großer Anzahl wohnen, auf denn flachen Lande überhaupt keine 311 finden sind, also jede wucherische Ausbeutung der Bauern ausgeschlossen ist, io erschienen täglich Broschüren in dieser Frage, und nian glaubt nchH fast in die Heimath Böckels versetzt. Glücklicherweise ist in dem Lande Boltaire's und Rousseau's das Wort „gleiche Pflichten, gleiche Rechte" kein leerer Wahn, und die besseren Geister Frankreichs drehen mit Abscheu dieser sozialistischen Lüge den Rücken Zu. Im „Matin" tritt kein Geringer als Jules Simon, der Vertreter Frankreichs auf der Arbeiterschutz-Konferenz in Berlin, gegen diese Verirrung auf und brandmarkt mit den richtigen Worten diese unsere aufgeklärte Zeit schändende Bewegung. Das Judenthum als Religion anzugreifen, sagt Simon, habt Ihr Atheisten und Freidenker kein Recht, die Juden aber unterscheiden sich in Nichts von den übrigen Bürgen!, sie theilen Fehler und Vorzüge mit den Andern. In der „Illustration" vom 8. März d.J. findet sich ein größerer Artikel über „Die jüdische Gesellschaft in Paris", den wir hier mit Hinweglassung des bekannten französischen Pathos in der Uebersetzung wiedergeben. Derselbe gewährt uns einen kurzen Ueberblick über die Stellung der bessern französischen Juden in Vergangenheit und Gegenwart. Da heißt es: Tie Juden sind gegenwärtig aus der Tagesordnung. Durch eine Begriffsverwirrung, wie man sie sich größer kamn denken kann, hat man Finanzoperationen der hohen Bank mit der Gesammtheit der Israeliten zusammengeschweißt; man hat eine Beenge von Personen veranlaßt, über Mißbräuche sich zu beschweren und mit denselben unschuldigerweise das Gesammtjudenthum belastet. Im Lichte der Wahrheit betrachtet, sind die Israeliten, die durch nichts weder in unsern (besetzen, noch in nnsern Ideen von uns getrennt sind, durchaus nicht im Spiele. Die Gewissensfreiheit ist glücklicherweise eine der großen Errungenschaften der Revolution, und Niemand in unserm Lande denkt daran, die Bürger nach ihren religiösen Ueberzeugungen und ihren religiösen Gebräuchen zu unterscheiden; lvenn man hier und da auch diese zun! Gegenstände des Gesprächs macht, so ist mau doch sehr weit davon entfernt, die Fahne der religiösen Verfolgung zu erheben. Es hieße, sich der allergrößten Täuschung hingeben, wenn man glaubt, der gute und urtheilsfähige Theil unserer Bevölkerung würde auf diesem Wege einigen traurigen Gernegroßhelden Heeressolge leisten und würde bei uns dem Antisemitismus, der anderswo mit einer großen Wucht auftrat, zu irgend welchem Erfolge verhelfen. Nichtsdestoweniger wiirde inan Unrecht thun, lvollte inan die Augen verschließen gegenüber den in letzter Zeit aufgetretenekBeschuldigungen, die man, wie gesagt, mit Unrecht gegen die Juden erhebt. Eine allzu leidenschaftliche Polemik hat sich über diesen Gegenstand erhoben, die Raneüiie, die Eifersucht, der Illeid der verschiedenen Koterieen, die Voreingenommenheit einer Partei haben sich derselben beinächtigt, und selbst die vornehme Welt, die sich nicht besonders dafür interessirt, nimmt Stelluiig zu ihr. Wenn auch in beschränktein Maße und für beschränkte Kreise aber offenkundig genug, der Gegensatz besteht wirklich. Gewisse neulich hervorgetretene Symptonie sprechen für meine Ansicht. Jedenfalls ist die Frage aufgeworfen und sie beschäftigt die Pariser Salons, man bespricht sie und ninunt für oder gegen Stellung. Die Einen erklären sich als warme Parteigänger der feit Jahren sich vollziehenden Verschmelzung, die Andern crflüven sich offen für die Vertreibung und haben bereits den gesellschaftlichen Umgang mit den Vornehmen der jüdischen Gemeinde abzubrechen sich vorbereitet. Der Augenblick scheint bentnad) nicht ganz ungeeignet, uni von der jüdischen Gesellschaft von Paris zu sprechen, um sie in großen Zügen zu schildern, ihren Platz, den sie einniunnt, zu zeigen und auch die Rolle, eine viel größere als mau glaubt, welche sie spielt, und zwar die Rolle, welche sie in der Vergangenheit und Gegenwart eingenonnnen und einnimmt. Es gab eine Zeit, die nicht so entfernt liegt, wo in Paris die hochgestellten, einflußreichen Israeliten ganz für sich lebten und mit der übrigen v'nellschaft in keiner Weise Fühlung hatten. Der Kastengeist, der lange Zeit vorwiegend war, der Eifer und die Unduldsamkeit ihres Glaubens (!), die Strenge, mit welcher sie ihre Religion ausübten und ihren Gewohnheiten folgten, entfernte sie von uns und hinderte sie, unsere Gesellschaft aufzusuchen. Ungeachtet der Intelligenz ihrer Frauen, ihrer bezaubernden Amnuth, ihrer Assimilationsfähigkeit, L

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